Tunis/Wien/Apa/Dpa. Es waren ungewohnte Bilder an einem Wahltag in Tunesien: Vor den Wahllokalen bildeten sich bereits kurz nach der Öffnung lange Schlangen. „So etwas hat es in Tunesien noch nie gegeben“, berichteten Augenzeugen verwundert.
Mit Spannung wird erwartet, welches politische Lager in der verfassungsgebenden Versammlung die Mehrheit stellen wird. Für die 217 Sitze kandidieren 11.618 Kandidaten. Rund 80 Parteien nahmen an der Wahl teil. Nur eine Handvoll hat aller Wahrscheinlichkeit nach Aussichten, auch Sitze in dem Gremium zu gewinnen.
Die islamistische Ennahdha-Bewegung könnte mit 20 bis 30 Prozent der Stimmen die stärkste Einzelpartei werden. Ihr Problem: Sie hat nur wenige mögliche Koalitionspartner und damit nur geringe Aussichten, die politische Führung zu übernehmen. Mit dem vorläufigen Endergebnis wird heute, Montag, gerechnet.
Die 217 Mitglieder der verfassungsgebenden Versammlung sollen eine neue Übergangsregierung benennen und ein Grundgesetz erarbeiten. Spätestens in einem Jahr sind dann Parlaments- und Präsidentschaftswahlen geplant.
„Ergebnisse anerkennen“
Übergangspräsident Foued Mebazaa kündigte indes an, sich nach der Wahl am Sonntag endgültig aus der Politik zurückziehen zu wollen. „Ich werde die Ergebnisse anerkennen, wer auch immer der Gewinner ist und was auch immer die Farbe der Mehrheit sein wird“, sagte Mebazaa der Sonntagsausgabe der arabischsprachigen Zeitung „Assabah“. Er sicherte zu, die Macht an den interimistischen Präsidenten zu übergeben, der von der neuen Verfassungsgebenden Versammlung bestimmt wird.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2011)
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