Peking/Ag. Aus Protest gegen die chinesische Politik im seit Jahrzehnten besetzten Himalaya-Gebiert Tibet haben sich am Wochenende laut einem Radiobericht drei weitere Menschen selbst verbrannt: Das US-finanzierte Radio „Free Asia“ meldete am Sonntag, die drei Tibeter hätten sich am Freitag im Kreis Seda in der westchinesischen Provinz Sichuan angezündet. Eine Person sei gestorben, die zwei anderen seien in ernstem Zustand.
Eine in der Kreisverwaltung von Journalisten telefonisch erreichte Beamtin dementierte den Bericht. Falls er zuträfe, hätten sich damit allerdings innerhalb eines Jahres gleich 19Tibeter – meist Mönche und Nonnen – aus Protest gegen China selbst verbrannt.
Nach einer Serie von gewaltsamen Zwischenfällen in Tibet, wo Tibeter bei Protestaktionen erschossen wurde, wollte die Kommunistische Partei die Kontrolle der dortigen Klöster verschärfen. 1965 hatten die chinesischen Kommunisten große Teile Tibets, das seit 1950/1951 von der Volksbefreiungsarmee besetzt worden war, an die Nachbarprovinzen Qinghai und Sichuan angegliedert. In Sichuan waren die Behörden 2011 massiv gegen Tibeter vorgegangen. 300 buddhistische Mönche wurden aus einem Kloster verschleppt.
China versucht seit den 1960ern Tibet, das selbst einst ein riesiges und auch militärisch expandierendes Königreich gewesen war, auch ethnisch und kulturell „umzufärben“. So sind durch den Zuzug von Millionen Chinesen die einheimischen Tibeter bereits flächendeckend in der Minderheit, Chinesen beherrschen auch die Wirtschaft der Region fast total.
„Arabischer Frühling“ in Fernost
Unterdessen warnte US-Senator John McCain China am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz davor, dass der „Arabische Frühling“ auch in Fernost Einzug halten könne: „Ich habe es schon oft gesagt, und ich werde es wiederholen: Der Arabische Frühling kommt auch nach China“, erklärte der frühere Präsidentschaftskandidat McCain am Samstag im Rahmen einer Diskussionsrunde, an der auch der stellvertretende chinesische Außenminister Zhang Zhijun teilnahm. Es sei ein „Anlass zur Sorge“, dass sich Tibeter wegen der anhaltenden Unterdrückung ihres Volkes in China verbrannten.
Zhang wies McCains Äußerung zurück und lehnte jegliche Einmischung des Auslands in innere Angelegenheiten Chinas ab. „China ist China“, sagte er. Zwar spekulierten einige Leute, dass der Arabische Frühling nach China kommen werde. „Aber das ist nicht mehr als eine Fantasie, denn die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung unterstützt Politik und Regierung in China“. Zudem habe China den Fortschritt nach Tibet gebracht und Lebenserwartung und Bildung dort verbessert.
Auch in anderen Regionen Chinas rebellieren Minderheiten – vor allem die muslimischen, turksprachigen Uiguren im autonomen Gebiet Xinjiang im Nordwesten. Auch der Arabische Frühling war durch eine Selbstverbrennung ausgelöst worden, nämlich in Tunesien, dem folgten Aufstände und der Sturz von Regimen vorerst in Ägypten und Libyen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2012)
Historische Präsidentenwahl ''Mubarak-Überbleibsel'' vs. Islamisten
Auch Politiker waren einmal jung Erkennen Sie die Politiker auf Ihren Kinderfotos?
Eklats im Parlament Prügeleien, Partys, Stinkefinger
Politiker beim Sport Kicken & kämpfen für das Foto
Zitate der Woche ''Ich bin ein Antifaschist reinsten Wassers''