Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff gerät zunehmend unter Druck. Am Dienstag wurde bekannt, dass der Politiker im Jahr 2010 einen Privatkredit in der Höhe einer halben Million Euro von einer Bekannten bekam. Darüber soll er im Landtag in Hannover falsche Aussagen gemacht haben - vier Monate vor seiner Wahl zum Präsidenten. Nun kam ein weiteres Detail ans Licht: Entgegen der Aussage des Präsidenten, soll das Geld nicht von der Frau des früheren Unternehmers und Wulff-Freundes Egon Geerkens stammen - sondern von diesem persönlich. Das berichtete "Spiegel Online" am Freitag.
Der 67-Jährige Geerkens sagte gegenüber der Zeitung, er selbst habe die Verhandlungen mit Wulff über das Darlehen geführt. Er habe sich auch überlegt, "wie das Geschäft abgewickelt werden könnte". Die Zahlung sei dann aber über das Konto seiner Frau erfolgt - darüber habe er allerdings eine Vollmacht. Der Grund: "Wir sind beide sehr bekannt in Osnabrück. Und ich wollte nicht, dass irgendein Bank-Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt", so Geerkens. Wulff hätte daher das Geld via einem anonymen Bundesbankscheck übermittelt bekommen.
Laut dem Bericht spricht auch ein weiteres Indiz dafür, dass Geerkens der ursprüngliche Eigentümer der Kreditsumme war: Bei der Hochzeit des Paares in den 90er Jahren war der Unternehmer bereits vermögend, seine Frau Edith arbeitete als Angestellte. Nach der Heirat hatte sie außerdem zu arbeiten aufgehört.
Am Donnerstag äußerte sich Wulff in einer schriftlichen Erklärung zu den Vorwürfen. Er gab zu, dass er das Darlehen von Geerkens Gattin früher erwähnen hätte sollen. "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte", erklärte er. "Ich bedauere das." Er habe bereits eine Kanzlei damit beauftragt, die Unterlagen über das Darlehen offenzulegen.
Die Vorwürfe gegen den deutschen Bundespräsidenten waren aufgekommen, da das Ehepaar Wulff seinen Weihnachtsurlaub 2009 in der Florida-Villa des Unternehmers Egon Geerkens verbracht hatte. Nach seiner Rückkehr hatte die Grünen-Landtagsfraktion Wulff gefragt, ob er zu Geerkens geschäftliche Beziehungen unterhalten habe. Wulff, der damals Ministerpräsident Niedersachsens war, dementierte die Vorwürfe.
(Red.)
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