Nach dem Amoklauf eines US-Soldaten in Afghanistan haben die Taliban mit Vergeltung gedroht. Sie würden sich für "jeden einzelnen Märtyrer bei den Eindringlingen und grausamen Mördern rächen", drohten die radikalislamischen Aufständischen am Montag an. Sonntag früh hatte ein US-Soldat in der südafghanischen Provinz und Taliban-Hochburg Kandahar ein Massaker unter Dorfbewohnern angerichtet. Im Morgengrauen verließ er seinen Stützpunkt, brach in die Häuser der Menschen ein und tötete 16 Männer, Frauen und Kinder. Der Mann wurde festgenommen, nach US-Angaben hatte er psychische Probleme.
In ihrer Reaktion bezeichneten die Taliban die Angaben zum Zustand des US-Soldaten als Ausrede. Sollten sie aber stimmen, sei dies ein weiteres "Zeugnis für die moralische Verworfenheit des US-Militärs, da es in Afghanistan Verrückte bewaffnet, die dann ihre Waffen ohne zu zögern auf wehrlose Afghanen richten," erklärten sie auf ihrer Internetseite.
Der blutige Vorfall ist für die NATO-geführten internationalen Truppen in Afghanistan eine Katastrophe. Seit Monaten sind die Beziehungen zwischen Washington und Kabul gespannt. Nach der Verbrennung von Koran-Ausgaben durch US-Soldaten auf dem Militärstützpunkt Bagram nahe Kabul gab es Ende Februar im ganzen Land tagelange Proteste, bei denen 30 Menschen getötet und 200 weitere verletzt wurden. Im Zusammenhang mit der Koran-Verbrennung wurden bis 1. März sechs US-Soldaten von afghanischen Kollegen getötet. Nach dem Amoklauf vom Sonntag rechnet die ISAF nun mit weiteren Racheakten.
Attentäter zuvor drei Mal im Irak stationiert
Die BBC berichtete, bei dem US-Soldaten es soll sich um einen Unteroffizier einer Spezialeinheit handeln. Nach Angaben der "New York Times" sei der 38-Jährige seit vergangenem Dezember zum ersten Mal in Afghanistan im Einsatz. Zuvor sei er dreimal im Irak stationiert gewesen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.
"Es sieht so aus, als ob er (der US-Soldat) von Haus zu Haus gegangen ist und sie (die Bewohner) kaltblütig erschossen hat", sagte ein afghanischer Reporter, der anonym bleiben wollte, nach einem Besuch des Tatorts. Der US-Soldat soll laut "New York Times" auch mehrere der Leichen verbrannt haben. Nach der Bluttat hatten sich zahlreiche Menschen vor dem US-Stützpunkt versammelt, um gegen die Ermordung der Dorfbewohner zu protestieren.
Obama tief traurig
Präsident Hamid Karzai sprach von einem "unverzeihlichen Verbrechen" und verlangte von den USA Aufklärung. "Die afghanische Regierung hat oft diese sogenannten Einsätze gegen Terrorismus verurteilt, in denen Zivilisten Opfer erleiden", sagte Karzai nach Angaben seines Amtes. "Aber wenn amerikanische Soldaten vorsätzlich Menschen töten, dann ist das ein unverzeihliches Verbrechen." Die US-Regierung müsse die Tat dem afghanischen Volk erklären. Das afghanische Parlament verlangte am Montag einen öffentlichen Prozess gegen den US-Soldaten und mögliche Mitverantwortliche für die "brutale und unmenschliche" Tat.
Der Kommandant der Internationalen Schutztruppe Isaf und der US-Soldaten in Afghanistan, General John Allen, zeigte sich "schockiert" über den Vorfall. Die Isaf kündigte eine gemeinsame Untersuchung mit den afghanischen Behörden an. Der mutmaßliche Täter befinde sich in Gewahrsam der internationalen Truppen. US-Präsident Barack Obama hat mit Bestürzung auf die Bluttat reagiert. Sie sei "tragisch und bestürzend", erklärte er in Washington. "Ich bin tief traurig angesichts der Informationen über den Tod von afghanischen Zivilisten", hieß es in der Erklärung, mit der Obama auch den Angehörigen der Opfer sein Beileid übermittelte.
Die Nato zog ihre Berater aus den Ministerien in und um Kabul ab. Großbritannien, Deutschland und Kanada folgten dem Schritt.
(Ag.)
Baustellen, Pleiten, SkandaleDer US-Präsident ringt um seine Glaubwürdigkeit
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
