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"Böser Schein": FDP-Politiker fordert Wulffs Rücktritt

09.02.2012 | 11:39 |   (DiePresse.com)

Die Glaubwürdigkeit des deutschen Bundespräsidenten sei schwer belastet, sagt der Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki.

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Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff ist von einem Spitzenpolitiker aus dem Regierungslager zum Rücktritt aufgefordert worden. Es werde Zeit, "dass er eine Entscheidung trifft und die auch öffentlich macht", sagte Wolfgang Kubicki (FDP) am Donnerstag im Südwestrundfunk. Kubicki gehörte jener Bundesversammlung an, die Wulff im Jahr 2010 zum Bundespräsidenten wählte. Der damalige niedersächsische Regierungschef wurde damals mit den Stimmen von CDU, CSU und FDP ins höchste Staatsamt gehievt.

Nach Vorwürfen zu günstigen Krediten und Leihautos geriet Wulff jüngst weiter unter Druck, weil der befreundete Filmunternehmer David Groenewold ihn im Jahr 2007 zu einem Urlaubsaufenthalt auf der Insel Sylt eingeladen hat. Wulffs Anwälte betonten, der CDU-Politiker habe den Hotelaufenthalt "in voller Höhe" selbst bezahlt.

Kubicki sagte dazu, er könne sich kaum vorstellen, dass Wulff das Geld für seine Übernachtungskosten beim Auschecken aus dem Hotel tatsächlich dem Filmunternehmer Groenewold in bar überreicht und die Nebenkosten dann mit der Kreditkarte bezahlt habe. Diese Darstellung von Wulffs Anwälten sei lebensfremd und "extrem unwahrscheinlich", sagte der FDP-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag.

Bei einfachem Beamten "mindestens Disziplinarverfahren"

Die Erklärungen von Wulffs Anwalt hätten zu einer "schweren Belastung" der Glaubwürdigkeit und Wirkungsmöglichkeiten des Staatsoberhaupts geführt, beklagte Kubicki. Der "böse Schein", der im Fall Wulff entstanden sei, würde bei einem einfachen Ministerialbeamten mindestens zu einem Disziplinarverfahren führen.

Die Staatsanwaltschaft in Hannover prüft die jüngsten Vorwürfe zu Wulffs Hotelaufenthalt auf Sylt. Details daraus könnten Indizwirkung für den Verdacht auf eine Straftat haben, erklärte die Behörde. Wulffs Anwalt Gernot Lehr teilte dagegen mit, der damalige niedersächsische Ministerpräsident habe die Kosten eines gemeinsamen Wochenendes mit dem Filmfinanzier Groenewold auf der Nordseeinsel "in voller Höhe selbst bezahlt". Laut "Bild" hat Groenewold den Aufenthalt gebucht und mit seiner Kreditkarte bezahlt. Nach Angaben der Zeitung soll Groenewold vor einigen Wochen versucht haben, den Vorgang zu vertuschen. Er habe Hotelangestellte gebeten, Medien keine Auskünfte zu erteilen und wollte auch Unterlagen zum Aufenthalt an sich nehmen.

Unterdessen machte die "Bild"-Zeitung neue Vorwürfe gegen Wulff publik. Dieser habe in den Antworten auf Fragen zu finanziellen Verbindungen zu Unternehmern während seiner Zeit als Ministerpräsident falsche Angaben gemacht, berichtete die Zeitung am Donnerstag. So habe Wulff mitteilen lassen, die Firma Cemag in Hameln habe keine Unterstützung des Landes erhalten. Tatsächlich erhielt der inzwischen insolvente Betrieb des Unternehmers Ali Memari Fard jedoch Subventionen und Landesbürgschaften in Millionenhöhe. Dies sei sogar bereits vom Landesrechnungshof gerügt worden.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte der Zeitung, die Antwort habe "allein auf dem individuellen Kenntnisstand und nicht auf einer Aktenlage" beruht. Sie sei inzwischen dahingehend "konkretisiert" worden, "dass Herrn Wulff von finanziellen Leistungen des Landes Niedersachsen an Herrn Fard und dessen Firma Cemag nichts bekannt ist".

Von Audi bis Urlaub: Die Vorwürfe gegen Christian Wulff

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(Ag.)

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5 Kommentare
Gast: Demokratischer Bürger
09.02.2012 12:44
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Systemfehler

Wie man sieht sind die Politiker nicht selbst in der Lage einen geeigneten Bundespräsidenten selbst zu wählen. Ein Trauerspiel für die Politiker. Der eine tritt zurück der andere steht negativ in den Medien :-)... Es wird höchste Zeit, dass das deutsche Volk mal selbst einen Bundespräsidenten/in selbst wählt.

Antworten Gast: Amöbenschauer
09.02.2012 17:14
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Re: Systemfehler

Und den alten, kranken Hindenburg hamse mittlerweile post mortem und mit einiger Mühe noch für ihren Schlamassel verantwortlich gemacht.

Muss ein Großer gewesen sein.
Andere taugen so wenig, dass sie nichtmal zu besten Lebzeit und für Bagatellen als vorzeigbare Verantwortliche eignen.

Gast: dole
09.02.2012 12:34
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Ein Präsident, der ethisches Verhalten propagieren soll,

kann dieser Hauptaufgabe nun nicht mehr glaubwürdig nachkommen. Ja im Gegenteil, jeden Tag, den er länger im Amt ist, befördert er genau das Gegenteil jener Botschaft, die er von sich geben sollte. Da hat Merkel, zwar unbewußt, aber doch den Wulff zum Gärtner gemacht.

Gast: Seliger
09.02.2012 11:56
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„Die, die mehr haben, sollen mir auch mehr abgeben“

Wulffs Demokratieverständnis?

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Der Schnäppchenjäger

Die nicht enden wollenden Gerüchte und Geschichten um Wulff zeichnen ein fatales Bild von einem Mann, der dem stärksten Land Europas Fassung und Rahmen geben soll.

Für ihn und seine Verteidiger stellt sich stets die Frage nach juristischen Verfehlungen. Das Amt des Bundespräsidenten ist aber nicht geeignet für eine Person mit derart massivem Verteidigungs- und Erklärungsbedarf!
Wulff täte Deutschland und auch sich selbst einen großen Gefallen, rasch sein Amt aufzugeben.
Deutschlands Vorgehen in der gegenwärtigen EU-Krise wird - unabhängig von seinem Präsidenten - immer öfter kritisch, unsympathisch und mitunter auch bedrohlich von anderen Bürgern/Innen Europas empfunden. Eine hart kämpfende und vielleicht siegreiche Kanzlerin wird sich demnächst – wenn die Empörung über verordnete Sparmaßnahmen von der dramatischen Wucht ihrer Auswirkungen überrollt wird – einer breiten Masse ausgesetzt sehen, welche gerade mit Ihrer Person und der Bundesrepublik das eigene Schicksal verknüpfen werden.
Das Bild eines Bundespräsidenten, der zunehmend – ob zu recht oder nicht – als „Schnäppchenjäger“ gesehen und empfunden wird, wird dann Deutschlands Außenpolitik zusätzlich belasten!