Iran verweigert IAEA-Experten Zutritt zu Militärbasis

22.02.2012 | 11:35 |   (DiePresse.com)

Beobachter der Internationalen Atomenergieagentur müssen das Land verlassen, ohne eine verdächtige Militärbasis untersucht zu haben.

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Die in Wien ansässige Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) ist hinsichtlich des jüngsten Besuchs ihrer Experten im Iran unzufrieden. Denn die Inspektion verdächtiger Anlagen auf der Militärbasis Parchin, rund 30 Kilometer von Teheran entfernt, wurde erneut nicht gestattet. "Es ist enttäuschend, dass der Iran unserer Bitte, Parchin zu besuchen, weder beim ersten noch beim zweiten Besuch entsprochen hat", erklärte IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano in einer Aussendung in der Nacht auf Mittwoch. "Wir haben einen konstruktiven Geist an den Tag gelegt, aber es kam zu keiner Einigung", fügte Amano hinzu.

Das Expertenteam unter Führung von Chefinspektor Herman Nackaerts befindet sich derzeit auf dem Rückweg aus dem Iran, wo es sich am Montag und Dienstag aufgehalten hatte. Bereits Ende Jänner hatte die Gruppe zwei Tage im Iran verbracht, auch damals wurde sie nicht nach Parchin gelassen.

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IAEA vermutet weitere geheime Anlagen

Die IAEA wollte von den Vertretern der iranischen Atomorganisation und des Sicherheitsrats der Regierung vor allem Zusagen für künftige Treffen und Überprüfungen erhalten. Dabei geht es um Zugang zu Dokumenten, Wissenschaftlern und verdächtigen Anlagen wie Parchin. In der weitläufigen Militärzone soll ein Metallbehälter stehen, in dem möglicherweise Versuche mit nuklearen Raketensprengköpfen simuliert wurden.

Die Spezialisten wollten überprüfen, ob diese Tests dort tatsächlich durchgeführt wurden. Der Iran hat zwar bestimmte Standorte nuklearer Aktivitäten im Zentraliran deklariert und der IAEA zugänglich gemacht. Die Behörde vermutet jedoch noch weitere geheime Anlagen.

Atomstreit: Der Iran auf dem Weg zur Bombe

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Deckmantel der zivilen Nutzung?

Der Westen verdächtigt Teheran schon länger, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie, an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Nach einem im November vorgelegten IAEA-Bericht soll der Iran mindestens bis 2010 an Atomwaffen gearbeitet haben. Teheran hat seit 2008 Fragen der IAEA zu seinem Atomprogramm unbeantwortet gelassen. Die Führung in Teheran hat eine militärische Ausrichtung stets bestritten, die Forschungsprojekte dienten ausschließlich zivilen Zwecken.

Die westlichen Länder zeigen sich von den Beschwichtigungsversuchen unbeeindruckt und wollen im UNO-Sicherheitsrat an den Sanktionen gegen Teheran festhalten. "Der Iran wurde mehrfach vom UNO-Sicherheitsrat verbindlich aufgefordert, jegliche Anreicherung zu stoppen, bis alle offenen Fragen rund um das iranische Nuklearprogramm geklärt sind", hieß es am Mittwoch aus Diplomatenkreisen. Dazu gehöre "eine glaubwürdige und umfassende Aufklärung" über eine mögliche militärische Dimension des Nuklearprogramms. "Hiervon ist der Iran leider weit entfernt."

Russland warnte am Mittwoch indes vor "voreiligen Schlüssen". "Die Inspektoren sollten also zunächst deutlich machen, was hier vor sich geht", sagte Sprecher Alexander Lukaschewitsch nach Angaben der Agentur Interfax. Moskau rufe Teheran aber auf, verstärkt mit der IAEA zusammenzuarbeiten.

USA sehen noch Zeit für diplomatische Lösung

Der iranische Gesandte bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, erklärte laut der iranischen Nachrichtenagentur ISNA, die Gespräche in Teheran seien intensiv gewesen. Sie hätten sich um "Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis zwischen Iran und der IAEA" gedreht und würden fortgesetzt werden.

Kurz vor der IAEA-Aussendung sahen die USA trotz der verschärften Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen noch Zeit für eine diplomatische Lösung im Atomstreit. Mit Blick auf israelische Gedankenspiele über einen Präventiv-Angriff auf iranische Atomanlagen sagte ein Regierungssprecher am Dienstag in Washington laut Agentur Reuters weiter: "Israel und die USA sind sich einig im Ziel, dass der Iran nicht an Atomwaffen gelangen darf." Der Iran hatte den Ton zuletzt verschärft und einen präventiven Angriff der Streitkräfte gegen Feinde nicht ausgeschlossen.

(Ag./Red.)

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98 Kommentare
 
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Gast: C.Ogrosl
23.02.2012 20:03
1 0

und die israel. Atombomben?

Damit sich die weite Reise gelohnt hätte, hätten die ausgesandten Beobachter nach Tel Aviv weiterfliegen können und den Friedensnobelpreisträger und Vater der israelischen Atombombe Schimon Perez (laut "Der Spiegel" handelt es sich um ca. 200) auf den Zahn fühlen können - keiner schert sich darum! und ihm seine Kriegsrassel wegnehmen können!

Gast: Nutzung
23.02.2012 11:29
0 0

Volle verantwortung trägt Russische Spekulanten!


Gast: Lukas
22.02.2012 22:05
2 3

würde die USA oder Israel ihre Militärbasis von Feinden kontrollieren lassen?

dumm sind vor allem die Politiker der EU, die sich so vor den Karren der USA spannen lassen. Europas Bürger dürfen diese Dummheit mit höheren Ölpreisen und vielleicht mit dem nächsten Weltkrieg bezahlen!

Gast: Bienjamin
22.02.2012 21:26
1 0

http://archives.cnn.com/2002/US/09/12/netanyahu.cnna/index.html

Vor zehn Jahren...

Man wundert sich

schon über die westliche Kurzsichtigkeit.
Was wird in einem oberirdischen Militärareal großartig Atomwaffenrelevantes zu finden sein?

Schon mal darüber nachgedacht?

Achja, konventionelle Sprengungen zur Simulation von Atombomben. Mache ich auch immer im Hinterhof. Da wo die Satelliten freie Sicht haben. Und sprengen immer bei Schönwetter, damit die Operator bessere Sicht haben. Konsequent durchgedacht!

Alle Atomrelevanten Anlagen wurden U-Verlagert, nur die am offensichtlichsten auf Atomwaffen hinweisende Anlage bleibt oberirdisch. Ja sicher, doch!

Hier werden doch ganz offen Luftwaffenziele für die kommende Invasion aufgeklärt. Allerhöchstens haben die Iraner dort "die Drohne" garagiert.

Antworten Gast: alatheus
22.02.2012 19:54
2 0

Re: Man wundert sich

Für "Mikrodetonik" reicht offenbar schon ein kleines Labor (Das "Lawrence Livermore National Laboratory" ist neben dem "Los Alamos National Laboratory" für das Design der amerikanischen Nuklearwaffen verantwortlich.):

https://wci.llnl.gov/fac/heaf/activities_ops.html

Natürlich verweigert der Iran den Zutritt!

Würde ich auch.
Schließlich kann sich ja jeder denken, dass die dann behaupten, sie hätten eine Atombombe gesehen, auch wenn's nicht stimmt.

Atombombe&Stei+nigung -

passt irgendwie super zusammen.

Na, so ein Zufall aber auch...

Ich dachte der Iran hätte nichts zu verbergen?

Antworten Gast: werbistdu
22.02.2012 17:24
4 3

Re: Na, so ein Zufall aber auch...

Was wird wohl der Grund sein, daß die Experten die iranische Anlage nicht besuchen durften?
Kann das einer vom Kommunisten - Fanclub beantworten, wo doch der Iran gar nichts böses im Sinn hat, und zu Unrecht von den Kriegstreibern USA beschuldigt wird?

Re: Re: Na, so ein Zufall aber auch...

die IAEO-Inspektoren sind nicht dazu ermächtigt;
die USA oder Israel würden auch keine Inspektoren in ähnliche Anlagen lassen;
u. der wichtigste Grund:
Iran wird seit 30 Jahren sanktioniert und bedroht durch die USA, hat einen verheerenden Stellvertreterkrieg (IRAK) in den 80ern gegen die USA geführt und wird nun offen von den USA und Israel sowie Großbritanien militärisch bedroht.
Es besteht der Verdacht der Militässabotage durch IAEO-Inspektoren.
Die Amis wollen einfach Details noch abklären, womit demnächst zu rechnen sein wird.
Jetzt alles klar, lieber Herr?

Antworten Antworten Gast: CulliZ
22.02.2012 21:11
2 0

Verzeihung

Mir war noch nicht ganz klar, dass es nur eine Antwort auf diese Frage gibt und Sie wohl die totale Wahrheit in Händen halten.

Auch verstehe ich noch nicht ganz was Kommunisten damit zu tun haben aber was ganz evident ist und unbestritten, dass dem Iran nichts illegales nachgewisen werden konnte, auch nicht von Geheimdienstseite und Israel Kriegstreibt wie verrückt.

0 0

Re: Verzeihung

natürlich konnte ihm etwas illegales nachgewiesen werden!
Der Iran verstößt ja nicht unbemerkt seit 2006 gegen den Atomwaffensperrvertrag.
Außerdem kann man den Beobachtern der IAEA nicht vorwerfen, dass sie Sabotage betreiben, da sie ja vom Iran überwacht werden

Gast: Ein Denkender
22.02.2012 15:07
6 8

Bravo!!!

Möchte mal sehen, ob Israel oder die USA feindliche Agenten zu deren Militärbasen lassen.
Ich verachte zwar das Regime in Teheran, aber es ist ja ein Produkt ständiger Einmischung der USA und des Uk in deren Angelegenheiten.
Wie wir wissen, sind unter den amerikanischen IAEA Beamten immer wieder CIA Agenten...
Also "Bravo" der Courage der Iraner....

Re: Bravo!!!

"Also "Bravo" der Courage der Iraner...."
Ich seh das eigentlich als riesen Dummheit an - vorausgesetzt man hatte nichts zu verbergen.

Ich will nicht hinterher hören, der Angriff sei zu Unrecht erfolgt, wenn man weniger vorfindet als erwartet. Sie hatten die Überprüfung verhindert.

Sie werden wie die Saddams und Khaddafis enden und sie haben ihr Schicksal voll verdient.

Re: Re: Bravo!!!

Genau!

Und die arischen Kampfposter aus dem "Reichskeller" in diesem Forum werden wieder bitterlich weinen.

Antworten Gast: werbistdu
22.02.2012 17:25
4 3

Re: Bravo!!!

Nur zur Info:
Der Fasching ist vorbei

Antworten Antworten Gast: Andreas Hofer
22.02.2012 18:43
2 1

Re: Re: Bravo!!!

Für sie offensichtlich nicht....sie scheinen sehr ahnungslos zu sein...

Gast: Jochend Rind
22.02.2012 13:40
9 8

"Iran verweigert IAEA-Experten Zutritt zu Atomanlage"

"Denn die Inspektion verdächtiger Anlagen auf der Militärbasis Parchin, rund 30 Kilometer von Teheran entfernt, wurde erneut nicht gestattet"

Woher wissen die "Inspektoren" bzw. DIE PRESSE denn, daß es sich um eine "Atomanlage" handelt und nicht um eine gewöhnliche militärische Anlage, zu der der Iran - aus guten Gründen - den Zutritt verweigert?

Sollen wir hier ganz plump manipuliert werden?

Gast: DieFrage
22.02.2012 13:33
8 5

Ob der Iran im Gegenzug auch die amerikanischen Atomanlagen untersuchen dürfte?


Antworten Gast: C.Ogrosl
23.02.2012 20:11
1 0

Re: Ob der Iran im Gegenzug auch die amerikanischen Atomanlagen untersuchen dürfte?

und israelische Atomanlagen und Atombomben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

6 7

Re: Ob der Iran im Gegenzug auch die amerikanischen Atomanlagen untersuchen dürfte?

Amerikanische Atomanlagen werden von der IAEA regelmäßig kontrolliert. Die Anlagen im Iran sollen von der IAEA und nicht von den USA untersucht werden. Die IAEA ist nicht von den USA bevormundet. Das zeigte schon der Fall IRAK, als die IAEA Präsident Bush´s These wonach Saddam Hussein an Atomwaffen basteln würde, eine klare Absage erteilte!

Antworten Antworten Gast: DieFrage
23.02.2012 11:54
0 0

Re: Re: Ob der Iran im Gegenzug auch die amerikanischen Atomanlagen untersuchen dürfte?

Die IAEA ist nicht von den USA bevormundet...

Ja, aber die USA haben selber Atomwaffen...

...und diese regen sich ja auf...

also???

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Re: Re: Re: Ob der Iran im Gegenzug auch die amerikanischen Atomanlagen untersuchen dürfte?

Seien wir ehrlich. Wenn die USA keine Atomwaffen hätte, wären wir alle in 2 Wochen kommunisten.
Aber ich sehe ein, dass nicht noch ein Land in diesem Kriesenbereich - mittlerer osten - atombomben braucht.

Israel sollte ebenfalls an eine Abrüstung denken, wobei anerkannt werden muss, dass israel den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben hat.

Antworten Antworten Gast: DieFrage
23.02.2012 11:47
0 0

Re: Re: Ob der Iran im Gegenzug auch die amerikanischen Atomanlagen untersuchen dürfte?

Die IAEA ist nicht von den USA bevormundet...

Ja, aber die USA haben selber Atomwaffen...

also???

Re: Re: Ob der Iran im Gegenzug auch die amerikanischen Atomanlagen untersuchen dürfte?

der ehemalige iaea-generalsekretär hans blix (der auch als oberster
behauptet dem "profil" gegenüber
ein angriff auf iran sei unklug.
und dass der iran
gar keine atomwaffen h a b e [1]

der spiegel anno 2006: [2]
cit. "Seit Jahrzehnten gilt Israel als De-facto-Atommacht.

Offiziell hat das Land den Besitz von Atomwaffen zwar niemals zugegeben - dass jedoch keiner ernsthaft ihre Existenz bezweifelt, findet Israel durchaus hilfreich.

Schließlich ist Israel der einzige Staat im Nahen Osten, der aktuell diesen Sonderstatus genießt." cit\

[1] http://www.profil.at/articles/1146/560/311920/iran-ein-angriff

[2] http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,446987,00.html

daraus ergeben sich 2 fragen:
was ist denn wahrscheinlicher...

- dass iran (der zwar gegen il poltert) bar effektiver angriffswaffen arabisches gesichts-wahren betreibt
oder???
- dass il mit us-unterstützung (in reihenfolge:) erst syrien packt und als unterstützer dann den iran kriegsverantwortlich macht.

ein nicht unwahrscheinliches konzept.
wer d e h n t sich denn permanent in il aus...? welche siedler?
es wäre doch bequem wenn man die palis nach landgewinnen
-in syrien/jordanien- umsiedeln könnte.

keine wirkung ohne ursache ;-)


 
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