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Wulff hat eh zurückgezahlt

02.01.2012 | 18:27 |  CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Was Deutschland aufregt, wäre in Österreich wohl nicht einmal der Rede wert.

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Die Rolle des deutschen Bundespräsidenten ist klar umrissen: Sie dürfen langweilig, müssen aber unter allen Umständen untadelig sein. Sonst taugen sie nicht zur moralischen Instanz, zum Hohepriester der Republik.

Christian Wulff ist zwar langweilig, aber trotzdem keine gute Wahl. Im Vergleich zu seinem Gegenkandidaten, dem ehemaligen DDR-Dissidenten Joachim Gauck, fehlte dem streberhaften CDU-Parteisoldaten von Anfang an das Format. Dieser Eindruck bestätigt sich nun. Wulff ist nicht ins Amt gewachsen, sondern darin weiter geschrumpft.

Es widerspricht dem allgemeinen Amtsverständnis, dass ein Staatsoberhaupt (vergeblich) den Chefredakteur der „Bild“ anruft, um zu verhindern, dass eine für ihn unangenehme Geschichte erscheint. Und es ist auch kein Ausweis für präsidentielle Intelligenz, Drohungen gegen einen Journalisten auf einem Anrufbeantworter, gut dokumentiert für die Nachwelt, zu hinterlassen.

Der Kern der Affäre ist auch insofern interessant, als sie in Österreich vermutlich überhaupt keine Wellen geschlagen hätte. Wulff wird vorgeworfen, als niedersächsischer Ministerpräsident einen zinsenlosen Kredit von einem befreundeten Geschäftsmann erhalten zu haben und dies bei einer Anfrage im Landtag verschwiegen zu haben. Geschenkannahme? Vorteilsannahme im Amt? Hierzulande wäre die Causa wohl schnell mit einer Gegenfrage beendet: Was wollt ihr? Der Präsident hat das Geld eh zurückgezahlt.

So leicht haben es Politiker in Deutschland nicht. Dort gelten andere Standards, und das ist besser so.

 

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2012)

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17 Kommentare
Gast: AusD
07.01.2012 17:12
0 0

Kleine Korrektur

Also erstmal heißt das Wort statt "zinsenlosen" eigentlich "zinslos" und zweitens war der Kredit nicht zinslos, sondern bei 4%, was aber unter den marktüblichen Zinsen war. Danach wurde der Spezi auf eine Dienstreise mitgenommen. Formal wurde ihm der Kredit auch nicht von seinem Unternehmerfreund gewährt, sondern von dessen werter Gattin, woraufhin die Presse fragte, woher die gute Frau denn soviel Kohle hatte. Auch österreichische Journalisten bräuchten nur mal bei ihren deutschen Kollegen nachzulesen, nicht mal selbst zu recherchieren, damit sie nicht Unsinn schreiben.

derfreund
03.01.2012 17:56
0 0

Aha...

Politiker in Österreich rufen also Journalisten an und lassen Berichte verschwinden! Die Presse muss es ja wissen!

ferss
03.01.2012 17:56
0 0

Rücktritt?

Wann ist in Österreich jemals ein hoher Politiker zurück getreten, weil er etwas Umstrittenes getan hat? Hierzulande hat man in einem solchen Fall doch immer irgendjemand an seiner Seite, der die Vorwürfe, auch wenn sie noch so sehr berechtigt sein mögen, als Kampagne der Medien oder des politischen Gegners oder wem auch immer abtut und damit hat sich dann das Ganze. In Deutschland dagegen gibt es auch Politiker, die bereit sind, ihr Amt niederzulegen, wenn sie in zwielichtige Sachen verwickelt sind. Mal sehen, wie's diesmal ausgehen wird...

Gast: Karl Huber
03.01.2012 17:03
0 0

Vielleicht solltens noch erwähnen...

Der HeiFisch hat 8 Jahre Doppelbezüge einkassiert. ATS 55.000 im Monat.
Zurückzahlt hat der keinen GROSCHEN!!
Heut sitzt er am Häusl der Hofburg.
DAS IST ÖSTERREICH...

Antworten derfreund
03.01.2012 17:57
0 0

Re: Vielleicht solltens noch erwähnen...

Menschen waehlen Politiker, die sie verdienen!

txxx666
03.01.2012 10:53
0 0

Eine Frage der Konsequenz

Hieß es nicht immer, Christian Wulff sei ein Bundespräsident, der mit der Zeit geht?!?
Jetzt wird es jedenfalls allmählich höchste Zeit, dass er geht...
http://misanthrope.blogger.de

Gast: Vogel Strauss
03.01.2012 07:52
4 0

Hr. Wulff sollte Nachhilfe bei UHBP u. UHBK nehmen

Dort könnte er erfahren, dass man den Medien nicht droht, sondern ihnen Inserate zahlt, dass man seine Leute im Staatsfunk an geeigneter Stelle unterbringt etc. etc.
D kann von A viel lernen!

Antworten Ka_Sandra
03.01.2012 10:40
0 0

Re: Hr. Wulff sollte Nachhilfe bei UHBP u. UHBK nehmen

Zuckerbrot wirkt eben besser als Peitsche.

5 0

So leicht haben es Politiker in Deutschland nicht. Dort gelten andere Standards, und das ist besser so.

Als Österreicher kann man das nur neiderfüllt mitverfolgen. Ein Nachbarland mit politischer Moral und Kultur ? Unfassbar.

Kein Wunder, dass sich die Deutschen über unseren Politsumpf lustig machen.

Zu recht.


Antworten Dagobert
03.01.2012 09:25
0 1

Re: So leicht haben es Politiker in Deutschland nicht. Dort gelten andere Standards, und das ist besser so.

Die deutsche Politik, gepaart mit den Systemmedien ist noch verlogener als die ungute Melange in Österreich.

In Deutschland werden von vornherein, ohne zu tun der Politik, werden die Auswirkungen der Migration der Bevölkerung verschwiegen.

Hingegen wird der "Kampf gegen Rechts" mit aller Macht geführt.

Ablenkung von den wirklich wichtigen Problemen?

0 1

Re: Re: So leicht haben es Politiker in Deutschland nicht. Dort gelten andere Standards, und das ist besser so.

Wahrlich ein furchtbares Land, in dem Parteien mit brauner Vergangenheit vom Verbotsgesetz bedroht sind!

In Österreich ist das wirklich viel besser ...

Ka_Sandra
02.01.2012 23:14
2 0

Die sauren Wiesen unseres HBP

Ja, das Schnäppchen an der Hohen Wand....., aber dem Bauern, der das Grundstück um ein Butterbrot an Fischer verkaufte, hatte man die Baubewilligung für das abgebrannte Bauernhaus verweigert....

Und was die Gründung des LIF betrifft, hat UHBP halt ein bisserl zu sehr das Private mit dem Beruflichen vermischt....

Da gäb es noch einige weitere kleine Schönheitsfehler.

Alles schon Schnee von gestern, und in Österreich ist man sowieso nicht so streng....

bula sagt
02.01.2012 20:47
4 1

unser bp ruft - wahrscheinlich -

keine medien an. das macht der hr. aigner.

Bolzen
02.01.2012 20:44
4 1

Unser HBP...

...hat doch meines Wissens ein Haus in einem Naaturschutzgebiet bauen lassen.
Das trägt ihm aber niemand nach.

Antworten Gast: Mark IV
03.01.2012 09:22
0 0

Re: Unser HBP...

Aha.
Und wo?

Antworten Antworten Ka_Sandra
03.01.2012 10:43
0 0

Re: Re: Unser HBP...

An der Hohen Wand, im Süden Niederösterreichs. Siehe mein Post weiter oben.

buhbuh
02.01.2012 20:34
6 0

Ach du meine Güte,

das wären bei uns ja geradezu die niedrigsten
Weihen,wenn nicht gar die Voraussetzung für
eine erfolgreiche Karriere.Beim Kleinreden solcher
Dinge sind wir gross, bei uns weiss man nichteinmal wie man Rücktritt schreibt,geschweige denn,was das ist. Hier werden nicht einmal die Vorbestraften ausgeschieden.Das passt alles viel zu gut zusammen,als dass man von Ausnahmen sprechen könnte.Da haben es die Deutschen wesentlich besser ,Ferkeleien schätzen sie nicht.