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Außenminister Spindelegger auf Risiko-Trip im Irak

15.11.2011 | 18:24 |  Aus Bagdad berichtet Christian Ultsch (Die Presse)

Österreichs Außenminister Michael Spindelegger soll in Bagdad und im kurdischen Erbil helfen, lukrative Geschäfte einzufädeln. Der Sicherheitsaufwand ist enorm. Die Angst vor einem Anschlag fährt ständig mit.

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Die Angst vor einem Anschlag fuhr mit durch das nächtliche Bagdad. Ein Militärkonvoi mit gepanzerten Fahrzeugen lotste am Dienstag nach Sonnenuntergang den österreichischen Außenminister Michael Spindelegger in das Herz der schwülen irakischen Hauptstadt. Soldaten mit Splitterwesten waren auf weißen Pick-up-Trucks an der Spitze und am Ende der Kolonne postiert. Sie richteten ihre Maschinengewehre in die Dunkelheit. Die Straßen entlang Spindeleggers Route waren abgesperrt. Es ging mit Vollgas ins Stadtzentrum.

Der enorme Sicherheitsaufwand hat gute Gründe. Allein in Bagdad explodieren derzeit bis zu fünf Bomben pro Tag. Den ehemaligen Palast Saddam Husseins, in dem Michael Spindelegger untergebracht ist, schirmt eine Sondereinheit rund um die Uhr ab. Auch die deutsche Sondermaschine, mit der Spindelegger um 18.30 Uhr in Bagdad landete, sollte rund um die Uhr von Spezialkräften bewacht werden. Es war sogar daran gedacht, eine private Sicherheitsfirma für den Irak-Trip zu engagieren. Die Idee wurde wieder verworfen. Ganz wollte sich das Außenamt jedoch nicht auf die irakischen Sicherheitskräfte verlassen.

Acht Cobra-Beamte sind zum Schutz des Ministers abgestellt. In der vorletzten Woche schon hatte sich ein österreichisches Sonderteam aus Vertretern des Innen-, Verteidigungs- und Außenministeriums ein Bild von der Lage in Bagdad gemacht. Die mitreisenden Journalisten waren gebeten worden, nicht vorab zu berichten – aus Sicherheitsgründen, um Terroristen keine Anhaltspunkte zu geben.

Es ist eine historische Visite. Zum ersten Mal seit 21 Jahren, seit Kurt Waldheims legendärer Geiselbefreiungsaktion in Bagdad, besucht ein Spitzenrepräsentant der Republik Österreich den Irak. Dazwischen liegen Jahre der Diktatur, des Krieges und des Schreckens.

Noch heuer soll der letzte US-Soldat das Zwischenstromland verlassen. Doch was dann? Wer wird das Sicherheitsvakuum füllen? Die Furcht vor einer neuen Terrorwelle ist groß.

Warum Spindelegger trotzdem das Risiko auf sich nimmt? „Österreichische Unternehmen haben mich darum gebeten“, sagte er während des Fluges nach Bagdad. Die österreichische Wirtschaft wittert neue Chancen zwischen Euphrat und Tigris. Im ersten Halbjahr 2011 stiegen Österreichs Exporte in den Irak um mehr als 200 Prozent auf 107 Mio. Euro. Der Irak entwickelte sich zum drittwichtigsten Markt Österreichs im arabischen Raum – nach den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudiarabien. Seit Jahresbeginn wird der Außenminister bedrängt, den Türöffner im Irak zu geben.

 

Auch Christenverfolgung Thema

Im Schlepptau hat Spindelegger eine stattliche Delegation, die vom Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer, Richard Schenz, angeführt wird. „Wir müssen ein Signal setzen und im Irak Flagge zeigen. Es wird sich lohnen“, sagt er zur „Presse“. Österreich könne an eine lange Geschichte des bilateralen Handels anknüpfen. Ins Geschäft wollen vor allem Wasseraufbereitungsfirmen wie Ovivo oder Stromkonzerne wie die Wabag kommen. „Die Menschen im Irak wollen Verbesserungen ihrer Lebenssituation sehen“, erläutert Franz Schneemann von der Bank Austria, der das Land seit 1988 regelmäßig besucht. Fast alle Akkreditivgeschäfte laufen über ihn. Mehr als acht Jahre nach dem US-Einmarsch wird der Irak noch immer jeden Tag von stundenlangen Stromausfällen geplagt.

Fast 90 Prozent seiner Einnahmen bezieht der Irak aus dem Verkauf von Öl. Die OMV wird jedoch erst in Erbil, im Nordirak, zu Spindeleggers Gruppe stoßen. In Bagdad ist der Mineralölkonzern dem Vernehmen nach derzeit nicht so gern gesehen. Der Grund: Die OMV preschte mit Ölgeschäften im kurdischen Norden vor, ohne auf einen gesamtirakischen Schlüssel zur Ressourcenverteilung zu warten.

Spindelegger wird am Mittwoch Außenminister Hoshyar Zebari, Premier Nouri al-Maliki und Präsident Jalal Talabani treffen. Zebari wollte er zum Gegenbesuch nach Wien einladen, Talabani auf Ersuchen von Bundespräsident Fischer ebenso. Auf der Agenda stand auch das Thema Christenverfolgung: Ein Treffen mit dem chaldäisch-katholischen Kardinal Emmanuel III. Delly wurde jedoch kurzfristig abgesagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2011)

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20 Kommentare
Gast: Magister
17.11.2011 00:21
0 0

Ein Vergleich für die Leien

Österreichische Exporte im ersten Halbjahr:
107 Mio. Euro
Türkische Exporte im ersten Halbjahr:
4 Milliarden Euro

Gast: unhold
16.11.2011 16:37
0 0

christenverfolgung

...wär schön, wenn die iraker den christlichen grabesritter spindelegger verfolgen würden, do hätt' ma an supamärtyrer!

Gast: DerPatriot
16.11.2011 07:15
0 1

unser supereinfädler auf grossen reisen

Ja es soll ja was kosten wenn unser held in den irak fährt um geschäfte einzufädeln--->LOL

wahrscheinlich sind die kosten für den aufwand höher als der profit den er aus dem grenzgenialen geschäft mit dem irak erarbeitet unser top spezialist.

na hoffentlich streiken die sicherheitskräfte genau an diesem tag, das könnte ungeahnte positive effekte für österreich haben wenns spindi dann nicht mehr gibt!

Gast: unhold
16.11.2011 06:30
1 0

grabesritter als außenminister???

ein grabesritter als außenminister, und das immer noch - das kann nur in österreich passieren!

die grabesritter bestreiten immerhin das existenzrecht israels!

ich empfinde so einen außenminister als immensen skandal - der spindelegger sollte vizebürgermeister in der hinterbrühl bleiben!

2 0

dem passiert nichts!

dumme haben immer glück!

Bitte richten Sie ein oesterreichisches Konsulat

In Erbil/ Hewler ein, Herr Minister Spindelegger.

Gast: Reflector
16.11.2011 00:09
0 0

Der Breitmaulfrosch hat seinen Vertreter geschickt


Höchtswahrscheinlich hatte er persönlich gerade Wichtigeres zu tun, wie Laub im Garten sammeln.

Aber prinzipiell könnte man solche Trips ruhig öfter und mit größeren Delegationen von Zwangskämmerern machen, aber mit weniger Aufwand, wozu auch, Ö hat ohnehin reichlich Nachschub.

Gast: gast45
15.11.2011 22:36
4 0

wenn das so gefährlich ist ..

da hätte man schon den verteidigungsminister schicken müssen ..

Antworten Gast: I geißel mi...
16.11.2011 07:04
0 0

Re: wenn das so gefährlich ist ..

Is wurscht, DIE nimmt uns keiner weg, LOL

Gast: Dr. Eisendraht
15.11.2011 22:30
3 10

Ekelerregend

Washat der Kerl dort verloren? In Ö geht es drunter und drüber und er macht Weltreisen

Gast: Verhaltenspsychologe
15.11.2011 22:22
4 2

Der Sicherheitsaufwand ist enorm. Die Paranoia vor einem Anschlag fährt ständig mit.

Wann wurde das letzte Attentat auf einen österreichischen Außenminister verübt?

Etwas spät drann ist er.


Gast: Karl Huber
15.11.2011 22:08
2 1

Warum habts net den Faymann gschickt?

Wenn was passiert isch der Schaden gschätzt.. ;)

Gast: Karl Huber
15.11.2011 22:07
0 3

Also gibts eh a Kurdistan. Oder?

"im kurdischen Erbil helfen"
Warum bringt dann diese PKK immer noch jede Menge Menschen um??

Gast: Da können wir stolz sein
15.11.2011 21:55
3 1

Außenminister Spindelegger auf Risiko-Trip im Irak....

..Wahnsinn, soooooo tapfer!

Es wird noch dauern, bis es den Menschen im Irak wieder so gut geht wie unter Saddam

Und das will was heißen, denn immerhin hat er brav für die USA am Iran Rache geübt und dafür sein Volk schwer bluten lassen. Diese Vergeltungsaktion für die Geiselnahme der US Bürger wurde ihm nicht belohnt. Man verlockte ihn, sich an Kuweit für die Ausgaben des Krieges schadlos zu halten und obwohl dann die Willigen das Land mit Krieg überzogen und zusätzlich noch danach schwer sanktionierten ging es den Irakern immer noch besser als heute. Es ist einfach unglaublich.

Gast: Nun ja
15.11.2011 21:19
1 1

Unsere Profipolitiker

"Sehr günstiger Zeitpunkt". Zumindest (vielleicht) kostendeckend. Und das ist ja schon was in Zeiten wie diesen...

5 1

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Gast: Damals
15.11.2011 20:38
2 9

Walheims Schuld am Irakkrieg

die im Artikel angesprochene Geiselbefreiung durch Waldheim machte den Weg frei für den Krieg. Die Amerikaner hätten sich nicht erlauben können Bomben auf die Geiseln zu werfen. Waldheim hat es gut gemeint aber indirekt hunderttausende Menschen auf dem Gewissen.

Re: Walheims Schuld am Irakkrieg

Also ich müßt mich wirklich unglaublich anstrengen, solch Blödsinn zu fabrizieren.

Gratulation!