Stolpert Silvio Berlusconi über seine Beziehung zu dem Callgirl "Ruby"? Italiens Regierungschef muss sich wegen seiner Beziehung zu der Marokkanerin vor Gericht verantworten. Das entschied die Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo am Dienstag in Mailand. Der Prozess wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauchs startet am 6. April. Berlusconi drohen bis zu 15 Jahre Haft.
Dem Premierminister wird einerseits vorgeworfen, mit der damals 17 Jahre alten und damit noch minderjährigen Marokkanerin "Ruby Rubacuori" (Ruby Herzensbrecherin) geschlafen zu haben.
Ein Telefonanruf mit Folgen
Als das Callgirl im Mai 2010 wegen Diebstahls verhaftet wurde, versuchte Berlusconi sie mit einem Telefonanruf freizubekommen, weshalb er auch wegen Amtsmissbrauchs angeklagt wird. In dem Telefonat behauptete der 74-Jährige gegenüber einem Funktionär der Mailänder Polizei, "Ruby" sei die Nichte von Ägyptens damals noch amtierenden Präsidenten Hosni Mubarak und daher freizulassen.
Berlusconi verteidigte sich später, er habe "Ruby" tatsächlich für eine Verwandte Mubaraks gehalten und mit dem Anruf eine "diplomatische Krise" verhindern wollen.
"Klare Beweise gegen ihn"
Der Prozess gegen Berlusconi soll als Schnellverfahren über die Bühne gehen, weil sich die Staatsanwaltschaft ihrer Sache sicher ist: "Wir haben klare Beweise gegen Berlusconi", hieß es bereits in der Vorwoche. Ein Gericht aus drei Frauen wird den kurzen Prozess gegen Berlusconi führen.
Dem Premier droht im Falle einer Verurteilung ein längerer Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen: Auf Sex mit einer minderjährigen Prostituierten stehen in Italien bis zu drei Jahre, auf Amtsmissbrauch bis zu 15 Jahre Haft.
Berlusconi: "Das ist eine Farce"
Berlusconis Anwalt zeigte sich über die Genehmigung des Schnellverfahrens wenig überrascht: "Wir hatten nichts anderes erwartet." Der Premierminister selbst wollte die Entscheidung nicht kommentieren. Bereits in der Vorwoche hatte er wegen der Ermittlungen einen Wutanfall bekommen: "Mit dieser Untersuchung wollen mich die Staatsanwälte nur verleumden. Ich werde für diese Farce den Staat verklagen. Am Schluss wird der Staat für die Schande zahlen."
Premier blüht Frühjahr der Gerichtstermine
Berlusconis Terminkalender ist in den nächsten Monaten mit Gerichtsterminen gespickt: Neben dem am Dienstag fixierten Schnellverfahren wird am 28. Februar der Prozess gegen Berlusconi wegen Steuerbetrugs wieder aufgenommen. Am 11. März wird dann der laufende Korruptionsprozess fortgesetzt.
Wie die römische Tageszeitung "Il Messaggero" berichtet, droht Berlusconi zudem wegen seines Nachtlebens neues Ungemach: Demnach läuft eine Untersuchung zu ausschweifenden Partys in den Wohnungen Silvio Berlusconis in Rom. Die Partys sollen in dem Schloss Tor Crescenza stattgefunden haben, das Berlusconi 2009 gemietet hatte.
Opposition fordert Berlusconis Rücktritt
Die Oppositionsparteien forderten Berlusconi am Dienstag zum Rücktritt auf: "Es ist unannehmbar, dass der Premier weiter im Amt bleibt. Er soll zurücktreten und sich vor der Justiz verantworten", erklärte der Sprecher der Oppositionspartei "Italien der Werte", Massimo Donadi.
(Ag./Red.)






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