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Deutschland: "Merkel ist schwer auszurechnen"

19.02.2012 | 18:22 |  von anna gabriel und karl gaulhofer (Die Presse)

Die Unionsparteien wollen Joachim Gauck als Wulff-Nachfolger verhindern. Dieser hielt sich bei einem Wien-Besuch bedeckt. Doch auch jeder andere denkbare Kandidat scheint für irgendjemanden nicht tragbar zu sein.

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Wien/Berlin. Eigentlich sollte es eine ganz normale Matinee werden. Dass vor dem Stadttheater in der Walfischgasse Sonntagvormittag zahlreiche Kamerateams und Journalisten warteten, hatte dennoch einen guten Grund: Gast bei „Peter Huemer im Gespräch mit...“ war diesmal Joachim Gauck, möglicher Nachfolger des am Freitag zurückgetretenen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff.

Zur Causa Prima war dem gut gelaunten Ex-DDR-Bürgerrechtler erwartungsgemäß wenig zu entlocken: „Wenn Sie etwas wissen wollen, rufen Sie Frau Merkel an“, riet er den anwesenden Journalisten, „ich warte erst einmal bis morgen oder übermorgen ab.“ Wenn man sich vom neuen Präsidenten aber „eine Mischung aus Engel und Philosoph“ erwarte, wäre das nicht schön, so Gauck. Die Ansprüche dürften jetzt keinesfalls ins Unermessliche steigen. Auch in der Bevölkerung gebe es alles, „von grenzdebil bis begnadet“ – das sei bei Politikern nicht anders.

 

„Ruhig und aufgeregt zugleich“

Der 72-Jährige gestand, hinsichtlich der laufenden Verhandlungen über einen Nachfolgekandidaten „ambivalente Gefühle“ zu haben: „Ich bin ruhig und aufgeregt zugleich.“ Kanzlerin Angela Merkel, die den Parteilosen bei der Wahl 2010 verhindert hat, „schätze er sehr“, so Gauck, sie sei aber „schwer auszurechnen“.

Wie recht er behalten sollte, zeigte sich wenige Stunden später: Mehrere Medien in Berlin haben übereinstimmend berichtet, dass die Unionsparteien (CDU/CSU) Gauck als Kandidaten ablehnen würden, während das FDP-Präsidium sich einstimmig für ihn ausgesprochen hat. Die stolze Kanzlerin ist offenbar (noch) nicht bereit, über ihren Schatten zu springen und Gauck als Konsenskandidaten vorzuschlagen. Damit würde sie eingestehen, 2010 einen Fehler gemacht zu haben, als sie mit aller Kraft Wulff durchgesetzt hat.

Doch auch jeder andere denkbare Kandidat scheint für irgendjemanden nicht tragbar zu sein: Ex-Umweltminister Klaus Töpfer und die grüne Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckhart für die FDP, der evangelische Altbischof Wolfgang Huber für die Katholiken, alle amtierenden Minister für SPD und Grüne. Am Samstagabend fiel in Verhandlungskreisen der Name von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Zwei Namen sind dagegen jedenfalls von der Liste zu streichen: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Andreas Voßkuhle, der Präsident des Verfassungsgerichts, haben bereits abgesagt.

 

Verhandlungen mit Opposition

So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Verhandlungen in die Länge ziehen. Immerhin: Noch am Sonntagabend wollte die Regierung ihren Gesprächskreis erweitern und SPD und Grüne dazu holen. Spätestens bis Aschermittwoch soll der gemeinsame Kandidat stehen. Dann wäre die Wahl durch Bundestag und Ländervertreter nur mehr eine Formsache.

Gauck selbst hat sich froh gezeigt, dass er an dem Entscheidungsprozess nicht mitwirken müsse. „Gott oder die Mehrheiten werden es fügen, meistens ist es eine Melange“, sagte er launig. „Ich vertreibe mir die Zeit, indem ich einfach meiner Arbeit nachgehe.“ Dennoch ließ er durchblicken, die Herausforderungen an das Amt gerne annehmen zu wollen. Damit hielte er es wie mit der geschätzten Freiheit: „Man kann sich auf sie freuen oder man kann sie fürchten.“

Mit Gauck als künftigem Präsidenten könnten nicht nur FDP, SPD und Grüne, sondern auch die Bevölkerung sehr gut leben. Bei einer „Emnid“-Umfrage für „Bild am Sonntag“ sprachen sich 54Prozent für den Exchef der Stasi-Unterlagenbehörde aus. An zweiter Stelle folgten Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

Auf einen Blick

Die Suche nach einem Konsenskandidaten für das Amt des deutschen Bundespräsidenten ging am Sonntag weiter. Die Spitzen von CDU und FDP suchen einen parteiübergreifenden Nachfolgekandidaten für den am Freitag zurückgetretenen Christian Wulff. Die Suche gestaltet sich jedoch schwierig: Mehrere infrage kommende Kandidaten, wie der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, oder Bundestagspräsident Norbert Lammert lehnten bereits ab. Ein möglicher Kandidat, der von der Opposition und der Bevölkerung bevorzugt wird, ist der parteilose Joachim Gauck. Gegen ihn aber hegt Merkel Vorbehalte. Sie hatte bei der Wahl 2010 auf Wulff beharrt, Gauck zog damals im dritten Wahlgang knapp den Kürzeren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2012)

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226 Kommentare
 
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Gast: Anstatt
28.02.2012 01:13
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Un - Democratisch

Quatsch eine Bundespräsident gehört in einer Democratie vom Volk gewählt.

Daher intressiert mich auch kein Herr Gauck oder Herr Wolff, warum nicht eine Monarchie wird auch nicht vom Volk gewählt.

Die Frage ist doch: leben wir in einer Democratie !?

Gast: Ost-Berlin
21.02.2012 18:32
0 0

Großes "Kino" Kasperltheater a`la Merkel

Wer glaubt ihr eigentl. dieses angebl. Theater mit
der FDP um den BP?
1. Akt BP Kandidat wird gesucht
Zwischenspiel: Oposition wird zur Findung ins
Irrenhaus (Kanzleramt) eingeladen- Die Linke drückt sich die Nase platt (gehört zum Plan)
Ist ja eh nur so demokratisch wie es passt.
2. Akt FDP ist mutig, schlägt Gauck vor
3. Akt CDU (Merkel) ist sauer, Koalitionskrise
4. Akt Alle 5 liberalen Parteien treffen sich im
Irrenhaus - Nach kurzer Zeit geht die FDP mit gr. Brust als Sieger hervor. Gauck soll`s werden.

Erst so tuen als wenn man den nicht haben will und dann bekommt man den viel billiger...

Merkel hat gehandelt wie ein cleverer Einkäufer
und die SPD/Grünen ausgetrickst.
Das katastrophale ist:

1. Die Medien spielen dieses Spiel mit
2. Die SPD läßt sich kaufen - Hr. Wulff soll sein Ehrensold erhalten
3. Die Grünen - ? Außer Hr. Ströbele aus Kreuzberg, hat dort niemand A in der Hose.
4. Die FDP hat wahrscheinlich ein paar Prozente
gewonnen- was wohl auch Absicht war.

Das Verhalten der SPD ist enttäuschend, wurde
aber nicht anders erwartet. Der Spruch: Wer hat uns verraten- die Sozialdemokraten ist seit
Schröder ultraaktuell! Egal welchen Zusammenhang dieser alte Spruch hat, 1918.
Hr. Gabriel, Ziehsohn von dem Genossen der Bosse ist derart hinterhältig, da kann man uns kleinen Bürgern im "neuen Deutschland" mit Beileid gratulieren.

Das Datum der "Wahl" scheint ja sehr "glücklich". 18. März (1848) über 300 Tote!


"Yes we Gauck" - eine Kampagne trägt Früchte


man muss nur einen Namen oft genug wiederholen und mit der Bildzeitung gleichgetaktet sein, dann kann auch ein Zebra zum Präsidenten der Herzen werden. Gratulation an die Werbeagentur Scholz&Friends.

Die 5 deutschen, erzkonservativen Parteien aus Union, FDP, SPD und Grünen haben wieder ihre Parteibrühe aufgekocht und wieder - gerade nach Wulff- die Chance vertan, einer parteipolitisch unbelasteten Person den Vortritt zu lassen.

Zum Beispiel dem Theologen Bischof Huber.
Ein Mann der christlichen Soziallehre, was ja wohl nichts aber auch gar nichts mit der verlogenen Politik zu tun hat, die man unter dem Begriff Sozialdemokratie kennt, oder gar der Politik der Christlich Sozialen Union. ( bei "CSU" wird gleich zweimal gelogen )

wird man bald sehen

wie ernst es dem Herrn Gauck mit der Demokratie ist wird man bald sehen, denn als überzeugter Demokrat kann man unter den ESM (der den Parlamenten das allerwichtigste, das Budgetrecht, aus der Hand schlägt) keine Unterschrift setzen.

Gast: Karl Huber
21.02.2012 10:20
1 2

Ich wünsche dem Herr Gauck viel Glück...

Das wird er dringend brauchen (was mich freut isch, dass die linken FaschisKrapfen jetzt schon Feuer spucken. Und die GrünenInnen fangen auch schon an damit... ;D).

Gast: Schlumpfine
21.02.2012 07:30
0 1

Er wird ja wohl hoffentlich alles im Sinne der Finanzmafia machen

Sonst wird er wie sein Vorgänger abgeschossen.

Ach ja: als Ossi hat er ja schon mehr Diktatur-Erfahrung, passt besser als sein Vorgänger zur EU.

Antworten Gast: Karl Huber
21.02.2012 10:15
1 0

Re: Er wird ja wohl hoffentlich alles im Sinne der Finanzmafia machen

ESM ist das Stichwort.
Ich bin wirklich gespannt wie sich Gauck hier verhält.
Sollte er den weiteren Diebstahl an der Bevölkerung wie der HeiFisch ohne Bedenken unterschreiben ist er um nichts besser als der Rest der korrupten Bande.
Ich wünsche für Deutschland/Europa Gauck stellt sich gegen die politische Mafia im Salär der Hochfinanz.
Hoffnung habe ich wenig...


Antworten Gast: Lustig Samma
21.02.2012 07:37
0 0

Re: Ach ja, nicht nur von Wulff gibt's nette Fotos

Erkennt man da eine gewisse Gesinnung?

Re: Re: Ach ja, nicht nur von Wulff gibt's nette Fotos


Der Edel-Ossi sollte sich jedenfalls nicht zu oft und zu lange in Hannover aufhalten...

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Könnte eigentlich

in Österreich ein evangelischer Pastor auch Bundespräsident werden?
(Ein katholischer kann es nämlich nicht, weil Rom es nicht zulässt. Eigentlich auch richtig so.)

Und seltsam finde ich, dass ausgerechnet die C-Partei Gauck nicht wollte...

Re: Könnte eigentlich

Sich als Kandidat aufstellen lassen könnten Pastoren schon, man denke nur an die Kandidatur von Superintendentin Knoll 1998. Ob (ehemalige) Pastoren dann auch gewählt würden, ist eine andere Frage.

Gast: Hering
20.02.2012 22:51
1 4

Heuchlerisch dieser Jauck oder wie diese Figur auch immer heißt

Natürlich hat er lat betonen müssen daß er ein begeisteter 68er gewesen wäre wenn man ihn nicht in der DDR eingemautert hätte!

Der Fischer Heinzi wird ihm sicherlich sein Toi Toi borgen!

Gast: Analyst
20.02.2012 22:18
2 3

Zweifel

Also, ich bezweifle, dass der Herr Gauck eine überragend moralische Instanz sein wird oder jemals war. Er ist als Theologe in seinem Gesichtsfeld eingeschränkt und allzu subjektiv, weil religiös determiniert. Dies schließt auch einen ziemlich starken Konservativismus ein, der eine kritische Betrachtung von Realitäten nicht immer zulässt, geschweige denn, eine gerechte Beurteilung - man darf abwarten, wie er sich zu den USA, Israel, dem Iran oder gar zur Kirche äußert.
Falls er zur Kritik fähig sein sollte, dann nehme ich meine Vermutungen gerne mit Bedauern zurück.

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Wie nennt man eine ...

(der 3.Versuch) verheirateten Mann, der ganz offen mit einer ANDEREN Frau zusammen lebt?

Nein, falsch, im Falle von Gauck einen hoch anständigen Menschen, eine moralische Instanz!

Antworten Gast: Matteo Messina Denaro
20.02.2012 19:59
4 0

Re: Wie nennt man eine ...

Berlusconi ?

Re: Wie nennt man eine ...

Moral ist nirgendwo festgeschrieben.

1 4

Re: Re: Wie nennt man eine ...

Irrtum! In jeder Philosophie ist die jeweilige nieder gelegt, ebenso in jeder Religion.
Herr Gauck ist doch wohl noch nicht aus der evang. Kirche ausgetreten?

Re: Re: Re: Wie nennt man eine ...

Also sorry, aber Moral hat mit Philosophie so viel zu tun wie der Teufel mit dem Weihwasser. Moral sind kulturelle Normen, die von Ort zu Ort stark variieren konnen, die Philosophie ist weder an einen Ort noch an bestimmte Menschen gebunden, weil sie nur der Wahrheit verpflichtet ist. Sie ist auch nicht auf irgendeinen Teil menschlichen Wissens oder Handelns beschränkt sondern die universale Wissenschaft.
Und noch weniger hat sie mit Religion zu tun, und daher werde ich zu Ihren Kommentaren nichts mehr sagen, weil es nichts zu sagen gibt.
Sie nehmen einfach ein paar Schlagwörter und scheren alles über den oportunistischen Kamm der Hüter der Moral. Danke, das reicht mir.

4 9

Wie nennt man eigentlich ...

... einen verheirateten Mann, der ganz offen mit einer ANDEREN Frau zusammenlebt?

Nein, falsch! Im Falle Gauck einen hochanständigen Charakter, eine moralische Instanz. denn er hat ein Nahverhältnis zu den neuen Propheten, die erkannt haben, dass eheliche Treue ein schlimmer moralischer Fehler ist!

Re: Wie nennt man eigentlich ...

Es geht um Politik, um Freiheit und Demokratie, nicht um persönliche Lebensgestaltung, Sexualleben oder persönliche Beziehungen. Wer das nicht auseinander halten kann, dem ist nicht zu helfen. Nur die oberfeinen Pharisäer legitimieren ihr Reden durch oberflächliche Vorspiegelung heiler Beziehungswelten.

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Re: Re: Wie nennt man eigentlich ...

Aber nicht alle, die von sauberen Verhältnissen reden, sind Heuchler - es gibt tatsächlich Menschen, die zuerst eine Beziehung sauber beenden, bevor sie eine neue eingehen. Auch wenn das jenseits Ihrer Vorstellungskraft liegt.

Re: Re: Re: Wie nennt man eigentlich ...

Was ist denn bitte sauber beenden? Ein anderer kommt und sagt, man kann eine Ehe nicht beenden und schon gibt es unterschiedliche Auffassungen von Moral.

endlich einer...

... der von Freiheit spricht und dem man abnimmt, das er wirklich Freiheit meint ...

Wir sind GEBOREN UM FREI ZU SEIN ... viele begeben sich freiwillig in Unfreiheit, vielen wird die Freiheit vorenthalten ...

Quelle: http://diary-of-a-future-millionaire.blogspot.com/2011/12/12-geboren-um-frei-zu-sein.html

Gast: wahlleiter
20.02.2012 18:51
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Joachim Gauck: Ein Günstling, der sich die Macht nimmt

In Deutschland wird der Bundespräsident von der Bundesversammlung gewählt.

Nicht von den obersten Apparatschniks und nicht von den Systemmedien.

Die Vorwegnahme der Wahl lässt erahnen, wie rasch er sich auch der EUdSSR unterwerfen wird.

Gauck- ein Mann der Hoffnung

Die FDP hat in zweifacher Hinsicht klug und strategisch richtig gehandelt.
Klug, weil sie damit den Grundstein für ein Überleben nach den nächsten Bundestagswahlen gelegt hat. Mit dem so zu ihrem Bundespräsidenten gekürten Joachim Gauck kann es Rössler gelingen, seine Fraktion im Fahrwasser des Präsidenten zu stabilisieren.
Und mit einem Bundespräsidenten Gauck wird die Kanzlerin nicht mehr alleine als "Strahlekraft" auf der politischen Bühne stehen. Gauck tut Deutschland und seiner Gesellschaft gut und könnte wichtige Impulse in Fragen der Ethik für Europa liefern.

 
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