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Stolzes China, verängstigte Nachbarn

07.09.2010 | 18:39 |  BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

Peking hat ein Imageproblem. Obwohl das Land die harmonische Weltgesellschaft propagiert, begegnen gerade Nachbarn den Absichten Chinas mit Skepsis. Indiens Premier sprach jetzt Klartext.

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PEKINg. „China will im Süden Asiens Fuß fassen, und wir müssen uns mit dieser Realität auseinandersetzen.“ In einem Gespräch mit der Zeitung „Times of India“ verzichtete der indische Ministerpräsident Manmohan Singh auf diplomatische Zurückhaltung und sprach Klartext. „Die Chinesen zeigen eine neue Selbstsicherheit. Es ist schwierig zu sagen, in welche Richtung sie sich entwickeln wird, deshalb ist es wichtig, vorbereitet zu sein“, urteilte Singh über Indiens immer mächtiger werdenden nördlichen Nachbarn.

Vor allem befürchtet der Premier, dass China die indischen Schwachstellen – den Kaschmir-Konflikt und das angespannte Verhältnis zu Pakistan – ausnutzen könnte, um Indiens Entwicklung zu bremsen. In Peking dürften die offenen Worte des Inders gar nicht gut ankommen.

 

„China threat theory“

Fast täglich finden sich in Chinas englischsprachigen Zeitungen mittlerweile Kommentare über die „China threat theory“, die Theorie von einer chinesischen Bedrohung. Vor allem in Indien und Japan, aber auch in Staaten Südostasiens hat diese Theorie viele und einflussreiche Anhänger. Das kann man in China nicht verstehen: „Tatsache ist“, erklärte der Kommunikationswissenschaftler Professor Liu Xiaoying dem Blatt „China Daily“, „dass Chinas Führung zu viele innere Probleme zu lösen und deshalb gar nicht die Zeit hat, andere Länder und Regionen zu bedrohen“. Vielmehr sei das Ziel der chinesischen Regierung der Aufbau einer „harmonischen Gesellschaft“, nicht nur im eigenen Land, sondern rund um den Erdball.

Solchen hehren Worten stehen die harten Realitäten entgegen, vor allem die militärischen. Der stetige Aufbau der chinesischen Kriegsmarine etwa wird in Süd- und Südostasien mit Besorgnis gesehen. Wohl nicht von ungefähr hörte man die ungewöhnlich klaren Worte des indischen Premiers nur wenige Tage, nachdem erstmals zwei chinesische Kriegsschiffe einen Hafen in Burma (Myanmar) angelaufen hatten.

In Indien verstärkte das Befürchtungen, dass China dabei sei, eine „Perlenkette“ von Militärstützpunkten im Indischen Ozean aufzubauen. „Die Furcht vor der chinesischen Kriegsmarine ist das gefährliche Ergebnis der Verdächtigungen und des Misstrauens, mit denen die Nachbarstaaten dem Aufstieg Chinas begegnen“, kommentierte dazu die Pekinger Zeitung „Global Times“.

 

Auch Schattenseiten zeigen

China hat ein Imageproblem, räumen chinesische Analytiker ein. „Global Times“ schlägt als Ausweg aus dem Dilemma vor, der Außenwelt nicht wie bisher nur mit wirtschaftlichen Wachstumsrekorden und Glitzermetropolen imponieren zu wollen, sondern ihr mehr als bisher die Vielfalt und Komplexität des Riesenlandes zu zeigen, samt den Schattenseiten.

Mehrere Autoren haben zuletzt angeregt, China müsse mehr als bisher auf die „weiche Nutzung seiner Macht“ setzen und dabei seine Kultur in den Vordergrund rücken. Der deutsche Sinologe Falk Hartwig sieht das skeptisch: „Die weltweiten Aktivitäten von 500 Kulturinstituten erscheinen nutzlos, solange in China Dissidenten eingesperrt und Websites und Medien zensiert werden“, schreibt er in der Fachzeitschrift „Internationale Politik“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2010)

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5 Kommentare
Gast: kritischer Hinterfrager
08.09.2010 11:09
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Ziel sei der Aufbau einer harmonischen Gesellschaft

Was versteht der Kommunikationswissenschaftler Herr Prof. Liu Xiaoying unter dem Aufbau einer harmonischen Gesellschaft, und das auch noch weltweit?! "Unter"der Führung von wem?!

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Die Besetzung von Inseln, 1000e km entfernt vom

Reich und eigentlich anderen Ländern zugeordnet, ist natürlich eine extrem beruhigende Außen- und Militärpolitik.

Man kann es sogar in Google bestens verfolgen, das Scarboroughreef existiert in Google Earth nicht mehr, zuerst gibts noch ein paar gelbe punkte, beim einzoomen sieht man blau übermalte flecken. Panorramiofotos gibts aber noch, die sind nur mehr auf chinesisch!

Panda
08.09.2010 03:55
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Thailand

Also in Thailand hat sich das Ansehen Chinas ueber die letzten 10 Jahre kontinuierlich verbessert. Es wird von vielen als Schutzmacht gesehen.
Die Regierungen werden natuerlich noch von den Amerikanern gekauft, aber das kann sich ploetzlich aendern.

Gast: Klugschreiber911
07.09.2010 23:09
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Der deutsche Sinologe Falk Hartwig sieht das skeptisch: „Die weltweiten Aktivitäten von 500 Kulturinstituten erscheinen nutzlos, solange in China Dissidenten eingesperrt und Websites und Medien zensiert werden“, schreibt er in der Fachzeitschrift „Internationale Politik“.

Der soll mal ins eigene Land schauen, in Deutschland und Österreich werden andersdenkende eingesperrt, verfolgt und öffentlich diffamiert!
So lange diese undemokratischen Zustände herrschen, hat kein einziger deutscher oder österreichischer Politiker auch nur irgendein Recht China zu kritisieren!
In China wird man nicht für eine Handbewegung für bis zu 5 Jahren eingesperrt!
Und von Medien und Webseitenzensur wollen wir gar nicht reden, gab es die letzte Zeit mehr als genug Beispiele...
Weit hamas bracht in unserer sog. Demokratur!

Antworten Panda
08.09.2010 03:49
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Re: Der deutsche Sinologe Falk Hartwig sieht das skeptisch: „Die weltweiten Aktivitäten von 500 Kulturinstituten erscheinen nutzlos, solange in China Dissidenten eingesperrt und Websites und Medien zensiert werden“, schreibt er in der Fachzeitschrift „Internationale Politik“.

Aber wir vertuschen es besser.