Rom/London/Ag. Der Tod einer italienischen und einer britischen Geisel bei einer gescheiterten Befreiungsaktion in Nigeria belastet nun die Beziehungen zwischen London und Rom: Als die nigerianische Armee im Verbund mit britischen Spezialeinheiten nämlich am Donnerstag – zehn Monate nach der Entführung der zwei Europäer durch die islamistische Sekte Boko Haram im Norden Nigerias – den Zugriff wagte, war Italiens Regierung von der britischen nämlich nicht informiert worden.
Dies geschah erst, als die Aktion bereits in vollem Gange war: „Die Art und Weise, wie sich die britische Regierung benommen hat, ist ziemlich unerklärlich“, ereiferte sich Italiens Präsident Giorgio Napolitano: „Wir fordern eine Klarstellung sowohl auf der diplomatischen als auch auf der politischen Ebene.“
„Es hat sich ein Zeitfenster geöffnet, in dem wir die Befreiung versuchen konnten. Wir hatten auch Grund zur Annahme, dass ihr Leben in unmittelbarer Gefahr war“, rechtfertigte sich Briten-Premier David Cameron. Er und Nigerias Präsident Goodluck Jonathan erklärten, die Geiseln seien offenbar von ihren Entführern getötet worden.
Islamistische Terrorwelle
Die einige Jahre zuvor gegründete Terrorgruppe „Boko Haram“ (übersetzt etwa „westliche Bildung ist Sünde“) wurde 2009 durch eine Anschlagsserie auch international bekannt. Die Anschläge der Gruppe wurden seither immer ausgefeilter, im vergangenen Jahr töteten die Islamisten rund 500 Menschen. Ihr Ziel sind einerseits Christen, andererseits staatliche Institutionen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2012)
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