Internationale Reaktionen: "Mutig und notwendig"

11.02.2011 | 21:16 |   (DiePresse.com)

Durchwegs positiv reagiert die Weltpolitik auf den Rücktritt Mubaraks. Frankreichs Präsident Sarkozy findet den Schritt "mutig und notwendig", UN-Generalsekretär Ban Ki-moon fordert freie Wahlen, Obama sieht sogar Parallelen zum Fall der Berliner Mauer.

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Die Nato hat den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak begrüßt. "Auf Dauer kann keine Gesellschaft den Willen des Volkes außer Acht lassen", sagte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Freitagabend in Brüssel. "Demokratie ist viel mehr als nur der Mehrheitsgrundsatz - es ist auch der Respekt vor der persönlichen Freiheit, vor Minderheiten, den Menschenrechten und der Rechtsstaatlichkeit." Das Land spiele in der Region eine Schlüsselrolle. "Ich bin überzeugt, dass Ägypten auch weiter eine Kraft für Stabilität und Sicherheit sein wird."

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US-Vizepräsident Joe Biden mahnte am Nachmittag  eine vom Volk bestimmte Zukunft für das arabische Land ein, bevor am Abend sein Chef das Wort ergriff. Barack Obama beschwörte in seiner mit Spannung erwarteten Rede die Sehnsucht nach Demokratie und würdigt die friedliche Vision. Er scheute auch nicht den Vergleich mit dem Fall der Berliner Mauer. (>> Eigener Artikel: "Ägypter haben ihre Würde entdeckt")

Russland rechnet indessen mit einer Stabilisierung der Lage in Kairo. "Wir gehen davon aus, dass die ägyptischen Behörden das Funktionieren der Staatsorgane gewährleisten können und auch die Opposition Bereitschaft zur Stabilisierung der Situation zeigt", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax. Moskau hatte die internationale Gemeinschaft in den vergangenen Tagen wiederholt davor gewarnt, das Geschehen in Ägypten von außen zu beeinflussen. Mubarak unterhielt lange Zeit gute Beziehungen zu Russland, wo er in den 1960er Jahren eine Bomberpilotenausbildung erhalten hatte.

Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer hat den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten als ein "historisches Ereignis von beachtlichen Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten" bezeichnet. Fischer erklärte am Freitag im Ö1-"Abendjournal" des ORF-Radios, er glaube, dass diese starke Bewegung - "trotz einzelner zu beklagender Todesopfer leider" - im Ganzen doch auf "friedliche Weise einen Systemwechsel herbeigeführt" habe. Dies sei aus seiner Sicht, und er glaube auch aus der Sicht Europas, positiv zu beurteilen, wobei natürlich noch sehr viel von der weiteren Entwicklung abhängen werde.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy
bezeichnete den Rücktritt Mubaraks als "mutig und notwendig" und sprach von einem "historischen Moment". Sarkozy äußerte am Freitagabend die Hoffnung, dass die neue ägyptische Führung "freie und durchsichtige Wahlen" organisieren und den Aufbau von "demokratischen Institutionen" erlauben werde. In einem Kommuniqué des Pariser Elysee-Palastes rief Sarkozy die ägyptischen Verantwortungsträger zu Reformen auf, "die aus Ägypten eine freie und pluralistische Gesellschaft machen werden".

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat nach dem Rücktritt Mubaraks freie Wahlen in Ägypten gefordert. "In diesem historischen Moment erneuere ich meinen Ruf nach einem friedlichen, transparenten und geordneten Wandel. Das bedeutet vor allem freie, faire und glaubwürdige Wahlen", sagte Ban am Freitag in New York. Er respektiere die "schwere Entscheidung" Mubaraks, sie sei im Interesse des ägyptischen Volkes."Die Stimme des ägyptischen Volkes und insbesondere seiner Jugend wurde gehört und es liegt nun an ihm, die Zukunft zu gestalten", sagte Ban. Er lobte die Ägypter für ihren friedlichen und mutigen Protest.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mahnte indessen nach dem Rücktritt Mubaraks schnelle Reformen in Ägypten an. "Der Abgang eines Mannes ist nicht das Ende. Das Unterdrückungssystem, unter dem die Ägypter seit drei Jahrzehnten leiden, besteht fort wie auch der Ausnahmezustand", erklärte der Generalsekretär der Organisation, Salil Shetty, am Freitag in einer Mitteilung. Systematische Verletzungen der Menschenrechte in Ägypten müssten nun aber der Vergangenheit angehören.

Die ägyptische Muslimbruderschaft als stärkste Oppositionskraft des Landes hat den am Freitag bekanntgegebenen Rücktritt von Mubarak als "Sieg des ägyptischen Volkes" lebhaft begrüßt. "Das Hauptziel der Revolution ist erreicht worden", sagte der Vertreter der Bruderschaft, Mohamed al-Katatni, in Kairo. Das Militär habe sein dem Volke gegebenes Versprechen gehalten und dessen Kampf unterstützt.

(Ag.)

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740 Kommentare
 
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Ein Staat ist ein Staat, wenn und solange er

das Gewaltmonopol besitzt - alles weitere sollte man gelassen beobachten.

Gast: Eurrora
13.02.2011 17:52
0 3

Kommt es inÄgypten zu einem Stellvertreter Krieg ?

Auf jeden Fall stehen die Zeichen auf Sturm und so wie im Iran und Irak alles daneben ging ,so kommt es auch in Ägypten.
Die führenden Köpfe des ägyptischen Militär´s wurden in denuSA ausgebildet.
In Pakistan hat ein CIA Agent zwei Pakistani auf offener Strasse gezielt erschossen .Er wurde verhaftet und jetzt wird man sehen,was dabei heraus kommt.

"...Militär´s..."

Wa's sol'l de'r Apostrop'h i'n Eurrora's Kommenta'r?

Gast: Bello
13.02.2011 17:34
4 1

Orintalische-Demokatie

Der Futtertrog bleibt-nur die Schweine wechseln.

Re: Orintalische-Demokatie

Orint und Okzidint, die alte Geschichte!

Antworten Gast: demokratius
13.02.2011 18:37
4 0

Re: Orintalische-Demokatie

Was ist daran orientalisch?

Re: Re: Orintalische-Demokatie

Ach wissen Sie, der Dabu usw. kann nur altklug Fehler korrigieren und dämlich herumlabern, deshalb erkennt er auch die Ironie nicht, die sich in manchen Beiträgen verbirgt. Armer Herr Oberlehrer, was müssen Sie für ein trauriges Leben haben!

Gast: Ramses
13.02.2011 17:23
0 1

Die werden sich ihren alten Gönner

den Mubarak,der sie 30 Jahre verwöhnt hat wieder sehnlichst herbeisehnen.Nach der alten Devise:
You never miss the water, till the well runs dry.

Militär löst Parlament auf und setzt Verfassung aus

und fuer das haben sie demonstriert - die buerger - na ja - da alle arbeitslos, hatten sie auch genug zeit - frage - wer wird die arbeitsplaetze schaffen fuer die millionen jugendlichen?? - :O)) - ein krieg mit den nachbarn vielleicht - :O((

Militärdiktatur

Merkwürdige Revolution, ein General - Mubarak - wird abgesetzt und das Militär übernimmt(eigentlich behält) die Macht. Ob diese Wahlen jemals stattfinden und dann auch noch frei sind wird sich weisen.

Wird Ägyptern der Jubel bald vergehen?

Wenn Militärs die Macht übernehmen ist grundsätzlich Skepsis angebracht, denn Demokratie steht nicht an erster Stelle ihres Dienstplans. Denn ägyptischen Volk kommt allerdings zugute, dass die Generäle den auf Demokratie drängenden U.S.A näher stehen als den ägyptischen Islamisten.

Auch Israel darf ein Stein vom Herzen fallen: Ägyptens Generalität kennt keine nationalistisch-militanten "Heißsporne".
Abgesehen davon fehlen in Ägypten die iranischen "Revolutionsgarden".

PS: Heute ist der 13. Februar beginn des Bombardement der Kunst- u. Lazarettstadt Dresden (Elbflorenz).

Antworten Gast: ROTER OKTOBER
13.02.2011 16:51
0 6

Re: Wird Ägyptern der Jubel bald vergehen?

Du bist um so zirka 66 Jahre hintennach.......
Die Marienkirche seht sogar wieder.

Troll!!!

Re: Re: Wird Ägyptern der Jubel bald vergehen?

Und was ist mit den Tausenden Toten dieses Völkermordes durch Briten und Amerikaner ?????

Re: Re: Re: Wird Ägyptern der Jubel bald vergehen?

und was ist mit den hunderttausenden britischen, französischen, italienischen, kanadischen, neuseeländischen, australischen Opfern des deutschen Kriegsverbrechens ??

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: @goosenpower
13.02.2011 20:12
6 0

Re: Re: Re: Re: Wird Ägyptern der Jubel bald vergehen?

hätten ja nicht den Krieg gegen Dland vom zaun brechen müssen:
was heute gerne verschwiegen wird - Grossbritannien und Frankreich eröffneten gegen Deutschland den Krieg, nicht umgekehrt.

Und - die Kolonialländer NEuseeland, Australien und Kanada mussten mitmachen, ob sie wollten oder nicht - weil die britische Kolonialmacht diktatorisch die Befehler Churchills im besetzten Kolonialreich durchsetzte....

Also - die Mordopfer könnten Churchill anklagen, denn der hat den Krieg erklärt...Komischerweise gegen Sovjetunion nicht, obwohl die genauso den Bündnisfall (wg. Polen) auslösten wie Deutschland!!

3 0

Re: Re: Re: Re: Re: Wird Ägyptern der Jubel bald vergehen?

Und anstatt der Bomber-Kriegsverbrechen der Allierten gegen offene Städte zu gedenken - wird das flugs in ein Gedenken "gegen Rechts" umgemurkst - erbärmlich.

http://www.suite101.de/content/der-luftangriff-auf-dresden-1945-a55885

Gast: Gesichtschirurg
13.02.2011 16:16
2 5

Da kommt aber Erleichterung auf !

Die "westlichen Demokratien" und Israel haben schon befürchtet, dass in Ägypten sofort die Demokratie ausgerufen wird. ;)

Sechs Monate sind genug Zeit um eine Demokratie nach Wunsch der Auftraggeber anfertigen zu lassen und um mit der Opposition aufzuräumen.

Antworten Gast: Gesichtschirurg
13.02.2011 17:15
0 0

Re: Da kommt aber Erleichterung auf !

Falls sich jemand von dem Posting angesprochen fühlt: Österreich gehört sowieso nicht zu den "westlichen Demokratien" die dabei ein Mitspracherecht haben.


Militär löst Parlament auf und setzt Verfassung aus...

.... hoffentlich geht das nicht so weiter wie man bei der Überschrift eigentlich meinen möchte.

Alles gute für das ägyptische Volk auf seinem - nun hoffentlich - freien Weg zu einem modernen demokratischen Staat.

Ägypten war lange unter Fremherrschaft

erst vor rd 60 Jahren wurde Ägypten "richtig" frei

jetzt wurde es zum 2. Mal frei

die 3. Freiheit wird die Moslembruderschaft bringen

Diese offenen Drohgebärden der Nordafrikaner an die Adresse des Westen:
Wenn ihr uns nichts schenkt, dann werden wir "islamischer"
ist eine Frechheit. Wer ein Bündnis mit Drohungen erpressen will, der ist kein Partner

Nun ist eigentlich die inzige Frage, wie es in diesem Land weitergehen soll.

Nach meiner Beobachtung wussten die Ägypter zwar definitiv, dass Sie dieses Regime nicht mehr wollen, sie hatte aber nichteinmal eine vage Vision davon, was eigentlich danach kommen soll. Ich würde mich wirklich freuen, wenn Ägypten das erste Land der Geschichte würde, in dem der Islam ein gewisses Gewicht hat und das trotzdem demokratische Strukturen und vor Allem Grund- und Menschenrechte kennt. Das scheint mir allerdings aufgrund der Kenntnis des Wertesystems des Islam mehr als unwahrscheinlich, so bedauerlich das auch ist. Und noch unwahrscheinlicher ist, dass ein radikaler Prozess der Säkularisierung einsetzt, der aber wiederum wäre Voraussetzung alleine schon für Grundrechte wie z.B. Religionsfreiheit und Gleichberechtigung der Frau.

was hat die bilder serie mit schifahrern mit der situation

in kairo zu tun??

Gast: DJ Bodo
13.02.2011 13:20
2 1

Was jetzt auf die Millionen

von Kopten zukommen wird, wird unverstellbar sein.......

Erste Massaker und Kirchenverbrennungen hat es ja schon gegeben.

Antworten Gast: demokratius
13.02.2011 18:44
2 0

Zu Ihrer Beruhigung:

http://www.kirchen.net/rupertusblatt/Default.asp?sec=23&menuopt=18833

Es ist klar, daß ein solches Bild derzeit manchen "Besorgten" nicht paßt.

Antworten Antworten Gast: DJ Bodo
13.02.2011 21:37
0 0

Re: Zu Ihrer Beruhigung:

Und?

Glauben sie tatsächlich, dass das die Kopten retten wird.

Das ist schon sehr sehr naiv. Studieren sie mal die jüngere Geshichte des Christentums im Orient oder in Nordafrika

Antworten Gast: Gesichtschirurg
13.02.2011 17:16
1 0

Re: Was jetzt auf die Millionen

Dann wissen Sie also, im Gegensatz zur gesamten Weltöffentlichkeit, wer die Täter des Anschlags auf die Kopten waren ?


 
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