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„Dann wäre der Nahe Osten voller Atomstaaten“

10.11.2011 | 18:58 |  Von unserer Korrespondentin SUSANNE KNAUL (TEL AVIV) (Die Presse)

Der israelische Iran-Experte Meir Litvak über Gefahren und Folgen einer Atommacht Iran. "Der Iran im Schirm der Bombe kann Terroristen den Rücken decken", satgt der Experte im Interview.

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Die Presse: Herr Litvak, kann man Teheran durch verschärfte Sanktionen jetzt überhaupt noch zu einem

Richtungswechsel zwingen?

Meir Litvak: Das kommt sehr auf die Art der Sanktionen an. Es müsste schon eine sehr klare Verschärfung sein, etwa ein Handelsstopp für iranisches Benzin. Wenn im Iran eine schwere finanzielle Krise entstünde, könnte man wohl etwas erreichen. Das würde aber die Kooperation von Russland und China voraussetzen, und das ist eher unwahrscheinlich. Auch ob der Westen wirklich mithalten würde, ist nicht sicher: Dort herrscht Sorge um die Ölpreise.

Halten Sie einen Atomstaat Iran für eine existenzielle Bedrohung Israels? Kann Israel einen Atomstaat Iran zulassen?

Was heißt denn „existenzielle Bedrohung“? Eine Atombombe allein wird Israel nicht zerstören. Aber wenn es Krieg geben sollte und es sterben 100.000 Menschen in Tel Aviv und das Handels- und Finanzzentrum in Tel Aviv wird zerbombt, welches Israel haben wir dann noch? Kann es dann überhaupt noch als Staat und als Gesellschaft funktionieren? Auch wenn der Staat an sich nicht zerstört wird, kann seine Existenz gefährdet sein.

Halten Sie denn einen iranischen Atomangriff auf Israel für möglich?

Nicht zwingend. Ein Krieg zwischen dem Iran und Israel muss kein Atomkrieg sein. Israel, die USA und andere können den Iran davon abhalten, Atomwaffen einzusetzen.


Warum dann die Aufregung?

Ein Atomstaat Iran ist problematisch. Es sieht nicht so aus, als plane Teheran einen Angriff, aber wir können nicht sicher sein, dass es so bleibt. Jemand wie Präsident Ahmadinejad lässt sich vielleicht nicht abschrecken. Der Iran im Schirm der Bombe kann Terroristen den Rücken decken. Stellen Sie sich vor, dass die Hisbollah hunderte Raketen auf Israel feuert und dem Iran signalisiert, dass jeder Gegenschlag Israel teuer zu stehen käme. Zudem würde auch Saudiarabien nukleare Ambitionen zeigen, und die Türkei und Ägypten. Dann wäre der Nahe Osten voller Atomstaaten. Die Gefahr wüchse, dass aus Versehen, Missverständnissen oder Eskalationen von Konflikten Atomwaffen zum Einsatz kommen.

Wo ist Irans Opposition, die nach der vorigen Wahl auf die Straße ging?

Die ist demoralisiert und gelähmt. Ich glaube, die Mehrheit der Iraner zieht den zwar nicht guten, aber vertrauten Status quo einer ungewissen Zukunft vor. Zudem ist die Unterdrückung effektiv. Es kann sein, dass die Opposition auch daran scheitert, eine breitere Agenda zu schaffen, die über das Ziel der Demokratisierung hinausgeht. Es gibt keinen wirtschaftlichen oder sozialen Aspekt, der für Arbeiter und Händler attraktiv wäre.


Wie wahrscheinlich ist ein Präventivschlag der israelischen Luftwaffe gegen Irans Atomanlagen?

Solange unklar ist, ob die internationale Gemeinschaft aktiv wird oder nicht, rechne ich nicht mit einem Alleingang Israels. Sonst würde man uns nachher beschuldigen, wir hätten friedliche Lösungswege sabotiert.

Zur Person

Meir Litvak wurde 1958 in Jerusalem geboren und studierte unter anderem in Harvard (USA), wo er 1991 zum Doktor der Philosophie graduierte. Heute ist Litvak Direktor des Institutes für Iranstudien, das am „Dayan-Zentrum für Nahost- und
Afrikastudien“ der Universität von Tela Aviv untergebracht ist. Zu seinen Forschungsgebieten zählen unter anderen der arabische
Antisemitismus und die Perzeption des Holocaust in Europa in der arabischen Welt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2011)

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490 Kommentare
 
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Gast: Lucky1911
25.11.2011 12:21
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Atomwaffen-Ausverkauf

Naja, Israel liefert schon seit Jahrzehnten die vom Westen so begehrten Waffen. Desert Eagle als ihr Markenzeichen...

Der Westen profitiert von diesen Waffen, warum sollte er sich auf die Seite des Irans stellen?....

Das Israel ein genauso schmutziges Land wie der Iran ist, wird unter den Tisch gekehrt....


Gut, der Westen deckt ja auch seine Terroristen

Symmetrie ist der einzige Weg zu langfristigem Frieden.

Gast: ajaaa
11.11.2011 17:09
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Radioaktivität in der Luft!

Zitat orf: "Die Jod-Konzentration (in der luft) sei in den vergangenen Tagen zunächst in Tschechien und danach auch an anderen Orten in Europa festgestellt worden, teilte die IAEA weiter mit. Auch vom österreichischen Umweltministerium wurde das Isotop gemessen.

Gast: sanctus
11.11.2011 16:26
2 2

weltweite Sanktionen

die Welt ist voller Heuchler und Pharisäer..
es wird überall mit zweierlei Mass gemessen..
die UNO hat eine ellenlange Liste von Sanktionen für viele unliebsame Länder,leider mangelt es an der Umsetzung..dies geschieht nur dort wo massive wirtschaftlche Interessen einzelner Mächtiger(Konzerne,Finanzwirtschaft,Geheimdienste,etc) als Vorgabe dienen und nicht im Interesse der Gerechtigkeit oder Humanität.wen interessieren tägliche Berichte über zigtausend zivile Opfer weltweit?die Ami scheren sich darum am allerwenigsten...
conclusio: wann gibt es endlich glaubwürdige Sanktionen gegen die Israeli?
Dem Westen geht es nicht um Demokratie sondern einzig und allein um wirtschaftliche Einflussnahme in fremden Ländern...

Gast: Tar
11.11.2011 16:17
0 0

Warum atomwaffenfreien Zone in Europa wurde noch nicht erstellt, z. B. unter der Schirmherrschaft der OSZE, um ein Beispiel für andere Regionen gesetzt?



Gast: Hans Gans
11.11.2011 13:37
1 2

"Iran, die Bombe und der ratlose Westen"

Tja, dann wird dem Westen wohl nichts anderes üblich bleiben, als das Öl von den Iranern zu kaufen, anstatt - wie geplant - die Iraner einfach auszurauben.

Gast: vordenker1a
11.11.2011 12:48
2 1

Wie könnte es gehen?

Meiner Meinung nach wäre eine neue "Kolonialisierung" (im positiven Sinne) Nordafrikas und des gesamten arabischen und persischen Raumes durch Europa gemeinsam mit den USA notwendig, um eine sichere, freie und für alle positive Entwicklung in die Zukunft sicherzustellen. So wahnsinnig es wäre, den Papuas Atomwaffen zu geben, so wahnsinnig ist es, dass die Perser Atomwaffen bekommen sollen. Man bedenke, nichts, was heute technischer Standard ist wurde von den Blossfüssigen selbst erfunden. Es ist einfach zu gefährlich, denen diese Technologie zu überlassen. Ach ja, auch die Paki-Atombombe gehört natürlich weg. Da sind die Russen, Chinesen, Inder und selbst die Nordkoreaner unvergleichbar mal rationaler handelnde Völker als die von Mullahs beherrschten Völker.

Re: Wie könnte es gehen?

Das Problem ist, die bisherigen "Revolutionen" haben das Symptom beseitigt (Mubarak, Ben Ali) aber nicht die Krankheit selber.
Die Krankheit lautet: Überalterte Strukturen, wovon der Löwenanteil auf die Religion entfällt. Nur das Brechen der alles bestimmenden Macht der Religion in den arabischen Ländern kann eine substantielle Verbesserung herbeiführen.

Die Religion vom Staat trennen müssen die Leute schon selber. Dann aber ist die Hilfe des Westens entscheidend.
Es muss statt den Quasi - Schutzgeldzahlungen wie in der Vergangenheit (für Öl, Sicherheit, Kontrolle afrik. Migrantenströme) echte wirtschaftliche Kooperation geben.
Kapitalhilfe ist da noch das Unwichtigste. Es geht um Strukturen in Bildung wie in Gesellschaft und um Know-how.

Ich bin mir sicher die nordafrikanischen Länder werden das erreichen, was der Türkei zu wenig ist: Einen privilegierten EU-Status. Erst dann wird Ruhe und Wohlstand rund ums ganze Mittelmeer herrschen.

Antworten Gast: Jochen Rind
11.11.2011 13:40
1 2

Re: Wie könnte es gehen?

"Meiner Meinung nach wäre eine neue "Kolonialisierung" (im positiven Sinne) Nordafrikas und des gesamten arabischen und persischen Raumes durch Europa gemeinsam mit den USA notwendig, um eine sichere, freie und für alle positive Entwicklung in die Zukunft sicherzustellen"

Richtiger müßte es heißen:

"Meiner Meinung nach wäre eine neue "Kolonialisierung" (im positiven Sinne) Nordafrikas und des gesamten arabischen und persischen Raumes durch Europa gemeinsam mit den USA notwendig, um eine sichere und für alle günstige Versorgung mit Roh-Öl für die Zukunft sicherzustellen"

Gast: DieFrage
11.11.2011 12:34
2 2

Wer hat denn, im nahen Osten, damit angefangen?


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wäre es nicht fairer, einen von den bedrohten zu interviewen?


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Uebersetzung

Er lebte in der Wueste und sprengte von dort das Sicherheitssystem der fuehrenden Nation, die sich im gegenzug durch die Drohung mit der Schaffung von Wuesten als hoechste Arbeitsleistung an den Armen absicherte.

Gast: Liberalissimo
11.11.2011 10:51
2 1

Wahrheitsgetreue Meinungsbildung

über Israel und die US-Interessen am besten bei :
http://zmag.de/autoren/Noam-Chomsky


Gast: Was.
11.11.2011 09:17
2 3

Was

Was nützt dem Angeber sein IPhone, wenn alle anderen auch eines haben. Das ist Israels Problem mit den Waffen der Anderen. Da nützt auch kein dickes Buch wo sie reingeschreiben haben, dass sie auserwählt sind. Wenn die anderen noch keines haben sollten, schreiben sie sich halt eines...

Gast: b754
11.11.2011 09:12
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http://orf.at/#/stories/2088907/


Gast: b754
11.11.2011 09:05
4 3

dieses israelische gejammere hält keiner mehr aus

in syrien haben die menschen wirklich probleme wer hilft denen

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Den Besitz von Waffen mit Krieg zu bekämpfen,

ist irgendwie schitzophrän.

Israel müsste sagen: Wenn ihr keine Atomwaffen baut, dann verschrotten auch wir unsere - peace!

Man kann das bekanntlich überwachen. Solche Dinger kann man nicht im kleinen Keller bauen.

Atomwaffen sollten generell abgerüstet werden.

Gast: b754
11.11.2011 07:07
6 5

hahnebüchene argumentation

die einzigen die hier terror machen sind sie selbst

Re: hahnebüchene argumentation

Was soll denn da hahnebüchern sein? Allenfalls Ihr Denkvermögen.

Dass die Atomrüstung des Iran den Nahostkonflikt auf eine ganz andere Ebene hieven würde, ist sonnenklar. Dass dieser Schritt Atomrüstung weiterer Staaten nach sich zieht ist ebenfalls klar. Saudi Arabien und Ägypten werden sich sicher nicht von Teheran ihre Politik dominieren lassen - und derjenige der nukleares Know-how besitzt ohne bislang umzusetzen ist Israel.

Jetzt wird Israel atomar aufrüsten müssen und das womöglich in klammheimlicher Kooperation mit den Arabern.

Und das Alles heisst: die Welt ist um sehr vieles unsicherer geworden.
Hahnebüchern nenne ich die Reaktion derjenigen Leute die blind sind (Sie zum Beispiel) und derjenigen Staaten, die das aus ökonomischen Gründen geschehen lassen.

Antworten Antworten Gast: b754
11.11.2011 09:00
2 3

Re: Re: hahnebüchene argumentation

ich sehe haupsächlich einen staat der einen krieg will

Re: Re: Re: hahnebüchene argumentation

Die Welt besteht nun mal aus Zusammenhängen, und das rafft nicht jeder.

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Re: Re: hahnebüchene argumentation

Es ist zu befürchten, dass die Überbevölkerung durch den Menschen einmal durch einen großen nuklearen Krieg "gelöst" werden wird.

Aber selbst ein solcher Krieg wird die Menschheit nicht auslöschen. Das Leben auf dieser Erde wird nur sehr viel weniger komfortabel sein. Zumindest für jene, die heute im Wohlstand leben.

Daher muss (aus unserer Sicht!) unbedingt verhindert werden, dass wirre Diktatoren und auch sonstige neue Staten, diese Waffen bekommen.

Re: Re: Re: hahnebüchene argumentation

Weltproblem Nummer 1: Überbevölkerung
Weltproblem Nr. 2: Ausbreitung der Atomwaffen.

Ursache: Mangelhafter Gebrauch des Verstandes.

These: Der Mensch ist zu vernünftigem Handeln gar nicht fähig und wird deshalb bereits aus der ersten der Evolution fliegen.

 
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