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Nordkorea: Kim stellt Weichen für Nachfolge

06.09.2010 | 18:41 |  Von unserer Korrespondentin JUTTA LIETSCH (Die Presse)

Es soll ein historisches Ereignis für Nordkorea werden: Bei einem geheimnisvollen Parteitreffen soll Kim Jong-un, Sohn des Diktators, auf einen hohen Posten gehievt werden. China ist bereits eingeweiht worden.

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PEKING. Es soll ein historisches Ereignis für Nordkorea werden, auf dem der kränkelnde Herrscher Kim Jong-il sein politisches Erbe regeln will: Zum ersten Mal seit 44Jahren sind die Delegierten der Arbeiterpartei zu einer Parteikonferenz in die Hauptstadt Pjöngjang zusammengerufen worden.

Bei der letzten Konferenz im Oktober 1966 hatte Staatsgründer Kim Il-sung seinen heute herrschenden Sohn der Öffentlichkeit als Nachfolger vorgestellt. So wollen die Gerüchte nicht verstummen, dass Kims dritter Sohn, Jong-un, 27, auf einen hohen Posten gehievt und damit die Dynastie in dritter Generation fortgesetzt wird.

Wie üblich bei politischen Veranstaltungen im geheimniskrämerischen Pjöngjang gab es bis Montagabend noch keine Bestätigung, ob das Treffen bereits eröffnet wurde oder heute, Dienstag, beginnen soll. Die wichtigste Zeitung des Landes, „Rodong Sinmun“, verriet auch nichts über die Tagesordnung. Sie teilte aber mit, dass ein „bedeutendes Kapitel in der Geschichte unserer Partei“ geschrieben werde. „Die Herzen der 24 Millionen Nordkoreaner erwärmen sich voller Freude und Glück in Erwartung der revolutionären, festlichen Gelegenheit“, so das staatliche Blatt.

Das Treffen kommt zu einer Zeit, in der sich Nordkoreas Nachbarn auf die Ära nach Kim vorbereiten und die Rivalitäten zwischen China und den USA um den Einfluss auf der koreanischen Halbinsel schärfer werden. Ein dieser Tage geplantes großes Flottenmanöver der USA und Südkoreas im Gelben Meer wurde wegen eines Taifuns verschoben. Die Übung, für die auch ein US-Flugzeugträger aufkreuzen soll, hat in Peking und Pjöngjang gleichermaßen Ärger ausgelöst.

 

Gesundheitlich angeschlagen

Im August hatte Kim Jong-il überraschend China zum zweiten Mal in diesem Jahr besucht. Der nordkoreanische Machthaber wollte die Pekinger Führung offenbar über seine Personalpläne informieren und um Wirtschaftshilfe bitten. Unter anderem ging es um den Plan einer chinesisch-nordkoreanischen Industriezone im Nordosten, heißt es in Seoul. China ist der wichtigste Investor und Handelspartner Nordkoreas. Chinesische Geschäftsleute sollen nach dem Vorbild der Sonderwirtschaftszonen in China künftig in der Grenzregion Rajin-Sombon Fabriken aufbauen, Know-how vermitteln und damit frischen Wind in die marode nordkoreanische Wirtschaft bringen.

Kim ist schwer unter Druck: Er hat offiziell erklärt, er werde das Land bis 2012 zum Wohlstand führen. Damit hat er Erwartungen geweckt, die er nicht erfüllen kann. Die Wirtschaftsmisere wurde jüngst durch schwere Überflutungen verschärft. Der 69-Jährige soll zudem durch einen Schlaganfall und eine Nierenkrankheit gesundheitlich angeschlagen sein. Seit dem Tode seines Vaters 1994 stützt er sich vor allem auf die Generäle.

 

Basis klagt über Korruption

Das Motto von Kims Regime lautet: „Die Armee geht voran.“ Die Arbeiterpartei wurde in den letzten Jahrzehnten zur leeren Hülle. Der letzte reguläre „Parteitag“ fand 1993 statt.

Mit seinem mächtigen Schwager Jang Song Taek an der Seite, der als einer der Geheimdienstchefs des Militärs zum inneren Zirkel der Führung gehört, will Kim die Arbeiterpartei womöglich wieder als zweite politische Kraft neben dem Militär aufbauen.

Kim hat in den vergangenen Monaten Parteifunktionäre ins Land geschickt, um „von der Basis zu lernen“. Die mussten sich oft scharfe Kritik anhören. So berichtete ein Kader der „Presse“ von seinen Erfahrungen: Er habe sehr viele zornige Landsleute getroffen, die sich über „Ungerechtigkeit und Korruption“ beklagt hätten.

AUF EINEN BLICK

Nordkoreas Diktator Kim Jong-il stützte seine Macht in den vergangenen Jahren vor allem auf das Militär. Eine diese Woche stattfindende Parteikonferenz soll sich mit Kims Nachfolge befassen und auch die kommunistische Arbeiterpartei wieder aufwerten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2010)

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2 Kommentare
0 0

Wird

bei den Feierlichkeiten zur Thronbesteigung auch unser Heinzi anwesend sein?

kahuna
07.09.2010 09:43
1 0

kurios

ausgerechnet der Realexistierende Sozialismus, der alte Strukturen radikal beseitigen wollte, hat fast die längstdienenden absolutist. Herrscher überhaupt hervorgebracht.
paar Beispiele:
Stalin 1924-1953
Janos Kadar 1956-1989
Walter Ulbricht 1948-1970
Erich Honecker 1970-1989
Fidel Castro 1959-2008
Mao 1948-1976
Enver Hodscha 1945-1985