Wieso libysche Luftabwehr nur ein schwacher Gegner ist

18.03.2011 | 18:28 |  von Wolfgang Greber (Die Presse)

Mangels starker Luftwaffe müsste die Flak die Hauptlast im Kampf gegen Flieger tragen. Sie ist zahlenmäßig stark, gilt aber als ineffektiv. Was an etwas liegt, das man „arabisches Rüstungssyndrom“ nennen kann.

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Die libysche Luftverteidigung, so urteilten erst im Vorjahr westliche Militärexperten, ist hinter jener Ägyptens die stärkste und umfassendste des afrikanischen Kontinents. Sie verfügt über mehrere hundert Raketenstartrampen (die genaue Zahl ist nicht bekannt) sowie viele teils radargesteuerte Maschinenkanonen.

Weil Libyens Luftwaffe mit ihren bestenfalls noch 50 einsatzbereiten Jagdbombern für westliche Luftwaffen keinen echten Rivalen darstellt, kommt der Flak die Hauptlast bei einer Luftintervention zu. Doch trotz ihrer auf dem Papier beeindruckenden Größe gilt sie als schwach. Was auch an etwas liegt, das man „arabisches Rüstungssyndrom“ nennen kann: Schwere Waffen werden in riesigen Mengen gekauft, aber dann miserabel gewartet und nachlässig behandelt, zu wenige Leute werden daran ausgebildet. Am Ende sind oft nur wenige einsatzbereit.

Der größte Teil der strategischen, also ortsfesten Luftabwehr, steht in Clustern an der Küste. Sie stützt sich zunächst auf ein System von 17 aktiven und vier inaktiven Radarstationen. Die Systeme sind russisch und „sehen“ Objekte in bis zu 400 Kilometer Distanz. Dazu dürfte Libyen fünf mobile italienische Tiefflieger-Radars besitzen. Interessanterweise ist fast ein Drittel der Radars um die Fliegerbasis Sabha in der südlichen Wüste konzentriert – hier bastelte Libyen an Boden-Boden-Raketen, heute ist Sabha ein Eckpfeiler für die Luftbrücke, über die Gaddafi Söldner und Versorgungsgüter einfliegt.

 

Konzentration an der Küste

Auch die eigentlichen Raketenbasen sind meist an der Küste (s. Karte S. 1). Es gibt drei Systeme: SA-2 „Guideline“ und SA-3 „Goa“ mit Reichweiten von 35 bzw. 25 Kilometern sowie SA-5 „Gammon“ (280 km). Die Raketen sind auf Batterien verteilt, die normal je sechs Werfer haben. Von der „Gammon“ soll es acht Batterien geben, von der „Goa“ 33, von „Guideline“ mindestens 18.

Die Batterien waren zuletzt auf 31 aktive Basen aufgeteilt, elf davon mit SA-2, 16 mit SA-3 und vier mit SA-5. Letztere bilden die Vorfeldverteidigung bis weit vor der Küste, die anderen die Nahbereichsabwehr. Zudem gibt es etwa 30 inaktive Flakbasen, von denen nicht sicher ist, ob sie im Ernstfall einsatzbereit gemacht werden können.

Fast alle Basen sind um Städte und Fliegerhorste an der west- und ostlibyschen Küste verteilt. Jene in Ostlibyen wurden meist von Rebellen besetzt und fallen für Gaddafis Luftschild aus. Zudem haben die weitreichenden Gammon-Raketen einen Nachteil: Was tiefer als 300 Meter fliegt, können sie, anders als die anderen Raketen, nicht bekämpfen. Flieger und Marschflugkörper können „unten durchschlüpfen“. Zudem gibt es am Südufer der Großen Syrte keine Flakbasen mit SA-2/SA-3, sodass hier ein Einflugstor aufklafft. Am dichtesten ist die Flak um Tripolis, hier stehen mindestens acht Batterien.

Neben der strategischen Luftabwehr gibt es auch mobile Systeme, etwa SA-8 „Gecko“ und die französische „Crotale“, sie sind auf die Armeeeinheiten verteilt. Über ihre Zahl ist wenig bekannt, sie haben aber allesamt Reichweiten unter 15 Kilometern.

 

Systeme veraltet und leicht störbar

Die Effektivität der Flak gilt als gering. Neben dem schlechten Zustand (auf Fotos sieht man Raketen, die auf Karren in der Wüste lagern und von Flugsand bedeckt sind) sind alle russischen Systeme veraltet. Solche wurden in vielen Kriegen eingesetzt und die Gegner konnten Erfahrung damit sammeln (John McCain, US-Präsidentschaftskandidat 2008, wurde als Pilot über Vietnam von einer SA-2 abgeschossen). Ihre elektronischen „Signaturen“ (quasi der Fingerabdruck der Radars) sind bekannt, man kann sie elektronisch stören. Auch können die meisten Batterien nur ein Ziel zur selben Zeit bekämpfen.

Als US-Bomber 1986 Tripolis und Bengasi angriffen, machte die libysche Flak keinen effizienten Eindruck: Nur ein Bomber wurde abgeschossen, obwohl hunderte Raketen in den Himmel jagten. Sowjetische Offiziere, die die Lage analysierten, klagten über den schlechten Zustand der Systeme und Unfähigkeit der Crews – dabei war Libyens Flak damals auf ihrem Höhepunkt, seither wurde sie nicht mehr modernisiert

Auf einen Blick

Der UN-Sicherheitsrat verhängte in Resolution 1973 unter Punkt 6 eine Flugverbotszone über Libyen. Dieses Verbot gilt aber ausdrücklich nicht „für Flüge, deren einziger Zweck ein humanitärer ist“. Darunter fallen Hilfslieferungen an Lebensmitteln und medizinischen Gütern sowie der Transport der entsprechenden Helfer. Ebenfalls ausgenommen sind Evakuierungsflüge, mit denen Ausländer in Sicherheit gebracht werden. Dass Kampfeinsätze der Staatengemeinschaft zur Durchsetzung des Flugverbots nicht unter selbiges fallen, versteht sich zwar von selbst, wird aber dennoch extra erwähnt. Alle UN-Mitglieder werden aufgefordert, die Flugverbotszone und die anderen Maßnahmen zu unterstützen.

Neben der Androhung militärischer Gewalt hat der UN-Sicherheitsrat die Wirtschaftssanktionen verschärft. Betroffen ist davon auch die Libyan National Oil Corporation, Geschäftspartnerin der OMV. Deren Engagement in Libyen könnte damit vorerst vor dem Aus stehen, sobald die EU – vermutlich Anfang nächster Woche – die UN-Sanktionen umsetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2011)

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1488 Kommentare
 
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Gast: Gast aus Banja Luka
23.03.2011 18:41
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Serbien =/ bosnische Serbenrepublik

Kleine Korrektur: Nicht Serbien flog 1992 Angriffe in Bosnien-Herzegowina, sondern die bosnische Serbenrepublik.

Gast: KriegsLüsterneRaubritter
21.03.2011 23:39
3 1

Wen oder was Gaddafi auch darstellt

mich erschreckt die nun offenbarte Fratze hinter dem Gesicht mancher EU-Länder mehr.

Frankreich, USA & Gaddafi RAUS aus Lybien!! RAUS RAUS RAUS

Am Anfang saugt Gaddafi, ähnlich wie ein Blutegel das schwarze Reichtum der Lybier und deponiert sein Reichtum verstreut auf der ganzen Westlichen Welt (Schweiz, Österreich, USA, GB, D, Fr., It.usw), aber ja nicht in Lybien. Diejenigen Tripolitaner in seiner Umgebung dürfen im Sinne der Solidarischen Sozialismus von seiner Gnade erhoffen, doch die ehemaligen Osmanen in Benghasi sind "Islamisten", aber keine "Kommunisten", also nix da. Die kriegen nix!
Dann kommt der Tag, wo sein Stuhl wackelt, weil das Volk hat genug von Gaddafi....
Zuerst warnt Gaddafi den Westen vor nachfolgendem Piraterie der Islamisten im Mittelmeer und erhofft nun, auf deren Unterstützung gegen das Ungläubige Mohammedanische Volk. Danach killt er sein eigenes Volk mithilfe Schwarzafrikanischer Flüchtlinge, die er zurückhielt und als Söldner anheuerte, als ein Kommunist! Als ob dies nicht ausreichte, holte er noch Frankreich und die USA in das Land. Diese sollen Gaddafi stoppen und das Volk besänftigen, indem sie "Demokratie" bringen. Damit sind die Rebellen besänftigt, bzw. das Öl vor allem für Frankreich & USA gesichert. Denn diese brauchen das Rohstoff, damit deren Kapitalistisches System und die Obernutznieser Clan´s dieses Systems ja nicht Infrage gestellt werden. Und Gaddafi verschwindet von der Bildfläche, wie zuvor Hitler, Bin Laden, Saddam oder der letzte Schah. Ich würde nicht staunen, wenn ich den originalen pensionierten Saddam mal begegne, wo doch dieser erhängt hätte werden sollen.BIG SHOW

Re: Frankreich, USA & Gaddafi RAUS aus Lybien!! RAUS RAUS RAUS

Meine Rechtschreibung ist auch unter aller Sau aber: Es heißt Libyen nicht Lybien


Gast: guest342
21.03.2011 20:06
0 0

USA: Keine Unterstützung der Rebellen

Nein, überhaupt nicht

warum berichtet die ZIB dann von Waffen und Panzerlieferungen an die Rebellen an der ägyptischen Grenze?

lie more!

Antworten Gast: .
21.03.2011 20:27
0 0

Re: USA: Keine Unterstützung der Rebellen

ZIB ist entweder der Zeit voraus oder hat da wieder mal was verwechselt.

Gast: Fenstergucker
21.03.2011 19:07
3 0

HEUREKA!

SIE IST DA, DIE "CHARLES DE GAULLE!
Hätte ich mir nie gedacht, dass sie es bis dorthin schafft. Ihr erster echter Kriegseinsatz sozusagen. Hoffentlich fällt ihr da nicht irgend was unerwartetes aufs Deck. Wäre schade um das Ding, an dem Frankreichs Selbstbewusstsein so sehr hängt.

Gast: kannsnichtglauben
21.03.2011 19:05
3 1

Militäreinsatz in Libyen

.....man geht zum Volk betteln, weil man kein Geld für die nach einer Naturkatastrophe betroffene Bevölkerung von Japan hat.
Man hat keinerlei Technik bei den kaputten Atomkraftwerken sofort einzuschreiten
Man hat aber Milliarden an Rüstung um Libyen zu bombardieren
Es geht halt doch nur um das liebe Öl.
Auch steht in Frankreich ein Wahlkampf ins Haus.

Antworten Gast: Fenstergucker
21.03.2011 19:37
4 0

Re: Militäreinsatz in Libyen

Es geht IMMER nur um Macht und Geld. Alles ander ist Beiwerk, ist Propaganda, ist unerträgliches Blablabla.

Gast: Eurrora
21.03.2011 19:03
3 2

Der abgezwickte Sarkosy versucht sich als Napoleon ?

Man könnte singen das Lied ,ein Männlein steht im Walde ........Noch hat er seine Hand nicht wie Napoleon erhoben ,ab anscheinend fühlt er sich so Universal.Er ist halt nur ein FrauenHeld.

Re: Der abgezwickte Sarkosy versucht sich als Napoleon ?

Wahrscheinlich steht sein Männlein nicht mehr und Carla ist sauer.

2 1

Sarkozy sollte unbedingt den naechsten Friedensnobelpreis erhalten!

Er hat sich ja im töten bewaehrt!

Gast: Hippona
21.03.2011 18:45
3 1

Er hat recht.

"Die UN-Resolution ähnele einem mittelalterlichen Aufruf zum Kreuzzug"

Antworten Gast: amarie
22.03.2011 01:46
1 1

Re: Er hat recht.

es IST ein aufruf zum kreuzzug gegen die ungläubigen
und zur bekehrung der ungläubigen.
gewaltsame zwangsmissionierung.
inquaisition.
hexenverbrennung.

durchgeführt von leuten, die in eu gerade dabei sind das volk zu entmachten und eine diktatur zu etablieren...

0 0

Re: Re: Er hat recht.

"...von leuten, die in eu gerade dabei sind das volk zu entmachten und eine diktatur zu etablieren... "

Und dann erzählen Sie mir einmal, wie das geschehen soll.

Diktatur in der EU, aber nicht in den Mitgliedsstaaten, wie Österreich, Schweden oder Deutschland?
Wie geht das? Sie werden mir das ja sicher erklären können!

Antworten Antworten Antworten Gast: amarie
23.03.2011 22:06
0 0

Re: Re: Re: Er hat recht.

ja sicher, kann ich.
ist durch die organisationsstruktur begründet, und zwar bewußt so angelegt.
weder die besetzung der kommissionen noch die zusammensetzung des rates ist durch wahlen beeinflußbar. durch diese leute werden sukzessive alle durch wahlen beeinflußbaren entscheidungen auf die nicht durch wahlen beeinflußbare ebene verschoben.
und der nicht demokratisch bestellte eugh exekutiert die unterwerfung und unterdrückung der nicht gefügigen demokratischen rebellen.

0 0

Re: Re: Re: Re: Er hat recht.

Wo sind in Österreich die obersten Gerichtshöfe direkt demokratisch bestellt?
Wo wird in Österreich eine Regierung direkt demokratisch gewählt?

Wodurch bitte "exekutiert der EUGH die Unterwerfung und Unterdrückung der nicht gefügigen demokratischen Rebellen?"

Bitte nur ein ganz kleines Beispiel! Aber nicht das übliche Wort-Gesabbere!

Gast: Gesichtschirurg
21.03.2011 18:37
3 0

Die Zerstörung der Infrastruktur Libyens ist das Ziel.

Schließlich müssen Aufträge an europäische Baufirmen für den Wiederaufbau die Kriegsausgaben wieder reinholen. Deutschland wird sicherlich mehr Aufträge erhalten als Frankreich. ;)

Gast: Gesichtschirurg
21.03.2011 18:33
3 0

Parallelen zu den Kreuzzügen

- Die Kreuzritter gingen los um das Christentum zu retten. Was hat's gebracht ?

- Die sog. westliche Allianz schlägt los um die Demokratie zu retten. Was wird es bringen ?


Re: Parallelen zu den Kreuzzügen

Hmm... sie haben eigentlich das Hauptmerkmal der Kreuzzüge vergessen:
Die Reaktion auf die aggressive Ausbreitung des Islams, das Ermorden christlicher Pilger und das Niederbrennen wichtiger christlicher Heiligtümer in der Region.

Sie haben Ihre Geschichtskenntnisse der Periode wohl aus "Königreich der Himmel" bezogen?

0 0

Re: Re: Parallelen zu den Kreuzzügen

"Die Reaktion auf die aggressive Ausbreitung des Islams, das Ermorden christlicher Pilger und das Niederbrennen wichtiger christlicher Heiligtümer in der Region."

Der Islam hat sich einige hunderte Jahre VOR den Kreuzzügen dort absolut NICHT aggressiv ausgebreitet und Sie werden mir sicher noch erzählen, welche christlichen Heiligtümer angeblich niedergebrannt worden sein sollen.

Ich glaube Sie sind nicht ganz auf der Höhe mit den Fakten!

Lesen Sie diesen Artikel:
http://diepresse.com/home/science/631549/print.do
Vielleicht kommen´s dann drauf!

Gast: Gesichtschirurg
21.03.2011 18:29
1 1

Der kleine Napoleon und sein nordafrikanisches Abenteuer...

... hat Europa, die NATO und sogar Frankreich gespalten. Diese übereilige und militärisch nicht zu Ende geplante Aktion wird Frankreich möglicherweise ins Rampenlicht der Terrorszene bringen.

Antworten Gast: NatoFan
21.03.2011 19:42
1 0

Re: Der kleine Napoleon und sein nordafrikanisches Abenteuer...

Das ist doch gar nicht wahr, was Sie hier behaupten. Weder Europa noch die Nato ist gespalten. Die Verbündeten sind verschiedener Meinung. Na und? Das gehört zu demokratischen Entscheidungen. Sonst könnten wir ja gleich eine Miltiärdiktatur installieren. Und jede Meinung wird gehört, und jedes Nato-Mitglied hat Vetorecht. Und das ist gut so. Und so soll es auch bleiben.
Der Franzose hat jetzt Panik, weil er planlos und voreilig da unten angefangen hat rumzuballern und will jetzt die Nato missbrauchen, auf die einzigartigen Nato-Strukturen zurückgreifen. Nur husten die ihm jetzt was. Und das ist sehr gut so.

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PUTIN das Unschuldslamm!

"Die UN-Resolution ähnele einem mittelalterlichen Aufruf zum Kreuzzug."
meint das Unschuldslamm PUTIN.

Die Tschetschenen wären über diesen "Kreuzzug" froh gewesen.
Leider hatten die keine Wahl und mussten 2 Kriege Russlands erleben. Bis heute gibt es noch keine Menschenrechte in diesem russischen Land!

 
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