In Nordkorea sind nach rund 200.000 politische Gefangene unter "grauenhaften" Bedingungen inhaftiert. Das berichtete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Mittwoch. Satellitenbilder würden außerdem zeigen, dass die Straflager im Vergleich zu Aufnahmen von 2001 deutlich vergrößert worden seien.
In einem Gefängnis müssten die Insassen Hinrichtungen mit ansehen und Ratten essen, um zu überleben, heißt es in dem Bericht der Organisation. Ehemalige Häftlinge gaben demnach an, sie hätten unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen und seien regelmäßig gefoltert worden.
Besonders schlimm sei die Situation im Gefängnis Yodok in der Provinz Süd-Hamkyong, hieß es. Alle ehemaligen Gefangenen hätten Hinrichtungen mit ansehen müssen. Tausende sollen dort nur deshalb gefangen gehalten werden, weil beschuldigte Verwandte inhaftiert worden seien.
Kind in Folterzelle gesperrt
Laut einem ehemaligen Gefangenen begann ein Arbeitstag um 4 Uhr morgens und endete um 20, anschließend habe es zwei Stunden ideologische Umerziehung gegeben. Habe sich ein Häftling nicht an das Gelernte erinnern können, seien ihm Schlaf und Nahrung entzogen worden. Insassen würden täglich sterben. Einem Ex-Häftling zufolge verhungerten zwischen 1999 und 2001 insgesamt 40 Prozent der Gefangenen. Laut Amnesty International wurde zudem ein Kind acht Monate lang in eine Folterzelle gesperrt.
"Hunderttausende Menschen existieren praktisch ohne Rechte und werden im Grunde als Sklaven behandelt", wird der Leiter von Amnesty für die Region Asien-Pazifik, Sam Zarifi, zitiert. Die kommunistische Diktatur könne die Existenz der Lager nicht mehr bestreiten. Amnesty rief Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il auf, die Lager zu schließen.
(Ag.)
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