Aufstand: Um Bashar al-Assad wird es einsam

12.02.2012 | 18:32 |  Von unserem Mitarbeiter Martin Gehlen (Die Presse)

Die Elite Syriens versucht sich abzusetzen - so wie Asma al-Assad im Jänner. Lange galt die Frau des Präsidenten als das freundliche Gesicht des Landes. Mehr als 7000 Menschen sind bisher angeblich gestorben.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Kairo/Damaskus. Heute klingen die Komplimente wie aus einer anderen Welt. „Paris Match“ umschmeichelte sie einst als „Königin Diana des Orients“, für die Modezeitschrift „Elle“ überstrahlte ihr Chic sogar die Präsidentengattinnen Michele Obama und Carla Bruni. Wo immer die syrische First Lady vor dem Ausbruch des Volksaufstands in ihrer Heimat auftrat, verbreitete sie Glanz und Eleganz, die so gar nicht zu dem verschrobenen und grauen Image ihres Landes passen wollten.

Mehr zum Thema:

Ein Jahrzehnt lang war Asma al-Assad, die seit Dezember 2000 mit Staatschef Bashar al-Assad verheiratet ist, die charmante Sympathieträgerin Syriens. Ihre drei Kinder fuhr sie angeblich selbst zum Kindergarten und zur Schule. Besucher lud sie gerne in der Altstadt ins Café ein – ohne Leibwächter und großes Aufsehen.

 

Al-Qaida feuert Rebellen an

Von diesem Herrscherhaus-Idyll ist nichts mehr übrig. Seit zehn Monaten kämpfen hunderttausende Syrer gegen das Regime ihres Mannes. Mehr als 7000 Menschen sind bisher angeblich gestorben, darunter 400 Kinder. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Gestern feuerte das Terrornetzwerk al-Qaida mit einer Videobotschaft die Aufständischen zum Aufbau eines islamischen Staates an. „Setzt eure Revolte fort“, forderte al-Qaida-Chef Ayman al-Zawahiri. Die Arabische Liga rang derweil in Kairo um die eventuelle Weiterführung ihrer Beobachtermission in Syrien. Unterdessen wurden bei Gefechten elf Menschen getötet, die meisten von ihnen in der Stadt Homs.

Homs, von wo Asmas sunnitische Verwandtschaft stammt, ist inzwischen eine Hochburg der Aufständischen. Ganze Stadtteile liegen in Trümmern, die Armee massakriert systematisch die Bewohner mit Artillerie und Panzern.

Geboren wurde Asma allerdings 1975 nicht in Syrien, sondern in London als Tochter einer Diplomatin und eines Herzchirurgen. In ihrer Jugend kannte sie Homs nur von gelegentlichen Ferienbesuchen, an der Themse führte sie das Leben eines assimilierten Immigrantenkindes aus gutem Hause. Sie besuchte die Elite-Mädchenschule Queen‘s College, das anschließende Studium am King‘s College schloss sie mit besten Noten ab, machte Diplome in Informatik und Französischer Literatur. Sechs Monate reiste sie durch Europa und Fernost, bevor sie als Investmentbankerin bei der Deutschen Bank in London anheuerte. Ihre Zulassung zur Harvard Business School hatte die damals 25-Jährige gerade in der Tasche, da kam Bashars Aufstieg ins Präsidentenamt dazwischen.

Seit Beginn des Aufstands im März 2011 wurde Asma nur noch einmal öffentlich gesehen, als vor vier Wochen ihr Mann überraschend auf dem Omayyaden-Platz in Damaskus erschien und vor tausenden jubelnden Anhängern versicherte, man werde alle Verschwörungen gegen Syrien „ohne jeden Zweifel“ niederringen. Mit in der Menge stand lächelnd die 36-Jährige zusammen mit zwei ihrer drei Kinder. Zwei Wochen später soll sie versucht haben, mit ihren Kindern, der Mutter Assads und einem Cousin des Präsidenten aus dem Land zu fliehen. Nach Angaben der syrischen Opposition wurde der Konvoi auf dem Weg zum Flughafen von Bewaffneten einer übergelaufenen Geheimdiensteinheit zum Anhalten gezwungen. Nur mit Mühe sei es ihren Leibwächtern gelungen, die gepanzerten Fahrzeuge zu wenden und zurück in den Präsidentenpalast zu fahren.

 

Reiche schaffen Geld außer Landes

Auch andere Mitglieder der syrischen Oberschicht sollen nach Erkenntnissen der US-Regierung bereits Pläne zur Flucht schmieden. Mitglieder der Führungsschicht hätten den oppositionellen „Syrischen Nationalrat“ um Hilfe gebeten, um Geld und Verwandte aus dem Land zu schaffen. Ein Mitglied der Assad-Familie habe große Geldsummen außer Landes gebracht. Namen nennt der US-Geheimdienst indes keine.

Asma al-Assad hat sich seitdem noch einmal per E-Mail aus ihrer Palastfestung gemeldet. „Der Präsident ist der Präsident von ganz Syrien, nicht von Teilen Syriens. Und ich unterstütze ihn in dieser Rolle“, schrieb sie an die britische „Times“. Ansonsten habe sie als First Lady einen „sehr anstrengenden Terminkalender, konzentriere sich wie bisher auf ihre sozialen Projekte und tröste die Familien von Opfern der Gewalt“.

Zur Person

Asma al-Assad (*11.8.1975 in London als Asma Fawaz al-Akhras) ist seit Dezember 2000 Gattin des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Sie entstammt einer in England lebenden Ärztefamilie aus Homs, einem Zentrum des Aufstands in Syrien. Die Informatikerin war Finanzanalystin und lernte Assad in den 1990ern während dessen Studiums in London kennen; sie haben drei Kinder. [EPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

18 Kommentare
0 0

Die UNO

Keine Möglichkeit für die Spione mit den blauen Helmen

5 0

Bemerkenswerte Allianz: USA, Al Kaida und Saudi Arabien

- gegen den gemäßigten Moslem (Alevit) Assad:

Haben die Menschen im Westen noch nicht bemerkt, dass Saudi Arabien Assad beseitigen möchte?
Syriens Assad ist Alevit, also gemäßigter Moslem.
2 Mio Christen dürfen in Syrien leben. In Saudi Arabien, einem der intolerantesten Staaten, dürfen sich christliche Gastarbeiter nicht einmal in ihren Wohnungen zum Gebet treffen.
Und haben wir noch nicht bemerkt, dass es den Christen z.B. in Ägypten im "arabischen Frühling" gleich noch schlechter geht als zuvor?
Siehe hier:
http://schreibfreiheit.eu/2011/02/24/agypten-eliminiert-den-kleinen-rest-der-christen/

Seltsame Allianz:
Fanatische Moslems, Al Kaida und westliche Regierungen gegen einen religiös toleranten Staatschef? Zu welchem Zweck?

Antworten Gast: Sososo
13.02.2012 23:06
0 0

Re: Bemerkenswerte Allianz: USA, Al Kaida und Saudi Arabien

Zu welchem Zweck?
Nie Türkei, Nie Saudis & USA keine Machdisten von hinten brauchen.

Gast: Malta
13.02.2012 18:49
0 0

Arabischer Golf ist schon fast blockiert und jetzt Mittelmeer

Mahdi kommt beschtimmt.

6 1

Weiter denken …

… denn Syrien in in jeder Hinsicht eine Schlüsselposition. Einerseits weil damit der Iran ziemlich dicht an Israel herankommt aber auch weil es eine der letzten russischen Bastionen ist. USA als auch ISrael haben ein massives Interesse daran Assad auszuschalten, da ist es eigentlich auch egal wie viel Opfer da produziert werden, der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Und die Erfahrung der letzten Kriege lehrt uns, dass man den normalen Leser immer mit der „Humanitätskeule“ erschlagen kann. Die Scheinheiligkeit des Treibens vor Ort kann man schneller erkennen wenn man auch mal russische oder arabische Medien studiert.

Selbst Al-Qaida und die USA entdecken wieder Gemeinsamkeiten, wie bereits in Libyen … hier ein kleiner Sarkasmus dazu: http://qpress.de/2012/02/12/usa-und-al-qaida-zu-syrien-einig-morden-geht-weiter/

Tja, die wirklich Betrogenen und Verarschten in diesem Spiel sind abermals die überwiegende Zahl der normalen Menschen in Syrien, die eher ihre Ruhe haben wollen, im Zweifel auch unter Assad, als im Gefolge dieser Stellvertreterkriege nur noch Erwähnung in der langen Liste des „Body-Count“ zu finden. Ich empfinde die Geschichte von vorne bis hinten verlogen, was mir weder die Russen, noch Assad aber auch die unsererseits tätigen Gutmenschen dort nicht sympathischer macht. Klar ist jedoch, dass hier mit Syrien um eine Schlüsselposition gerangelt wird und das mit den fiesesten Methoden, die logischerweise keine der externen Parteien zugestehen wird.

Antworten Gast: US
13.02.2012 18:34
0 0

Weiter denken …4Ruski web brigades


Gast: bäriger typ
13.02.2012 14:30
0 0

selbstverständliche lösungen..

es ist ein ständiges "nein so ist das nicht" und "nein das ist eine lüge" gerede. OK, aber WENN, was tun wir???

wie es ist wirklich?
wer klärt auf?
unseriöse internetseiten?
geschichtsbücher? zeitzeugen? zeitungen?
youtubevideos? fernsehen?

in einem zeitalter in dem es für normale menschen möglich ist, alle aufgezeichneten beweise zu fälschen wird es schwer zu sortieren und zu erkennen, egal wie reflektiert und gebildet man ist.

wir glauben was sie wollen!

und nur weil man erkennt, dass es so ist und deswegen meint, einfach das gegenteil der öffentlichen meinung widergeben zu müssen, ist man noch lange kein couragierter bürger unseres planeten, sondern eher ein querulant, der systematisch systeme zerstören möchte und dem die gunst der menschheit nicht wichtiger, als sein eigener stolz ist!
sich unterzuordnen hat nicht zwangsläufig und ausschließlich damit zu tun ein lemming zu sein, nein, sondern auch mit der erkenntnis, dass man nicht bedeutender als jeder andere auf diesem planeten ist!

Assads Opfer ?

Artikel lesen
"Das syrische Medienmassaker"
http://doriangrey.net/index.php?page=medien

Gast: Jochen Rind
13.02.2012 11:39
10 0

Um Bashar al-Assad wird es einsam - Die Elite Syriens versucht sich abzusetzen

Wer's glaubt - wird selig...

11 0

ein " feindlicher Akt"

ist die Einrichtung einer Flugverbotszone und damit der Persilschein für ein Bombardement wie in Lybien!

Gast: Pudelhund
13.02.2012 10:10
9 0

Wird Zeit, dass Spindelegger nach Syrien fliegt

und im Namen der Republik Österreich den Rebellen den Rücken stärkt, wie er es schon in Libyen getan hat: Die Medien berichteten, dazu http://images.derStandard.at/t/12/2011/10/09/1317067833485.jpg" target="_blank">http://images.derStandard.at/t/12/2011/10/09/1317067833485.jpg

3 0

Re: Wird Zeit, dass Spindelegger nach Syrien fliegt

Die haben schon Verbündete mit mehr Kampferfahrung.

http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/al-qaida-ruft-zum-sturz-assads-auf--55786809.html

Wer hätte gedacht, daß das "Staatenbündnis" einmal mit dieser Gruppe verbündet sein würde.

Oder haben sie schon immer auf derselben Seite gekämpft?

Jedenfalls brauchen wir uns vor Al-Qaida nicht mehr zu fürchten, denn sie haben ähnliche Ziele wie NATO & Co.

Gast: Giftspritzer
12.02.2012 21:56
5 6

Weisst du was Martin..

..steck dir deine Propaganda dort hin wo die Sonne niemals scheint!!

"Mehr als 7000 Menschen sind bisher angeblich gestorben.."

von angeblich zu

"..Armee massakriert systematisch die Bewohner.."

Gfys Martin Gehlen!


0 1

Re: Weisst du was Martin..

Hui, ruhig bleiben, durchatmen.

Re: Weisst du was Martin..

Angeblich bedeutet, dass die Zahl unbestätigt ist. Es können weniger sein, es können aber auch mehr sein.
Wer sinnerfassend lesen kann, ist klar im Vorteil.

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
12.02.2012 20:11
10 5

heut wieder Märchenabend

aus 1001 Nacht.

Die Prinzipien der Kriegspropaganda sind zum ersten Mal 1871 von dem britischen Diplomaten Lord Ponsonby systematisch dargestellt worden. Danach gelten folgende Regeln:

1. "Wir haben den Krieg nicht gewollt!"
2. Personifizierung des Feindes
3. "Unsere Zielsetzungen sind humanitärer Art."
"Man muss die Tatsache verschweigen, dass es wirtschaftliche Ziele des Krieges gibt. Man stellt nur humanitäre Motive in den Vordergrund..."
4. Berichte über die Grausamkeit des Gegners.


1 3

Re: heut wieder Märchenabend

Stimmt, das muss man Assad lassen, das hat er drauf. Natürlich wollte er nicht auf die Demonstranten schießen, er ist aber dazu gezwungen worrden (1) weil sie allesamt böse Al-Kaida Leute waren (2), er will ja nur Frieden, dann kommen die Reformen (3), aber schauts die bösen Selbstmordattentäter an (4). Wie aus dem Lehrbuch.

3 0

Re: heut wieder Märchenabend

Die Dummen lassen sich immer am leichtesten manipulieren ,zu sehen nach jeder Wahl in Österreich und an der Anzahl der Österreich und Heute Leser/innen in den Öffis.

AnmeldenAnmelden