26.05.2012 03:54 | Meine Presse Merkliste 0

Abbas wird Premier von Einheitsregierung

06.02.2012 | 13:45 |   (DiePresse.com)

Der Palästinenser-Präsident soll eine gemeinsame Hamas-Fatah-Regierung anführen. Der radikalen Hamas-Bewegung droht deshalb "die Spaltung".

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Kompromiss bei den Palästinensern: Präsident Mahmoud Abbas soll Ministerpräsident einer gemeinsamen Übergangsregierung der Organisationen Hamas und Fatah werden. Dies ist Teil einer Vereinbarung, die Abbas am Montag in Doha mit dem Hamas-Exilchef Khaled Mashaal unterzeichnete.

Die Übergangsregierung soll Wahlen im von der Hamas beherrschten Gazastreifen und in Abbas' Westjordanland vorbereiten.

Die Hamas-Bewegung steht jedoch laut arabischen Medienberichten nicht geschlossen hinter der nun erzielten Einigung. Der Nachrichtensender Al-Arabiya meldete, es sei mit einer "Spaltung" innerhalb der Hamas zu rechnen. Dem Vernehmen nach soll vor allem Mahmoud al-Sahar von der Hamas-Führung im Gazastreifen strikt gegen die von Mashaal getroffene Vereinbarung sein.

Der bisherige, vom Westen unterstützte, Regierungschef Salam Fayyad begrüßte dagegen die Abmachung am Montag als "Antwort auf die Forderung unseres Volkes, das Land und seine Institutionen zu vereinen".

Man habe sich nicht nur "um der Unterzeichnung selbst willen" geeinigt, sondern beabsichtige auch eine Umsetzung, betonte Abbas nach der Zeremonie in der Hauptstadt von Katar. "Beiden Parteien, Fatah und Hamas, ist es sehr ernst mit dem Willen, die Spaltung zu beenden und sich in allen Fragen zu versöhnen", sagte Mashaal. Man wolle sich gemeinsam dem Feind Israel stellen und Palästina befreien.

Israel: "Abbas verlässt Pfad des Friedens"

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu warf dem palästinensischen Präsidenten Abbas vor, durch die in Versöhnung mit der radikalen Hamas "den Pfad des Friedens" zu verlassen. "Wenn Abu Mazen (Abbas, Anm.) das umsetzt, was er in Doha unterschrieben hat, dann entscheidet er sich gegen den Pfad des Friedens und verbündet sich mit der Hamas", erklärte Netanjahu nach Angaben seines Büros in Jerusalem am Montag zu der jüngsten palästinensischen

Fatah und Hamas hatten sich im vergangenen Jahr auf ein Versöhnungsabkommen geeinigt, mit dem das Ende der separaten Regierungen im Gazastreifen und im Westjordanland herbeigeführt werden soll. Die palästinensischen Wahlen Anfang 2006 hatte die Hamas mit absoluter Mehrheit gewonnen. Der Machtkampf mit der Fatah führte im Juni 2007 zur faktischen Trennung des Westjordanlandes und des Gazastreifens.

Die Hamas übernahm nach blutigen Gefechten die alleinige Kontrolle über das Küstengebiet. Abbas löste daraufhin die Hamas-geführte Einheitsregierung unter Premier Ismail Haniyeh auf und setzte im Westjordanland ein Notstandskabinett unter Salam Fayyad ein.

Fatah und Hamas

FATAH: Ziel der 1958 gegründeten Partei ist ein unabhängiger Palästinenserstaat mit vollen Souveränitätsrechten. Dafür setzte sie mitunter auf den gewaltsamen Kampf für ein Palästina in historischen Grenzen (Israel, Westjordanland, Gazastreifen). Nach der Anerkennung Israels 1988 änderte die Fatah ihre Charta. Sie strebt seitdem die Schaffung eines Staates in den Grenzen von 1967 mit friedlichen Mitteln an. Bei der Parlamentswahl 2006 verlor die Fatah ihre Mehrheit an die Hamas. Das führte zur Spaltung der Autonomiegebiete: Nach dem Verlust von Gaza an die Hamas (2007) kontrolliert die Fatah nur noch das Westjordanland.

HAMAS: Die 1987 gegründete radikalislamische Organisation fordert in ihrer Charta die Zerstörung des Staates Israel und die gewaltsame Errichtung eines islamischen Staates Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer. Die Organisation verübte Dutzende tödliche Anschläge auf Israelis. Mit ihren Milizen wird sie unter anderem von den Vereinten Nationen als terroristische Vereinigung eingestuft. Nach Schätzungen gehören ihr bis zu 40.000 Kämpfer an. Die Hamas wird vom Iran und von Syrien mit Geld und Waffen unterstützt. Nach 2007 zeigte sie Bereitschaft zu einer langfristigen Waffenruhe mit Israel.

(Ag./Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
Gast: Westjord
06.02.2012 10:50
0 0

Jordanien