26.05.2012 03:36 | Meine Presse Merkliste 0

Israel untersagt Zusammenführung palästinensischer Familien

12.01.2012 | 18:19 |  Von unserer Korrespondentin SUSANNE KNAUL (Die Presse)

Oberstes Gericht befürchtet „nationalen Selbstmord“ und empört die Araber. Um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, reicht es nicht aus, mit einem Israeli verheiratet zu sein.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Jerusalem. Mit einem umstrittenen Entscheid treibt der Oberste Gerichtshof in Jerusalem die arabischen Bürger auf die Barrikaden: Um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, reicht es nicht aus, mit einem Israeli verheiratet zu sein. Jedenfalls nicht, wenn es sich bei dem Antragsteller um einen Palästinenser oder eine Palästinenserin handle. Seit sechs Jahren ist der arabische Israeli Taysar Hatib mit seiner Frau Lana verheiratet, die aus Jenin stammt. Die elf Richter entschieden mit sechs zu fünf Stimmen gegen eine Petition auf Einbürgerung Lana Hatibs.

Tausenden Familien ergeht es wie den Hatibs. Lana Hatib hat eine Aufenthaltsgenehmigung, die jährlich verlängert werden muss. Sie genießt keinerlei Bürgerrechte. Das Gesetz ist nicht neu, dennoch reiht sich der Urteilsspruch der Obersten Richter ein in eine Serie von Rechtsreformen, welche Israels rechtsnationale Regierung seit ihrem Amtsantritt gezielt gegen arabische Bürger verabschiedet hat. Dazu gehört auch der Treueschwur, den Kandidaten für die Staatsbürgerschaft auf den „jüdischen und demokratischen Staat Israel“ ablegen müssen.

 

Kein Vertrauen ins Rechtssystem

„Sie reden von Sicherheit“, schimpfte Taysar Hatib nach der Urteilsverkündung. „Es soll mir einer erklären, wie meine Frau die Sicherheit Israels gefährdet.“ Gegenüber der „Stimme Israels“ machte der junge Ehemann, der Dozent an einer Fachschule in Galiläa ist und parallel an der Universität in Haifa promoviert, seinem Unmut Luft. „Ich bin nicht Bürger zweiter Klasse. Ich bin gar kein Bürger.“ Die arabische Bevölkerung (ein Fünftel der Einwohner Israels) gelte als Feind. „Ich habe kein Vertrauen mehr in das Rechtssystem“, sagt er. Der Oberste Gerichtshof sei ein „jüdisches Oberstes Gericht“. Von einem schwarzen Tag für den Schutz der Menschenrechte sprach die israelische Bürgerrechtsbewegung ACRI. Das Gericht drücke seinen Stempel auf ein rassistisches Gesetz.

Der rechtsnationale Abgeordnete David Rotem findet den Urteilsspruch angemessen. „Das Gesetz gab es zum Zeitpunkt der Eheschließung“, sagte er und riet der Familie Hatib, „nach Jenin zu ziehen“. Auf dem Höhepunkt der blutigen al-Aqsa-Intifada hat die Knesset das Gesetz 2002 als Notstandsmaßnahme verabschiedet. Es ist immer wieder verlängert worden. In der Urteilsbegründung schrieb Richter Ascher Grunis, dass Menschenrechte nicht „um den Preis eines nationalen Selbstmordes“ bewahrt werden können. Grunis übernimmt in wenigen Wochen den Vorsitz des Obersten Gerichtshof. Er lebt in der Siedlung Alon Schwut, zwischen Bethlehem und Hebron.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

11 Kommentare
Gast: Austrianer
13.01.2012 02:08
1 0

Klingt so ähnlich wie in Österreich


Auch hier reicht eine Ehe mit einem Inländer/einer Inländerin seit der letzten Novellierung nicht mehr aus, um automatisch die Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Und genau wie in Israel haben die Menschen ALLE unveräusserlichen Rechte.
Wie bei uns haben sie allerdings keine Arbeitserlaubnis.

Was soll also diese künstliche Aufregung?

Antworten Gast: Richtiger Austrianer
15.01.2012 13:16
1 0

Re: Klingt so ähnlich wie in Österreich

Erst lesen dann posten.

Es geht nicht nur um die Staatsbürgerschaft.

Es geht darum dass gezielt arabischstämmige benachteiligt werden.

Weiters werden diesen Menschen die normalsten Bürgerrechte verweigert .

Und von der zwangsweisen Einschwörung auf den Staat Israel gar nicht zu reden.

Kommt dass den Israelfanatikern wirklich nicht bekannt vor?

Dies mit der Situation in Ö zu vergleichen ist schon ein wenig absurd.


Gast: Hubertus
12.01.2012 22:30
6 3

Warum überrascht?

Wer ist durch dieses Urteil eines rassisch diskriminierenden Staates überrascht? Und das die Israel. Kultusgemeinde dieses Israel, welches den einfachsten Grundregeln des Menschenrechtes nicht entspricht, unterstützt. Ich schäme mich dafür, daß so etwas in Österreich möglich ist und entschuldige mich bei allen Forenlesern dafür. Entschuldigen ist ja seit Vranitzky in Österreich in Mode gekommen.

1 5

Re: Warum überrascht?

ziemlich dumm der kommentar


Antworten Antworten Gast: Pedro
13.01.2012 07:19
1 0

Re: Re: Warum überrascht?

Es ist aber nicht der dümmste Beitrag, es gibt noch dümmere Kommentare hier auf dieser Seite.

Antworten Antworten Gast: Hubertus
13.01.2012 00:52
1 1

Re: Re: Warum überrascht?

Sie sollten nie von sich auf andere schließen.

Gast: die böse Wahrheit
12.01.2012 21:45
3 2

Hätten die Ungarn nur annähernd so ein Menschenrechtsverständnis wie Israel oder USA...

... würden jeden Tag 50 reißerische Artikel von ( fast ) allen Medien verfasst werden.

Ungarn schaut auf die eigenen Leute OHNE andere zu diskriminieren. Aber Ungarn hat es sich mit der Finanzmafia vertan...

Gast: Austrianer
12.01.2012 19:49
5 4

Ein Unrechtsstaat

bleibt halt ein Unrechtsstaat.

Kommen jemand diese Rassegesetze nicht irgendwie bekannt vor?

Irgendwann kommt der Tag der Abrechnung.


0 5

Re: Ein Unrechtsstaat umzingelt von rechtsstaaten

rechnen die dann ab?

0 4

Re: Ein Unrechtsstaat umzingelt von rechtsstaaten

ironoe ende

3 2

Re: Ein Unrechtsstaat

woww diese drohungen,

man denke nur einer der judischen ureinwohner eines arabischen staates heiratet eine israelin, wie leicht sie doch die jeweilige staatsbuergerschaft erhielte.....

ca 0,7 prozent der iraner sind juden seit jahrhunderten, duerfen doe eine israeli heiraten und wird de dann perser?

detto syrien usw usf.