Der verurteilte und später freigelassene Lockerbie-Attentäter Abdelbaset al-Megrahi liegt laut dem Sender CNN in Tripolis im Koma. Der Sender zeigte Bilder Megrahis im Krankenbett und berichtete, er sei dem Tod nahe.
Ein Minister des libyschen Nationalen Übergangsrates hatte am Sonntag mitgeteilt, Megrahi werde nicht an den Westen ausgeliefert, wie das von der britischen Regierung und Politikern in den USA gefordert wurde. "Er stirbt ohnehin. Hier oder dort. (...) Es gibt keine Ärzte, niemanden den wir um Rat fragen können", sagte auch ein Sohn Megrahis gegenüber CNN. Megrahi erhält Sauerstoff und hängt am Tropf.
Angriff auf Sirte wird vorbereitet
Die Rebellen versuchen derzeit, die eingenommene Hauptstadt Tripolis zu befrieden. Die dortige Versorgungslage ist kritisch, die Lage in den Krankenhäusern dramatisch.
Zudem bereiten sie einen möglicher Angriff auf Gaddafis Heimatstadt Sirte vor, nachdem die Verhandlungen um eine friedliche Übergabe der Stadt mit den Stammesführern ins Stocken geraten waren. Die Rebellen kommen auf ihrem Vormarsch nach Sirte aber nur langsam voran. Einem al-Jazeera-Bericht zufolge haben sie jetzt aber den Ort Nawfaliya, rund 120 Kilometer westlich von Sirte, weitgehend unter Kontrolle.
Unterstützt werden sie von Nato-Luftschlägen in Sirte zum "Schutz der Zivilisten". Das Militärbündnis behauptet, am Sonntag in Sirte unter anderem vier Radaranlagen, 20 Abschussbasen für Boden-Luft-Raketen und drei Militärfahrzeuge zerstört zu haben. Für den Angriff auf Sirte brauchen die Rebellen aber mehr erfahrene Kämpfer, berichtet al-Jazeera.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron wollen am Donnerstag eine internationale Libyen-Konferenz im Pariser Élysée-Palast leiten, zu der auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird. Auf der Tagesordnung stünden die Pläne für den politischen Übergang in dem nordafrikanischen Land, der Prozess der Versöhnung und der Wiederaufbau, sagte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Zu der Konferenz der "Freunde Libyens" hat Frankreich rund fünfzig Länder eingeladen, darunter auch die UNO-Vetomächte China und Russland.
Islamisten bejubeln "Sieg der Revolution"
Die tunesische Islamisten-Partei Ennahda lobte unterdessen den "Sieg der Revolution" im Nachbarland. Durch den Untergang des Gaddafi-Regimes würden die "Brüderlichkeit" der beiden Völker und ihre "Einheit in der Religion" gestärkt, hieß es in einer in Tunis veröffentlichten Erklärung von Parteichef Rached Ghannouchi. Er rief die libyschen Kämpfer zu "Geduld, Zurückhaltung und Verzeihen" auf, um die Geburt eines "neuen, demokratischen, arabischen und muslimischen Libyen in Freiheit und Würde" zu ermöglichen.
HRW: Beweise für Hinrichtung von Häftlingen
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erhob schwere Vorwürfe gegen Gaddafi-Getreue. Es gebe Beweise für willkürliche Hinrichtung von Häftlingen, als die Rebellen in die Hauptstadt einrückten. Gaddafis Gefolgsleute hätten sogar medizinisches Personal getötet. Der Übergangsrat sucht nach mehr als 50.000 Häftlingen, die spurlos verschwunden sind. Diese Gefangenen würden möglicherweise in unterirdischen Bunkeranlagen festgehalten.
(Ag.)
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