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Der eisige Protest gegen Wladimir Putin

04.02.2012 | 18:23 |  von Eduard Steiner (Die Presse)

Russlands Mittelschicht hat das autoritäre Regime derart satt, dass sie trotz klirrender Kälte auf die Straße geht. Auch Putins Anhänger demonstrierten. Gräben in der Gesellschaft werden immer offensichtlicher.

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Wer mit seinem Hang zur Verkleinerungsform selbst die mythologische Personifikation des russischen Winters noch „Väterchen Frost“ nennt, hat offenbar ein entspanntes Verhältnis zur klirrenden Kälte. Das kann praktisch so aussehen, dass junge Leute bei minus 19 Grad vereinzelt sogar in Trainingshosen und Turnschuhen drei Stunden lang gegen Wladimir Putin und sein autoritäres Regime protestieren. Gewiss, die meisten Teilnehmer am gestrigen Massenprotest in Moskau und in anderen Städten hatten sich buchstäblich warm angezogen. Thermosflaschen mit Tee wurden von den autoritären Behörden kurzfristig verboten. Aber selbst solche Schikanen konnten die Leute genauso wenig vom Protest abhalten wie der oberste Amtsarzt des Landes, der am Freitag plötzlich vor der gesundheitsschädigenden Kälte warnte.

Die neue Mittelschicht hat sich am Samstag ihrer selbst vergewissert. An die hunderttausend haben auf dem größten Aufmarsch seit 20 Jahren demonstriert, dass sie ihren Widerstand gegen die Fälschungen bei den Parlamentswahlen vom Dezember auch dann aufrechterhalten, wenn die äußeren Umstände dies nicht begünstigen. Und sie haben einen Monat vor den Präsidentenwahlen untermauert, dass sie Putin abermals im Kreml nur dann akzeptieren werden, wenn der Urnengang am 4.März fair verläuft.

„Wir haben etwas zu verlieren.“ „Russland ohne Putin“, hieß es in den Sprechchören, „Putin, tritt ab!“. „Hier sind Menschen mit völlig unterschiedlichen politischen Ansichten versammelt – Linke, Rechte, Nationalisten, alle“, sagte der talentierteste Oppositionspolitiker Alexej Nawalni, ohne freilich darauf einzugehen, dass diese Heterogenität auch der Pferdefuß der Opposition auf dem Weg zu einer integrativen Führungsmannschaft ist. Aber schon bald werde man aus diesen Leuten einen neuen jungen Präsidenten wählen, rief etwa die auch international renommierte Schriftstellerin Ljudmila Ulizkaja.

Das kann allerdings dauern. Gleich wie Putins Gegner nämlich marschierten gestern auch Putins Anhänger auf der anderen Seite des Flusses Moskwa auf und malten ein Schreckensszenario an die Wand, das eintreten würde, wenn Putin nicht mehr wäre. „Wir haben was zu verlieren“, lautete da vielsagend die Losung derer, die vielfach im Staatsdienst stehen. Gewiss, allemal bemerkenswert, dass auch Putins Befürworter die Fehlentwicklungen wie Korruption und Wahlfälschungen einbekennen. Aber obwohl dies alles unter zwölf Jahren Putin grassiert ist, wird wieder Putin als Heilmittel propagiert. Er habe das Land geeinigt und sei der Garant, dass es nicht zerfällt, meinte der TV-Moderator Maxim Schewtschenko.

Unverhülltes Spannungsverhältnis. Es ist dieses Spannungsverhältnis, das in Russland seit zwei Monaten immer unverhüllter zur Schau gestellt wird. Es sind die schier unüberbrückbaren Gräben, die kurz vor der Weichenstellung für das dritte postsowjetische Jahrzehnt zur nationalen Nervosität führen, weil demokratische Mechanismen für einen Interessenausgleich fehlen. Abstruser Ausdruck der Unruhe sind derzeit etwa die Zahlenspiele, was die Anzahl der Demonstrationsteilnehmer auf beiden Seiten betrifft – die Schätzungen divergieren bis zu 100.000. Obwohl auch die politisch Unzufriedenen alles andere als eine Revolution, sondern nur die Überwindung von Beamtenwillkür und Staatskapitalismus wollen, wird ihr Ansinnen als destruktiv und revolutionär diskreditiert.

Auch am Samstag waren wieder renommierte Vermittler zwischen beiden Lagern unterwegs, um die Emotionen zu kanalisieren und sich selber für jeden Fall von Umschwung abzusichern: So Ex-Finanzminister Alexej Kudrin oder der Multimilliardär Michail Prochorow, der offenbar mit dem Segen des Kremls als Präsidentschaftskandidat Stimmen in der unzufriedenen Mittelschicht abfangen soll. Putin selbst versucht ihre Forderungen immer mehr in seinen Programmen zu platzieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2012)

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14 Kommentare
Gast: Gut informiert
05.02.2012 17:24
0 2

Es lebe Putin

Dass auch in Oesterreich die Presse Opfer der Globalisierung der Luegen ist, beweist die einseitige Berichterstattung ueber die Demonstrationen gestern in Moskau. es wird einfach verschwiegen, dass viel mehr Menschen fuer als gegen Putin demonstriert haben. In der heutigen Welt gibt es die Luegner, die Verraeter und die Patrioten. Die vermeintlichen Massaker in Syrien sind auch eine Luege. viele Bilder von Szenen in Syrien wurden in den USA regelredht fabriziert.

Gast: Gut informiert
05.02.2012 17:22
0 2

Es lebe Putin

Das auch in Oesterreich die Presse Opfer der Globalisierung der Luegen ist, beweist die einseitige Berichterstattung ueber die Demonstrationen gestern in Moskau. es wird einfach verschwiegen, dass viel mehr Menschen fuer als gegen Putin demonstriert haben. In der heutigen Welt gibt es die Luegner, die Verraeter und die Patrioten. Die vermeintlichen Massaker in Syrien sind auch eine Luege. viele Bilder von Szenen in Syrien wurden in den USA regelredht fabriziert.

agafangel
05.02.2012 11:30
1 1

Es lebe Wladimir Wladimirowitsch!

Unsere liebe Presse kennt nur die Antiputinisten. Das zwei mal soviel f ü r Putin auf die Straßen gingen, wird einfach unterschlagen!

agafangel
05.02.2012 11:30
1 1

Es lebe Wladimir Wladimirowitsch!

Unsere liebe Presse kennt nur die Antiputinisten. Das zwei mal soviel f ü r Putin auf die Straßen gingen, wird einfach unterschlagen!

Biene78
04.02.2012 22:42
1 0

Pünktlich zur

Syrien-Resolution

Kongolese
04.02.2012 22:42
6 0

Beeindruckend ...

ist die Tatsache, dass sich die westliche Welt - resp. die Turbokapitalisten - stets drei Punkte fordern:

1. Demokratie
2. Pressefreiheit
3. Menschenrechte

Machen wir uns doch nichts vor, unsere Demokratie funktioniert ja auch nicht. Regieren tun die "Märkte". Das ist in vielen Aussagen von Politiker immer wieder zu hören. Nämlich: "Wir dürfen die Märkte jetzt nicht beunruhigen!". Pressefreihit bedeutet ja auch, dass man nicht nur jeden Schwachsinn schreiben darf, sondern dass auch die Mega-Konzerne ihre Werbung/Gehirnwäsche raus posaunen können. Wie oft haben die Medien schon zu den Finanz-Blasen mittels ihrer Berichte beigetragen???

Und Menschenrechte? Hui, da kann man ja nix dagegen sagen ... Als ob Firmen welche Milliarden auf den Rücken der Arbeiter einziehen, wirklich etwas auf die Menschen geben würden.

Wer das aber glaubt, der kann weiterhin wählen gehen.

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
04.02.2012 21:19
3 1

berichtet doch auch mal

von den schon ewig dauernden Protesten aus dem schönen Polizeistaat Amerika

http://youtu.be/NsuGvyoE21Y

http://en.wikipedia.org/wiki/File:U.S._incarceration_rates_1925_onwards.png

ein Viertel aller Häftlinge weltweit sitzen in US-Gefängnissen


Gast: ZarvonWien
04.02.2012 16:27
5 3

Tendenziös

"Im Internet hatten sich zuvor viele Beschäftigte staatlicher Einrichtungen wie Behörden, Schulen und Krankenhäusern darüber beklagt, zur Teilnahme an der Putin-freundlichen Kundgebung gezwungen zu werden." Diesen Vorwurf kann ich nach Studium verschiedener russischer Medien nicht ganz nachvollziehen. Allerdings werden bei den Zahlen hier diejenigen der Behörden (Innenministerium) zitiert, manche Berichterstatter sehen das etwas anders. Die Pro-Putin-Anhänger dürften leicht übertrieben sein, die Anti-Ptins weit untertrieben. Das sehe ich nach den Bildern im TV auch so. Zu bemerken wäre außerdem, daß die Pro-Putins teilweise mit Autobussen angekarrt wurden. Neben diesen beiden Riesenaktionen gab es noch eine etwas kleinere der Rechtsextremisten, die diesmal nicht mit der gesamten buntgemischten Opposition gemeinsam sein wollten oder durften. Ein Hoch auf die Stadt Moskau, die nicht nur mobile Toiletten aufgestellt hat, sondern auch gratis heißen Tee ausgeschenkt hat. Ein Hoch auf die Polizei die Provokationen einzelner Pro-Putins bei den Anti-Putins unterbunden hat. Schön, daß es heute in Rußland solche Aktionen ohne grobe Zwischenfälle geben kann. Wäre Putin nicht gewesen demonstrierten die heute alle aus Hunger. Dafür wollen wir ihn mit aufrichtigem Dank verabschieden.

Antworten Walter2
05.02.2012 13:01
1 0

Re: Tendenziös

Es wäre zu erwähnen, dass die (größeren) russischen Medien nur das senden, was den Sanktus des Hrn. Putin hat. Die Übernahme der Kontrolle über die Massenmedien war ja bereits der 1.te Schritt bei dessen erster Amtsübernahme.

Freuen wir uns zudem auch darüber, dass es einmal nicht, zumindest nicht im Fernsehen, auf Rentner einprügelnde Spezialeinheiten zu sehen gab.

Gast: ADVOCATUS DI
04.02.2012 16:17
2 2

Die 2.RUSSISCHE REVOLUTION

Trivialmedien wie das "GROSSE FORMAT-DIE PRESSE" langweilen ihre Leser mit dem VÖLLIG AUSGELEIERTEN-Cold War Geschwätz!!
Tatsache ist, und im Gegensatz zur Presse sind MEINE INFOS-ORIGINÄR, meint von Russ.Staatsbürgern und Freunden, die berichten mir ganz unaufgeregt über ein paar Tausend Protestierern, bestenfalls, die Hälfte dafür, und die andere Hälfte dagegen, EMOTIONEN-von beiden Seiten-KEINE!!
Und besonders schlau finde ich das Gefasel von Putins KGB-Vergangenheit!!
Was soll damit schon sein??!!
Angela MERKEL, Deutsche Kanzlerin war vor ihrem Wechsel in den Westen-SED-MITGLIED!!
Wen kratzt das schon, AUSSER DIE EWIG-GESTRIGEN!!

Gast: robert
04.02.2012 13:21
4 9

Das Ausland will

eine "gelbe,grüne oder braune" Revolution,hoffentlich macht Putin ihnen einen Strich durch ihre Rechnung!

Gast: africano
04.02.2012 10:44
4 12

Vorsicht die Zündler sind unterwegs !

Wie ein Strickmuster sind diese Proteste.

Antworten pck0
04.02.2012 12:59
6 3

Re: Vorsicht die Zündler sind unterwegs !

Wer sind die Zündler und was ist das Strickmuster?

Antworten Antworten nerd
04.02.2012 15:35
4 3

Re: Re: Vorsicht die Zündler sind unterwegs !

mach ihn nicht noch mehr fertig als er eh schon ist!!