Rebellen siegessicher - Gaddafis Geheimdienstchef tot

19.08.2011 | 23:07 |   (DiePresse.com)

Die Nato fliegt Luftangriffe auf Tripolis. Diktator Gaddafi soll seine Flucht ins Nachbarland Tunesien planen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die libyschen Rebellen sind nach ihren jüngsten Erfolgen überzeugt, dass die Tage des Machthabers Muammar al-Gaddafi in Tripolis gezählt sind. Nach einem Angriff im Morgengrauen hätten ihre Kämpfer die Küstenstadt Zliten östlich von Tripolis vollständig eingenommen, sagte ein Rebellenvertreter. Die Aufständischen brachten auch in der Stadt Zawiya westlich der Hauptstadt nach heftigen Gefechten das letzte große Gebäude in der Hand der Regierungstruppen unter ihre Kontrolle. Unterdessen bestätigte die Nato den Tod von Gaddafis Geheimdienstchef Abdullah Senussi bei einem Luftangriff.

Die Rebellen hatten die 200.000-Einwohner-Stadt Zliten rund 150 Kilometer östlich von Tripolis seit Wochen belagert. Am Freitag gelang es ihnen nach eigenen Angaben, mit einer Blitzoffensive die Stadt einzunehmen. Nach Angaben eines Vertreters der Aufständischen wurde dabei auch der Geheimdienstchef der Stadt, Omran Ali Ben Salim, gefasst. Demnach leisteten noch vereinzelt Truppen von Gaddafi Widerstand. Dutzende Regierungssoldaten wurden dabei getötet.

Die Medien der Aufständischen berichteten am Freitag, in der Küstenstadt Brega hätten ihre Kämpfer einen General Gaddafis festgenommen. Dank der militärischen Karten, die er bei sich getragen habe, wüssten sie jetzt, wo im östlichen Frontabschnitt Minen verlegt seien. Nach Angaben der Aufständischen starben mindestens 32 Menschen bei Kämpfen in der Nähe von Zliten. An der westlichen und südlichen Front blieb es hingegen ruhig.

Bei einem Nato-Angriff auf Tripolis am Freitag ist nach Angaben der Nato Geheimdienstchef Senussi getötet worden. Ein Sprecher des Bündnisses in Neapel bestätigte den Tod des Geheimdienstchefs, eines Schwagers von Gaddafi. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte kürzlich gegen Senussi, Gaddafi und dessen Sohn Saif al-Islam Haftbefehle wegen Verdachts auf schwere Kriegsverbrechen ausgestellt.

Mehr zum Thema:

Geht Gaddafi ins Exil?

Gaddafi soll nach Informationen des US-Fernsehsenders NBC erwägen, ins Exil nach Tunesien zu gehen. Offenbar denke der Machthaber, dass ihm das nordafrikanische Nachbarland eine sichere Zuflucht bieten werde, berichtete NBC am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf Beamte der US-Regierung. Zuvor waren Gerüchte gestreut worden, nach denen Gaddafi nach Südafrika oder in andere Länder fliehen wolle.

Der britische Premierminister David Cameron sieht unterdessen eine demokratische Zukunft Libyens näher rücken. Er sei mit Blick auf die derzeitige Lage optimistisch, sagte Cameron am Freitag bei einem Treffen mit Vertretern des Nationalen Übergangsrates Libyens in London. Die Zukunft Libyens, über die man gesprochen habe, rücke näher. "Es hat Zeit gebraucht, aber ich denke, wir gehen in die richtige Richtung und dies ist eine gute Gelegenheit, über Perspektiven und darüber, was als nächstes geschehen muss, zu sprechen." Großbritannien hatte dem Nationalen Übergangsrat der Rebellen im Juli die libysche Botschaft in London zur Verfügung gestellt und die verbliebenen Diplomaten von Machthaber Gaddafi ausgewiesen.

Ein Nato-Sprecher sagte am Freitag, dass am Mittwoch ein Boot unweit der Küste vor Zawiya von Nato-Kampfjets getroffen und versenkt wurde. Wenig später seien drei Menschen im Wasser gesehen worden, die sich zu einer Boje retteten. Von dem Boot sei eine Gefahr für Zivilisten ausgegangen, sagte der Sprecher. Dies deutet darauf hin, dass Gaddafi-Truppen auf dem Boot waren.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) kündigte in Genf an, sie wolle in den kommenden Tagen Tausende Menschen aus Tripolis in Sicherheit bringen. Dort warten Ägypter und andere Ausländer auf ihre Ausreise. Die Straße zur tunesischen Grenze, über die bereits 10.000 Ausländer geflüchtet sind, ist wegen der Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen derzeit unsicher. Die Evakuierung müsse daher in einem kurzen Zeitfenster vermutlich über dem Seeweg geschehen. Rund 600.000 Ausländer, von ihnen viele Gastarbeiter aus Schwarzafrika, sollen das Land bereits verlassen haben. Den Aufständischen zufolge setzen sich nach der Eroberung der Stadt Zawiya durch die Rebellen Zivilisten aus Tripolis nach Zawiya ab. Zawiya liegt rund vierzig Kilometer westlich der Hauptstadt.

 

(APA/AFP/Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

135 Kommentare
 
12 3 4
Gast: Eso-Vergelter
22.08.2011 21:56
1

Syrien

Nach dem Sieg über Gaddafi wird die Nato wohl als nächstes Syrien angreifen. Doch die Nato wird scheitern. Und auch die Islamisten werden letztlich scheitern. Und die Macht des nicht-grünen Ökologismus wächst explosionsartig. Z. B. werden die herkömmlichen Autos durch 1 l-Autos ersetzt. Bei der Wahl in Berlin am 18. September werden die FW und Pro D viele Stimmen bekommen.

Re: Syrien

bitte hört endlich mit den -ismen auf. ist irgendwie kindisch.

Gast: Blankenstein Husar
22.08.2011 15:18
0


Gast: GuterGast
22.08.2011 14:32
1

falsche Beispiele

...ein zweites Iran ?
Iran ist weder Libyen noch Syrien und nicht arabisch! Sie sind Perser.
Immer wieder wird das Land als schlechtes Beispiel nach einem Regierungssturz ohne Hoffnung genannt. Die Wahrheit liegt fern von kritischen Augen der Medien.
Mehrere (4) vom Westen verhängte UN-Resolutionen hätten eigentlich folgen auf Bezwingung des Systems haben sollen, stattdessen leidet das Volk darunter, wie mit immer steigenden Preise für Lebensmittel und Sprit.
Trotz dieser Isolationen und dem (erzwungenen!) 8 jahre langen Krieg mit Irak, läuft der Wiederaufbau der Struktur. Eigene Fahrzeugbau-Fabrike sowie Flug und Raumfahrt sind einige Beispiele der iranischen Ingeneurskunst. Durch nur einen Systemsturz hat noch Niemand sich seines Landes Möglichkeiten erhöht.
Viele wollen nur das Bild des islamisch-religiösen-primitiven bösen Staates zeigen um ihr späteres Gewalteindringen in andere Länder rechzufertigen. olationen und dem (erzwungenen!) 8 jahre langen Krieg mit Irak, läuft der Wiederaufbau der Struktur. Eigene Fahrzeugbau-Fabrike sowie Flug und Raumfahrt sind einige Beispiele der iranischen Ingeneurskunst. Durch nur einen Systemsturz hat noch Niemand sich seines Landes Möglichkeiten erhöht.
Viele wollen nur das Bild des islamisch-religiösen-primitiven bösen Staates zeigen um ihr späteres Gewalteindringen in andere Länder rechzufertigen.

Gast: GASTi
21.08.2011 22:35
6

jetzt oder nie

wann wird diese hasserfüllte fratze endlich erledigt, damit sich die untedrückte bevökerung wieder neu aufbauen kann?
kaum zu glauben, dass sich ganze länder wegen eines mit drogen vollgepumpten psychopaten so derart versklaven lassen müssen.

weg mit gadaffi geauso wie mit saddam hussein, wenn alle diese tyrannen mal von diese leben sind, dann kehrt in den ewig kriegsführenden ländern vielleicht mal so etwas ähnliches wie ruhe ein und eine demokratie kann sich entwickeln!!!!

Antworten Gast: nestbeschmutzer
22.08.2011 06:33
2

Re: jetzt oder nie

... damit die unterdrückte Bevölkerung wueder neu aufbauen kann...
OK, bin auch froh, dass dieser Mann vom Fenster ist; nur, klamme Frage: Was kommt danach? Wer sind die Leute da auf den Strassen? Die übernehmen was? Der Schuss kann wahrlich auch "nach hinten los gehen"- die Fundis warten schon auf ihre Chance, und die Stammesfürsten auf den Kampf um diese leere Stelle... Demokratie? Wo bitte?

Merci Sarkozy

Ohne seine Öl-Macht wird man Gaddafi endlich wieder als das behandeln, was er ist:

Ein gemeiner Mörder:

http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/08/20/neue-ermittlungen-gegen-thomas-kram/

Wäre Sarkozy nicht beherzt eingeschritten, wäre diese Chance wohl für immer dahingewesen.


Merci Sarkozy ? Besser abwarten was diese Revolution bringt

es wäre erstmals in der Geschichte, würden Menschen, die eine Demokratie nicht selbst gelebt haben, deren religiöse Ideologie Demokratie (gleiche Recht Mann u Frau, freie Religionswahl) nicht zulässt, zur Freiheit gelangen.
Tragische Anmerkung: unter saddam H., Asad, Ghadaffi gab es keinen religiösn Zwang von oben.

Gast: odin C.
21.08.2011 21:01
7

Oh Gott, woher nehmen der Strache und seine kriminellen Parteibonzen jetzt das Geld?

Sadam ist hin und der Gadaffi ist's auch bald.

Des war wohl nicht "part of the game", was?

Gast: ließdas
21.08.2011 20:43
6

Gegen die NATO ist Gadaffi ein Wahrheitsfanatiker

Es soll in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen das die NATO-Rebellen alles unter ihre Kontrolle gebracht haben. Also nicht mehr geschossen wird.
Dann wird schnell ein großer NATO-Friendskonvoi mit Hilfsgüter "für die Zivilisten" losgeschickt, da sonst das Land angeblich in Anarchie und vor allem einer Hungersnot versinken würde.
Tatsächlich wird das die Invasion mit Bodentruppen sein, ohne die es nicht geht.

Hoffentlich lässt sich die Öffentlichkeit nicht ausgetricksen.

Falls doch, ihr werdet schon sehen, zuerst die großen Jubelberichte, dann die ersten Toten NATO Soldaten, dann das große Al Kaida Schreckgespenst und immer mehr der Flächenbrand im Nahen Osten.

Antworten Gast: Pipefitter
22.08.2011 05:50
1

Re: Gegen die NATO ist Gadaffi ein Wahrheitsfanatiker

..ist aber nur Ihre Meinung!

Durchziehen

Die Angriffe der Nato müssen solange fortgesetzt werden bis das gesamte Regime weggefegt ist. Nur schon eine kürzere Pause der Angriffe würde Gaddafi nutzen um seine Truppen neu zu organisieren um sie wieder auf die Bevölkerung loszulassen.
Aufgrund der Vita Gaddafis dürfte es leider keine andere Lösung geben.

Gast: Lachziege StRache
21.08.2011 19:55
4

Nobelpreis

Nach Obama
hat die NATO
den Friedensnobelpreis
wirklich verdient!!!

Antworten Gast: Romanino
22.08.2011 06:37
0

Re: Nobelpreis

Die Familien die ihre Kinder im Krieg verloren haben und für Freiheit gekämpft haben, die sollten belohnt werden

Antworten Gast: Hardliner 1
21.08.2011 22:13
5

Re: Nobelpreis

Ausgezeichneter Vorschlag. Wer bombt, der bekommt!

Gast: Pipefitter
21.08.2011 19:48
2

Nach einemkurzen Gefecht flüchteten die hochgelobten,

als Hauptsymbol des Regimes gefeierten, die 32 te, oder als Kamis- Brigade
bekannte Einheit, die bestausgestatteten und besttrainierten Kämpfer.
http://english.libya.tv/2011/08/21/libyan-rebels-capture-major-base-defending-capital/
Die FF feierten natürlich diesen Sieg, sie plünderten die Depots und setzten ihre
rot-schwarz-grüne Flagge über das Haupttor dieses Miltärkomplexes, 16km westlich der Stadt.
Alle möglichen Waffen wurden auf LKWs verladen und weggebracht.
This is the wealth of the Libyan people that he was using against us,” sagte
Ahmed al-Ajdal, 27, a fighter from Tripoli, was loading up a truck with ammunition.
"Der Reichtum Libyens, den sie gegen uns eingesetzt haben"

Gast: netter gast
21.08.2011 19:41
4

Lehrstunde


Und wieder einmal lehrt uns die NATO :

Der Stärkere hat recht .

Antworten Gast: Leon Walras
22.08.2011 06:20
1

Re: Betrachte es realistisch ...

... das Gute hat gesiegt!

Antworten Gast: beschwerer
21.08.2011 23:44
3

Re: Lehrstunde

ab nach tripolis, gaddafifreund, ihr Held braucht Kämpfer!

Antworten Gast: Hallo
21.08.2011 22:47
0

Re: Lehrstunde


Und die Stärke erkauft man sich.

Wer möchte weiterdenken?

Gast: russiafan
21.08.2011 19:34
2

naja, wird halt auch soeine "DEmokratie" werdedn

wie in Georgien oder dem Kosovo - Staaten "made by the state department"...

Die Franzosen können nichtmal die eigenen (Araber) auf den Strassen Paris´im Zaume halten, wie wollen die dann im Maghreb irgendwas ritzen?

Die kleckern ihre Bomben in die Landschaft, was danch kommt weiss niemand.

Die Leute im Kosovo oder Irak, beide "ebfreit" fragen sich auch schon langsam, was das ganze gebracht haben soll...

Gast: EU-Power
21.08.2011 19:30
6

Bravo Nato

Nochmals zum mitschreiben an unsere muslimischen Nachbarn!!!

"Nato O Akbar" und nicht das heuchlieschere

Allah O Akbar". Der gibt euch Kein Geld,Waffen und Arbeit.

Kärnten wird Gaddafi sicher gerne aufnehmen

...die haben ein eigenes Programm für finanzkräftige und konkrete Ausländer...

Kärnten bietet Gaddafi Asyl und Staatsbürgerschaft
http://bit.ly/oCIXkz

Gast: Beduine
21.08.2011 19:25
1

Gaddafi ist Geschichte hörte ich gerade am ZDF !

Ihm wurde der Marsch geblasen!

Aber was macht er jetzt mit seinem Zelt und seinen kamelen !

Werden ihn die Kamele vermissen !


"Mit Gaddafi geht es zu Ende"



Ja, das ist sehr wahrscheinlich.

Aber genauso zu Ende geht die Demokratie und vor allem der Wohlstand in Europa.

Unsere Politiker sind gerade dabei die letzten Chancen zu verspielen.

Gast: Giftspritzer
21.08.2011 12:03
0

Tja

Beim Thema Libyen schlägt diePresse.com-Zensur mit voller Kraft zu!

 
12 3 4
AnmeldenAnmelden