26.05.2012 04:16 | Meine Presse Merkliste 0

Turkmenistan: Der Wahlsieger steht bereits fest

10.02.2012 | 18:38 |  JUTTA SOMMERBAUER (Die Presse)

Staatschef Berdymuhammedow wird am Sonntag wohl für fünf weitere Jahre im Amt bestätigt. Dass er das Land aus der Isolation führt, wird zusehends unwahrscheinlich.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

„Setz hier noch eine Kuppel drauf, und auf das medizinische Institut auch noch eine“, befielt der Herr im grauen Polyesteranzug seinem ergebenen Zuhörer, einem türkischen Bauunternehmer. Der gedrungene Mann, der so leichtfertig glänzende Kuppeln auf öffentlichen Gebäuden verteilt, als handle es sich dabei um Sahnehäubchen auf einer Torte, ist Turkmenistans Präsident Gurbanguly Berdymuhammedow.

Die Szene, aufgenommen 2010, ist Teil einer Videoreportage turkmenischer Dissidenten. „Die Bilder wurden uns zugespielt“, sagt Farid Tuhbatullin von der Menschenrechtsorganisation „Turkmen Initiative for Human Rights“. Bisher konnte man das Video auf der Webseite der NGO ansehen – in dieser Woche wurde sie gehackt. „Wegen der Präsidentenwahl am Sonntag“, sagt Tuhbatullin. Die Realsatire aus dem Machtzentrum der zentralasiatischen Republik vereint Filmausschnitte, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren und so überspitzt wirken, dass man sie sogar in Berdymuhammedows Reich für nicht möglich gehalten hätte. Und doch dürften sie authentisch sein.

 

Sieben chancenlose Gegner

Um den fünf Millionen Bürgern des isolierten Landes Wahlfreiheit zu suggerieren, wurden für den Urnengang sieben Gegenkandidaten zugelassen. Freilich sind es keine wirklichen Konkurrenten für den seit 2007 regierenden Berdymuhammedow. Alle hätten sie im Wahlkampf die Verdienste des Präsidenten gelobt, sagt Tuhbatullin.

Jüngst hat das Parlament des Landes die Gründung von Parteien zugelassen; bisher gab es nämlich nur eine: die Demokratische Partei (DPT) des Präsidenten. Die exilierte turkmenische Opposition, die unter anderem in Wien beheimatet ist, wurde dennoch enttäuscht: Auf eine Einladung zur Rückkehr nach Aschgabat wartete sie vergeblich.

Der frühere Zahnarzt des langjährigen Herrschers Saparmurat Nyasow („Turkmenbaschi“) wird – das lässt sich schon vor dem Wahltag mit ziemlicher Sicherheit sagen – für weitere fünf Jahre das Zepter in der Hand halten. Beobachter, die sich von Berdymuhammedow eine Abkehr vom Personenkult seines 2006 verstorbenen Vorgängers erhofft hatten, wurden in den vergangenen Monaten zusehends enttäuscht: Der Staatschef, der sich am liebsten in Weiß kleidet und schon mal auf der Gitarre einen rührseligen turkmenischen Popsong anstimmt, hat zwar den Personenkult seines Amtsvorgängers demontiert – jedoch offensichtlich nur, um seinen eigenen aufzubauen. Analog zu Nyasows Bibel, der „Ruchnama“, hat er seine eigenen Bestseller verfasst; eine Polizeieinheit nach seinem Vater Mjalikguly benannt, eine Schule nach seinem Großvater. Sein Vorgänger hatte dagegen einen Kult um seine Mutter Gurbansoltanedje betrieben.

 

Exportschlager Gas

Auf dem aktuellen Medienfreiheits-Index von Reportern ohne Grenzen verharrt das Fünf-Millionen-Einwohner-Land auf dem drittletzten Platz, vor Nordkorea und Eritrea; im August 2011 wurden Satellitenschüsseln, mit denen die Bürger vor allem russische Sender empfangen, wegen der angeblichen „Verschandelung“ der turkmenischen Architektur untersagt.

Außer für den Bau von Kuppeln begeistert sich Berdymuhammedow für den Pipelinebau. Das hält die vom Gasexport abhängige Wirtschaft – Turkmenistan verfügt über bedeutende Reserven – am Laufen. Neben dem traditionell größten Abnehmer Russland gewinnt China immer mehr an Gewicht: Die Turkmenistan-China-Pipeline soll bis ins Jahr 2013 mehr als 30 Mrd. Kubikmeter Erdgas pro Jahr transportieren. In den Iran soll die Liefermenge gesteigert werden, auch Europa hat Interesse. Der Präsident, ein begeisterter Reiter, dürfte noch länger fest im Sattel sitzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

3 Kommentare
Gast: Auf
11.02.2012 15:45
2 0

Volksbefreiungsarmee Chinas beste Schutz.

China immer mehr an Gewicht die Turkmenistan-China-Pipeline.

Gast: Trololo
10.02.2012 22:18
3 0

Sehr sehr nützliche Person.


Gast: Trololo
10.02.2012 21:59
3 0

Und das ist gut so.