Korea-Krise: Halbinsel „am Rande des Krieges“

26.11.2010 | 22:25 |  Von JUTTA LIETSCH (PEKING) UND THOMAS SEIFERT (Die Presse)

Der Norden warnt vor gemeinsamen Seemanövern von USA und Südkorea, die am Sonntag beginnen sollen. Die Übung soll gut 100 Kilometer südlich von Yeonpyeong stattfinden.

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Peking/Wien. Vier Tage nachdem Nordkoreas Militärs die südkoreanische Insel Yeonpyeong mit Granaten beschossen und vier Menschen getötet haben, bleibt die Lage in der Region brenzlig. Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA drohte am Freitag sogar mit einem Krieg, sollten die USA und Südkorea an ihren geplanten Marineübungen vor der Küste festhalten: Schuld an dieser Entwicklung sei „der dreiste Plan jener schießwütigen Elemente, wieder einmal Kriegsmanöver abzuhalten, die sich gegen den Norden richten“, hieß es in einer Meldung der nordkoreanischen Agentur KCNA, die als Sprachrohr des Machthabers Kim Jong-il dient: Die Armee und das Volk von Nordkorea seien „höchst erzürnt“ und bereiteten sich vor, einen „schrecklichen Feuerhagel“ auszusenden.

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Das lange angekündigte Manöver der südkoreanischen Armee und der US-Armee, die 28.000 Soldaten in Südkorea stationiert hat, soll am Sonntag im Gelben Meer beginnen. Nach dem Feuergefecht am Dienstag hatten die USA entschieden, ihren atomgetriebenen Flugzeugträger „USS George Washington“ in das Gelbe Meer zu entsenden. Die Übung soll gut 100 Kilometer südlich von Yeonpyeong stattfinden, deren Bewohner inzwischen evakuiert wurden.

In Südkorea übernahm derweil der ehemalige Generalstabschef Kim Kwan Jin den Posten des Verteidigungsministers. Der bisherige Amtsinhaber Kim Tae Young war am Donnerstag zurückgetreten. Hardliner im Parlament und der Armee hatten ihm vorgeworfen, nicht schnell genug auf den Angriff aus dem Norden reagiert zu haben. Er habe 13 Minuten lang gezögert, bevor er den Befehl zum Gegenschlag gegeben habe.

 

„Auf unsere Worte werden Taten folgen“

Mit dem Beginn der Seemanöver droht eine weitere Eskalation: Sollten Einheiten auch nur einen „Bruchteil eines Millimeters“ in Nordkoreanische Gewässer eindringen, werde geschossen. Die Manöver brächten die beiden Koreas an den Rand eines Krieges, hieß es von nordkoreanischer Seite: „Auf unsere Worte werden Taten folgen.“ Technisch befinde man sich noch immer im Krieg – bisher gibt es nur ein Waffenstillstandsabkommen von 1953, aber keinen Friedensvertrag –, daher sei die Situation brandgefährlich. Als einzige – wenn auch langfristige – Lösung sieht die nordkoreanische Seite einen Friedensvertrag mit den USA. Im Moment sei das aber freilich undenkbar, wurde eingeräumt.

Sowohl Südkorea als auch China wären übrigens nicht erfreut, sollte Pjöngjang direkt das Gespräch mit Washington suchen. Derweil gehen die Spekulationen weiter, was die Nordkoreaner zu dem tödlichen Schlag veranlasst haben könnte. Professor Zhu Feng vom Institut für Internationale Beziehungen der Peking-Universität wertete ihn als „ältesten Trick“, um die USA zurück an den Verhandlungstisch zu zwingen. Zhu: „Es ist eine rücksichtslose Provokation. Sie wollen die Verhandlungen mit einem großen Knall zu ihrem Gunsten wenden.“ Da es außer Frage stehe, Nordkorea mit militärischen Mitteln zum Einlenken zu zwingen, bleibe am Ende nichts anderes übrig als zu verhandeln.

Auf einen Blick

Lee Hee Won ist nach dem Rücktritt von Kim Tae Young neuer Verteidigungsminister Südkoreas. Kim war vorgeworfen worden, dass die Armee erst verzögert auf den nordkoreanischen Artilleriebeschuss am Dienstag reagiert habe. Der neue Verteidigungsminister wird als fähiger Militärstratege und erfahren in der Zusammenarbeit mit dem engen Verbündeten USA bezeichnet. [Reuters]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2010)

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29 Kommentare
 
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Korea

Wenn es dem Bären zu gut geht, geht er auf's Glatteis tanzen. Das trifft wohl auf beide Seiten zu.

Gast: gastistda
28.11.2010 00:13
0

Nieder

mit diesen Komonistenschw..nen

Es wird keinen Krieg geben

Die beiden Haupt-Beteiligten, Nord- und Süd-Korea, haben kein Interesse daran. Ein Krieg würde die Wirtschaft des Südens um Jahrzehnte zurück werfen und den Untergang des Nordens nur beschleunigen. Vielmehr muss sich der Süden schon jetzt um die Abwicklung und die Kosten der Wieder-Vereinigung Gedanken machen. Man kann sich ja am Beispiel Deutschlands anschauen, was einem da blüht.

"Am Rande des Krieges"

Und wenn es dazu kommt, ist das erneut ein Versagen Chinas.

Eine untergehende Weltmacht...

schlägt wild um sich. Wirtschaftlich impotent sucht man die letzte Rettung im Krieg. Denn Waffen hat man ja noch. Hoffentlich lassen sich die Chinesen nicht auf dieses Spiel mit dem Feuer ein und tappen in die Falle.
Vielleicht sollten sie mal ein paar Dollar Anleihen verkaufen, um mr. "yes we can" zu zeigen, that he "cannot".

Re: Eine untergehende Weltmacht...

Von welcher Galaxie postest Du?

Milchstrasse

Und Du?

Re: Milchstrasse

Kaum zu glauben. Aber Randgebiet.

Gast: Markus Trullus
26.11.2010 22:05
2

Schuldzuschiebung

Ach ja, machen die Amis das, sind sie schuld, machen sie jenes, sind sie auch schuld, um machen sie gar nichts, sind sie erst recht schuld...
Bisschen faad, der dauernde Antiamerikanismus, meinen sie nicht?

Gast: gast
26.11.2010 18:49
0

Die Amerikaner versenken ein südkoreanisches Schiff, Nordkorea wird beschuldigt

Die Amerikaner halten provokante Miltärübungen mit Südkorea vor nordkoreas Hoheitsgebieten ab, Nordkorea lässt sich nicht provozieren.

Die Amerikaner lassen südkoreanisches Militär auf nordkoreanische Inseln schießen, Nordkorea antwortet entsprechend.

Nordkorea hat den Krieg begonnen!

Oder wurden sie in einen Krieg gezwungen?

Wenn man sich die letzten 100 Jahre ansieht, wurden praktisch alle Kriege von den Amerikanern provoziert oder wenn das nicht reichte Rebellen unterstützt, die Regierung gestürzt und Marionetten installiert.
Falls das nicht durchsetzbar ist, wird unter irgendeinem fadenscheinigen Grund einfach einmarschiert und sämtliche Infrastruktur zerstört und Massenmorde an unschuldigen Völkern begangen.

Ein Hoch auf die USA, die Bringer von Frieden und Demokratie.

Jetzt fangen die Affen doch tatsächlich einen Stellvertreterkrieg in Korea mit China an, unglaublich.

Re: Die Amerikaner versenken ein südkoreanisches Schiff, Nordkorea wird beschuldigt

auf dem trip möcht ich sein...

Re: Die Amerikaner versenken ein südkoreanisches Schiff, Nordkorea wird beschuldigt

kim bist dus?

Gast: Eurrora
26.11.2010 17:24
0

Die Amis ,die lieben es zu provozieren

und natürlich finden sie immer einen ,wie eben Süd -Korea ,welches mit mischt.
Die Dummen ,sterben nicht aus.

Gast: Nemesis
26.11.2010 17:03
0

Nordkorea gehört vernichtet.

Wann hat Appeasement-Politik jemals gewirkt?
Also...

Antworten Gast: OMV-ler
26.11.2010 17:15
0

Re: Nordkorea gehört vernichtet.

Wann hat Vernichtung gewirkt?

Nordkorea vernichten bedeutet viele viele Tote. Ihnen ist das wahrscheinlich egal weil sie denken das es wie in einem Comuterspiel ist.
Ein paar mal auf die Maustaste clicken und schon ist es vorbei, danach beendet man das Spiel und geht ein Bier trinken.

Make Love not War

Antworten Antworten Gast: Nemesis
26.11.2010 17:30
1

Re: Re: Nordkorea gehört vernichtet.

Das mit dem Mausklick ist die Realität des Krieges im 21 Jhd.
Aber da ist ein Althippie oder deren Rattenschwanz wohl nie angekommen...

Mei wie putzig...

Glauben Sie auch noch ans Christkind und den Osterhasen?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Nemesis
27.11.2010 13:57
1

Re: Mei wie putzig...

Wie putzig sie nehmen anscheinend Österreichs Operettenarmee als Vorbild!

Gast: Vergelter/Bioniker
26.11.2010 16:28
0

Atomkrieg

Die Amerikaner werden den Afghanistankrieg bald verlieren. Dann werden der Kapitalismus und der Imperialismus zusammenbrechen. Es gibt aber bestimmte satanistische Mächte in den USA, die sich durch einen Atomkrieg retten wollen. Diese Mächte streben einen Krieg mit China an. Man kann nur hoffen, dass sie sich nicht durchsetzen.

Antworten Gast: mig29
26.11.2010 17:11
1

Re: Atomkrieg

Sie haben wohl zuviel drittklassige Science Fiction Filme gesehen!

Antworten Gast: mig29
26.11.2010 17:10
0

Re: Atomkrieg

Sie haben wohl zuviel drittklassige Science Fiction Filme gesehen!

Auf ORF.at wird...

gerade die Stärke des Nordkoreanischen Militärs hervorgeheoben. Dass diese nur alten Schrott (60er, 70er, tlw. 80er Jahre)haben, und Südkorea modernst hochgerüstet ist(dafür halt auch weniger) scheint niemand zu bedenken.
Zudem scheint es große Probleme bei Ersatzteilen zu geben. Einzig und allein die lange Dienstzeit spricht für Nordkorea, also alles in allem also ein mehr als ausgeglichenes Match für Südkorea!

Antworten Gast: Dänker
26.11.2010 15:01
0

Re: Auf ORF.at wird...

Die "Nationale Volksarmee" der DDR war auch so ein Angstgegner.
Hochgerüstet und auf die Agression gegen das freie Europa gedrillt.
Nach der Wende waren die froh, wenn sie in die Bundeswehr übernommen wurden.

Antworten Antworten Gast: OMV-ler
26.11.2010 15:56
0

Re: Re: Auf ORF.at wird...

Saddams Nationalgarden waren ja auch so ein Supergegner und dabei waren es ein paar halb verhungerte mit rostigen Helmen und Uraltwaffen.
Das ist bei N.Korea nicht anderst.
Die Leute sind in der Armee damit sie was zu essen bekommen und sollte es Krieg geben ergeben sich am ersten Tag 1Mio. der 1.2Mio. Soldaten.

Man macht uns mittels Medien Angst vor ein paar Leuten die sowieso halb tot sind weil sie seit 20 Jahren nicht richtig gegessen haben und wir sollen dann alle jubeln wenn man diese armen Leute wegbombt.

Immer die gleiche Story. Die Amis mit der modernsten und stärksten Armee der Welt machen sich in die Hosen weil ein paar Reisbauern sich neue Kalaschnikows gekauft haben.
Da muss man ja preventiv zuschlagen sonst könnten die ja noch in die Luft schiessen und zufällig eine unbemannte Spionagedrohne abschiessen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Der Hut
27.11.2010 10:37
0

Re: Re: Re: Auf ORF.at wird...

Das Problem ist, dass zum einen die Sudkoreanische Hauptstadt in Artelleriereichweite zu Nordkorea steht. Wenn NK wirklich will dann könnten sie die Hauptstadt innerhalb von einer Stunde komplett in Schutt und Asche legen.
Andererseits ist man sich nicht sicher, wie weit das NK Atomprogramm ist. Wenn die wirklich die Bombe haben dann ist ein Angriff schwierig.

Die einzige militärische Lösung hierzu wäre ein extrem starker Präventivschlag, was jedoch aufgrund der Kollateralschäden (aka den ganzen toten Zivilisten) nicht in Frage kommt.

Also wird weiterverhandelt und man hofft, dass das Regime von selbst kollabiert.

Antworten Gast: Halten Sie das für ein Spiel?
26.11.2010 15:00
0

Re: Auf ORF.at wird...


 
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