Nordkorea droht mit "massiveren" Militärschlägen

17.12.2010 | 14:10 |   (DiePresse.com)

Sollten die südkoreanischen Streitkräfte wie angekündigt ihre Schießübungen an der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer durchführen, droht das nordkoreanische Regime mit einem Gegenschlag.

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Nordkorea hat nach seinem Angriff auf eine bewohnte südkoreanische Insel im November mit noch "massiveren" Militärschlägen gedroht. Die nordkoreanische Volksarmee warnte am Freitag mit kriegerischen Tönen vor Schießübungen, die die südkoreanischen Streitkräfte in den kommenden Tagen auf der beschossenen Insel Yonpyong im Gelben Meer durchführen wollen. Bei dem Granatenbeschuss der Insel nahe der umstrittenen Seegrenze waren vier Südkoreaner - zwei südkoreanische Soldaten und zwei Zivilisten - ums Leben gekommen.

Sollte Südkorea trotz Warnungen die Übungen veranstalten, werde ein Selbstverteidigungsschlag folgen, hieß es in der von den staatlichen nordkoreanischen Medien veröffentlichten Erklärung. "Der wird hinsichtlich der Stärke und des Gebietes tödlicher sein als das, was am 23. November geschah." Damals hatte Nordkoreas Küstenartillerie die Insel unter Beschuss genommen, als das südkoreanische Militär Schießübungen in dem Spannungsgebiet vor der Westküste durchgeführt hatte.

In der Warnung, die Südkorea übermittelt wurde, rief Nordkorea das Nachbarland auf, die Artillerieübungen abzusagen. Die Gewässer rund um Yonpyong gehörten zu nordkoreanischem Gebiet, hieß es.

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Nordkoreas "unvernünftige Argumente"

Das Verteidigungsministerium in Seoul kritisierte die Warnung. Die südkoreanische Streitkräfte würden jedoch nicht auf jede Drohung und "unvernünftige Argumente" Nordkoreas antworten. Seit dem Angriff hatte das kommunistische Nordkorea wiederholt vor neuen Manövern Südkoreas und der USA nahe der Seegrenze im Gelben Meer gewarnt.

Südkorea hatte am Donnerstag die Schießübungen angekündigt, die von Yonpyong erfolgen sollen. Das eintägige Training soll zwischen Samstag und dem kommenden Dienstag stattfinden. Der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte bezeichnete das Training als Teil von Routineübungen. Ein Sprecher warnte, Südkorea werde im Fall von versuchten Provokationen durch den Norden "strikt reagieren".

Weitere Vermittlungsversuche

Die Schießübungen sollen von Vertretern der Waffenstillstandskommission des UN-Kommandos (UNC) in Südkorea beobachtet werden. Das von den USA angeführte UNC hat seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950 bis 1953) die Aufgabe, über die Einhaltung eines noch immer gültigen Waffenstillstandsabkommens auf der Halbinsel zu wachen.

Am Freitag traf der Gouverneur des US-Staates New Mexico, Bill Richardson, zu Vermittlungen in Nordkorea ein. Richardson, der das Land bereits regelmäßig als inoffizieller Gesandter besucht hat, kündigte an, eine große Atomanlage besichtigen und mit ranghohen Regierungsvertretern zusammenkommen zu wollen. Vor seiner viertägigen Reise sagte der Gouverneur, er erwarte eine Botschaft von Nordkorea.

Nordkorea droht wieder mit Atomkrieg

Für den Fall eines neuen Krieges mit Südkorea warnte Pjöngjang nun davor, dass dieser sich zu einem Atomkonflikt auf der koreanischen Halbinsel und darüber hinaus ausweiten könne. Auf der amtlichen nordkoreanischen Website Uriminzokkiri hieß es am Freitag in einem Kommentar: "Angesichts der kriegerischen und unverantwortlichen Haltung Südkoreas ist die Frage nicht, ob es auf der koreanischen Halbinsel Frieden oder Krieg geben wird, sondern wann der Krieg ausbrechen wird."

Das Organ der Kommunistischen Partei Nordkoreas, "Rodong Sinmun" bezeichnete die Halbinsel als gefährlichste Region der Welt und bekräftigte die Forderung nach einem Friedensvertrag mit den USA und den Abzug der 28.500 in Südkorea stationierten US-Soldaten.

Russland ruft Südkorea zu Manöver-Verzicht auf

Russland hat Südkorea zum Verzicht auf ein in Kürze geplantes Manöver im Gelben Meer aufgerufen. Eine weitere Eskalation der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel müsse unbedingt vermieden werden, erklärte das russische Außenministerium am Freitag in Moskau. Vizeaußenminister Alexej Borodawkin teilte den Botschaftern Südkoreas sowie der USA die "tiefe Besorgnis" Russlands mit. Aus einer ähnlichen Übung sei am 23. November das Artillerieduell zwischen Nord- und Südkorea entstanden, sagte Borodawkin.

Japan mit neuer Strategie

Japan will sich unterdessen stärker auf mögliche militärische Konflikte mit China und Nordkorea einstellen. Die Regierung in Tokio beschloss am Freitag die neuen Verteidigungsrichtlinien, in denen angesichts des Streits mit China um Gewässer und Inseln die Aufrüstung der Volksrepublik als beunruhigend eingestuft wird. Nordkorea bezeichnete das Strategiepapier als "Faktor für Instabilität".

China modernisiere sein Militär sehr schnell und dehne seine "Aktivitäten in Nachbargewässern" aus, kritisierte das japanische Strategiepapier. "Zusammen mit der fehlenden Transparenz bei Chinas Militär- und Sicherheitsangelegenheiten ist dieser Trend besorgniserregend für die Region und die internationale Gemeinschaft."

(Ag.)

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14 Kommentare

Jede Medaille hat zwei Seiten


Die Übermacht der Amerikaner schützt auch vor einem Flächenbrand wie im WK2 - hoffentlich.

Russlands Schwarzmeerflotte steht synonym für diese „ehemalige“ Supermacht - vor ein paar Jahren bewegten sich nur noch wenige Schiffe aus eigener Kraft.

Sunzi - Täuschung ist die Basis jeder Kriegsführung (chinesischer Philosoph und General)

Die Chinesen wollen keinen amerikansichen Weltpolizisten vor ihrer Haustür - Spannungen vorprogrammiert.

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Frei aus der Zauberflöte,die drei Knaben singen,es geht um das Zauberglockenspiel

Könnte jeder brave Mann solche Harfen finden,
seine Feinde würden dann ohne Mühe schwinden
und er lebte ohne sie in der schönsten
Harmonie.......
Die USA hat das in etwa derzeit so
verstanden:
http://www.science-explorer.de/reports/haarpprojekt.htm
Ich denke Mozart und Schikaneder haben
das in etwa so gemeint:
http://www.humanrights.ch/home/de/Instrumente/AEMR/Text/idcatart_100-content.html
Kann sein,dass man um die Menschenrechte
zu erreichen manchmal auch Harfen
braucht,doch oft wird der arme
kleine homo sapiens vor allem von
seiner Gier gelenkt.Wie erklären Sie
sich sonst,dass erst nach dem Massaker
am Platz des himmlischen Friedens
in Peking,der Handel zwischen USA und
China erst richtig in Gang kam ?

Gast: Eurrora
18.12.2010 11:08
1 0

Die Wirtschaft geht in die Knie und deshalb

braucht vorallem die USA einige Knechte ,welche für sie einen StellvertreterKrieg anzetteln, denn die Wirtschaft lahmt an allen Ecken und Enden.

0 0

China und seine Nachbarn

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/delhi_ist_irritiert_ueber_pekings_muskelspiel_1.8680698.html
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/619461/Nordkorea-droht-mit-massiveren-Militaerschlaegen?_vl_backlink=/home/index.do
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/japan_richtet_verteidigungspolitik_auf_china_aus_1.8718734.html

Ein sowjetischer hoher Offizier 1945:
Der Kommunismus wird 70 Jahre bleiben.Er hatte Recht und
auch nicht.Denn am Platz des Himmlischen Friedens hatte
die sanfte Revolution die durch Gorbatschow in der SU
eingeleitet worden war ihr blutiges Ende.
Die Menschenrechtssituation wurde weltweit massiv kritisiert.
Der Kapitalismus wurde eingeführt,der Westen trieb Handel
mit China wie noch nie.Wollte man den Dinosaurier füttern??
China kochte und die Amis aßen und aßen bis sie platzten ??
Die USA produzierte fast nichts mehr und war weitgehend
ein Dienstleistungsschauplatz geworden.

Die Menschenrechte spielten über ca 20 Jahre kaum eine Rolle
im Handelsverkehr mit China.Wollte man China durch
den Kapitalismus zu den Menschenrechten bringen??

2007 wäre fast der Krieg gegen den Iran losgegangen:
Bush sprach damals vom dritten Weltkrieg.
Doch die Amis hatten fast vergessen,dass
die Handy-Chips der Armee von China produziert wurden
und daher ein großes Sicherheitsrisiko waren.

Es wäre letztlich sehr einfach China
zu den Menschenrechten zu bringen:Waren ohne Menschenrechte
dürfen im Westen nicht mehr eingeführt werden.

Gast: Markus Trullus
18.12.2010 06:03
0 0

aktuelle "Synamik".. verspricht nichts Gutes

Fürchte, die Medien verschweigen, wie gewaltig "heiß" und ernst die Lage dort schon ist. Gut so, aus Angst sollen auch schon Menschen gestorben sein...

Supermächte warten nicht bis zur Pleite (1)


(Supermacht-Attrappen ausgenommen)

Amerika versucht durch stimuliertes Wachstum der Krise zu entkommen.

Diese ist aber kein Sprint, sondern ein Marathon (Entschuldung der Konsumenten) - wer zuviel zu schnell ausgibt, sitzt am längsten im Loch.

Viele Zukunfts-Szenarien basieren auf simplem Extrapolieren des bisherigen Verlaufs.

China geht davon aus, dass es die Welt mit konkurrenzlos billigen Waren beglücken wird und westliche Industrien reihenweise aufgeben.

Sogar Afrika wird eine goldene Zukunft prophezeit ??

Billige Arbeitskräfte gibt es in Asien genug - die Ausbeutung von Rohstoffvorkommen nutzte immer nur den Machthabern und Ausbeutern.

Antworten Gast: gast
17.12.2010 17:49
1 0

Re: Supermächte warten nicht bis zur Pleite (1)

und was willst du mit dem geschwafel sagen?

…Problem beim Sinnerfassenden Lesen ?


Supermächte warten nicht bis zur Pleite (2)


Auf dem Weg von einer verlängerten Werkbank zu einer Massenkonsum-Gesellschaft gibt es einige Sackgassen.

Noch Anfang 1900 verriegelten New Yorker Textilerzeuger einfach die Notausgänge der mehrstöckigen Lofts - erst als bei einem Brand hunderte umkamen, besserten sich die Arbeitsbedingungen.

Durch das Aufkommen von Ratenkrediten in den 20igern konnte auch die Masse konsumieren - weiteres Wachstum und Arbeitsplätze entstanden. (Autos, Haushaltsgeräte,…)

Osteuropas Aufstieg begann als westliche Banken die Konsumwünsche finanzierte.

Verschuldungsgrenzen im Westen und Mehrproduktion in China bilden enormes Konfliktpotential, dass sich in Protektionismus oder einem "Stellvertreterkrieg" entlädt.

Die US-Army ist "allen" technisch und strategisch haushoch überlegen, denn sie hat seit WWII alle militärischen Konflikte und Kriege gemanagt.

Dieses Know-how und der feste Wille die "Alpha-Position" nicht aufgeben zu wollen lässt keinen Platz für Anwärter.

Antworten Gast: Beobachterchen
18.12.2010 17:34
0 0

Re: Supermächte warten nicht bis zur Pleite (2)

Die US-Army ist nicht technisch und strategisch allen haushoch überlegen.

Die US-Army hat auch trotz ihrer angeblich so haushohen Überlgenheit seit dem WW II keinen einzigen Krieg gewonnen.

Dass sie ihre derzeitige Alpha-Position nicht aufgeben will, ist hingegen korrekt, doch diese Position ist nicht mehr durch eigene Kraft haltbar.

Re: Supermächte warten nicht bis zur Pleite (2)

Inwiefern wurde in Vietnam gemanagt?
Irak und Afghanistan sind auch keine Erfolgsgeschichten.´Korea ist noch immer geteilt und steuert wieder auf einen Krieg zu. Tolles Management.

Antworten Gast: Markus Trullus
18.12.2010 06:06
0 0

Re: Supermächte warten nicht bis zur Pleite (2)

"Dieses Know-how und der feste Wille die "Alpha-Position" nicht aufgeben zu wollen lässt keinen Platz für Anwärter.. " wenn die USA Bankrott sind, müssen sie sich was besseres einfallen lassen (etwa Hyperinflation..); und das sind sie, wenn die Ziffern stimmen...

…die Amerikaner sehen Krieg als Geschäft


Sie haben nicht nur am WK2 verdient - zuerst an den Rüstungslieferungen, danach am Wiederaufbau.

Collateral Damage - Begleitschaden, so werden amtlich auch die Toten bezeichnet und die Kreuzzüge hatten bloß religiöse Motive

Antworten Antworten Antworten Gast: Widerdasvergessen
18.12.2010 17:38
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Re: …die Amerikaner sehen Krieg als Geschäft

Sie irren!: Die Kreuzzüge entstanden aus rein politischen, aus Macht-Motiven. Es wurden aber damals schon durch erfolgreiche Hirnwäsche "Massen" mobilisiert im Namen Gottes - und Letzteres war eine der größten Täuschungen Blasphemien.

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