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"Wir brauchen eine stärkere Führungsrolle Deutschlands"

03.02.2012 | 19:45 |  aus München berichtet Helmar Dumbs (DiePresse.com)

Zum Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz stand die „widerwillige Führungsnation“ im Mittelpunkt der Debatten.

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Deutschland und Führungsrolle: Für Jahrzehnte galten diese beiden Wörter nicht als Reimpaar, schon gar nicht im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen. Wer sie dennoch in einem Atemzug gebrauchte, setzte sich dem Verdacht aus, aus der Geschichte nichts gelernt zu haben.
2012 gehen die Uhren anders: „Es geht nicht um ein Diktat oder einen Alleingang, es geht darum, den Kurs vorzugeben. Und das ist die Aufgabe Deutschlands", stellte Weltbank-Präsident Robert Zoellick Freitagnachmittag zum Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz klar. „Wir brauchen eine stärkere wirtschaftliche und politische Führungsrolle Deutschlands", forderte auch der britische Gelehrte Timothy Garton Ash, gleichwohl erkennend, wo der Hase im Pfeffer liegt: „Es wäre besser, wenn Deutschland eine ambitioniertere öffentliche Meinung hätte, die diese Führungsrolle auch einfordert."

Deutschland, die widerwillige Führungsnation also? Ausgerechnet der für seine Zurückhaltung sonst nicht bekannte Martin Schulz, seit kurzem Präsident des Europäischen Parlaments, mahnte zur Vorsicht: Deutschland stehe stärker unter Beobachtung als andere Länder und sollte daher nicht zu stark als Führungsnation wahrgenommen werden, um Konfrontationen zu vermeiden. Im Übrigen zeige sich: Wenn man es doch tue, sei es auch nicht recht: „Dann heißt es: nicht in diese Richtung, nicht in diesem Stil."

"Könnte Ziel des Zorns anderer werden"

Schulz spielte offenkundig auf Deutschlands in Südeuropa nicht besonders populäre Sparappelle an. Verständnis für die Südeuropäer kam von Weltbank-Chef Robert Zoellick: „Wenn Deutschland Ende 2012 nur mit Sparplänen in Verbindung gebracht wird, könnte es zum Ziel des Zorns anderer werden." Was sollte Berlin also sonst noch tun? Zoellick ließ deutliche Sympathie für die in Deutschland höchst unbeliebten Eurobonds und mehr - konditionierte - Hilfen für Länder wie Italien und Spanien erkennen. Damit lieferte er freilich wie bestellt die Bestätigung für den Verdacht von Deutschlands Verteidigungsminister Thomas de Maizière, der lakonisch festgestellt hatte: „Wenn aus dem angelsächsischen Raum Führung angemahnt wird, dann ist damit meistens Geld gemeint."

Und Geld ist dieser Tage eine besonders knappe Ressource: De Maizière vergaß denn auch nicht zu erwähnen, dass auch Amerika die Rüstungsausgaben zurückfahren müsse (und damit einem europäischen Trend folgt). Deutschlands Verteidigungsminister versuchte, den angekündigten Rückbau der US-Militärpräsenz in Europa als Chance und Herausforderung darzustellen: Europa müsse in der Lage sein, auch militärisch für sich und seine unmittelbare Nachbarschaft Verantwortung zu übernehmen: „Unsere Streitkräfte müssen leistungsfähiger und durchhaltefähiger werden. Mit einem Wort: Wir müssen mehr können. Und wir müssen mehr gemeinsam können."

Den drohenden Liebesentzug durch die USA, deren Präsident Barack Obama vor kurzem das „pazifische Zeitalter" ausgerufen hatte, quittierte er mit der launigen Bemerkung, Europa sei vielleicht nicht so „sexy" wie manche aufstrebende Boomregion, aber genau das mache Europa zum guten Partner: „Denn aufregend bleibt man nicht ein ganzes Leben lang." USA und Europa verbänden nicht nur gemeinsame Institutionen, sondern auch gemeinsame Werte und Ziele: „Wir bieten unserem Partner USA Verlässlichkeit seit 60 Jahren. Wer kann das sonst noch bieten?". Das klang dann schon wieder ziemlich defensiv.

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10 Kommentare
Gast: Pensador
04.02.2012 12:56
0 1

Stärkere Führungsrolle

Stärkere Führungrolle Deutschlands?
Aber wozu hat man dann den WK II geführt?

Re: Stärkere Führungsrolle

... das ist wirklich die Frage; denn genau das - Führungsrolle Deutschland - wollten sie nicht.
Warum haben die USA überhaupt in den Weltkrieg II eingegriffen ? Aus humanitären Motiven heraus gewiß nicht - es waren wieder einmal die politischen ( Weltmacht-) Ambitionen contra Kommunismus und Sowjetunion.

Dieser Gedanke entwickelte sich in der Sowjetunion aber erst, als diese von den Deutschen angegriffen wurde und die "Westmächte" bereits voll involviert waren.

Die Demokratie ( nach US-Muster ) hatte lediglich als Macht- und Führungsmittel zu dienen.

Gast: wassolls
04.02.2012 11:34
1 1

Wir sollten ein Stand allone Projekt starten AUT,DE,NL,FIN

unser Geld für uns(nicht für egal wen, da keine legitimation aus der Bevölkerung), unsere Patente für uns(nicht für die Industriespionierenden Franzosen, Amis, Chinesen), usw.....

jeder für sich selbst verantworlich und weniger Staat frei nach unserer eigentlichen Tradition

ganz im gegenteil

Deutschland soll aufhören über die anderen drüberzufahren.

Dagobert
04.02.2012 09:15
4 2

Mies

Zitat:"Ausgerechnet der für seine Zurückhaltung sonst nicht bekannte Martin Schulz, seit kurzem Präsident des Europäischen Parlaments, mahnte zur Vorsicht: Deutschland stehe stärker unter Beobachtung als andere Länder und sollte daher nicht zu stark als Führungsnation wahrgenommen werden, um Konfrontationen zu vermeiden."

Genau wegen solchen miesen Typen dürfen wir uns noch immer "schuldig" fühlen, was vor 70 Jahren passierte.

Genau wegen solche miesen Typen dürfen wir noch immer zahlen, was vor 70 Jahren passierte

Genau wegen solche miesen Typen sind wir nicht mehr Herr im eigenen Haus, was vor 70 Jahren passierte

Genau wegen solche miesen Typen wird das was vor 70 Jahren passierte von der jungen Generation nicht mehr richtig wahrgenommen, weil die Schuldzuweisung inflationär verwendet wird.

Genau wegen solch miesen Typen wird das Projekt EU scheitern

Antworten lurch
04.02.2012 11:02
1 0

Re: Mies

Der "gute" Mann hat ja auch ganz vollmundig bei einer Griechenland-Diskussion von sich gegeben, daß Deutschland zur Hilfe verpflichtet ist, da ihnen ja auch anno 1945 geholfen wurde. Da hat er aber dabei vergessen, daß diese Lieferungen nicht einmal ein Prozent von dem ausgemacht haben was nach dem Krieg an Fabrikseinrichtungen, Maschinen, Patenten und Wissenschaftler aus Deutschland requiriert bzw. abgezogen wurden.

Will gerne wissen was sich dieser Mann so denkt, wenn er andauernd versucht seinem eigenen Land Schaden zuzufügen!?

Gast: alatheus
04.02.2012 07:53
0 0

Klingt nach dem Werbeslogan für die Bundesheerreform unter Fasslabend (HG STRAN):

„Unsere Streitkräfte müssen leistungsfähiger und durchhaltefähiger werden. Mit einem Wort: Wir müssen mehr können. Und wir müssen mehr gemeinsam können."

Zum Vergleich:

"Unser Heer wird kleiner, effizienter und für internationale Aufgaben besser gerüstet."

Zehn Jahre später ist von den damals getätigten Investitionen ("Leopard", "Ulan", "Jaguar", Kampfwertsteigerung der M-109) kaum noch etwas übrig - das meiste wurde verkauft, verschrottet und wegrationalisiert. Und der Kauf der schon 1992 angekündigten "Pandur"-Radpanzer ist einerseits erst 1997 erfolgt und andererseits bei nur 68 Stück steckengeblieben (Der Bedarf lag bei 500 Stück.). Heute sind sie technisch veraltet.

Gast: machmuss verschiebnix
04.02.2012 00:12
0 0

Mit Kerneuropa, oder gar nicht .


Ja, ja, ja, Deutschland soll ´mal wieder

die Finanzierungsrolle übernehmen ............ wie dooof sind wir Deutschen bloß ???

Antworten Dagobert
04.02.2012 09:16
1 1

Re: Ja, ja, ja, Deutschland soll ´mal wieder

Anscheinend wollen sich die Deutschen wirklich von alleine abschaffen.....