20.05.2013 02:49 Merkliste 0

Tunesien: Islamisten feiern sich bereits als Wahlsieger

25.10.2011 | 19:41 |   (DiePresse.com)

Die Ennahdha-Bewegung erhielt nach eigener Zählung mehr als 30 % der Stimmen. Bereits offiziell ist ihr starkes Abschneiden bei Auslands-Tunesiern.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Nach den Wahlen in Tunesien hat sich die islamistische Ennahdha-Bewegung noch vor Verkündung der Ergebnisse als Sieger gefeiert. Wahlkampfleiter Abelhamid Jelassi teilte in der Nacht auf Dienstag mit, Ennahdha habe nach eigener Zählung mehr als 30 Prozent aller Stimmen erhalten. Diese Zahlen auf Basis der bereits ausgezählten Wahlkreise sind jedoch inoffiziell.

Gut abgeschnitten hat die Partei jedenfalls unter Ausgewanderten und Exilanten. Nach Angaben der Wahlkommission am Montag gewann die islamische Bewegung die Hälfte der 18 Mandate, die in der 217 Sitze umfassenden verfassungsgebenden Versammlung für Auslands-Tunesier reserviert sind. Die linksnationalistische Kongress für die Republik (CPR) erhielt vier Sitze, die sozialistische Ettakatol drei, zwei Sitze gingen an andere Parteien. Rund 1,1 Millionen im Ausland lebende Tunesier hatten abgestimmt. Auch in Österreich gab es rund 4.000 Wahlberechtigte.

Endergebnis für 20 Uhr erwartet

Nach Angaben der tunesischen Wahlleitung ist mit dem vorläufigen Endergebnis frühestens am Dienstagabend ab 20 Uhr (MESZ) zu rechnen. Die Wahlkommission gibt vorher keine offizielle Teilergebnisse bekannt. Die Ennahdha von Islamistenführer Rachid Ghannouchi war unter dem im Jänner gestürzten Herrscher Zine el Abidine Ben Ali verboten und ist in der Bevölkerung bis heute stark umstritten.

Liberale Tunesier fürchten im Falle einer islamistischen Regierung einen für sie dramatischen Wandel des Landes. Die Ausrichtung der Islamisten bleibt in vielen Bereichen unklar. Im Wahlkampf präsentierte sich die Ennahdha-Bewegung als moderne Partei nach dem Vorbild der türkischen AKP. Vertreter verglichen die Bewegung auch als islamische Entsprechung der Christdemokraten in Europa.

Der deutsche Islamwissenschaftler Mathias Rohe sieht keine Anzeichen für einen künftigen Gottesstaat in Tunesien. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein strikter Scharia-Islamismus in einer vergleichsweise liberalen Gesellschaft wie der tunesischen durchsetzbar sei, sagte der Jurist und Direktor des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa im Deutschlandradio Kultur.

Die UNO, die USA und Vertreter Europas hatten den Urnengang als Beispiel für die gesamte Region und die Welt gelobt. Die Abstimmung sei ein "historischer Meilenstein auf Tunesiens Weg von einer autokratischen Diktatur zu einer Regierung, die den Willen des Volkes respektiert", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. Auch EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek fand lobende Worte für die Wahl, die er laut einer Pressemitteilung des Europaparlaments als "Zeichen der Hoffnung für Tunesien und die gesamte Region" bezeichnete. Der Urnengang sei ein wichtiger Schritt für den Übergang zur Demokratie in Nordafrika und Nahost, sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und EU-Wahlbeobachter hatten den Wahlverlauf als frei und fair eingeschätzt. Neun Monate nach dem Sturz von Ben Ali waren rund sieben Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die 217 Mitglieder einer verfassungsgebenden Versammlung zu bestimmen. Sie soll einen neuen Übergangspräsidenten ernennen und ein Grundgesetz erarbeiten. Für die Versammlung kandidierten insgesamt 11.618 Bewerber.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

48 Kommentare
 
1 2
Antworten Gast: heidelbeere
25.10.2011 16:26
3 0

Re: Sharia? Wer ist das? Kenn ich nicht!

Das ist die Antwort der östlichen Welt auf Alice Schwarzer.

Gast: ROTER OKTOBER
25.10.2011 14:54
2 13

Ich kann sehr gut mit der Klobürste umgehen meine braunen Bildungsverlierer.

Na ja, hoffentlich ist die Uni bald wieder besetzt, da kann man mich bestimmt sehr gut einsetzen. Die Häusl damals waren ned schön hab ich gehört!

Re:

Darf man fragen, was ein Bildungsgewinner wie dich dazu bewegt, hier seine wertvolle Zeit zu vergeuden?
So ein gebildeter Mensch wie du hat doch normalerweise gar keine Zeit sich mit diesen Bildungsverlierern abzugeben.

Antworten Antworten Gast: Blankensteiner Husar
25.10.2011 18:09
0 3

Re: Re:

Ist es im Andy-Unterberger-Blog zu langweilig geworden?

Antworten Antworten Gast: ROTER OKTOBER
25.10.2011 15:42
1 7

Re: Re:

"Darf man fragen" - Nein, dürfen Sie nicht.
Wo ist Ihr Freund Parapente? Ach, der sperrt wahrscheinlich gerade den Bauchladen zu, stimmt's?

Antworten Gast: antiTroll
25.10.2011 15:09
3 1

Re:

..als beamteter Häusltschik.

Gast: Pensador
25.10.2011 14:49
7 1

Demokratische Wahlen sinds nur, wenn es nachher wieder welche gibt.

An die Macht kommt nach Revolutionen immer die Gruppe, die am besten organisiert ist.
Ob das auch die sind, die das Volk will oder die
Besten, ist die Frage.
Jedenfalls wars auch so in Russland, als nach der Revolution die Kommunisten die Macht an sich rissen. Und die behielten sie, wie man weiss, sehr lange.
Ob eine Partei durch freie Wahlen an die Macht kommt ist nicht entscheidend. Auch das NS-Regime kam auf demokratischem Wege an die Macht. Demokrat ist, wer sich nach nicht allzu langer Zeit wieder einer demokratischen Wahl stellt. Mal sehen, ob die Islamisten das tun werden. Weder Kommunisten noch Nazis taten dies.

Gast: Ösi
25.10.2011 14:38
2 9

Bei dem was hier manche Mitkommentatoren vom Stapel lassen...

....lässt mich glauben am Planet der Affen zu sein.

Any questions?

Antworten Gast: antiTroll
25.10.2011 15:10
4 3

Re: Bei dem was hier manche Mitkommentatoren vom Stapel lassen...

..als Anführer soll ma sich net wundern!

Antworten Gast: justerix
25.10.2011 14:59
6 3

Re: Bei dem was hier manche Mitkommentatoren vom Stapel lassen...

Wenn ihnen die postings in diesem Forum nicht passen - warum treiben sie sich dann darin herum?

Antworten Antworten Gast: Papa Schlumpf
25.10.2011 15:06
3 5

Re: Re: Bei dem was hier manche Mitkommentatoren vom Stapel lassen...

Huach amoi zua du Loser!
Passen tut mir ein Schuh! Alles klar?

Antworten Gast: nina blum
25.10.2011 14:41
5 2

Re: Bei dem was hier manche Mitkommentatoren vom Stapel lassen...

Naja, bei Ihnen sind wir uns sicher, dass Sie auf dem Planeten der Affen wohnen.

Any comments?

Gast: baro palatinus
25.10.2011 14:35
10 0

eigenwillige betrachtungsweise

"Im Wahlkampf präsentierte sich die Ennahdha-Bewegung als moderne Partei nach dem Vorbild der türkischen AKP."

moderne partei? akp?

Gast: Saggara
25.10.2011 14:32
7 0

Die Machos können jubeln

Die Polygamie wird ebenso wie in Libyen bald wieder eingeführt.

Gast: schreker
25.10.2011 14:32
12 1

Und genau das ist das Problem.

Immer dasselbe in den arabischen Ländern: Ein Tyrann wird verscheucht, und durch demokratische Wahlen kommt dann was noch Schlimmeres nach. Die sind dort offensichtlich zu blöd für Demokratie! Naja, jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient...siehe Österreich.

Gast: Klingeling
25.10.2011 14:21
1 0

Wen wunderts wirklich...?

Nur eine handvoll anderer jüngst ins Leben gerufenen Parteien haben eine Homepage und noch weniger ein brauch- bzw- lesbares Programm.

Also kein Wunder.

Das ist die einzige Partei die "Erfahrung und Organisation hat bzw. kennt".

Dieses Volk braucht jetzt Sicherheit und eine gerechte aber überzeugende Führung.

Manche Parteien haben sich nur deshalb gebildet damit die Wahrscheinlichkeit dass mehr Stimmen auf den vermeintlichen Wahlsieger mit Anzahl der neuen Parteien sinkt.

Völlig Abstrus.

Gast: ZARA
25.10.2011 14:13
1 10

Bei 15 % hat sich der unvergleichliche blaue Heilsbringer 2010 in Wien bereits zum Wahlsieger gekürt

Und er hat der "Minderheit" von 75 % erklärt, was sie nun alles zum eigenen Wohlergehen für die blaue Sache machen muss.

Da muss ja jetzt auch jeder Freiheitliche für die Islamisten sein, denn die haben ja noch mehr die "Mehrheit".

Antworten Gast: schreker
25.10.2011 14:29
9 1

Re: Bei 15 % hat sich der unvergleichliche blaue Heilsbringer 2010 in Wien bereits zum Wahlsieger gekürt

Na, mit dem Rechnen haben Sie's aber nicht so?

Antworten Antworten Gast: ZARA
25.10.2011 14:39
0 7

Re: Re: Bei 15 % hat sich der unvergleichliche blaue Heilsbringer 2010 in Wien bereits zum Wahlsieger gekürt

Na, einer hats gelesen, hehe!
Klar sinds 25%, lieber Troll.

Re: Re: Re: Bei 15 % hat sich der unvergleichliche blaue Heilsbringer 2010 in Wien bereits zum Wahlsieger gekürt

Sie sind nicht mal witzig...

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: ZARA
25.10.2011 16:22
1 5

Re: Re: Re: Re: Bei 15 % hat sich der unvergleichliche blaue Heilsbringer 2010 in Wien bereits zum Wahlsieger gekürt

Tjachen, die Zecke findet die Zeckenzange eben nicht witzig. Kratzt mich aber frento-mäßig kein bißchen.

Gast: justerix
25.10.2011 14:12
8 1

tunesien

Als nach dem Sturz des Schah Khomeini in Teheran aus dem Flugzeug ausstieg, haben ihm auch die Massen zugejubelt; wie`s weiterging weiß man ja inzwischen; man kann nur hoffen, dass sich die Geschichte in Tunesien nicht wiederholt; es schaut aber nach dem Wahlsieg der Islamisten schlecht aus.

Gast: theraptor
25.10.2011 14:04
4 1

Prima, ...

... eine iranische Gegenküste im Mittelmeer. Die europäische Politk hat sich selbst übertroffen. Das werden interessante Jahrzehnte werden.

 
1 2