Wien/Brüssel/Frankfurt. Die iranische Fluglinie Iran Air wird es in Zukunft nicht leicht haben, Destinationen in Europa (darunter den Flughafen Wien) zu bedienen. Nach einer Inspektionsreise von Experten der Europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA (European Aviation Safety Agency) hat der Vizepräsident der Europäischen Kommission, der Este Siim Kallas, gestern, Dienstag, verfügt, dass die Flugzeuge des Typs Airbus A-320, Boeing B-727 und B-747 ab sofort nicht mehr in den europäischen Luftraum einfliegen dürfen. Ein Sprecher der österreichischen Luftfahrtagentur Austrocontrol bestätigt, dass diese Flugzeuge, die sich auf der sogenannten „schwarzen Liste“ der EU wiederfinden, keine Erlaubnis erhalten, in österreichischen Luftraum zu fliegen.
Bedeutet das, dass ab heute, Mittwoch, die Wien-Flüge der „Iran Air“ gestrichen sind? Eine Mitarbeiterin der Geschäftsführung der „Iran Air“ im Büro in Frankfurt sagt gegenüber der „Presse“: „Wir haben auch noch andere Flugzeuge.“ Tatsächlich: Die Fluglinie könnte versuchen, die Destinationen in der EU mit 14 Airbus A-300, acht A-310 sowie einer Boeing 737 zu bedienen.
„Nicht politisch motiviert“
Das EU-Flugverbot für den größten Teil der Flotte der iranischen Fluglinie hat nach Auskunft des Sprechers des EU-Transport-Kommissars Dale Kidd nur indirekt mit den Sanktionen gegen Teheran zu tun. „Die Entscheidung ist nicht politisch motiviert, es geht schlicht um die Flugsicherheit.“ Die Sanktionen würden aber wohl die Fähigkeit des Iran einschränken, die Flugzeuge adäquat zu warten und an Ersatzteile zu kommen. Am Dienstag kursierten auch Meldungen, wonach iranische Passagierflugzeuge in einigen Ländern wegen der im Atomkonflikt verhängten Sanktionen nicht mehr betankt werden. Teheran stritt dies ab.
Unterdessen hat der Iran signalisiert, im Streit um sein Atomprogramm zu Gesprächen bereit zu sein. Chefunterhändler Said Jalili sagte, diese könnten Anfang September wieder beginnen. Die EU müsse aber klarstellen, ob sie ein Einvernehmen wolle oder den Konflikt suche.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2010)

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