Wie ein israelischer Angriff auf den Iran ablaufen könnte

22.02.2012 | 18:34 |  WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Israel bräuchte für Attacken auf drei Kernziele des Atomprogramms mindestens 50 Jets. Irans Luftabwehr ist jedoch nicht zu unterschätzen. Teheran hat jüngst Beamten der IAEA den Zutritt zu einem verdächtigen militärischen Institut verwehrt.

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Es würde Israels Luftwaffe auf eine „sehr harte Probe stellen“, sagen US-Militärexperten, ein Ex-Chef des israelischen Geheimdienstes „Mossad“, Schlomo Gazit, sprach von „keinen guten Chancen“. Anderseits kommen Analysen diverser militärischer Institute sehr wohl zum Schluss, dass Israel „die Kapazitäten dazu habe“: nämlich zu einem vernichtenden Langstreckenangriff, der Irans Atomprogramm zumindest einige Jahre zurückwerfen würde.

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Ein solcher rückt ja, glaubt man Israels Rhetorik, nahe, in Kürze könnte er erfolgen. Immerhin hat Irans Nuklearprogramm Schwellen erreicht, die den Bau einer Atombombe in kurzer Zeit möglich scheinen lassen; und dass Teheran jüngst Beamten der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) den Zutritt zu einem verdächtigen militärischen Institut verwehrt hat, gießt weiter Öl ins Feuer.

Dass die Erfolgseinschätzungen so auseinanderklaffen, liegt an vielen Unbekannten der Gleichung. Etwa der Stärke der Abwehr, der Effektivität der Bomben und der Reaktion jener Länder, deren Luftraum die Jets queren müssten. Aus Analysen des „Center for Strategic and International Studies“ in Washington, des „Security Studies Program“ am Massachusetts Institute of Technology (USA) und des Militärluftfahrtjournals „airpower.at“ kann man folgende Bereiche herausarbeiten:


• Israels Erfahrung: Mehrfach flog Israel brillante Langstreckeneinsätze: Vor allem 1981, als 16 Jets der Typen F-15 und F-16 Iraks Atomreaktor bei Osirak nahe Bagdad kurz vor Inbetriebnahme in einer taktisch legendären Aktion ohne eigene Verluste zerbombten. Im „Projekt Daniel“ wurden die Langstreckenkapazitäten seit 2003 verstärkt, etwa durch neue Technologien und intensives Training.

• Iranische Ziele: Irans A-Programm besteht allerdings aus Dutzenden Zielen, die oft stark mit Flak umgeben sind. Obwohl Israel über 350 Kampfjets hat, können nicht alle zugleich bekämpft werden: Jedes müsste von mehreren Fliegern attackiert werden, die Begleitschutz brauchen. Vermutlich dürfte sich Israel nur drei bis fünf Ziele vornehmen: die Urananreicherungsanlagen Fordo und Natanz, die Urangaskonversionsanlage Isfahan und den in Bau befindlichen Schwerwasserreaktor Arak, dazu eventuell Forschungsinstitute in Teheran und Parchin.


• Die Flugrouten: Eine Nordroute führt über die Türkei oder den Norden Syriens und des Irak, Länge bis Isfahan: gut 2200 Kilometer. Syrien könnte die Israelis kaum stoppen, aber die Krise zwischen der Türkei und Israel macht die türkische Route zum Hasard. Der Irak hat keine Luftwaffe, US-Jets dort dürften „wegschauen“. Im Nordiran sind aber starke Jagdverbände. Die Zentralroute (1800 km) führt über Jordanien und den Irak, es steht aber der jordanisch-israelische Frieden auf dem Spiel, dafür ist Irans Luftabwehr hier schwach. Verlockend ist die „saudische Route“ (2400 km): Die Saudis haben eine starke Luftwaffe, sind aber mit Teheran verfeindet. „Da ist dann zufällig die saudische Luftwaffe bei einem Manöver an der Grenze zum Jemen“, sagt Georg Mader vom Militärmagazin „IHS Jane's Defence“. Angeblich soll Saudiarabien Israel „grünes Licht“ signalisiert haben. Die extrem lange (6000 km) Umgehungsroute um Arabien ist politisch einfach, aber die Vorwarnzeit und der Flug durch Irans Luftraum am längsten und die Betankung der Jets durch Lufttanker (die auch bei der Nord- und Saudi-Route nötig wäre), kaum zu organisieren.

• Die Abwehr: Irans 120 bis 170 Jäger sind ältere französische und US-Typen (inkl. einiger moderner russischer MiG-29), aber die Piloten sind motiviert und erfahren und das Arsenal an Raketen vielfältig. Als stark gilt die Luftabwehr mit ihren über 300 Raketen- und 1500 Kanonensystemen. Unter anderem hat der Iran russische „Tor-M1“-Raketen; Griechenland hat sie ebenfalls, griechische Piloten erzählen: „Die sind fast unüberwindlich. Sobald man eine brauchbare Ziellösung hat, etwa 30 Meilen vor dem Ziel, killt es dich wie ein Hammer.“

• Planspiel: Laut Experten genügen 50 Jets für Natanz, Isfahan und Arak. Natanz ist verbunkert, hier müssten zwölf (besser 25) Jets durchkommen und je zwei GBU-28 „Bunkerknacker“-Bomben ins Ziel bringen, von denen mindestens sechs in der Tiefe explodieren müssten. Die anderen Anlagen sind oberirdisch, hier reichen weniger Jets. Ein Problem ist die extrem tief (über 60 Meter) liegende Anlage Fordo: Dagegen hat Israel keine Bomben; man müsste 75 GBU-28 hintereinander auf dieselbe Stelle werfen, um sich „durchzugraben“ – das gilt als utopisch.

Die U-Boot-Option: Den Angriff unterstützen dürften drei U-Boote vom Arabischen Meer aus mit Marschflugkörpern. Die Schiffe sind vom Typ „Dolphin“ – und wurden in Deutschland gebaut, das sie Israel praktisch schenkte.

Auf einen Blick

Israels Luftwaffe wäre technisch und organisatorisch durchaus zu einer Fernaktion gegen iranische Atomanlagen fähig. Allerdings sind die Überflugsrouten nicht gerade sicher und wichtige Ziele stark verbunkert. Zudem darf man die iranische Luftabwehr und Luftwaffe nicht unterschätzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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161 Kommentare
 
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Gast: Analyst
28.02.2012 19:53
1

Konsequenzen?

Und welche Konsequenzen hätte ein rechtswidriger Angriff Israels auf den Iran? Jawohl, auf den Iran, weil diesem die Anlagen gehören und diese auf dem territorium eines souveränen Staates Iran liegen. Dieser Angriff würde den Iran berechtigen, sich zu wehren, also zurückzuschlagen!
Diese Planspiele, die letztlich nur den Iran zwingen sollen, die Interessen des Westens zu berücksichtigen und von den Rechtsbrüchen Israels ablenken sollen, sind sehr gefährlich, weil nicht nur Russland, sondern auch China an einem unversehrten Iran interessiert sind, auch als gegengewicht zu den westlich gelenkten Diktaturen in Saudi-Arabien, in Bahrain und dgl. , ansonsten geht es einfach um wirtschaftliche Begierden des Westens, wie schon in Libyen oder im Irak.

Gast: Lieschen Müllers
28.02.2012 12:35
1

aber sicher

So stellt sich auch Lieschen Müller einen raschen Sieg vor, nur eine Kleinigkeit wäre da noch zu beachten: Russland.

Planspiele am Tisch sinde leicht!

Im Falle eines Israelangriffs auf den Iran macht alle Unterstützer von Israel zum legitimen Angriffsziel vom Iran!

Antworten Gast: defiant
28.02.2012 14:55
1

Re: Planspiele am Tisch sinde leicht!

legitim ? legitim in den augen derer die es auch ohne vorherigen israelischen präventivschlag für legitim halten, den westen anzugreifen (wenn man bloss die mittel hätte statt einen braunen strich in der u-hose) ;)

Gast: Der große "Pflanz"
26.02.2012 19:55
0

Das ganz ist ja eine Witz

Der Iran hat schon fast die Bombe, dann wieder: erst ist noch 5 Jahr davon entfernt. Dann: Israel greift demnächst an, Israel wird nicht angreifen usw usw.
So geht das jetzt schon seit Jahren.

Gast: Österreicher
24.02.2012 15:28
2

Auf jeden Fall wünsche ich Israel

Alles Gute!!!

Gast: netter gast
24.02.2012 12:16
3

Planspiele

So sind die Planspiele
des neuen internationalen Te**orismus

... und alles ganz normal ...

Antworten Gast: defiant
28.02.2012 14:56
0

Re: Planspiele

der neuen rechtschreibung zufolge schreibt man jetzt 'nett' mit d, u und 2 m ;)

Antworten Gast: nestbeschmutzer
28.02.2012 10:54
0

Re: Planspiele

Einverstanden, das sind Ter...isten. Aber einen Iran mit Nucs als Kindermädchen und friedliebende Taube zu betrachten ist wohl auch verfehlt, oder?

Gast: Dr. Engelmann
24.02.2012 11:51
0

Ponerologie

Auch wenn dieser Artikel den Anschein haben soll, der Mensch hätte seine Humanität verloren: Dem ist noch lange nicht so.
Die eigentliche Frage ist: Wer hat diesen Artikel verfasst?
Diese Person sollt dringenst psychologisch untersuht werden. Wer hat diesen Artikel freigegeben?
Der wesentliche Unterschied zwischen einem Psyhopathen und den anderen Menschen ist das fehlen eines Gewissen beim Psychopathen.
Ich empfehle allen Kommentatoren dringendst dieses bei sich zu suchen: Seien sie sich bewusst: Entgegen aller Behauptungen, im Internet ist nichts anonym.

Gast: Unsere Geduld ist zu Ende
24.02.2012 08:51
2

wir warten und warten und lesen seit Jahren vom bevorstehenden Angriff, doch er kommt nicht

Darum: das ist nur eine Medienhype

Antworten Gast: Richtig, so ist es
24.02.2012 11:37
0

Re: wir warten und warten und lesen seit Jahren vom bevorstehenden Angriff, doch er kommt nicht

Immer das gleich, die Spekulationen sogenannten Experten. Doch was wirklich geschehen wird, weiß keiner. Und wahrscheinlich werden ohnedies diese Szenarien nicht eintreten. Seit 5 Jahren steht Isreal unmittelbar vor dem Angriff, schreiben die Medien. Doch es kommt nicht

Überschrift

"Wie ein israelischer Angriff auf den Iran ablaufen könnte" lautet die Überschrift um dann zur Quintessenz zu gelangen daß ein solcher de facto allein nicht durchführbar ist....

Gast: beschwerer
23.02.2012 23:39
1

dass so viele kommentatoren hier

in analogie den wetterberichterstatter für die wetterlage verantwortlich machen hat echt etwas hexenverfolgerisches, wenn nicht sogar steinzeitliches an sich.

Antworten Gast: gastfreund
24.02.2012 06:31
1

Re: dass so viele Kommentatoren hier die Wetterberichterstatter als solche weder orten noch in ihrer hypothetisch angenommenen Funktion ernst nehmen

liegt wohl daran, dass nicht über "Wetter" berichtet wird, also Fakten abgelesen werden - ALLE -, sondern über ein MÖGLICHES Wetter tendenziös, vor allem Angst verbreitet wird.

- - - - vermutlich, könnte, hätte, sollte, - - - -
"Vermutlich" lesen Sie heute HEUTE; Sie sollten damit aufhören und zu ÖSTERREICH wechseln ..... "könnte" sein mfg.- und verharmlosen Sie weiter öffentlich Ihre Naivität - um sie so zu exportieren.

Antworten Antworten Gast: beschwerer
24.02.2012 11:40
0

Re: Re: dass so viele Kommentatoren hier die Wetterberichterstatter als solche weder orten noch in ihrer hypothetisch angenommenen Funktion ernst nehmen

ohoh, Sie sollten aber auch Ihre Naivität nicht so publizieren, die sich neben anderen Dumpfheiten darin manifestiert, dass Sie glauben, zu wissen, wer Ihr Gegenposter ist. Übrigens berichtet auch ein Wettermann immer nur über das mögliche Wetter, dabei sind Irrtümer der Prognose bekanntlich nicht selten.

Antworten Antworten Antworten Gast: gastfreund
24.02.2012 17:42
0

Re: Re: Re: Übrigens berichtet auch ein Wettermann immer nur über das mögliche Wetter, dabei sind Irrtümer der Prognose bekanntlich nicht selten.

RICHTIG!

Nicht alles was hinkt - - - ,
denn: Der Wettermacher beeinflusst mit seiner Prognose sicher nicht mal ansatzweise das "mögliche" Wetter - - - , aber ... usw.

- trotzdem war nett mit Ihnen - ! mfg.

Gast: Österreicher
23.02.2012 22:20
7

Manche Staaten haben eben die Lizenz zum Töten:

sei es durch Mordanschläge gegen Wissenschaftler, deren "Verbrechen" darin besteht, daß sie an einem Atomprogramm arbeiten, oder durch Bomben- u. Raketeneinsätze gegen Atomanlagen, wobei der Tod von Zivilisten in Kauf genommen wird.

Bin neugierig, wie die UNO bei solchen Agressionen reagiert - nach ihrer eigenen Charta hat sie ja die Pflicht, Angriffskriege zu verhindern ...

Antworten Gast: Blankenstein Husar
23.02.2012 23:48
3

Entlarvend !


Die täglichen Opfer des Regimes sind dir wurscht.

Gehängte Homosexuelle, gesteinigte Frauen und gefolterte Oppositionelle ... alles kein Problem für einen Israelhassen wie dich.

Gast: gastfreund
23.02.2012 21:36
0

Krieg ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren - weltweit!

Die Rüstungsindustrie trägt zur positiven BIP-Bilanz bei.
Krieg ist wichtig fürs Wachstum.
Und wie wir wissen:
Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut. Fast allen; bis auf die Wenigen, die sich zu opfern haben. Oder nur ein Unterkiefer hergeben wollen, einen Arm, ein Bein - ein Aug tuts auch. Hauptsache die Wirtschaft wächst und wächst, auch wenn zukünftige Generationen auf der DUM verseuchten Erde zombieähnlich keine Horrorfilme mehr benötigen. Sie sind dann Horror geworden - - - -

http://www.youtube.com/watch?v=VkKveJFdUjM&feature=results_main&playnext=1&list=PL1D36CC7EA6EE303C

wohl bekomms!

Gast: Wann endlich ???
23.02.2012 20:10
1

Seit Jahren wird darüber geredet, doch nie ist der Angriff geschehen...

.... daher wohl eher eine erfundene Geschichte zur Unterhaltung des Publikums ....

Antworten Gast: Osama Ben Kläff
23.02.2012 20:19
1

Klar, ein abgekartetes Spiel zwischen den Mullahs und Israel

um den Ölpreis hochzuhalten, diese Gerüchte .....

Antworten Antworten Gast: Ölhändler
23.02.2012 20:33
0

Ja, aber Israel hat ja gar kein Erdöl

was hatt's dann vom hohen Ölpreis

Antworten Antworten Antworten Gast: Osama ben Kläff ....
23.02.2012 20:56
0

Israel krieg Waffen und der Iran auch

um die Araber einzuschüchtern nach deren unvollendeten Revolutionen

Antworten Antworten Antworten Gast: Ölhändler
23.02.2012 20:54
1

Re: Ja, aber Israel hat ja gar kein Erdöl

Das ist egal, die Erdölproduzenten zahlen auch Schwarzgelder

Gast: Österreicher
23.02.2012 19:02
2

Das Ende?

Man hört die ganze Zeit von dem Untergang der Welt 2012 usw..

Um ehrlich zu sein..

2012 könnte hinkommen..

Leider sind wir Menschen der größte Fehler, den es jemals gegeben hat..


 
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