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Krawalle halten an: Finanzamt in Kairo in Flammen

05.02.2012 | 20:51 |   (DiePresse.com)

Die Ausschreitungen in Ägypten beruhigen sich nicht: Immer mehr Menschen fordern einen schnelleren Wandel. Experten raten, die geplanten Wahlen vorzuziehen.

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Ein Jahr nach dem Sturz von Langzeitpräsident Hosni Mubarak macht sich Ägypten für die Wahl eines neuen Präsidenten bereit. Nach tagelangen blutigen Ausschreitungen mit mindestens zwölf Toten ist am Wochenende der Druck auf den herrschenden Militärrat gewachsen, die Macht endlich abzugeben. Ein von den Generälen eingesetztes ziviles Beratergremium sprach sich dafür aus, die Anmeldung von Kandidaturen schon ab 23. Februar zuzulassen. Ursprünglich war der Beginn des Rennens um das Amt erst Mitte April und die Präsidentschaftswahl Mitte Juni vorgesehen.

"Das Land will einen Präsidenten", titelte die Zeitung "Al-Tahrir" am Wochenende. Bisher ist vorgesehen, dass zunächst eine neue Verfassung ausgearbeitet und dann im Juni ein neuer Präsident gewählt wird. Die Demokratiebewegung will aber nicht auf die Verfassung warten.

Auch der prominenteste Bewerber um die Präsidentschaft, Amr Mussa, pochte auf einen neuen Fahrplan. Die Wahl dürfe nicht später als Ende April stattfinden. Auch über den Mitteilungsdienst Twitter äußerte er sich besorgt über die aktuelle Situation. Die Stabilität des nordafrikanischen Landes sei gefährdet, betonte der ehemalige Chef der Arabischen Liga. Deshalb sei eine Übergabe der Macht an ein vom Volk gewähltes Staatsoberhaupt dringend notwendig.

Massive Unruhen

Im Stadtzentrum Kairos kam es immer wieder zu massiven Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. In der Nacht auf Sonntag war nach Angaben des Staatsfernsehens ein Gebäude der Steuerbehörde nahe des Innenministeriums in Brand geraten. Noch am Sonntag in der Früh lag eine Rauchwolke über dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo, wo vor einem Jahr die Proteste gegen Mubarak begonnen hatte. Diese führte schließlich zum seinem Sturz am 11. Februar 2011.  Die Sicherheitskräfte setzten erneut Tränengas ein. Laut Medienberichten wurden mehrere Polizeiwachen überfallen.

Blutiger Platzsturm in Port Said

Die jüngsten Krawalle waren am Donnerstagabend ausgebrochen, nachdem am Vortag bei einem Erstligaspiel in der Stadt Port Said bei Ausschreitungen 74 Menschen ums Leben gekommen waren. Fußballfans warfen der Polizei vor, nicht eingegriffen und weggeschaut zu haben, als Spieler und Anhänger des Kairoer Klubs Al-Ahly angegriffen wurden. Aktivisten und Menschenrechtler machen die Militärs verantwortlich. Gerüchte kamen auf, dass die Krawalle auf dem Spielfeld von bezahlten Schlägertrupps provoziert wurden, um Chaos zu stiften.

Illegale Finanzierung von Stiftungen

Die Justizbehörden kündigten unterdessen an, 40 Menschenrechtler, darunter auch Ausländer, wegen angeblich illegaler Finanzierung von Stiftungen und Hilfsorganisationen vor Gericht stellen zu wollen. Die Razzien bei 17 ägyptischen und ausländischen Organisationen, darunter die deutsche Konrad-Adenauer-Stiftung, hatten Ende Dezember scharfe internationale Kritik hervorgerufen. Schon im November hatte das ägyptische Justizministerium erklärt, viele zivilgesellschaftliche Gruppen seien seit dem Sturz Mubaraks im Februar illegal aus dem Ausland finanziert worden. Für mehrere US-Bürger wurde ein Einreiseverbot verhängt.

Besucherzahlen sinken

Viele Ausländer machen indes einen Bogen um die ägyptische Hauptstadt. Ein Sprecher am internationalen Flughafen Kairo sagte, die Besucherzahlen, die nach dem Umsturz vor einem Jahr bereits deutlich gesunken waren, seien in den vergangenen Tagen noch einmal um etwa 40 Prozent gesunken.

Anschlag auf die Gas-Pipeline

Unterdessen wurde am Sonntag zum zwölften Mal innerhalb eines Jahres ein Anschlag auf die Gas-Pipeline von Ägypten nach Israel verübt. Die maskierten und bewaffneten Angreifer hätten einen Sprengsatz an der Pipeline nahe der Stadt Al-Arish zur Explosion gebracht, erklärten Sicherheitsbeamte. Rettungskräfte eilten zum Anschlagsort im Norden der Sinai-Halbinsel, um das Feuer zu löschen. Berichte über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor

Mubarak soll verlegt werden

Der vor Gericht stehende frühere ägyptische Präsident Hosni Mubarak soll nach einem Fernsehbericht in ein Haftkrankenhaus verlegt werden. Das Innenministerium habe einer Kairoer Gefängnisklinik entsprechende Weisung erteilt, meldete der Sender Al Jazeera am Sonntag ohne Quellenangaben. Derzeit wird der langjährige Machthaber in einem Militärkrankenhaus behandelt. Sollte die Meldung zutreffen, wäre das eine Zugeständnis der Militärregierung an die Demonstranten, die sich über eine bevorzugte Behandlung des vor einem Jahr gestürzten Staatschefs beklagen.

Krawalle in Ägypten: ''Mit Macheten und Messern''

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(Ag.)

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9 Kommentare
Gast: WienerGast
06.02.2012 10:41
3 0

Genau so war es zu erwarten !

Ich bekomme deswegen keinen Orden verliehen aber es passiert alles genau so wie ich es vorausgesagt habe. Das Problem ist, dass gewisse Völker einen starken Herrscher benötigen der sie in gewissen Ausmaß unterdrückt, fällt diese Unterdrückung weg, so herrscht Anarchie weil diese Menschen gegenüber zB. Mitteleuropäern einen weit stärker ausgeprägten Ehrbegriff und auch Gewaltpotential in sich tragen. Haben sich diese Menschen einmal für eine Sache deklariert so ziehen sie das durch, zumeist bis zum Tode und das macht sie auch so gefährlich. Das ist auch der Grund warum diese Menschen mit Mitteleuropäern nicht kompartibel sind, in unseren Breitengraden fehlt sowohl der starke Herrscher und auch eine entsprechende Gesetzeslage um deren Temperament Herr zu werden.

0 0

Jetzt sind es Ausschreitungen

vor einem halben Jahr waren es die Bemühungen eines geknechteten Volkes um mehr Demokratie.

So schnell geht das. Es scheint verstanden worden zu sein, dass so eine Militärdiktatur besser mit Israel und den USA zusammenarbeitet als eine demokratisch gewählte Regierung.

Man muss nur eine Instanz kaufen.

Gast: Mittelstand
05.02.2012 20:49
1 1

Finanzamt in Kairo in Flammen

Die Ägypter scheinen zu wissen
wo der Hund begraben liegt.

Gast: Be-obachter
05.02.2012 15:30
11 2

Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929)

Tobt der Pöbel in den Gassen, ei, mein Kind, so lass ihn schrei'n.
Denn sein Lieben und sein Hassen ist verächtlich und gemein!
Während sie uns Zeit noch lassen, wollen wir uns Schönerm weih'n.
Will die kalte Angst dich fassen, spül sie fort in heißem Wein!
Lass den Pöbel in den Gassen: Phrasen, Taumel, Lügen, Schein,
Sie verschwinden, sie verblassen - Schöne Wahrheit lebt allein.

Antworten Gast: gasti
06.02.2012 10:26
0 0

Re: Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929)

voll auf den punkt gebracht, und das vor fast 100 jahren! danke :-)

starshaper
05.02.2012 13:00
15 3

"Arabischer Frühling"

nach dem Geschmack der Linken: Chaos, Fundamentalismus, Gewalt.

Antworten Gast: Johan Meltini
06.02.2012 14:01
0 1

Re: "Arabischer Frühling"

verzeihen sie, aber ich glaube, entweder Zeit und/oder Raum für ihre Diagnose stimmen nicht.

4 1

also

da ist ja mal eine Idee, die einem gefallen könnte, wenn sie einem gefallen dürfte (nach der neuen Antiterrorgesetzen bin ich mit dieser Meinung auf der Schwarzliste):
ich schreibs trotzdem, weil ich unverbesserlich auf Demokratie hoffe - das FA brennt. Jo mei, wos soist do mochn...

Gast: Kibietz
05.02.2012 10:03
12 2

Das wird ein genauso schöner Frühling wie damals 79 im Iran. Da hat man auch den bösen Schah geschast und dann eine Vorzeige-Islamdemokratie errichtet. Keiner hat sich je lange beklagt.

Ist so, weil man dort auf die wesentlichen Fundamente menschlichen friedlichen und zufriedenen Zusammenlebens achtet: Viel Allah, Allah und Allah!