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„In Ungarn herrscht eine parlamentarische Diktatur“

03.02.2012 | 18:22 |  Von unserem Korrespondenten PETER BOGNAR (Die Presse)

Chef der Ungarischen Sozialistischen Partei MSZP, Attila Mesterházy, über die Verantwortung seiner Partei für die derzeitige Malaise in Ungarn, über das Stigma der Korruption und eine oppositionelle Allianz.

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Die Presse: Experten sind der Meinung, dass Ihre Partei, die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP), durch die katastrophale Regierungspolitik den Weg für die heutige Regierungspartei Fidesz geebnet hat. Sind Sie verantwortlich dafür, was heute in Ungarn unter Premier Viktor Orbán geschieht?

Attila Mesterházy: Ja.

Etwas konkreter bitte.

Es war sicher nicht glücklich, dass die linksliberale Regierung von Ferenc Gyurcsány nach den Wahlen 2006 eine andere Politik verfolgte, als jene, die sie im Wahlkampf versprochen hatte: Wegen des horrenden Budgetdefizits 2006 ergriff die Regierung damals drastische Sparmaßnahmen. Den Niedergang der Sozialisten besiegelte aber Gyurcsánys Rede in Balatonöszöd. (Damals gestand der Expremier ein, die Wähler jahrelang betrogen zu haben, Anm. d. Red.). Als Gyurcsány 2009 als Regierungschef zurücktrat, entschieden wir uns, nicht in Neuwahlen zu flüchten, sondern den Weg, den wir begonnen hatten, weiterzugehen. So war es für uns nur natürlich, die schmerzhaften, aber notwendigen Sparmaßnahmen zu unterstützen. Wir wussten damals schon, dass wir die Wahlen 2010 verlieren würden.

Bei den Wahlen 2010 rutschte die MSZP von 40 auf 19Prozent ab. Ihre Partei lag in Trümmern. Wie konnten Sie sie seither aufrichten?

Angesichts unserer verheerenden Wahlniederlage stellten Experten die Prognose auf, dass die Regierung Orbán 20 Jahre an der Macht sein würde und wir in der politischen Versenkung verschwinden würden. Doch, was sehen wir heute: Die Sozialisten konnten sich aufrappeln. An uns führt kein Weg vorbei, die Regierung Orbán abzuwählen.

Wie steht es eigentlich mit Korruption in der MSZP, die ja als Hort der Vetternwirtschaft in Verruf ist?

Dieses Stigma ist nicht gerecht. Ich kann die Korruptionsfälle meiner Partei auf einer Hand abzählen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch das ist zu viel! Der Regierungspartei Fidesz ist es bereits während ihrer Oppositionszeit erfolgreich gelungen, die MSZP in der Öffentlichkeit als korrupte Partei hinzustellen. Daran arbeitet sie noch heute. Wenn einer unserer Politiker einmal falsch parkt, steht das am nächsten Tag sofort auf der Titelseite der regierungsnahen Zeitungen. Wir wollen dieses schiefe Bild der MSZP zurechtrücken. Deshalb haben wir innerhalb der Partei strengere ethische Normen aufgestellt, wir haben auch unsere Finanzen transparenter gemacht.

Experten meinen, die Regierungspartei Fidesz kann nur von einer Allianz der Oppositionsparteien besiegt werden. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin ein absoluter Befürworter einer oppositionellen Allianz. Die Opposition muss ihre parteipolitischen Interessen hintanstellen, auch bei der Frage der Aufstellung von gemeinsamen Kandidaten.

 

Ist ein Wahlsieg gegen Fidesz im Rahmen des neuen Wahlgesetzes, das der Regierungspartei große Vorteile zu verschaffen verspricht, denn möglich?

Solange die Wahlen in Ungarn geheim sind, kann jede Regierung abgewählt werden. Das neue Wahlgesetz wurde nach dem Motto „Der Sieger nimmt alles” geschaffen. Der wahre Wählerwillen spiegelt sich darin kaum wider. Doch Wahlgesetz hin und her, die Wähler werden Fidesz 2014 genauso bestrafen, wie sie 2010 uns bestraft haben.

 

Teilen Sie die Meinung, dass mit der Regierung Orbán in Ungarn eine Diktatur im Entstehen ist?

Ich würde es eher als parlamentarische Diktatur bezeichnen, als Tyrannenherrschaft der Parlamentsmehrheit. Sämtliche demokratischen Gegengewichte zur Regierungsmacht wurden ausgehebelt. Jeglicher Widerstand wird mit administrativen und rechtlichen Mitteln unterbunden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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17 Kommentare
Gast: Gast 2012
04.02.2012 16:19
2 2

die ungarischen Sozis

waren genau so unfähig einen Staat zu führen wie es die SPÖVP in Österreich heute ist. Bleibt nur zu hoffen, daß auch der Österreicher diese unfähigen Typen bei der nächsten Wahl aus der Regierung wirft wie es die Ungarn getan haben. Die ungarischen Sozis haben Ungarn sehenden Auges an die Wand gefahren. Orban darf den verfahrenen Karren nun aus dem Dreck ziehen.

zeisen
04.02.2012 14:30
1 1

Niveau und Intelligenz

des Wahlvolkes bringen mit sich, dass bedenkenlos irgend einer Art von Gegensatz zum Wahlgewinn verholfen wird, ohne Rücksicht auf die erkennbaren Konsequenzen durch die neuen Machthaber.
Damit straft sich der Wähler hauptsächlich selbst ab, nicht aber die bisherigen Politiker.
Etliche finden das sichtlich befriedigend.
Meint z.

Gast: wassolls
04.02.2012 11:43
1 1

also wie bei uns in Österreich

wir leben in einer Parteiendiktatur, diese sind das Grundübel einer Demokratie da es die Volksmeinung ad absurdum führt und nur auf stillstand und Pründe hinarbeitet.

Da sind manche Diktaturen liberaler und vor allem ehrlicher in ihrer Selbstwahrnehmung

Blitzky
04.02.2012 11:41
1 1

Der Mann erinnert mich optisch irgend wie an unseren Herr Failman....


Gast: b754
04.02.2012 11:33
1 2

in ungarn herrscht sie

bei uns kommt sie in form von schwarzblau

5 2

Mit Diktatur kennen sich Sozialisten ja bestens aus.


Gast: ferös
04.02.2012 10:29
13 1

freier entscheid

orban hat haushoch gewonnen, weil die sozi ungarn in den abgrund gewirtschaftet haben. es war eine freie entscheidung der ungarn und so soll man es auch sehen auch wenn es den linken nicht passt.

Stachel
04.02.2012 09:27
13 1

Mehrheit ist Mehrheit und nicht Tyrannei!

Auch wenns weh tut. Abgerechnet wird bei der nächsten Wahl.

Gast: timeo
04.02.2012 09:05
0 0

Ungarn und Österreich

Dazu empfehle ich folgenden Artikel:

http://www.ortneronline.at/?p=11658

Gast: Leser
04.02.2012 08:16
5 2

Nicht nur Ungarn hat die Sozen satt!!

In Österreich kommt der Wandel 2013!!!

Und diese Soziliaten waren die früheren Kommunisten - die haben nur einen (!!!) Buchstaben aus ihrem Partieinamen gestrichen...

komajo
04.02.2012 06:55
2 4

Das haben sie mit uns gemeinsam:

"wir haben auch unsere Finanzen transparenter gemacht" - ein bisschen halt.
Die Magyaren sind wenigstens so ehrlich den Begriff Republik aus ihrem Namen zu streichen.
In einer Republik sollte alles gläsern sein, aber da sind wir auch noch weit entfernt und es ist eine Zumutung von einer Republik Österreich zu sprechen.

Gast: mens sana
03.02.2012 21:38
6 4

Der will keine parlamentarische Diktatur, ...

... sondern eine stalinistische Demokratie

Antworten SIMO
04.02.2012 14:48
5 1

Re: Der will keine parlamentarische Diktatur, ...


Es zeigt auch den wahren Geist des Herrn Mesterházy.

Mit dieser Diktion beweist er, dass er parlamentarisch-demokratische Systeme grundsätzlich ablehnt.

Damit ist er ja auch in guter Gesellschaft mit Brüssel, welches zunehmend allergisch reagiert, wenn Völker einen selbstgewählten Weg einschlagen wollen.

"Die Presse" ist in Sachen Ungarn ebenfalls der linksmedialen Manipulation aufgesessen. Leider.


Gast: Der mit der Glaskugel spricht
03.02.2012 20:48
0 9

Louis Michel

der feige belgische EU-Parlamentarier ist ganz still - im Jahr 2000 hat er allerdings anläßlich der von Fallott und Hochverräter Thomas Klestil angeregten Sanktionen Boykotte gegen Österreich gefordert.

Und heute, wo in Ungarn Menschenrechte und Demokratie mit Füßen getreten werden, schweigt EU-Parlamentarier Louis Michel und mit ihm das EU-Parlament und die ganze Kommission.

Eine feine Gesellschaft!

Antworten SIMO
04.02.2012 14:50
3 0

Re: Louis Michel



Bitte Glaskugel putzen oder eine neue kaufen.

Aber wahrscheinlich sind Glaskugeln auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

Wir wärs mit Wissen? Information? Sprachen lernen? Standpunkt formulieren? Prüfen, bevor Lügengeschichten geglaubt werden?

Gast: Harte Zeiten
03.02.2012 20:45
7 2

Umsatz scheint schlecht zu laufen

Hat es die Presse nötig solche Titel zu tippen, damit die Verkaufszahlen steigen? Qualität ist etwas anderes.

SIMO
03.02.2012 20:19
16 3

Nicht vergessen!


Die MSZP ist die Nachfolgepartei der MSZMP, welche von 1956 mit Blut befleckten Händen bis in die 80-er Jahre diktatorisch regierte.

Klar ist, dass jeder linken Partei eine Diktatur des Proletariats lieber ist als eine frei gewählte Diktatur des Parlaments.

Nebenfrage: sind Regierungskoalitionen mit 2/3-Mehrheit nicht immer ein Art von Diktatur? Oder verwenden Linke die Bezeichnung Diktatur nur, wenn es sich um bürgerliche Regierungen handelt ohne sozial-marxistische Beteiligung? Wer das Hirn dazu hat, prüfe es.