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Syrien: Blutbad in Homs vor UNO-Sondersitzung

04.02.2012 | 15:01 |   (DiePresse.com)

Mehr als 260 Menschen kamen laut Oppositionsangaben ums Leben. US-Präsident Obama spricht von "Todeskampagne" und fordert den Rücktritt Assads.

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Bei neuen Protesten gegen die syrische Führung sind der syrischen Opposition zufolge mindestens 260 Menschen in der Oppositionshochburg Homs getötet worden, 1300 wurden verletzt. Die Gewalteskalation ereignete sich vor einer kurzfristig für Samstag angesetzten Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates zu Syrien. In einer Erklärung war von dem "erschreckendsten Massaker" seit Beginn der Proteste gegen Präsident Bashar al-Assad im März 2011 die Rede.

Das syrische Regime dementiert die Berichte. Es sei eine "Medienkampagne", die Lügenmärchen und Unwahrheiten benutze, um die Entscheidung des UNO-Sicherheitsrates zu beeinflussen, hieß es im Staatsfernsehen. Außerdem sollten Angriffe von bewaffneten Terroristen so verschleiert werden, ließ das Assad-Regime ausrichten. Die Führung in Damaskus macht immer wieder "Terroristen" für die anhaltende Gewalt im Land verantwortlich.

Obama fordert erstmals Assads Rücktritt

Angesichts der Berichte über das Blutbad in Homs hat US-Präsident Barack Obama den sofortigen Rücktritt von Präsident Bashar al-Assad gefordert. "Assad hat kein Recht, Syrien zu führen", erklärte Obama am Samstag. "Er hat jede Legitimität in seinem Volk und in der internationalen Gemeinschaft verloren", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme weiter. Es war das erste Mal seit Ausbruch der Unruhen in Syrien, dass Obama persönlich und ausdrücklich den Rücktritt Assads forderte.

Der syrische Machthaber solle die "Todeskampagne" und die "Verbrechen an seinem eigenen Volk" stoppen, meinte Obama. Kurz vor erneuten Beratungen im UN-Sicherheitsrat setzte er sich außerdem für ein entschlossenes Handeln der internationalen Gemeinschaft ein.

Die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte rief die Bevölkerung "in allen Regionen" auf, angesichts des "Massakers" in Homs auf die Straße zu gehen und sich gegen die Führung zu erheben. Den Angaben zufolge waren auch Frauen und Kinder unter den Opfern. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abderrahman, sagte, es habe ein "regelrechtes Massaker" stattgefunden. Er forderte eine "sofortige Intervention" der Arabischen Liga.

"Eine Tötungsmaschine"

Die arabischen Nachrichtensender Al Arabiya und Al Jazeera berichteten von "schweren Kämpfen" zwischen Soldaten der regulären Armee und Deserteuren. Sie zeigten Bilder von dutzenden Leichen am Boden. "Wir sehen uns einer Tötungsmaschine gegenüber, Menschen sterben", sagte ein Arzt dem Sender Al Jazeera. "Es sind so viele Menschen auf den Straßen, die verletzt sind und sie brauchen Hilfe, aber wir können sie nicht erreichen, um ihnen zu helfen", sagte der Stadtbewohner Abu Abdo Alhomsy dem US-Nachrichtensender CNN. Scharfschützen seien im Einsatz. "Sie sind bereit, uns alle zu töten. Sie haben kein Problem damit, es zu tun. Bitte, wir rufen die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf." Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder, berichtete CNN.
Nach Informationen einer Al-Jazeera-Korrespondentin im Libanon attackierten vor dem Gewaltexzess Mitglieder der aus Deserteuren bestehenden "Freien Syrischen Armee" Kontrollpunkte der regulären Truppen. Dabei seien etwa zehn Soldaten ums Leben gekommen. Danach sei offensichtlich ein Stadtteil von Homs ständig beschossen worden. Mehrere Häuser seien zerstört worden. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite für die Angaben aus Syrien gab es nicht.

Landesweit hatte es am Freitag Demonstrationen in Erinnerung an das Massaker von Hama im Jahr 1982 gegeben, als Hafez al-Assad, der Vater des jetzigen Präsidenten Bashar al-Assad, einen Aufstand der islamistischen Muslimbrüder brutal niederschlagen ließ. Die Sicherheitskräfte schossen der Beobachtungsstelle zufolge auf zahlreiche Demonstrationszüge, etwa in der Hauptstadt Damaskus, wo tausende Menschen auf die Straße gegangen seien. Demnach nahmen zahlreiche Syrer an Protesten in den Provinzen Damaskus, Daraa und Dael im Süden, Idleb im Nordwesten, Lattakia im Westen und Hama selbst teil. Die Unruhen hatten sich in der Nacht auf Freitag auch auf die zweitgrößte syrische Stadt Aleppo ausgeweitet, die als Wirtschaftsmetropole des Landes gilt.

Abstimmung über neuen Resolutionsentwurf

Derweil kündigte ein Diplomat in New York an, dass der UNO-Sicherheitsrat am Samstag in der Früh (09.00 Uhr Ortszeit, 15.00 Uhr MEZ) zusammenkommen werde, um über den jüngsten Resolutionsentwurf zur Syrien-Krise abzustimmen. Den 15 Mitgliedern des Gremiums werde der am Donnerstag überarbeitete Text vorliegen, der Bedenken Russlands Rechnung trägt, sagte der Diplomat am Freitag in New York. Noch vor der Abstimmung in New York wollte US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow zu einem Gespräch am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz zusammenkommen, sagte ein ranghoher Vertreter des US-Außenamtes auf dem Flug Clintons nach München in der Nacht auf Samstag.

Zuvor hatte der russische Vize-Außenminister Gennadi Gatilow laut der Nachrichtenagentur Interfax den Resolutionsentwurf "in seiner jetzigen Form" abgelehnt. Die Zugeständnisse reichten nicht aus, damit Moskau die Resolution mittragen könne. Gatilow kündigte aber nicht explizit ein Veto gegen die Entschließung an. Im neuen Resolutionstext wurde jeder Hinweis auf Sanktionen oder ein Waffenembargo als Zugeständnis an Moskau gestrichen. Auch die Forderung nach einem Rücktritt Assads wurde fallengelassen. Im Entwurf steht aber, der Sicherheitsrat unterstütze die "Entscheidung der Arabischen Liga vom 22. Jänner", mit der ein "von den Syrern selbst gestalteter politischer Übergang" angestrebt wird.

Die Arabische Liga hatte am Dienstag einen Hilferuf an den UNO-Sicherheitsrat gerichtet, die Gewalt in Syrien zu stoppen. Marokko legte daraufhin mit Unterstützung der arabischen und europäischen Staaten einen Resolutionsentwurf vor. Die Vetomächte Russland und China hatten vor vier Monaten schon eine Resolution zu Syrien scheitern lassen. Ein anderer Resolutionsentwurf kam im Sommer wegen des zu erwartenden Widerstandes gar nicht erst zur Abstimmung. Konkrete Sanktionen enthielt keiner der mittlerweile drei Entwürfe.

(APA)

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70 Kommentare
 
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Gast: die realitaet vor ort
05.02.2012 19:13
0 2

zaches video

an die ganzen leute im forum, die immer noch meinen, russland und china machen das schon gut, man bekaempft hier nur islamisten etc.

das ist es, wofuer ihr eintritt: http://t.co/uT06GKJu

(video bitte nur ansehen, wenn man was aushaelt)

Gast: machmuss verschiebnix
05.02.2012 18:31
1 0

Seien wir froh, daß es Rußland und China als Gegengewicht gibt,

sonst würde die zweite, "bessere" Hälfte des Globus noch viel mehr
Willkür gegen die "Bösen" walten lassen !

kalathos
05.02.2012 17:49
0 0

Auch die UNO ist zum Krenreiben

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als höchstes Gremium der UNO tut alles, um seinem Ruf gerecht zu werden, ein zahnloser Tiger zu sein. Denn schon seit einigen Monaten wütet in Syrien der Staatspräsident gegen das eigene Volk.

Tausenden seiner Landsleute hat das bereits das Leben gekostet, unzählbar sind schon die Verletzten geworden. Auf Jahre hinaus werden diese Schäden die Wirtschaft und die Staatsausgaben schwer belasten und zum Hemmschuh für die gedeihliche Entwicklung Syriens werden.

Gar nicht zu sprechen von dem unsäglichen Leid, in das ein machtbesessener Staatspräsident sein Volk schon bisher gestürzt hat.

Die UNO mit dem Sicherheitsrat an der Spitze schaut diesem Treiben jedoch ohnmächtig zu, obwohl die Opferzahlen bereits die eines veritablen Bürgerkrieges übersteigen. Es bleibt ihr auch gar keine andere Wahl. Ihr sind nämlich die Hände gebunden, schon deshalb ist sie zur Untätigkeit verdammt

Denn ein mächtiger Staat im Sicherheitsrat findet sich immer, der ein Veto gegen eine Resolution einlegt, weil er meint, dadurch würden seine Interessen beeinträchtigt werden. Zum Krenreiben ist daher auch die UNO als Weltorganisation.


Gast: Statist
05.02.2012 14:35
4 1

SYRIA - TEXT OF LEAKED ARAB LEAGUE MISSION REPORT

zur gefälligen Kenntnisnahme:

http://globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=29025
" target="_blank">http://globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=29025

Hier das Original:
http://www.columbia.edu/~hauben/Report_of_Arab_League_Observer_Mission.pdf
" target="_blank">http://www.columbia.edu/~hauben/Report_of_Arab_League_Observer_Mission.pdf


Warum wird darüber nicht berichtet???

Antworten Gast: machmuss verschiebnix
05.02.2012 19:20
3 1

Re: Danke für den hochinteressanten Link,

da gibt's also eine paramilitärische Gruppe, die von einer
noch nicht identifizierten ausländischen Organisation
"unterstützt" werden und Terror-Aktionen gegen Zivilisten,
Polizei und syrisches Militär durchführen.

Hochinteressant auch, daß die Berichterstatter dazu aufgefordert
wurden, solche Details nicht weiterzugeben !!!


4 1

Was der Westen nicht sehen will: es sind Islamisten, die da revoltieren.

Nun ist das sicher kein Grund auf demonstrierende Islamisten zu schiessen.
Aber wenn diese Leute beginnen Gewalt auszuüben, so ist der Staat verpflichtet die Ordnung , auch mit Gewalt aufrecht zu erhalten. Das weiss hoffentlich auch der Westen. Allerdings geht es längst nicht um Rechte , sondern darum, Russland von seinen ex Verbündeten zu trennen.
Im Irak, Serbien, Irak, Afghanistan und zum Schluss Lybien haben die Russen geschlafen. Jetzt machen sie den Punkt.

Blitzky
05.02.2012 13:28
7 1

Hat irgend wer wo gelesen, dass sich die Arabische Liga aufgeregt hätte

weil Saudiarabien in Bahrein einmarschiert ist und dort alle Proteste niedergeschlagen hat?
Oder weil derzeit die "Revolutionäre" in Lybien foltern, was das Zeug hält?
Oder über die Polizeistaatmethoden in Sauriarabien?

4 0

Das werden die westlichen Interessengruppen die diese Marodeure finanzieren nie zulassen.


Gast: Kollege
05.02.2012 12:55
0 0

Russland?

Gibt es Alawitisch-Armenischen Diktatatur in Syrien?

Gast: Demokierkratie
05.02.2012 11:46
6 0

Ich muß hier mal die Presseleser loben.

Es machen sich in den Kommentaren mehr und mehr kritische Stimmen breit.

Ich gebe mal ein Zitat zum besten, aber ich weiß gar nicht, von wem das ist:

"Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit belügen. Man kann das ganze Volk nur eine Zeit lang belügen. Mann kann aber nicht das ganze Volk die ganze Zeit belügen."

Die Wahrheit setzt sich durch.

Antworten Gast: Pensador
05.02.2012 14:25
1 0

Re: Ich muß hier mal die Presseleser loben.

Das Zitat ist vom amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln.
Der hatte recht und war eben ein Demokrat. Darum war und ist Amerika eine Demokratie, aber nicht so eine wie Österreich.

Antworten Gast: Demokratius
05.02.2012 13:07
2 0

Die Wahrheit setzt sich durch

"You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time."
-- Abraham Lincoln

http://www.quotedb.com/quotes/4183


Antworten derfreund
05.02.2012 12:59
0 0

Re: Ich muß hier mal die Presseleser loben.

Was ist aber, wenn das Volk staendig lügt? Dafür gaebe es im Mitteleuropa genügend Beispiele!

Gast: Weltbeobachter
05.02.2012 11:40
2 3

Dass lupenreine Despoten es nicht gerne sehen, dass man ihresgleichen abserviert, verstehe ich schon.

agafangel
05.02.2012 11:20
5 7

Vivat Wladimir Wladimirowitsch!

Russland macht es schon richtig! Die Lügenpropaganda der westlichen Presse wird immer skandalöser. Die USA samt NATO hat mehr Dreck am Stecken durch ihre Kriege im Irak, Vietnam, Serbien,Afghanistan etc,etc. Da kann man nur sagen, widerlich!

Antworten captain1
05.02.2012 14:39
0 2

Re: Vivat Wladimir Wladimirowitsch!

Vivat Oberst der KGB! Dort hat der Oberst Wladimir Wladimirowitsch töten, foltern usw. gelernt. KGB = Gestapo!

jhau
05.02.2012 10:17
9 1

Russland und China legten tatsächlich ihr Veto ein

Die Meldung kommt so überraschend wie ein Veto der USA, wenn es darum geht, die Menschen- und Völkerrechtsverletzungen Israels zu unterstützen.

Rußland und China kennen die wahren Absichten der westlichen Wertegemeinschaft inzwischen zu gut. Sie werden auch einen Angriffskrieg gegen den Iran nicht tatenlos hinnehmen.

Gast: UKW
05.02.2012 09:49
9 0

Man lernt dazu

Als Russland und China das letzte mal einer "UN-Flugverbotszone" zugestimmt hatten, haben ein paar Staaten das als Auftrag empfunden Lybien zu bombardieren und Gaddaffi zu lynchen. Aber ich denke die gleichen Staaten werden sich von einem fehlenden UN-Beschluss nicht abhalten lassen, das gleiche in Syrien zu machen.

Discovery
05.02.2012 02:02
7 0

syrien ....

... china, russland, nordkorea, iran, ....

Antworten Gast: Jochen Rind
05.02.2012 04:01
6 1

Re: syrien ....

Überfall auf den Sender Gleiweitz, Reichtagsbrand...

...Golf Von Tonkin Vorfall, 9/11,...

4 4

Falsche Überschrift

Russland macht nicht Syrien die Mauer sondern dem Assad-Regime! Mit China gemeinsam übrigens!

Achtung vor "dem Leben" --- menschlichem Leben ---

das scheint in China und Russland noch kein Thema zu sein. Warum ist ein wirtschaftliches Denken hier immer noch der Humanität übergeorrdnet ??? -- Obwohl es doch die Menschen sind, die "Wirtschaft" ( welcher Art auch immer ) erst ermöglichen ???

Es zeigt aber, wie weit diese "Möchtegern-Mächte" hinter der aufgeklärten Erkenntnis bzw. Denkart zurückgebliben sind.

Die gesamte UNO und deren "Sicherheitsrat" ( der eine Lachnummer ist ) gehören demokratisiert und reformierrt.

2 0

Re: Achtung vor "dem Leben" --- menschlichem Leben ---

Naja die Möchtegern-Mächte haben allein in Libyen massiv unter Beweis gestellt, wie sie Menschenleben achten und wie Humanität 2.0 auszusehen hat.

Gast: udssr
04.02.2012 22:51
3 2

Russland und China haben gesprochen

also Leute ab nach hause eine pisse machen .. kleines winziges euuu zum auslachen

Gast: Jochen Rind
04.02.2012 22:36
4 2

"Russland macht Syrien die Mauer"

Und die (meisten) Mainstreammedien machen den Kriegstreibern und Kriegsprofiteuren "die Mauer", indem sie deren - teilweise ins absurde und banale hineinreichende - VORKRIEGSPROPAGANDA bereitwillig weiterverbreiten.

Wer ist also moralisch verwerflicher, der jenige, der mit seinem VETO einen Angriffskrieg aus in Wahrheit rein wirtschaftlichen und politischen Gründen verhindert, oder Diejenigen, die ganz offensichtliche LÜGEN weiterverbreiten, welche als Vorwände für Angriffskriege dienen?

Gast: rolfrüdiger
04.02.2012 20:54
6 7

Krawallmacher sollen nach Hause gehen

Es ist kein Zufall das diese ganzen Länder keine Demokratie haben - Demokratie muss man sich erarbeiten und erfordert ein Minimalmaß an Bildung. Da der es sich großteils um Analphabeten handelt, sind Diktaturen die beste Staatsformen in diesen Ländern.

 
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