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US-Wahlkampf: Königsmacher oder Spielverderber?

14.03.2012 | 18:15 |  von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Rick Santorum landete bei Vorwahlen im Süden mir seinem Doppelsieg einen Coup. Das Rennen läuft auf ein Duell mit Mitt Romney hinaus. Die Schlüsselfigur ist aber Newt Gingrich.

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Washington. Der Dreikampf in „Dixie“ war geschlagen, bei den Vorwahlen in den Südstaaten Alabama und Mississippi landete Rick Santorum neuerlich einen Überraschungscoup und verwies in einem Herzschlagfinale seine Rivalen Newt Gingrich und Mitt Romney auf die Ränge. In der Nacht auf Mittwoch rückte dennoch Gingrich in den Mittelpunkt. Seine Wurzeln in Georgia machen ihn zu einem „Sohn“ des Südens.

Gingrichs Südstaaten-Strategie, ein Doppelsieg im „tiefen“ Süden der USA, war nicht aufgegangen. Wird sich das republikanische Schlachtross der Clinton-Ära jetzt aus dem Rennen zurückziehen, wie viele Parteigänger von ihm fordern? Wird der 68-Jährige am Ende seiner politischen Karriere aus Parteiräson einen würdevollen Abgang hinlegen, wie ihn sich sein Kontrahent Santorum erhoffte? „Für die Konservativen ist nun die Zeit gekommen, sich zusammenzuschließen“, richtete der erzkonservative Außenseiter, der im Lauf des Vorwahl-Marathons zum lästigen Herausforderer für den Favoriten Romney avanciert ist, einen Appell zur Aufgabe an Gingrich. Für Parteistrategen hat er die Wahl, in die Rolle des Königsmachers zu schlüpfen oder in die des Spielverderbers.

Mit rhetorischem Bombast und großer Geste zerstach Gingrich indessen die Spekukationsblase, die um ihn schwebte. Entgegen allen Erwartungen sieht er sich nach wie vor als der aussichtsreichste Kandidat der Republikaner im Präsidentschaftswahlkampf. Als Debattenredner könne nur er es mit Barack Obama im Herbst aufnehmen. Mit seiner Parole von einem Benzinpreis von 2,50 Dollar pro Gallone (3,8 Liter) haute er auf die populistische Pauke. Ein durchschnittlicher Benzinpreis von 3,80 Dollar ließ in einer Umfrage die Zustimmungsrate des Präsidenten purzeln. „Solange noch Geld auf dem Konto und Benzin im Tank ist, wird er weitermachen“, glaubt Ralph Reed, ein Führer des evangelikalen Flügels.

 

Showdown in Tampa

Der Stratege Gingrich spekuliert mit einem Showdown beim Parteikonvent in Tampa Ende August. Keiner der vier Kandidaten werde bis zum Vorwahlfinale Ende Juni im Utah die nötige Mehrheit von 1144 Delegiertenstimmen beisammen haben, lautet das Szenario, das von Mal zu Mal wahrscheinlicher wird. Romney sammelt zwar emsig Delegierte – unter anderem sehr erfolgreich im Pazifik, in Guam und auf Hawaii. Zur Halbzeit der Primaries und Urabstimmungen hat er mehr Wahlmänner auf sich vereint als seine drei Konkurrenten zusammen. Infolge des Missmanagements einer personell wie finanziell unterversorgten Organisation schaffte es Santorum dagegen nicht, sich rechtzeitig in allen Wahlbezirken anzumelden.

Sollten alle vier Kandidaten bis zum bitteren Ende im Rennen bleiben, könnten letztlich die 150 Superdelegierten den Ausschlag geben. Im Extremfall könnten sie gar einen „weißen Ritter“ aus dem Hut zaubern, den die Partei gegen Obama in den Kampf schickt.

Obwohl Gingrich erklärtermaßen die Kandidatur Romneys verhindern will, profitiert just Romney von dem Dreikampf und der Aufsplitterung des Votums dezidiert konservativer Wähler. Unbekümmert sagte Gingrich neulich: „Ich bin wie eine Schildkröte, die anderen sind wie Kaninchen.“ Und tanzte spätnachts mit Ehefrau Callista zu Elton Johns „Rocket Man“ – passend zu seinem Handy-Rington, Abbas „Dancing Queen“.

Rick Santorum: Der Streiter für christliche Werte gibt auf

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2012)

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20 Kommentare
Gast: mittnewtpaulrick
15.03.2012 08:10
0 0

Verzerrung

Durch die unterschiedliche und unfaire Zuteilung der Delegierten, einmal bekommt der Gewinner -egal mit wie wenig Vorsprung er gewonnen hat- alle Deligiertenstimmen, ein andermal werden diese proportional aufgeteilt. Insgesamt scheint Romney bisher davon profitiert zu haben.

mal abwarten bis zum republikanischen kongress

die delegierten haben naemlich keine wahl"pflicht" fuer "ihren" kandidaten zu stimmen! ;-))) und aufstellen lassen als delegierter kann sich jeder, auch der, der eigentlich vorhat fuer jemand anderen abzustimmen beim republikanischen parteitag im august

ach wie gut dass niemand weiss, dass ich rumpelstilzchen heiss ...

Gast: Rapunzel
14.03.2012 21:13
1 2

Th. Vieregge..

..ist lächerlich Newt G. als Schlüsselfigur zu vermarkten RP aber vollends ausblenden?! DÜmmer gehts nicht mehr!

http://www.youtube.com/watch?v=qOJEUYFRY5Y&feature=related

Re: Th. Vieregge..

die zahlen sprechen aber wohl klar gegen ron paul und für newt gingrich.

gewonnene staaten:
gingrich:1
paul:0

erhaltene delegierte:
gingrich:134
paul:25

erhaltene stimmen:
gingrich:2.101.951
paul:949.207

fakt ist gingrich hat mehr als 5 mal soviele delegierte und mehr als doppelt soviele stimmen wie paul erhalten

Ron Pauls erfolg war bis jetzt wohl eher mehr als bescheiden, daran ändern auch die zig verschwöhrungstheroien nichts

Antworten Antworten Gast: Dudeldidu
19.03.2012 13:47
0 0

Re: Re: Th. Vieregge..

JAJA die Delegierten

"CNN admits RP is in 2nd place for the DelegateRace"

Immer diese bösen Verschwörungstheorien! lol

http://www.youtube.com/watch?v=qBnzllgsdUU

Gast: Sponring A.
14.03.2012 15:00
1 1

Alles ist möglich, auch Santorum

In den durchaus beeindruckenden Siegen eines anfänglichen Außenseiters und klar deklarierten Rechtsaußen kann ich durchaus einen, wenn auch nicht beruhigenden Trend erkennen. Romney ist zweifellos schwer angeschlagen. Den Rechten nimmt ihm keiner wirklich ab, scheint momentan aber gefragter zu sein. Dann werden die Republikaner wohl eher die klare Abgrenzung zu Obama wählen, auch wenn das ein Extrem bedeutet. Ausschließen kann man das nicht.

Gast: USfriend
14.03.2012 14:48
3 1

Zu unterschätzen wäre ein Fehler!

Man sollte die US-Amerikaner nicht aus der europäischen Sicht beurteilen. Nicht wenige meiner Freunde dort halten Santorum für einen ernst zu nehmenden Kandidaten. Auch im Hinblick auf bei uns als sehr "rechts" bezeichnete Standpunkte haben Millionen Amerikaner keinerlei Berührungsängste. Obama hat riesige Erwartungen geschürt und keine erfüllen können. Das war z.T. auch Schuld der Republikaner, wird von den Amerikanern aber als Schwäche des Präsidenten ausgelegt. Die Patriotismusflagge kann Obama kaum noch schwenken, Santorum tut es unentwegt und das hat auch schon in der Vergangenheit Wahlkämpfe entschieden.

Antworten Gast: Bold
14.03.2012 15:59
0 3

Re: Zu unterschätzen wäre ein Fehler!

Ein Großteil der Demokraten bereut mittlerweile, dass sie 2008 auf Obama umgeschwenkt sind und fragt sich W.W.H.H.D. (What Would Hillary Have Done). Sicher hätte sie nicht ihre Zeit damit verschwendet, endlos nach Kompromissen mit dem sich immer weiter radikalisierenden politischen Gegner zu suchen.

Gast: uijäh
14.03.2012 11:10
0 0

Wenn sich die Reps "Siege" Romneys leisten können,

die nur deshalb zustandekommen, weil auf der konservativen Seite Gingrich und Santorum antreten und sich so die konservativen Stimmen auf die beiden verteilen, dann ist ihnen nicht zu helfen.

Antworten Gast: Bold
14.03.2012 12:44
1 3

Re: Wenn sich die Reps "Siege" Romneys leisten können,

Romney ist der einzige Kandidat mit einer realistischen Chance, Obama schlagen zu können.

Gingrich ist gemessen an den Approval/Disapproval Ratings der meistgehasste Politiker des Landes.

Und den Hinterwäldler, der ständig von seinem imaginären Freund schwafelt anstatt sich den echten Themen (Wirtschaft, Finanzen, Arbeitsmarkt) zu widmen, werden unabhängige und moderate Wähler genauso verschmähen.

Antworten Gast: Bold
14.03.2012 12:44
1 3

Re: Wenn sich die Reps "Siege" Romneys leisten können,

Romney ist der einzige Kandidat mit einer realistischen Chance, Obama schlagen zu können.

Gingrich ist gemessen an den Approval/Disapproval Ratings der meistgehasste Politiker des Landes.

Und den Hinterwäldler, der ständig von seinem imaginären Freund schwafelt anstatt sich den echten Themen (Wirtschaft, Finanzen, Arbeitsmarkt) zu widmen, werden unabhängige und moderate Wähler genauso verschmähen.

Gast: FDR
14.03.2012 10:43
6 2

Sanscrotum ...

... der männliche Sarah Palin

Ob der Santorum das alles wirklich glaubt, was er da vertritt?

Ich wage es zu bezweifeln. Die haben dort offenbar genau so ein Problem mit der Kompetenz von Politikern wie wir....

Re: Ob der Santorum das alles wirklich glaubt, was er da vertritt?

dazu eine buchempfehlung eva c. schweitzer : tea party: die weiße wut: was amerikas neue rechte so gefährlich macht. kurzweilig, informativ und gut recherchiert.

Re: Ob der Santorum das alles wirklich glaubt, was er da vertritt?

Bedient werden durch solche Kandidaten auf republikanischer Seite ausschließlich die Hardliner auf dem allerrechtesten Rand! Anderen hngegen graut schon jetzt vor einem Präsidenten a la Santorum; sogar in den eigenen Parteireihen...

Der Rest der US-Bevölkerung wird sich wohl hinter Obama scharen; wie unzufrieden sie auch immer mit dessen bisherigen Regierungsleistungen und Ergebnsisen sie auch sein mögen. Aber alles noch besser als ein von Santorum angestrebter "Gottesstaat", in dem etwa Juden und Moslems einen äußerst schweren Stand hätten.

### der Vatikan kündigt Eingreifen des Papstes in den US-Wahlkampf an: wie schon voriges Jahr in Spanien soll eine Open-Air Messe den Sieg des „Mannes mit der richtigen Überzeugung“ bringen ###


Re: ### der Vatikan kündigt Eingreifen des Papstes in den US-Wahlkampf an: wie schon voriges Jahr in Spanien soll eine Open-Air Messe den Sieg des „Mannes mit der richtigen Überzeugung“ bringen ###

Wow, hab gar nicht gewusst, dass es so viele Papstfans gibt!

Re: ### der Vatikan kündigt Eingreifen des Papstes in den US-Wahlkampf an: wie schon voriges Jahr in Spanien soll eine Open-Air Messe den Sieg des „Mannes mit der richtigen Überzeugung“ bringen ###

Meinen Sie das wirklich ernst? Bzw., auf welchen Quellen stützt sich diese "Eilmeldung" eigentlich? Nähere Informationen wären jedenfalls nütztlich...

Antworten Antworten Gast: pseudotembo
14.03.2012 13:01
1 0

Re: Re: ### der Vatikan kündigt Eingreifen des Papstes in den US-Wahlkampf an: wie schon voriges Jahr in Spanien soll eine Open-Air Messe den Sieg des „Mannes mit der richtigen Überzeugung“ bringen ###

Nein, das meint er nicht ernst, sondern er hält es für irgend so etwas wie Satire. Deutlicher wird das bei der "Eilmeldung" vom 11.3., 12:03 auf http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/739245/Santorum-gewinnt-in-Kansas-Romney-in-Wyoming?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/725815/index.do&direct=725815.

Re: Re: Re: ### der Vatikan kündigt Eingreifen des Papstes in den US-Wahlkampf an: wie schon voriges Jahr in Spanien soll eine Open-Air Messe den Sieg des „Mannes mit der richtigen Überzeugung“ bringen ###

Pseudotembo! Danke, jetzt habe ich es kapiert und akzeptiert! Anderseits wiederum: Wir leben heute in einer Zeit, in der die Satire von heute die Realität von morgen werden kann. Bzw. dies auch schon oft so gewesen ist...

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