Mitten im Kampf gegen die Schuldenkrise steht Zypern unvermittelt vor einem richtungsweisenden Führungswechsel in der Finanzpolitik. Finanzminister Kikis Kazamias trat nach nur knapp einem Jahr im Amt zurück. Ein Regierungssprecher führte dafür am Freitag ausschließlich gesundheitliche Gründe an. Wenige Tage zuvor war zudem das Euroland von der Ratingagentur Moody's zurückgestuft worden. In Medien war auch von einem Streit mit Ministerpräsident Demetris Christofias über eine weitere Amtszeit für Zentralbankchef Athanasios Orphanides Rede.
Die Tage von Orphanides an der Notenbank-Spitze dürften nun gezählt sein, weil er mit Kazamias seinen wichtigsten Fürsprecher in der Regierung verloren hat. Einige Regierungsvertreter machen Orphanides für die enge Verflechtung der heimischen Banken mit dem überschuldeten Griechenland verantwortlich, die Zypern schwer zu schaffen macht.
Christofias will den neuen Finanzminister am Montag im Rahmen einer Kabinettsumbildung ernennen. Der Ökonom Kazamias, der seit Jänner an einer Infektion am Bein leidet, war erst Anfang April vorigen Jahres angetreten, um das Land mit einem strikten Sparkurs aus der Krise zu führen. Das hohe Engagement der zyprischen Banken in griechische Staatsanleihen gilt als Hauptgrund dafür, dass die Kreditwürdigkeit des Landes inzwischen von zwei der drei führenden Ratingagenturen nur noch mit Ramschstatus bewertet wird. Zentralbankkreisen zufolge hat Orphanides, ein Gegner des griechischen Schuldenschnitts, die Banken aber wiederholt vor den Risiken der Hellas-Bonds gewarnt. Die Amtszeit von Orphanides endet am 30. April.
Moody's hatte die Herabstufung Zyperns von "Baa3" um eine Stufe auf "Ba1" unter anderem mit den Auswirkungen der Griechenland-Krise auf Zypern begründet. Es gebe ein verstärktes Risiko, dass die Regierung die Banken des Landes wegen des Engagements in Griechenland stützen müsse. Das neue Rating für Zypern fällt in die Kategorie "Spekulative Anlage", die gemeinhin auch als "Ramsch-Niveau" bezeichnet wird. Den Ausblick setzte die Agentur auf "Negativ". Damit ist in den kommenden Monaten mit einer weiteren Herabstufung des Inselstaates zu rechnen.
(Ag.)
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