Staat profitiert von Griechen-Krise

14.07.2011 | 17:13 |  Von Christian Höller (Die Presse)

Wegen der Schuldenkrise sind die Kurse österreichischer Staatsanleihen gestiegen. Dadurch erspart sich der Fiskus jährlich Zinszahlungen in dreistelliger Millionenhöhe.

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[Wien] Anleihen südeuropäischer Schuldnerländer wie Griechenland und Portugal gelten als Ladenhüter. Davon profitieren Deutschland und Österreich, deren Staatspapiere als besonders sicher gelten. Daher braucht die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (ÖBfA), die für das Schuldenmanagement des Staates zuständig ist, bei der Geldaufnahme deutlich weniger Zinsen zahlen als vor Ausbruch der Schuldenkrise.

So sind die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen seit April 2011 von 3,8 Prozent auf 3,3 Prozent gesunken. ÖBfA-Geschäftsführerin Martha Oberndorfer begründet dies mit der „Flucht in die Qualität“. Denn Österreich gehört zu jenen Ländern im Euroraum, die über ein erstklassiges Rating verfügen.

Für heuer hat die Staatsagentur bereits drei Viertel ihres Finanzierungsvolumens abgearbeitet. In Summe sollen 2011 Anleihen im Umfang von 16 bis 19 Milliarden Euro emittiert werden. Inklusive anderer Finanzierungselemente kommt man auf 22 bis 25 Milliarden Euro. Laut Oberndorfer profitiert Österreich derzeit „von einer extrem starken Nachfrage nach kurz laufenden Papieren wie Schatzscheinen“.

Der Hintergrund: Der Staat benötigt neben den langfristigen Anleihen auch immer wieder kurzfristige Mittel vom Geldmarkt. Pro Tag nimmt die Agentur zwischen 100 bis 500 Millionen Euro auf. Damit werden kurzfristige Lücken, die durch den Steuerzyklus entstehen, überbrückt.

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Griechen-Krise seit Herbst 2009

Laut Berechnungen von Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer, die er für die „Presse“ angestellt hat, erspart sich die Republik im Vergleich zu früheren Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag. Eskaliert ist die Griechenland-Krise im Herbst 2009. In den zwei Jahren davor lagen die Renditen für österreichische Staatsanleihen bei 4,1 Prozent. Seitdem ist dieser Wert auf 3,3 Prozent gesunken. Dies entspricht einer Zinsdifferenz von rund 80 Basispunkten. „Rechnet man diesen Vorteil auf die seither begebenen österreichischen Anleihen um, ergab sich 2010 ein Zinsvorteil von rund 200 Millionen Euro“, erklärt Bruckbauer. Diesen Vorteil habe man natürlich jedes Jahr, solange die Anleihen laufen – also auch heuer.

Gesamtersparnis: 3,4 Milliarden Euro

Da die Republik seit Anfang 2011 wieder neue Anleihen emittiert hat, kommt Bruckbauer zusätzlich auf eine Ersparnis von bislang 100 Millionen Euro. Damit summiert sich seit Ausbruch der Griechenland-Krise der Vorteil auf 300 Millionen Euro.

Viele Staatspapiere haben eine lange Laufzeit, besonders beliebt sind die zehnjährigen. „Hochgerechnet auf die gesamte Laufzeit aller Anleihen, die seit Herbst 2009 begeben wurden, erspart sich Österreich rund 3,4 Milliarden Euro“, sagt Bruckbauer. Das ist deutlich mehr, als Österreich bislang an Geld nach Athen überwiesen hat.

Nachgefragt werden aktuell auch Staatspapiere aus Finnland und den Niederlanden. Doch der größte Profiteur ist Deutschland: Die Renditen für zehnjährige deutsche Bundesanleihen liegen bei 2,7 Prozent. Vergleichbare Papiere aus Österreich sind um 0,6 Prozentpunkte teurer.

Italien: Senat bewilligt Sparpaket

Verschlimmert hat sich dagegen die Situation für Italien. Bei einer Auktion am Donnerstag musste das Land den Investoren für Papiere mit einer Laufzeit von 15 Jahren eine Rendite von 5,9 Prozent bieten; bei fünfjährigen Anleihen waren es 4,9 Prozent. Zum Vergleich: Bei einer vergleichbaren Auktion im Juni lag die Rendite für fünfjährige Anleihen bei 3,9 Prozent.

Seitdem ist das Land in Kritik geraten. Anleger zweifeln an der Zahlungsfähigkeit des südeuropäischen Landes. Um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, stockte nun Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti die Sparpläne bis 2014 von 47 auf 70 Milliarden Euro auf. Am Donnerstag gewann die Berlusconi-Regierung im Senat die Vertrauensabstimmung über das Sparpaket.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15. Juli 2011)

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80 Kommentare
 
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Gast: Gast 2011
15.07.2011 16:48
0

perfekte Schlagzeile zur Volksverdummung?

da wird sich Frau Fekter aber freuen. Bei der Endabrechnung nach Österreichs Griechenlandhilfe wird es mit Garantie anders aussehen. Das weiß auch die Frau Finanzminister. Herr Höller weiß es wohl noch nicht...

Welcher

Staat profitiert von Griechen-Krise!
Welcher jetzt, unserer oder der griechische? ich glaub keiner von beiden. Nur die griechischen Bonzen und Großindustriellen für ihre Milliardenjachten.

Jubel ist angesagt

Die Zinsen für unsere unaufhaltsam steigenden Schulden haben sich um 300 Mio € verringert. Bleiben nur mehr läppische 10 Milliarden Euro an jährlicher Zinslast. Wenn das kein Lichtblick ist ....

Gast: grau
15.07.2011 09:38
2

ja, höller, und



DIE ERDE IST EINE SCHEIBE !

Wir erreichen den sozialistischen Idealstaat bald ...

... alle Österreicher werden zu Millionären. Mindesteinkommen 1.000.000,00 EUR.
(Es sagt uns nur niemand dazu, dass ein Brot dann EUR 5.000,00 kosten wird.

"Staat profitiert von Griechen-Krise"

Hurra! Da werden unsere Politiker sofort neue Schulden machen.

"... bei der Geldaufnahme? ..."

Unsere Politiker verschulden uns munter weiter.

Gast: gerechtiker
15.07.2011 04:39
3

logik

nach der logik "Da die Republik seit Anfang 2011 wieder neue Anleihen emittiert hat, kommt Bruckbauer zusätzlich auf eine Ersparnis von bislang 100 Millionen Euro."
emittiere ich dann relativ soviele anleihen, dass ich 100 Mrd. ersparnis habe.
weltweit.

"Pro Tag nimmt die Agentur zwischen 100 bis 500 Millionen Euro auf. Damit werden kurzfristige Lücken, die durch den Steuerzyklus entstehen, überbrückt."

für einen der "reichsten" staaten ist das schon sympthomatisch.

aber wir haben's ja.

hauptsache die Supermarktverkäuferin arbeitet sich für 1000 euro den buckel krumm.

Sie verstehen das einfach nicht ... ;-)

... je mehr wir uns verschulden, umso mehr Geld sparen wir. Daher wäre es völlig unverantwortlich, dieses Land jetzt kaptuttzusparen.

Antworten Gast: Wohl Feil
15.07.2011 08:14
0

Re: logik

"hauptsache die Supermarktverkäuferin arbeitet sich für 1000 euro den buckel krumm"

Darin liegt ja die Logik: "die Supermarktverkäuferin" ihrerseits geht ja Samstag Nachmittag auch in die endlosen Regale der Konzern-Ketten, um den eigenen Frust weiterzutragen - ja, sie begehrt auch noch den Sonntag als "Shopping-Tour"!

der staat "profitiert"

profitiert kommt das nicht von profit?

wenn jedes jahr 10 milliarden euro defizit verbrochen wird und die zinsbelastung weitere 10 milliarden betreagt, stellt sich doch die berechtige frage, inwiefern hier von "profitieren" gesprochen werden kann

statt 20 mrd euro schulden-berg-wuchs haben wir also dieses jahr nur 19.7

wow, da profitiert die republik

Ja Klasse

Am meisten verdienen wir dann gleich beim griechischen Schuldenschnitt !!!

Aber auf Kosten der Bürger ist alles so easy !!!
Die Deppen haben alles bis zu den nächsten Wahlen vergessen,so wie bisher !!!

Gast: grau
14.07.2011 21:00
7

bezahlte anzeige der bombengeschäftsmizzi



mit freundlicher unterstützung der raiffeisengruppe.

Antworten Gast: grau
15.07.2011 09:37
1

Re: bezahlte anzeige der bombengeschäftsmizzi



die roten stricherl... die mizzi, der peppi und der konrad.. drei ! geht sich aus !

Gast: uburoy
14.07.2011 20:45
2

Welch einen Schwachsinn will uns der STRACHE immer einreden?

Strache schimpft immer über unsere Griechenlandhilfe doch es entpuppt sich als wahrerr Geldsegen!
Irgendwie habe ich immer mehr und mehr das Gefühl die FPÖ aber auch das BZÖ ist komplett planlos!!!!
Die sollen 2013 regieren?
Der Fasching beginnt erst!

Antworten Gast: grau
14.07.2011 22:12
0

Re: Welch einen Schwachsinn will uns der STRACHE immer einreden?



ubu !

bougre de ma merdre !

Ma Merdre?

Wos isn des?

Antworten Antworten Antworten Gast: grau
15.07.2011 08:25
0

Re: Ma Merdre?



ein zitat aus 'ubu roi' von alfred jarry.

der user oben hat das als nick gewählt, ich hab ihm hreausgegeben.

Ahja,

danke.

Antworten Gast: Kaufmann 1010
14.07.2011 22:06
1

Re: Welch einen Schwachsinn will uns der STRACHE immer einreden?

Strache versteht ja auch nicht von Volkswirtschaftslehre.
Der ist ein billigen Prothesenschleifer und brauner Bierrecke.

Antworten Antworten Gast: hans2
15.07.2011 11:07
0

Re: Re: Welch einen Schwachsinn will uns der STRACHE immer einreden?

Strache ist in der Opposition, und Oppositionspolitiker brauchen nichts vom Gegenstand ihrer Politik zu verstehen. Es reicht, wenn sie populistische Reden schwingen können, dann jubeln wir ihnen zu und wählen sie. Der Inhalt der Reden ist morgen schon vergessen, nur der Eindruck "Der zeigt es denen dort oben mal" bleibt. Bis er dann selber "ganz oben" ist ("oben" ist er ja jetzt schon) und beweisen muss, was er so zusammenbringt. Man denke nur an die FPÖ-Regierungsbeteiligung vor 10 Jahren. Da wurde schnell aus einem Großsprecherhaufen ein Häufchen Elend, bar jeder Kompetenz und allen Verlockungen erliegend.

Re: Welch einen Schwachsinn will uns der STRACHE immer einreden?

Der Logik des Artikels folgend hat Strache doch total recht! Ohne Rettingsschirm für Irland und Griechenland wäre die Lage vielleicht noch dramatischer und die Nachfrage nach AAA Papieren noch stärker... ;)

Antworten Antworten Gast: Antwort:
14.07.2011 22:08
1

Re: Re: Welch einen Schwachsinn will uns der STRACHE immer einreden?

Was versteht der Stache von Ökonomie?

Nichts.

Braucht er ja auch nicht, denn der Bodensatz der Blöden, Ungebildeten und braunen Saufbrüdern wählt ihn ohnehin.

Im Gegensatz zum "Fachmann" Novotny?

Da sind wir alle Kaiser (inklusive Strache).
Ist doch unglaublich, bei soviel Dilettantismus von anderen zu behaupten, dass sie Dilettanten seien.

Antworten Antworten Antworten Gast: grau
14.07.2011 22:14
2

Re: Re: Re: Welch einen Schwachsinn will uns der STRACHE immer einreden?



der hans kaufmann, der öfter in 1010 wien spazierengeht (in seine 'arbeitsstelle ' in der löwelstraße) und der antwort dürften einem schalk reflexartig aufgesessen sein !

wir sind alle reich

daher kommt 2012 eine Steuerentlastung!

 
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