Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel weist Vorwürfe, wonach sie als Regierungschefin unzulässige Wahlkampfhilfe für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy betreibe, zurück. "Es ist üblich, dass wir uns in befreundeten Parteienfamilien gegenseitig unterstützen", sagte Merkel am Montag in Paris nach einem Treffen mit dem Präsidenten. "Ich unterstütze Nicolas Sarkozy in jeder Fasson, weil wir zu befreundeten Parteien gehören", betonte die Kanzlerin und fügte hinzu: "Egal was er tut."
Auch Sarkozy hatte am Montag lobende Worte für die Politikerin übrig: "Ich bin glücklich und stolz, dass die deutsche Bundeskanzlerin und der französische Präsident vor das Fernsehen treten und sagen können: Wir sind Freunde." Damit spielte er auf das für Montagabend angesetzte Doppelinterview nach dem deutsch-französischen Ministerrat an.
Sarkozy: "Bewundere" deutsche Kanzlerin
Weiters verwies Sarkozy dabei auf die dunklen Kapitel der deutsch-französischen Geschichte und machte deutlich, dass er seine konservative Parteigängerin Merkel "bewundere". Deutschland habe wirtschaftlich "riesige Erfolge" erzielt. "Wir sind nicht neidisch, wir wollen uns inspirieren lassen", sagte Sarkozy mit Blick auf seinen Wahlkampf, in dem er das deutsche Modell propagiert.
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte am Sonntagabend im ARD-"Bericht aus Berlin" gesagt: "Selbstverständlich ist die Bundesregierung im französischen Wahlkampf neutral." Dies war vorab als indirekte Kritik an Merkels Engagement interpretiert worden.
"Alles Weitere werden wir sehen"
Zudem hatte das Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet, Merkel wolle offenbar einen Besuch von Sarkozys sozialistischem Herausforderer François Hollande im Berliner Kanzleramt verhindern. Merkel ging auf eine Frage danach in Paris nicht direkt ein. Sie verwies lediglich darauf, dass Sarkozy sie im Wahlkampf 2009 unterstützt habe und Hollande damals bei der SPD aufgetreten sei: "Und alles Weitere werden wir sehen."
Heftige Kritik an dieser angeblichen Wahlkampfhilfe der Kanzlerin kam von dem Grünen-Fraktionschef im deutschen Bundestag, Jürgen Trittin. Mit ihrem Einsatz für einen Präsidenten, "der mit dem Rücken zur Wand steht", schade Merkel den deutsch-französischen Beziehungen, sagte Trittin den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Dienstag-Ausgabe). Wenn Merkel gemeinsam mit Sarkozy ein Interview gebe, dessen demokratischem Mitbewerber Hollande aber ein Treffen verweigere, verletze sie die für eine Bundeskanzlerin gebotene Neutralität.
In Frankreich wird in knapp drei Monaten gewählt - derzeit führt Hollande in Umfragen klar vor Sarkozy.
(Ag./Red.)
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