24.05.2013 23:42 Merkliste 0

Auftakt zum Kampf der Ideologien

25.01.2012 | 18:15 |  von Thomas Vieregge (Die Presse)

In seiner Rede zur Lage der Nation trat Präsident Obama für Gerechtigkeit, Fairness und eine Millionärssteuer ein. In „Schlachtfeld“-Staaten trägt sich ein Fernduell zu.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Washington. Genug von all dem Geschwätz und der ständigen Miesmacherei, her mit dem Optimismus und der Verheißung auf eine bessere Zukunft: Das gehört zum Grundkanon jeder Rede zur Lage der Nation – von George Washington bis Abraham Lincoln, von Ronald Reagan bis Bill Clinton. Und so setzte denn auch Barack Obama ein rhetorisches Ausrufezeichen als Schlusspunkt seiner Ansprache: „Jeder, der behauptet, dass Amerika im Niedergang begriffen sei oder dass sein Einfluss schwinde, weiß nicht, wovon er redet. Wir sind zurück, wir sind die unerlässliche Nation in der Weltpolitik.“

 

Das Osama-Narrativ

Was eignete sich besser für die Beschwörung der eigenen Größe als das Narrativ von der Ergreifung Osama bin Ladens durch das Navy-Seals-Kommando – beglaubigt durch Admiral William McRaven, den Chef der Sondereinheit, auf einem Ehrenplatz der Besuchergalerie des Kapitols? Und was rührte das Auditorium hartgesottener Politiker im Saal und das Millionenpublikum an den TV-Schirmen mehr als die Umarmung des Präsidenten mit der demokratischen Abgeordneten Gabby Giffords, dem Opfer eines heimtückischen Anschlags, an ihrem letzten Arbeitstag im Kongress?

Zwischen die dramaturgisch platzierten Effekte packte Barack Obama die Botschaft seiner mehr als einstündigen Rede. „Wir können uns entweder damit abfinden, dass es einer schrumpfenden Zahl in unserem Land richtig gut geht, während eine wachsende Zahl an Amerikanern gerade so über die Runden kommt. Oder wir können zu einer Wirtschaft zurückkehren, in der jeder seine faire Chance hat und jeder seinen gerechten Anteil zahlt. Wer will, kann das Klassenkampf nennen. Die meisten nennen das gesunden Hausverstand.“ Es sei Zeit, dass für alle die gleichen Regeln gelten.

Als Kronzeugin seiner Vision von einem gerechten Amerika saß Debbie Bosanek auf der Galerie hinter First Lady Michelle Obama. Die Sekretärin aus Omaha in Nebraska erlangte Berühmtheit, weil ihr Boss – der Milliardär und Großinvestor Warren Buffett – an ihrem Beispiel die Schwächen des Steuersystems festmachte: Sie bezahlt mehr Steuer als er. Obama plädierte für eine „Buffett-Steuer“: „Wer mehr als eine Million Dollar im Jahr verdient, sollte nicht weniger als 30 Prozent Steuern entrichten.“ Eine Spitze, die sich gegen Multimillionär Mitt Romney und seinen Steuersatz von 14 Prozent richtete.

Fairness und soziale Gerechtigkeit waren der Tenor einer Rede, in der Obama den Kontrast zu seinen republikanischen Herausforderern zuspitzte, ohne sie auch nur namentlich zu erwähnen. Ein ideologischer Schaukampf: Hier der Demokrat, der das Modell einer starken Regierung propagiert – in der Definition der Republikaner Lincoln und Theodore Roosevelt: „Die Regierung soll das leisten, was die Menschen nicht leisten können – nicht mehr.“ Und dort seine Gegner einer nach rechts gerückten republikanischen Partei, die die Rolle des Staats dezimieren wollen.

 

„Niagara-Fälle an Schulden“

Die Wahl des republikanischen Gegenredners entfiel auf Mitch Daniels, den Gouverneur von Indiana, den das Parteiestablishment so gern in dem Part des Präsidentschaftskandidaten gesehen hätte. Er prangerte die Polarisierung an, die „Niagara-Fälle an Schulden“ und das Abdriften der USA in europäisches Fahrwasser.

Das Fernduell trägt sich in den „Schlachtfeld“-Staaten zu. Während Romney und Newt Gingrich in Florida kämpfen, reiste Obama zu einer Dreitagestour in den Westen und Mittleren Westen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

9 Kommentare
Gast: Ceterum
26.01.2012 11:44
0 1

Die Europäisierung Amerikas

Barack Obama macht mobil. Sein Angriffsziel ist schlicht die amerikanische Psyche. Sein Wunsch ist die Europäisierung Amerikas sprich die Etablierung einer Neidgesellschaft. Damit wären die USA ähnlich leicht zu regieren wie Zentraleuropa; und zwar mit dem Pawlow´schen Reflex und der Karotte. So wie seinerzeit die Linke nach Moskau, Kuba und Nicaragua gepilgert ist, um das Handwerk zu erlernen, das sie heute in Europa so flächendeckend und erfolgreich ausübt, sollte der Österreichische Gewerkschaftsbund vielleicht Barack Obama zu einem Praktikum in Sachen Europäisierung nach Wien einladen.

Re: Die Europäisierung Amerikas

Und wie in Österreich unterscheiden sich die beiden sozialistischen Parteien (oder zumindest deren Führungspersonal) nur noch der Rhetorik, nicht in den Handlungen.

Es waren auch die Reps, die aktiv am Bildungsministerium gedoktort haben, obwohl es verfassungswidrig ist, die für stärkere Einbindung in NATO, UNO und NAFTA waren, die die Bailouts und die Einschränkung der Bürgerrechte angeführt haben, die eifrig mitgestimmt haben, bei "No-Child-Left-Behind" und den Programmen die zur Housing Bubble geführt haben, etc.

Seit diese Partei von den Neocons (welche eigentlich Trotsky-Kommunisten waren/sind) infiltriert wurde, geht es mit den USA bergab. Denn die alte, ehrenvolle GOP, mit Achtung vor den Founders und der konstitutionellen Republik, nähert sich immer mehr den Democrats.

Man kann nur hoffen, auch für die ganze Welt, dass Leute wie Ron Paul das Ruder rumreißen können.

Gast: Giftspritzer
25.01.2012 21:49
1 0

BLABLABLA

Reden kann er ja, mehr aber nicht!
Was waren seine großen Versprechen vor seiner Wahl?

Sofortige Schliessung von Gitmo. Weil die USA sind kein Folterstaat! lol
Mit Unterzeichnung des NDAA ist die Schliessung unmöglich geworden!

Sofortiger Rückzug aus dem Irak!
Wie lange hat es gedauert bis der Teiweise Rückzug aus dem Irak begann? Richtig, bis kurz vor der nächsten Wahl!

Ausser blabla nur blödblöd! Er ist und bleibt ein lächerlicher Schwätzer/Kriegsverbrecher!

gfys

Antworten Gast: obamics
30.01.2012 00:51
0 0

Re: BLABLABLA

genau das fäult mich an ihm an

Antworten Gast: Lasse
26.01.2012 10:21
0 1

Re: BLABLABLA

Am 18. Dezember 2011 verließen die letzten US-Truppen den Irak. Obamas Kontrahent im Wahlkampf wollte die dort noch 100 Jahre belassen, wie er 2008 in einem Townhall-Meeting offenbarte.

Antworten Antworten Gast: Giftspritzer
27.01.2012 11:24
1 0

Re: Re: BLABLABLA

Achso die 15.000 "Diplomaten" pro "Botschaft" zählen natürlich nicht ^^

Re: BLABLABLA

Er kann ausgezeichnet reden.
Das würde ich mir auch von einem österreichischen Politiker wünschen.

1 0

Re: Re: BLABLABLA

Wieso? So wissen Sie zumindest schneller, woran Sie sind...

Re: Re: Re: BLABLABLA

Richtig. Seien Sie froh, wenn jene Leute, die Ihre Freiheit einschränken wollen, wenigstens Idioten sind.