Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) soll Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben. Nach Informationen der "Südddeutschen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) gibt es in Guttenbergs Dissertation einige Passagen, die wörtlich mit Formulierungen anderer Autoren übereinstimmen, ohne dass er dies wie vorgeschrieben gekennzeichnet hat.
Die Doktorarbeit sei an mehreren Stellen "ein dreistes Plagiat" und "eine Täuschung", sagte der Bremer Rechtsprofessor Andreas Fischer-Lescano. Ursprünglich habe er die Dissertation aus "wissenscahftlichem Interesse" gelesen, sagt Fischer-Lescano, er wollte sie rezensieren. Die Parallelen entdeckte er, als er den Text routinemäßig einer Überprüfung unterzog.
Schon in der Einleitung abgeschrieben
Die Stellen, an denen sich ohne Nachweis wortgleiche Parallelen mit fremden Texten finden, umfassen nach den der "Süddeutschen Zeitung" vorliegenden Originalquellen insgesamt mehrere Seiten. "Die Textduplikate ziehen sich durch die gesamte Arbeit und durch alle inhaltlichen Teile", sagte Fischer-Lescano. Die Zeitung veröffentlicht Auszüge aus den Originalen und der Doktorarbeit zum Vergleich auf ihrer Homepage.
Guttenberg habe sogar schon die ersten Zeilen seiner Dissertation unzitiert abgeschrieben, behauptet der als "Plagiatsjäger" bekannte österreichische Medienwissenschafter Stefan Weber (mehr im DiePresse.com-Interview). Die Einleitung beginne fast exakt gleich, wie ein Artikel der FAZ aus dem Jahr 1997, verfasst von einer ehemaligen Lehrenden an der Universität der Bundeswehr in Hamburg.
Vorwürfe werden geprüft
Guttenberg selbst wies die Plagiatsvorwürfe am Mittwoch als "abstrus" zurück. Der Minister erklärte, er sei gerne bereit zu prüfen, ob bei mehr als 1200 Fußnoten in seiner 475 Seiten umfassenden Arbeit Quellenvermerke nicht oder nicht korrekt gesetzt worden seien. Er würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen. Er habe die Arbeit allerdings "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst.
Guttenbergs Doktorvater nahm den Minister in Schutz: "Der Vorwurf ist absurd, die Arbeit ist kein Plagiat", sagte Peter Häberle der "Bild"-Zeitung (Donnerstag-Ausgabe). "Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert."
Der CSU-Politiker hatte seine Doktorarbeit 2006 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät in Bayreuth abgegeben. 2007 wurde er dann mit der Bestnote summa cum laude zum Dr. jur. promoviert. 2009 wurde die Arbeit in einem Fachverlag unter dem Titel "Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" veröffentlicht.
Autorin: Verhalten "nicht sehr klug"
Die Schweizer Journalistin Klara Obermüller, bei der Guttenberg in seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben soll, findet dieses Verhalten "nicht sehr ehrenhaft und eigentlich auch nicht sehr klug". So etwas komme eigentlich immer irgendwann heraus. Nun komme es darauf an, wie viel Guttenberg tatsächlich ungekennzeichnet aus anderen Arbeiten übernommen habe.
(Ag/Red.)





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