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Proteste: Gewalt der Militärführung schockiert Ägypten

18.12.2011 | 18:30 |  Von unserem Korrespondenten KARIM EL-GAWHARY (Die Presse)

Soldaten gehen brutal gegen Demonstranten vor, die gegen das Militär protestierten. Am Wochenende sind bei den Auseinandersetzungen mindestens zehn Menschen getötet worden, mehr als 400 wurden verletzt.

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Kairo. Wie eine Meute wilder Hunde stürzen sich die Militärpolizisten auf die Demonstranten des Tahrir-Platzes mitten in der ägyptischen Hauptstadt Kairo und prügeln gnadenlos auf Menschen ein, die bereits wehrlos daliegen und sich nicht mehr rühren. Die Kamera läuft mit, als sie auf eine Frau einschlagen. Während sie die Polizisten über den Boden schleifen, reißen sie ihr das Oberteil vom Körper. Ihr blauer BH ist zu sehen, als einer der Soldaten der auf dem Boden liegenden Frau noch einmal mit voller Wucht auf die Brust tritt.

Das Video, aufgenommen, während das Militär am Samstag kurzfristig den Tahrir-Platz und die angrenzende Straße zum Parlament räumte, machte in Windeseile die Runde in den neuen sozialen Medien. „Als sie entblößt wurde, entblößte sie die Schande der Militärführung“, heißt es in einem Tweet. Mindestens zehn Menschen sind seit Freitag bei Auseinandersetzungen mit dem Militär umgekommen, mehr als 400 wurden verletzt. Sie hatten zuvor vor dem Parlament drei Wochen lang in einem Sitzstreik demonstriert und gefordert, dass Ägyptens Militärführung sofort ihre Macht abgibt und sich aus der Politik zurückzieht.

Die unabhängige Zeitung „Al-Tahrir“ bringt den Moment, als der Soldat auf den entblößten Frauenkörper tritt auf seiner Titelseite, mit einem einzigen Wort als Schlagzeile: „Lügner“. Denn die Militärführung hatte in einer Erklärung zuvor erneut bekräftigt, niemals Gewalt gegen friedliche Demonstranten angewendet zu haben. Die Situation vor dem Parlament sei eskaliert, weil Demonstranten versucht hätten in das Gebäude einzudringen, sagt das Militär. Nein, sagen die Demonstranten: weil jemand aus dem Garten des Parlaments einen verschossenen Fußball holen wollte, so ihre Version.

 

Historische Dokumente verbrannt

Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich eine Straßenschlacht. Dabei fing auch das Gebäude der ägyptischen Geografischen Gesellschaft Feuer, einer Institution, die während Napoleons Expedition nach Ägypten errichtet worden war. In dem Gebäude werden alte Manuskripte und Karten aufbewahrt. Soldaten hatten die Demonstranten vom Dach des Gebäudes aus mit Steinen, Steinplatten und Möbeln beworfen. Einige der Demonstranten warfen Molotowcocktails zurück, offensichtlich ahnungslos, welche nationalen Schätze das Gebäude beherbergt. Später versuchten Demonstranten die Bücher aus dem brennenden Gebäude zu retten.

Derweil werden die kritischen Töne gegen die Militärführung immer lauter. Das Militär habe es nicht geschafft, schnell genug staatliche Institutionen aufzubauen, mit denen man nach dem Sturz des Regimes in angemessener Zeit den Übergang der Autorität schaffen kann“, kritisiert Hassan Nafaa in der Zeitung „Al-Masry Al-Youm“. Nafaa sitzt in einem zivilen Beratungsgremium, das dem Militär vor Kurzem zur Seite gestellt wurde, das aber inzwischen de facto funktionsuntüchtig ist, da neun Mitglieder aus Protest gegen das Vorgehen des Militärs ihren Rücktritt verkündet haben. „Mit seiner Ignoranz hat sich die Militärführung jedem entgegengestellt, der Verantwortung übernehmen wollte. Sie sind mit der Regierung wie mit einer Gruppe Angestellter umgegangen, während sie Repräsentanten des Regimes immer noch unangetastet lassen“, wettert Nafaa.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2011)

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88 Kommentare
 
1 2 3
A.F.
21.12.2011 10:17
0 0

Was ich nicht verstehe ist,...

dass Soldaten (also der angebliche Offensivpart in dieser Auseinandersetzung) vom Dach eines Gebäudes mit Steinen, Steinplatten, Möbeln auf Demonstranten werfen...

Mit solchen Dingen von einem Dach zu werfen ist aber eine absolut defensive Vorgangsweise (ein Gegner kann sich davor in Sicherheit bringen, indem er einfach einen gewissen Abstand zum Haus hält)

Das das Militär mit Steinen, Steinplatten und Möbeln bewaffnet ist, mag vielleicht dem Bundesheer blühen, wenn Darabos noch längere Zeit dagegen wüten kann, aber bei den Ägyptern kommt es mir etwas seltsam vor. Diese Berichte sind mit Vorsicht zu genießen.

Antworten A.F.
21.12.2011 10:55
0 0

Korr.

1. Wort, letzter Abs.: DasS das...

Gast: nil
20.12.2011 03:03
0 0

echte starke selbstbewusste Frauen

Nach 2 erfolgreichen Runde für Parlamentswahlen, Alle kämpfen noch für Freiheit und Demokratie auch die Frauen sind sehr mutig. Es ist ein klarer Beweis, dass dieses Volk Freiheit und Entwicklung verdient. Ein Land hat ungefähr 85 Millionen Einwohner , kluge Köpfe und normal nicht streng religiöse( Christlich sowie islamisch) Mehrheit bilden ,echte wahre Multi Kulti .
Ja ab und zu kommen uns Bilder und Szene die traurig sind, aber Am Ende des Tunnels geht das Licht wieder auf. Ende gut alles gut. So haben viele große Länder und Nationen ihre Aufschwung begonnen haben. Viele herzliche grüße an alle und schöne fröhliche Weihnachten! Mohamed aus Ägypten


Gast: Haniknall
19.12.2011 16:42
0 0

Und was sich in den VS zusammenbraut

ist unseren hochwertigen Redakteuren entgangen.

http://nattvandare.blogspot.com/2011/12/internierungslager-werden-vorbereitet.html

0 0

WO bleiben die Protestnoten der österreichischen Bundesregierung,

der Grünen, der FPÖ, der Frau Prammer usw usf?
Angesichts dieser unfassbaren Brutalität das Mindeste, was man tun könnte, um ein Zeichen zu setzen.

Gast: DerHerrKarl
19.12.2011 12:23
2 0

Fazit:

Es wird eben ein brutales, faschistisches Regime gegen ein anderes ausgetauscht.

Demokratie setzt eben gewisse gesellschaftliche Grundwerte voraus, unter anderem z.B. Akzeptanz für das Recht auf freie Meinungsäußerung und das prinzipielle Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Das sehe ich bei diesen polizisten/Armeeangehörigen nicht, da wird keine Gewalt angewendet, um Gewalt abzuwehren, sondern um unbewaffnete Demonstranten halb totzuschlagen, um ihnen und anderen ebenjene Rechte zu nehmen.

Antworten Gast: Pedro
19.12.2011 13:02
0 2

Re: Fazit:

Im Text des Berichtes steht:
"Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich eine Straßenschlacht. Dabei fing auch das Gebäude der ägyptischen Geografischen Gesellschaft Feuer, einer Institution, die während Napoleons Expedition nach Ägypten errichtet worden war. In dem Gebäude werden alte Manuskripte und Karten aufbewahrt. Soldaten hatten die Demonstranten vom Dach des Gebäudes aus mit Steinen, Steinplatten und Möbeln beworfen. Einige der Demonstranten warfen Molotowcocktails zurück, ............."
Die freie Meinungsäusserung gilt also auch für ERstürmung von offiziellen Gebäuden, Vernichtung von fremden Gütern, etc.
Das alles wäre rechtens?

Antworten Antworten Gast: Bildungsexpertin
19.12.2011 15:37
0 0

"Soldaten hatten die Demonstranten vom Dach des Gebäudes aus mit Steinen, Steinplatten und Möbeln beworfen"

Erstürmt wurde gar nichts. Und die Güter sind Staatsgüter, gehören also eigentlich dem Volk.

Was zählt für Sie mehr: alte Manuskripte oder Menschenleben?

Antworten Antworten Gast: Bildungsexpertin
19.12.2011 15:37
0 0

"Soldaten hatten die Demonstranten vom Dach des Gebäudes aus mit Steinen, Steinplatten und Möbeln beworfen"

Erstürmt wurde gar nichts. Und die Güter sind Staatsgüter, gehören also eigentlich dem Volk.

Was zählt für Sie mehr: alte Manuskripte oder Menschenleben?

Antworten Antworten Antworten Gast: Pedr
19.12.2011 19:30
0 0

Re: "Soldaten hatten die Demonstranten vom Dach des Gebäudes aus mit Steinen, Steinplatten und Möbeln beworfen"

Ansturm gestoppt. Tatsache.

Nix ghört dem Volk -
oder haben Sie Zugriff in unserem Bildungs-hohen Land auf die Konten des Finanzamtes,
gehen Sie in das Kunsthistorische Museum und nehmen sich ein Bild ab,
oder erklären Sie die Bundessstraße 1 zu Ihrer Straße?
Ansonsten aber danke f.d. aufschlußreichen Beitrag.

dadada
19.12.2011 10:09
4 0

Es wird in all diesen arabischen staaten

keine demokratie geben, es wird ein gaunersystem durch ein anderes ausgetauscht.

alles andere ist wunschdenken.

Gast: Video?
19.12.2011 09:16
1 8

Fehlinfo?

So wie ich das sehe tritt da niemand auf die Brust, es sieht eher danach aus als würde die Person weggestosen werden, aber ohne Video lässt sich das natürlich schwer sagen, und so wirkt es ja viel radikaler wenn man das Foto nur flüchtig analysiert

1 0

Stellen Sie sich naiv? Das schockierende

Video wurde von Usern hier verlinkt. Wie wärs mit sich Informieren - Dann hätten Sie sich ihren unnötigen Kommentar sparen können!

Antworten Antworten Gast: Viedo?
19.12.2011 15:16
0 1

Re: Stellen Sie sich naiv? Das schockierende

Vielen dank für die Info, hatte ich nicht gesehen das es bereits verlinkt wurde. Nun nachdem ichs mir angesehen habe, kann ich eindeutig sagen das hier offensichtlich einer Frau die von Demonstranten am Boden wegezerrt und mishandelt wird vom Militär geholfen wird, hätten sie sich das Video genau angesehen hätten sie ihren Kommentar vernünftig verfassen können.

0 0

Vielleicht

sollten Sie sich ihre Wahrnehmungsorgane anschauen lassen?
Und ein bissl mehr Hintergrundinfo (Tipp: internationale Medien) zu Gemüte führen!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Pedro
19.12.2011 19:32
0 0

Re: Vielleicht

ganz schöner Aufwand, den Sie fordern um sich hier an der Diskussion zu beteiligen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Pedro
19.12.2011 19:31
0 0

Re: Vielleicht

ganz schöner Aufwand, den Sie fordern um sich hier an der Diskussion zu beteiligen.

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"Frieden"

wird es erst dann geben, wenn Ägypten ein "Gottesstaat" geworden ist...

Gast: grösso
19.12.2011 08:00
0 3

Generation Internet

Ja, so sind sie, unsere lieben Kleinen: überall mitreden, aber "richten" sollen es dann schon die Eltern, in jedem Fall die "andren". Die waren vorher schuld, und jetzt sind sie es auch. Ach ja, hab ich noch vergessen: "na wir hätten es eh anders wollen, aber DIE ...!"

Antworten Gast: Echte Frau
19.12.2011 12:24
2 0

Wie bitte?

Die jungen Leute dort riskieren ihr Leben für die Demokratie. Während Sie einfach nur dumm vor sich hin posten ...

Antworten Antworten Gast: Pedro
19.12.2011 13:05
0 2

Re: Wie bitte?

Witzig, "die jungen Leute riskieren ihr Leben". Naja liebe Frau, wären diese gescheit, würden Sie keine Konrfrontatin suchen, da gewinnt immer der Stärkere, nämlich hier die Staatsautorität. Was wäre denn demgegenüber die Autorität der arbeitslosen Demonstranten? Etwa " es passt ihnen was nhicht?, Was, wissen sie selber nicht, schätze ich mal

Antworten Antworten Antworten Gast: Echte Frau
19.12.2011 15:40
0 0

Sie sind also der Meinung, man hat sich in einer Diktatur der Staatsautorität zu unterwerfen anstatt für Demokratie zu kämpfen?

Leute wie Sie haben es nicht verdient, in einer Demokratie zu leben.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Pedro
19.12.2011 19:33
0 0

Re: Sie sind also der Meinung, man hat sich in einer Diktatur der Staatsautorität zu unterwerfen anstatt für Demokratie zu kämpfen?

sie haben also ein tolles fernglas und sehen eine Diktatur. Borgen sie mir das doch, damit ich durch ihre Gläser/Augen sehen kann.

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Was für ein dummer und zynischer Kommentar


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Pedro
19.12.2011 19:34
0 0

Re: Was für ein dummer und zynischer Kommentar

lass mir meinen Zynismus.

 
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