David Petraeus: Von Uniform in den Anzug

06.09.2011 | 18:27 |   (Die Presse)

David Petraeus, hochkarätiger Vier-Sterne-General, übernimmt Kommando im US-Auslandsgeheimdienst. Am liebsten wäre er als Generalstabschef in Pension gegangen.

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Washington. „Peaches, Peaches“, skandierten seine Kameraden, als der hochkarätige Vier-Sterne-General David Petraeus nach 37 Jahren seinen Abschied aus der Armee nahm. „Peaches“ war der Spitzname Petraeus' an der Militärakademie West Point. Am Ende seiner Militärkarriere warnte der 58-Jährige noch vor drastischen Einsparungen im Pentagon-Budget, bevor er sich seinem neuen Job zuwandte.

Am liebsten wäre er als Generalstabschef in Pension gegangen, doch Präsident Barack Obama hatte andere Pläne mit Petraeus. In einer Rochade, in der der bisherige CIA-Chef Leon Panetta zum Verteidigungsminister avancierte, ernannte er den Nachfahren niederländischer Seeleute zu dessen Nachfolger an der Spitze des Auslandsgeheimdiensts. Bei der Angelobung durch Vizepräsident Joe Biden im CIA-Hauptquartier Langley am Dienstag tauschte der Karrieregeneral, den die Republikaner auch mehrfach als Präsidentschaftskandidaten ins Gespräch gebracht hatten, die Uniform gegen einen dunklen Anzug.

In seinem neuen Amt wird Petraeus mit einer Materie zu tun haben, die ihn zuletzt auch in seiner Funktion als Oberkommandierender der Nato-Truppen in Afghanistan beschäftigt hat: dem Einsatz am Hindukusch und dem Kampf gegen den Terror. Unter seinem Vorgänger Panetta hat der CIA die Drohnenangriffe im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet und die Operationen von Spezialkommandos massiv verstärkt.

Spektakulären Erfolgen gegen die al-Qaida stehen die wachsende Kriegsmüdigkeit der Amerikaner und die Skepsis von Militärexperten gegenüber. Als Architekt der Gegenoffensive im Irak-Krieg sprach sich der allseits anerkannte Stratege Petraeus, der über den Vietnamkrieg promoviert hatte, gegen einen zu raschen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2011)

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