Die Tochter der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko sorgt sich um das Leben ihrer Mutter. "Sie haben eine Linie überschritten, jenseits derer das Leben meiner Mutter in Gefahr ist", sagte Jewgenija Timoschenko in einem am Freitag publizierten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach soll sich der Gesundheitszustand der Politikerin in den vergangenen Monaten rapide verschlechtert haben. Ihr Anwalt berichtete, dass sie wegen starker Rückenschmerzen nicht einmal mehr aufstehen könne.
Die Behörden verweigerten ihr bisher aber eine ärztliche Behandlung. "Wenn ich sie besuche, muss ich ihr aufhelfen. Ich muss sie stützen, ihr beim Aufstehen helfen und es ist offenkundig, dass ihr die kleinste Bewegung starke Schmerzen bereitet. Sie ist sehr blass und schwach", berichtete Jewgenija Timoschenko. Sie warf den Behörden vor, ihre Mutter "seelisch brechen" zu wollen, unter anderem durch eine rigorose Videoüberwachung. Die hochauflösende Kamera leuchte die gesamte Zelle aus und man könne auf den Aufnahmen sogar erkennen, was Timoschenko niederschreibe.
Erst in der Vorwoche berichteten Timoschenkos Ärzte, dass ihr im Gefängnis auch KO-Tropfen verabreicht worden sein sollen. Sie wäre nicht die erste Politikerin in der Ukraine, die mit derartigen Mitteln in Berührung kommt. So war der frühere Präsident Viktor Juschtschenko während des Wahlkampfes 2004 durch einen Dioxinanschlag schwer entstellt worden und musste wochenlang in Wien behandelt werden.
Westen soll gegen Janukowitsch vorgehen
Jewgenija Timoschenko rief den Westen nun auf, den Druck auf die ukrainische Regierung zu verstärken. Dabei sollen auch Sanktionen gegen Staatspräsident Viktor Janukowitsch erwogen werden, etwa ein Einreiseverbot in die EU. Immerhin hätte er bisher keine Gelegenheit genutzt, seine Gegenspielerin freizulassen.
Timoschenko war im Oktober wegen eines angeblich schädlichen Gas-Geschäfts mit Russland während ihrer Amtszeit als Regierungschefin zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Janukowitsch kündigte damals an, sich für eine Änderung des noch aus Sowjetzeiten stammenden Strafrechts einsetzen zu wollen, das solche Strafen vorsieht. Allerdings scheiterte ein entsprechender Gesetzesbeschluss im Parlament am Widerstand seiner "Partei der Regionen". Der Ex-Präsident betonte danach jedoch, "mehr als jeder andere an einem schnellen Ende dieser Sache interessiert" zu sein und machte sich öffentlich neuerlich für eine Gesetzesänderung stark.
Die 31-jährige Jewgenija Timoschenko ist die einzige enge Verwandte Timoschenkos, die sich noch in der Ukraine aufhält. Der Ehemann der Oppositionsführerin, Olexandr, hatte kürzlich in Tschechien um Asyl angesucht, weil er befürchtete, ebenfalls festgenommen zu werden. Jewgenija Timoschenko besucht ihre Mutter zwei Mal wöchentlich in dem 600 Kilometer von Kiew entfernt gelegenen Gefängnis. Sie bestätigte, dass die Politikerin seit Anfang November wegen Rückenschmerzen nicht mehr ohne Hilfe aus dem Bett komme.
(Ag.)
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