19.06.2013 08:24 Merkliste 0

Korruption: Frankreichs Ex-Präsident Chirac verurteilt

15.12.2011 | 10:48 |   (DiePresse.com)

Schuldspruch für Jacques Chirac: Der 79-Jährige fasst wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder zwei Jahre Haft auf Bewährung. Es geht um einen Korruptions-Skandal aus seiner Zeit als Pariser Bürgermeister.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der französische Altpräsident Jacques Chirac ist am Donnerstag im Prozess um Scheinarbeitsverhältnisse im Pariser Rathaus schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in der französischen Hauptstadt verurteilte den heute 79-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Dabei hatte auch die Staatsanwaltschaft Ende September einen Freispruch gefordert. Chirac veruntreute nach Ansicht des Gerichts öffentliche Gelder und beging Vertrauensmissbrauch.

In dem Prozess ging es um Chiracs Zeit als Pariser Bürgermeister: Anfang der Neunziger soll der heute 79-Jährige insgesamt 21 Mitarbeiter aus der Stadtkasse bezahlt haben, ohne das sie für die Stadt auch arbeiteten.

Einige seien schon für Chiracs Präsidentschaftswahlkampf aktiv gewesen, in anderen Fällen soll es sich um reine Gefälligkeitsjobs wie etwa für den Präsidenten Charles de Gaulle gehandelt haben.

Chiracs Anwalt Georges Kiejman sagte im Nachrichtensender BFM-TV, er wolle mit seinem Mandanten zunächst die Begründung des Urteils studieren. Danach werde über die weiteren Schritte entschieden. "Wir werden heute Abend sehen, ob er das Urteil anerkennen wird."

Der Anwalt der Antikorruptions-Organisation Anticor, Jerome Karsenti, sprach von einer "historischen Entscheidung der Justiz", die für die Zukunft der französischen Demokratie extrem wichtig sei. Er meinte vor Journalisten: "Das ist eine Botschaft an alle Politiker (...) Das ist auch der Beleg für eine reife, transparente Demokratie." Die Organisation hatte öffentlichen Druck aufgebaut für den Prozess, aber vergeblich eine Zulassung als Nebenkläger versucht.

Chirac brauchte wegen gesundheitlicher Probleme nicht selber vor Gericht erscheinen. Er war während seiner Amtszeit vor jeder Strafverfolgung geschützt und hat bisher stets illegale Tätigkeiten bestritten. Die Anklage wurde erst nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Staatspräsidenten im Jahr 2007 möglich.

Reaktionen der Parteien

Die französische Linksopposition begrüßte am Donnerstag die Verurteilung von Chirac einstimmig, während sich die konservative Regierungsmehrheit zurückhaltend zeigte. Der Elysee-Palast verweigerte bisher jeden Kommentar. Nur soviel: Der Elysee Palast "reagiert nicht auf die Verurteilung", sagte der Sprecher von Präsident Nicolas Sarkozy (UMP), Franck Louvier. Premier Francois Fillon (UMP) meinte dagegen, das Urteil sei "mehr als 20 Jahre nach den Vorfällen zu spät" gekommen und werde "die persönliche Beziehung zwischen den Franzosen und Jacques Chirac nicht ändern".

"Die Gerechtigkeit musste sich durchsetzen, damit nicht ein Gefühl der Straffreiheit entstehen konnte", betonte der sozialistische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande (PS) und fügte hinzu, dass die "Verspätung" des Urteils erneut die Frage um die strafrechtliche Immunität des Präsidenten der Republik aufwerfe. Der Altpräsident der "Front National" (FN), Jean-Marie Le Pen, der 2002 bei der Stichwahl gegen Chirac angetreten war, begrüßte das Urteil. Chirac "wurde am Eingang zum Friedhof von der Justiz eingeholt, es ist nie zu spät, um gute Dinge zu machen", sagte der 83-Jährige.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

37 Kommentare
 
12
Gast: Pensador
16.12.2011 14:04
2 0

Westentaschen-Napoleon

Man sollte es nicht vergessen in Österreich.
Der "Westentaschen-Napoleon" (in Frankreich, wo den Leuten dieser Spitzname sofort gefiel, "Napoleon de poche") war der Anführer der Hetzer in der sogen. Sanktionszeit.
Haider stand mit seiner Kritik allein, die anderen kuschten alle vor dem Kerl.
Jetzt weiss man endlich, wer uns den Moralspiegel vorhalten wollte:
Ein verurteilter Krimineller.

Gast: Genosse Graf Gudenus
16.12.2011 13:37
0 0

Schadenswiedergutmachung - angesprochen nur ...

, ein Bürgermeister. Jedoch ebenso ward gleichzeitig anderer Prozess verurteilt, ein Ministerpräsident, aus dem allerdings später kein ... wurde


Sitzen! Sitzen!

Vive la France! Das ist einmal ein guter Anfang gegen die Staatsverschuldung.

Gast: radius
16.12.2011 09:29
0 0

Schadenswiedergutmachung wäre angesagt, Hr. Chirac.

Diesem Herren wird nachgesagt, dass er jeden Morgen Intimes brauchte wie andere den Kaffee. Die müssen natürlich schon auf Staatskosten versorgt sein, die Diener.

es war leider absehbar

von den Eckdaten wäre in diesem Fall wohl eher eine mehrjährige unbedingte Haftstrafe mit hohen Geldstrafen gerecht gewesen. Das Hinauszögern der Verurteilung über viele Jahre hat aber schon Erahnen lassen, wohin die Reise geht. Nicht nur in Österreich haben wir ein Problem mit unserer Justiz.

0 0

Womit

wieder bewiesen ist, dass es auch unter den Staatsanwälten elende Geschöpfe gibt.

na schau

solche Gerichte bräucht´ma auch

Gast: gast11
16.12.2011 02:55
4 0

schöne illusion von gerechtigkeit

*seufz*

Gast: supermanni
15.12.2011 22:15
3 0

Solche Staatsanwälte und Richter bräuchten wir in Österreich.

Die halbe SPÖVP wäre hinter schwedischen Gardinen.

Gast: Bescheidene Frage
15.12.2011 22:03
2 0

Wäre es - rein theoretisch - denkbar,

daß auch in Österreich aus öffentlichen Mitteln gemästete "lebende Subventionen" in Wahrheit für Parteien arbeiten / gearbeitet haben?

Wäre doch mal eine Recherche wert?
Oder unerwünscht?

Gast: b754
15.12.2011 20:53
0 7

das läßt hoffen

das schüsssel auch noch dran kommt

Antworten Gast: F.G.W.
16.12.2011 10:56
1 0

Re: das läßt hoffen

Seit wann wird Schüssel der Korruption verdächtigt? Von keiner Seite habe ich je einen derartigen Vorwurf gehört. Wenn sie das besser wissen, dann sagen sie es konkret oder unterlassen sie besser derartige Beschuldigungen.

Re: das läßt hoffen/b754

Bei aller gebotenen kritischen Distanz zu Herrn Schüssel - aber weshalb gerade er, und, wie Sie es offensichtlich wünschen, nur er?

Gast: keterum kenseo
15.12.2011 19:46
0 0

Jetzt ist er

nach Heinz Conrads ein "frére de casserolle" ;-)))

Der fade Beigeschmack bleibt: Es hat zu lange gedauerte, weil er ....

unter dem Schutz der Immunität wie bei einem Ganzkörper-Präservativ übergezogen hat. Und er wurde trotzdem überall hofiert, wahrscheinlich, weil bei den Poltikern das Unrechtsbewußtsein bei der Parteibibel aufhört.

Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus
16.12.2011 03:02
0 1

hofiert,

der ehemalige .... ist der beliebteste Politiker in F

Re: hofiert,

Liegt das nun am Chirac oder an den Nachfolgern?

"Unter der Blinden ist der Einäugige König"

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
15.12.2011 17:06
1 2

jetzt fehlen noch Sarkozy, Cameron, Obama usw usf


Gast: Yvonne O
15.12.2011 16:33
17 1

Was ist mit Faymann und Häupl?

Wegen Veruntreuung Öffentlicher Gelder hat man Chirac also verurteilt.

Frage:

Was ist mit Faymann? Seine "sieben Millionen für den Werner" sind doch glasklar belegt.

Was ist mit Häupl? Seine aus diversen stadt(nahen)Betrieben erpressten Millionen für Werbung sind doch glasklar belegt.

Der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken!

So lange unser Faymann ungestraft "sieben Millionen für den Werner" mutmaßlich veruntreuen darf, so lange Häupl auch gemeinsam mit den Grünen diese Praxis ungestraft üben darf wird man die Korruption in Österreich nicht eindämmen können.

Mit Faymann hat es der wiener Sumpf bis an die Spitze der Bundesregierung geschafft. Was bei Kreisky wortwörtlich noch heimlich "unter der Tuchent" passierte, was bei den blauen Ministern noch heimlich im Schmuddeleck passierte, Faymann hat es vor unserer Nase im Rampenlicht getan.

Und hat absolut kein schlechtes Gewissen dabei!

Ein wiener Sozi eben. Wie sein Ziehvater Häupl. Das Geld der Anderen ist ihnen wurscht.

Dabei hatte auch die Staatsanwaltschaft Ende September einen Freispruch gefordert.


Wie in Österreich, oder so ähnlich.

Gast: Pips
15.12.2011 14:22
8 0

Wie

immer - eine wahrlich drakonische Strafe! Haha! Jede Bedingte ist ein quasi Freispruch. Der Verurteilte kann das Gericht ohne fühlbare Konsequenzen verlassen. Augenauswischerei - sonst nix.

Gast: F_Chirac
15.12.2011 14:09
4 1

Nicht ohne Grund hat es immer geheißen

Fu** Chirac!

Re: Nicht ohne Grund hat es immer geheißen

http://www.discogs.com/Mururoa-Movement-F-Chirac/release/1007199


Gast: Megamax
15.12.2011 11:59
3 8

Konservativ = Korruption

Gott-sei-Dank ist dem "Verbrecher" der Groß-Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich verliehen worden.

Wahrscheinlich als Dank für seine großen Anstrengungen bei den Sanktionen der EU gegen Österreich!!

Und wer steckt dahinter??

Natürlich die ÖVP!!!

Antworten Gast: radius
15.12.2011 15:38
3 0

Re: Konservativ = Korruption

Das Ehrenzeichen bekam er von den Roten.

 
12

Im Fadenkreuz der Terroristen