Im Konflikt mit Südkorea hat das stalinistisch geführte Nordkorea seinen Ton wieder verschärft und erneut mit einem "heiligen Krieg" gedroht. In den staatlichen Medien beschuldigte das Regime in Pjöngjang am Mittwoch Grenzeinheiten der südkoreanischen Streitkräfte, Nordkoreas "Armee, System und Würde" durch sichtbar ausgestellte anti-nordkoreanische Slogans zu beleidigen. Diese seien fast eine "Kriegserklärung".
Auf die Art der Slogans ging der Sprecher nicht näher ein. Vermutlich nahm der Regierungssprecher aber Bezug auf eine Aktion vom Samstag, als südkoreanische Aktivisten zum 61. Jahrestag des Beginns des Korea-Kriegs Flugblätter mit Luftballons über die Grenze geschickt und darin zum Sturz der nordkoreanischen "Erbdiktatur" von Staatschef Kim Jong-il und seines offenbar zum Nachfolger auserkorenen Sohns Kim Jong-un aufgerufen hatten.
"Gnadenloser, heiliger Vergeltungskrieg"
Nordkorea werde auf jede Provokation mit einem "gnadenlosen, heiligen Vergeltungskrieg" antworten, erklärte jetzt der Sprecher. Er warnte vor "katastrophalen Folgen", sollte sich Südkorea für seine angeblichen Provokationen nicht entschuldigen. Pjöngjang hatte vor einigen Wochen ähnliche Drohungen ausgesprochen, nachdem in Südkorea bekanntgeworden war, dass Soldaten bei Schießübungen auf Fotos des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il schießen. Diese Praxis wurde danach gestoppt.
Ausgerechnet am Tag der neuerlichen Drohgebährden reiste eine Delegation von Regierungsbeamten und Geschäftsleuten aus Südkorea zu Gesprächen über ein seit drei Jahren eingefrorenes innerkoreanisches Touristenprojekt nach Nordkorea gereist . Nordkorea hatte angekündigt, dass es die südkoreanischen Einrichtungen in dem Feriengebiet im Kumgang-Gebirge an der Ostküste "loswerden" wolle. Seoul hatte die vom Mischkonzern Hyundai organisierten Touren ins Kumgang-Gebirge im Juli 2008 wegen ungelöster Sicherheitsfragen ausgesetzt.
Auch die neuen Gespräche scheiterten am Mittwoch. Der Norden habe lediglich seine Positionen dargestellt und keine Diskussion zugelassen, teilte das Wiedervereinigungsministerium in Seoul mit. Das Urlaubszentrum war im Jahr 1998 eröffnet worden und brachte dem darbenden Norden Einnahmen von mehreren Millionen Euro pro Jahr. Seoul legte die Zusammenarbeit nach dem gewaltsamen Tod eines Touristen aus dem Süden, der sich im Jahr 2008 in militärisches Sperrgebiet verlaufen hatte, auf Eis. Im vergangenen Jahr begann Pjöngjang dann damit, südkoreanisches Eigentum aus dem Ressort zu veräußern.
(Ag.)
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