26.05.2012 03:34 | Meine Presse Merkliste 0

Nigeria: Islamisten wollen Gottesstaat herbeibomben

26.12.2011 | 17:48 |   (Die Presse)

Blutbad zu Weihnachten: Mehreren Anschlägen gegen Kirchen und Sicherheitskräfte fielen mindestens 40 Menschen zum Opfer. Überraschend kamen die Attacken nicht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Abuja/Ag/Red. Auf das Entsetzen und die Trauer über die blutigen Anschläge gegen Christen in Nigeria am Weihnachtstag folgten am Montag die Schuldzuweisungen: Oppositionsführer Mohammadu Buhari warf der Regierung im Umgang mit den Anschlägen, bei denen die islamistische Sekte Boko Haram mehr als 40 Menschen getötet hatte, Versagen vor: „Wie kann es sein, dass der Vatikan und Großbritannien sich äußern, bevor die Regierung Worte findet?“, kritisierte Buhari, der bei der letzten Präsidentschaftswahl mit 32 Prozent der Stimmen auf Platz zwei gelandet war. Die Regierung müsse, um das Terrorproblem zu lösen, mehr tun als einfach nur die Ausgaben für Sicherheit zu erhöhen.

Terroristen der Boko Haram hatten am Weihnachtstag mehrere Anschläge verübt, den folgenschwersten auf die St.-Theresa-Kirche in Madala, einem Vorort der Hauptstadt Abuja. Dort wurden zum Ende des Weihnachtsgottesdienstes bei der Explosion einer Bombe mindestens 35 Menschen getötet. Das Gotteshaus wurde zum Teil zerstört, auch umliegende Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen. Wenige Stunden später explodierten weitere Sprengsätze in der Stadt Jos – einem notorischen Hotspot der Unruhen zwischen Muslimen und Christen – und in Gadaka im nördlichen Staat Jobe. Bei einem Selbstmordanschlag wurden schließlich vier Beamte der Staatssicherheit getötet. Boko Haram bekannte sich noch am 25. Dezember zu den Attentaten und kündigte weitere Anschläge an.

Überraschend kamen die Attacken nicht: Bereits das Weihnachtsfest im vergangenen Jahr war von Anschlägen der Sekte überschattet gewesen, damals fielen 86 Menschen dem Terror der Islamisten zum Opfer. Erst eine Woche vor Weihnachten hatten die Sicherheitskräfte eine Bombenbauwerkstatt der Islamisten ausgehoben.

 

Religiös geteiltes Land

Die Gruppe, deren Name sinngemäß „westliche Bildung ist Sünde“ bedeutet, wurde 2002 in Maiduguri, im Nordosten des Landes gegründet. Sie richtet sich gegen westlichen Einfluss und will im muslimisch dominierten Norden – in dem großteils ohnehin bereits die Scharia gilt – einen islamischen Staat errichten. Zusehends setzte sie zur Verfolgung ihrer Ziele auch Gewalt ein, was sie in den letzten Jahren auch international bekannt machte.

Nigeria ist ein geteiltes Land: Im Norden dominieren Muslime, im Süden Christen. Besonders in dem Landstrich dazwischen kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu interreligiöser Gewalt. Nicht immer steckt Boko Haram dahinter. Mitunter ist der religiöse Konflikt Ausdruck ethnischer oder sozialer Auseinandersetzungen. In jedem Bundesstaat Nigerias gibt es dominierende Ethnien, die bevorzugt werden. Da die Stämme oft religiös homogen sind, richtet sich der Hass auch gegen religiöse Einrichtungen. In der Mehrzahl der Fälle sind Christen die Opfer, gelegentlich kommt es auch zu Übergriffen auf Muslime.

 

Papst Benedikt XVI. verurteilt Anschläge

Die jüngsten Anschläge wurden international scharf verurteilt: Papst Benedikt XVI. sprach beim Mittagsgebet am Stefanitag von „absurden“ Anschlägen: „Mögen die Hände der Gewalttäter, die Tod säen, innehalten.“ US-Präsident Barack Obama verurteilte die Attentate ebenso wie Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy. „Auch am Weihnachtstag bleibt die Welt leider nicht von der Feigheit und dem Schrecken des Terrorismus verschont“, sagte Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

26 Kommentare
 
1 2
Gast: Papa Schlumpf
27.12.2011 15:31
0 14

Und jetzt schimpfen wir uns alle wieder einmal ordentlich aus, Putzen uns die Nase und dann gehts uns wieder besser!

Und auf wen hauen wir heute wieder hin?
Hmmmmmmmmmmmm?

7 1

Westliches Geld ist auch Sünde.

Verhungert.

Agnostiker
27.12.2011 13:34
15 1

Und die Umma schweigt - wieder einmal.


Gast: Fairness
27.12.2011 12:11
21 4

Es wird Zeit, dass Christophobie

mit ebenso großem medialen Aufwand angeprangert und verurteilt wird wie Islamophobie.

Gast: VOLXSTIMME
27.12.2011 12:05
9 14

Man muss einfach erkennen, dass hier eine terroristische Organisation am Werk ist und sowas mit einer Religion nichts zu tun hat!

Der Koran als auch Christentum, Hinduismus, Judentum etc sind alles friedliche und mäßigente Ideologien, die weder Gewalt noch Aggression befürworten, nein, sie reden dem Frieden das Wort!
Und jeder der solche Taten auf eine Religion reduzieren will, ist genauso ein Scharfmacher und erkennt den wahren Kern der Untaten nicht.
Wäre der Islamismus auch nur im Ansatz agressiv, dann würde die islamische Welt ja dauern im Krieg sein, aber selbst die Geschichte lerhrt, dass die Kreuzzüge von Westen her kamen. Und da auch nicht vom Christentum sondern wegen Geld und Macht.

Antworten ADAXL
27.12.2011 21:10
1 0

Re: Man muss einfach erkennen, dass hier eine terroristische Organisation am Werk ist und sowas mit einer Religion nichts zu tun hat!

Die ganzen heiligen Bücher sind nur Altpapier.

Was zählt sind die Menschen, die danach handeln.

Antworten Gast: Gastilein
27.12.2011 16:46
5 2

Re: Man muss einfach erkennen, dass hier eine terroristische Organisation am Werk ist und sowas mit einer Religion nichts zu tun hat!

Sie haben das "Sarkasmus off" am Ende vergessen, so kommt es jetzt zur Verwirrung. ;)

Antworten Gast: Noname
27.12.2011 13:24
15 3

Re: Man muss einfach erkennen, dass hier eine terroristische Organisation am Werk ist und sowas mit einer Religion nichts zu tun hat!

Mit Verlaub, Genosse, der Koran ist Ihnen fremd! Sie sollten einmal einen Blick hineinwerfen - von wegen Frieden!

Dagobert
27.12.2011 11:23
24 4

Entsetzen

Gestern in den N24-Nachrichten: Die "ganze" Welt verurteilt diese Anschläge. Es folgte eine Aufzählung von Staaten, bei der nicht EIN islamisches Land genannt wurde.

Offensichtlich sehen islamische Länder keine Grund diese Taten zu verurteilen.

Wenn man den Koran kennt, wird das auch verständlich....

7 11

Re: Entsetzen

wenn sie den koran, wie auch die bibel wörtlich nehmen, haben sie recht!
jedoch wenn sie die auslegung der uberwältigenden mehrheit der gläubigen zu grunde legen, werden sie erkennen, dass der islam so unfriedlich als religion per se niht ist.

was erschreckt ist ein völliges ( bemerkbares, lautes) ausbleiben von reaktionen sämtlicher islam. staaten, institutionen plus westlicher aktivisten, die ihre energie an palästina aufreiben.... so gesehen habe. sie auch wieder recht.
hilfsflotten? demonstrationen in london, paris, karachi..... fehlanzeige.....

Antworten Antworten Dagobert
27.12.2011 12:48
15 3

Re: Re: Entsetzen

Setzen sie die Bibel nicht mit dem Koran gleich.

Das eine ist eine Sammlung von Gleichnissen und Anleitungen, dass andere ist ein Machtinstrument mit eigener Gesetzgebung.

Auch wenn 80% der Muslime "friedlich" sind, genügen 20% die das nicht sind. Denn die 80% dulden, bzw. unterstützen diese 20%.

Oder haben sie jemals in Europa eine muslimische Lichterkette wider dem Terror gesehen?

4 1

Re: Re: Re: Entsetzen

auch wieder wahr.

8 3

Affrika wie es leibt und lebt.


Sinus17
27.12.2011 06:32
13 1

Mit dem Denken haben sie es nicht so.


El Barato
27.12.2011 03:25
14 6

Wer sich hier die Mühe macht

Wer auch immer sich die Mühe macht, mir hier 29 rote Striche zu geben, könnte wenigstens EIN Gegenargument bringen. Ich bin ganz Ohr.

Vielen Dank.

Antworten Gast: Kibietz
27.12.2011 11:44
4 8

Re: Wer sich hier die Mühe macht

War die Pizza ranzig? Oder warum wettern Sie hier gegen die freie Meinungsäußerung?

Antworten Gast: Gastilein
27.12.2011 09:08
10 3

Re: Wer sich hier die Mühe macht

Die haben keine, da Sie ja auch recht haben. In unserer neuen Welt darf man die Tatsache, dass es in solchen "religiösen Konflikten" lediglich einen Aggressor gibt, nicht ausgesprochen werden, ansonsten kommt der Zensurhammer.

Gast: mfg
26.12.2011 22:57
9 28

Ich finde es immer sehr interessant, dass

sich die Kommentatoren hier immer schrecklich über Islamisten aufregen, ihnen jedoch verbal sehr ähnlich sind. Das Problem ist nicht der Islam oder das Christentum, das Problem sind Personen die meinen, dass die jeweils anderen minderwertig und schlechter zu behandeln sind. Und diese Personen scheinen sich auch in diesem Forum zu tummeln.

Antworten Sinus17
27.12.2011 08:21
8 6

Re: Ich finde es immer sehr interessant, dass

Man vergleiche die Lebensläufe - Worte&Taten!

Gast: karjuna
26.12.2011 19:35
54 44

Meine Trauer ...

... gilt den Opfern, denn jede Art der Gewalt ist nicht hinnehmbar.
Aber wer trauert um die Millionen und Milliarden Menschen, die von den sich selbst so nennenden "christlichen" Kirchen in den letzten 2000 Jahren im Zuge der "Christianisierung" ermordet, gefoltert, verbrannt und sonst wie zu Tode gebracht wurde?
Denn wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Und da sollten sich manche "Kirchenfürsten" ganz schön bedeckt halten.
Trotz allem gilt meine Trauer den Menschen, die für nichts und wieder nichts gestorben sind.

Antworten Gast: zorro
26.12.2011 23:01
8 21

Wissen Sie was mich traurig macht?

Das ein so menschlicher und verständnisvoller Kommentar so viele negative Stimmen erhält.

16 3

Re: Meine Trauer ...

der Sudan wurde gewaltsam islamisiert, andere "kolonialgeychichten" gibt es auch

El Barato
26.12.2011 18:56
56 33

Bin ich der einzige, dem das spanisch vorkommt?

Wenn einerseits von "interreligiöser Gewalt" die Rede ist, andererseits aber die Opfer "in der Mehrzahl der Fälle" (sprich, fast ausschließlich) Christen sind, dann handelt es sich hierbei weniger um einen Konflikt denn vielmehr um Terror der einen gegen die anderen.

Antworten Gast: trp
26.12.2011 22:52
7 24

Re: Bin ich der einzige, dem das spanisch vorkommt?

In Nigeria handelt es sich tatsächlich um "interreligiöse Gewalt". Das einzig spanische ist hier, dass die Medien nicht von christlichen Anschlägen und Gewalttaten berichten.

Antworten MALSI
26.12.2011 19:47
54 28

Re: Bin ich der einzige, dem das spanisch vorkommt?

Sie sind NICHT der einzige!

Auch der islamische Terror gegen die Minderheit der christlichen Kopten in Ägypten wird stets als "Zusammenstöße" oder als "Konflikt zwischen Kopten und Muslimen" uminterpretiert.

Islam-Terror ist nicht mehr in den Griff zu bekommen. Mir kommt vor, dass er deswegen mit Hilfe von Umschreibungen relativiert werden soll.


Antworten Gast: Imperialist
26.12.2011 19:29
33 22

Re: Bin ich der einzige, dem das spanisch vorkommt?

Mir kommt da eher das orwellsche Neusprech - Propagandafloskel statt Worte.

 
1 2