Giorgos Papandreou: Der Poker-Premier

01.11.2011 | 13:24 |   (DiePresse.com)

Seine Risikofreude könnte Griechenland in den Ruin treiben. Derzeit setzt er alles auf eine Karte.

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Er pokert gern hoch - auch wenn er Niederlagen fürchten muss: Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat mit seiner Risikofreude schon so manchen Partner vor den Kopf gestoßen. Dieses Mal könnte ihn seine Strategie nicht nur Verbündete kosten - sie könnte sein Land in den Ruin treiben.

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Das EU-Rettungspaket für das von der Pleite bedrohte Griechenland ist bereits geschnürt, doch Papandreou reicht das nicht. Er will die Rückendeckung seines Volkes, sind die Hilfsmaßnahmen doch an strenge Sparauflagen geknüpft.

Damit setzt er alles auf eine Karte: Verweigert sein Volk die Zustimmung, droht der Staatsbankrott. Der Sozialist zeigt sich als Spieler. Geht sein Plan auf, hat er nicht nur das Vertrauen der Griechen gewonnen, sondern auch politische Glaubwürdigkeit. Alles oder nichts, heißt also das Motto.

Es ist nicht das erste Mal, dass der 59-Jährige pokert. Der Opposition schlug er etwa vor, eine Große Koalition zu bilden - und dafür notfalls zurückzutreten. Dann machte er einen Rückzieher und beschloss, allein einen Weg aus der Krise zu suchen. Ein steiniger Weg - ohne Sicherheiten.

Gefestigter Politik-Veteran

Doch Papandreou hat Ausdauer. Nicht nur politisch. Er fährt viel Fahrrad, rudert und ist gertenschlank. Er ist radikaler Nichtraucher und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Gegen starken Widerstand peitschte Papandreou zuletzt ein drakonisches Sparprogramm durch, um sein verschuldetes Land wieder auf Kurs zu bringen.

Das Erbe, das der zweifache Familienvater nach seinem Wahlsieg 2009 angetreten hat, ist groß: Schon sein Großvater Georgios Papandreou und sein Vater Andreas Papandreou waren griechische Ministerpräsidenten. Dass er selbst lange in den USA und in Schweden gelebt hat, merkt man daran, dass sein Griechisch nicht immer fehlerfrei ist. Dass ihn sein Volk und seine Verbündeten in jüngster Zeit oft nicht mehr verstehen, dürfte daran aber nicht liegen.

(Ag.)

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2 Kommentare
Gast: so etwas
01.11.2011 15:26
0

so etwas

Na sowas die Hilfsgelder flossen zu einem nicht unbetraechtlichen Teil auf das Konto bei Goldman Sachs, konnte da die Terrorgefahr nicht beseitigt werden?

Papandreou ist ein Spieler

in bester Gesellschaft. Am Tisch mit ihm sitzen noch weitere 16 Spieler. Portugal hat ein schlechtes Blatt, genauso Irland und Spanien. Frankreich und Italien spielen mit gezinkten Karten und alle anderen schauen jetzt dumm aus der Wäsche, da sie merken, dass man ihnen übel mitspielt und sie immer wieder über den Tisch zieht. Griechenland versucht nun das Spiel an sich zu reißen und alle Beteiligten auszuhebeln, egal was es kostet. Die Verlierer werden jedoch alle Spieler sein, da es sich hier um ein manipuliertes Spiel handelt, bei dem die USA die Kiebitze in Form von Ratingagenturen stellen.

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