Eine Woche nach den Doppel-Anschlägen von Norwegen ist das Land in tiefer Trauer. Am Freitag wurden die ersten Opfer des rechtsradikalen Attentäters Anders Behring Breivik bestattet. Die 18-jährige Norwegerin Bano Rashid und der 19-jährige Ismail Haji Ahmed wurden am Freitag als erste Opfer des Massakers beerdigt. Bei dem Begräbnis für Bano Rashid in der Ortschaft Nesodden südlich von Oslo hielt Außenminister Jonas Gahr Støre eine der Traueransprachen. Ahmed wurde in der Stadt Hamar nördlich von Oslo beerdigt. Unterdessen wurde die Zahl der Opfer von 76 auf 77 nach oben korrigiert.
"Stand für das Beste im vielkulturellen Norwegen"
"Bano ist nicht mehr da, und es ist einfach nicht zu fassen", sagte der Sozialdemokrat über seine ermordete junge Parteikollegin. Die junge Frau, die mit ihren kurdischen Eltern als Vierjährige aus dem Irak nach Norwegen kam, war in der Arbeiterpartei aktiv und stand als Kandidatin auf den Listen für die Kommunalwahlen Mitte September. "Bano Rashid stand für das Beste in einem vielkulturellen Norwegen", sagte die Pastorin Anne Marit Tronvik. Die muslimischen Eltern der Toten wünschten ein Begräbnis mit der Kombination islamischer und christlicher Elemente.
Nicht von ungefähr hatte er als Ziel seiner Anschläge erst das Zentrum der sozialdemokratisch geführten Regierung und dann das Sommertreffen der Parteijugend mit vielen Teenagern aus Zuwandererfamilien gewählt. Mussten doch gerade diese jungen Norwegerinnen und Norweger als Beispiele für die gelungene Integration von Zuwanderern und deren Nachkommen gelten.
"Das Böse hat Norwegen getroffen"
Bei einer Trauerfeier in der Zentrale seiner sozialdemokratischen Arbeiterpartei sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg: "Vor genau einer Woche hat das Böse Norwegen getroffen." Er sagte über die Reaktion der Bevölkerung: "Eine ganze Nation und ein politisch geeintes Norwegen antworten auf die Angriffe, in dem sie eine Welle an Demokratie und Engagement schaffen."
Breivik plante noch größeren Anschlag
Mit dem Fortschreiten der Ermittlungen wird das Ausmaß der Wahnsinnstat immer deutlicher, denn Breivik hatte nach Angaben seines Anwalts weitere Ziele im Visier. Verteidiger Geir Lippestad sagte der Zeitung "Aftenposten", der 32-jährige Breivik habe am vergangenen Freitag "noch mehrere Pläne in unterschiedlicher Größenordnung" gehabt.
Außer der Bombe im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt und dem Massaker auf der Insel Utoya habe Breivik beabsichtigt, zwei weitere Gebäude "zu bombardieren". Breivik wurde am Freitagmorgen unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen zu einem erneuten Verhör nach Oslo gebracht.
Norwegens Polizei-Geheimdienst PST sieht jedoch keine erhöhte Terrorgefahr durch Rechtsextremisten oder andere Personen. Wie der Dienst am Freitagabend mitteilte, bleibt die bisherige Einstufung der Gefahr von Terrorangriffen unverändert. Der Geheimdienst erklärte weiter, nur wenige Personen in Norwegen seien in der Lage, Taten in solchem Umfang und in derselben Weise auszuführen: "Die Terrorakte in Oslo und auf Utoya sind sowohl national wie international gesehen einzigartig." Es sei wenig wahrscheinlich, dass auf diese Angriffe ähnliche Terrorattacke folgen würden.
(Ag.)
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