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Wahltriumph: Gauck ist neuer deutscher Bundespräsident

18.03.2012 | 15:37 |   (DiePresse.com)

Der Bürgerrechtler kam wie erwartet auf eine überwältigende Mehrheit. 991 von 1228 gültigen Stimmen entfielen auf den 72-Jährigen. Seine erste Reaktion: "Was für eins schöner Sonntag."

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Am Sonntag, um 14:24 Uhr, war es soweit: "Herr Präsident, ich nehme die Wahl an", sagte Joachim Gauck zu Bundestagspräsident Norbert Lammert. Damit ist Gauck, der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und evangelische Pastor am Ziel seiner Träume angelangt - und neuer deutscher Bundespräsident.

Gauck ist mit 72 Jahren das älteste deutsche Staatsoberhaupt der Geschichte - und das erste aus Ostdeutschland.

Der parteilose Theologe fuhr am Sonntag eines der besten Ergebnisse eines deutschen Bundespräsidentschafts-Kandidaten im ersten Wahlgang ein. 991 von 1228 gültigen Stimmen entfielen in der Bundesversammlung auf den 72-Jährigen. Das war freilich auch nicht anders zu erwarten: Gauck war als gemeinsamer Kandidat von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen in die Wahl der Bundesversammlung gegangen.

(c) AP

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Nur die Linke und die NPD wollten nicht mitziehen. Die Linke nominierten Nazi-Jägerin Beate Klarfeld. Sie erhielt 126 Stimmen und damit drei Stimmen mehr als die Linke Wahlmänner stellt. Die rechtsextreme NPD, die nur drei der insgesamt 1240 Wahlmänner stellt, ging mit dem Historiker Olaf Rose ins Rennen. Genau drei Stimmen erhielt Rose dann auch.

"Werde niemals eine Wahl versäumen"

Gauck verfolgte die Wahl von der Besuchertribüne im deutschen Reichstag. "Was für ein schöner Sonntag", sagte er danach in einer kurzen Rede vor der Bundesversammlung und erinnerte an seine erste freie Wahl zur DDR-Volkskammer vor 22 Jahren: "In jenem Moment war da in mir neben der Freude ein sicheres Wissen: Ich werde niemals eine Wahl versäumen." Auch als Präsident könne er sich die Welt und das Land nicht denken ohne Freiheit und Verantwortung.

Gauck will sich gegen Politikverdrossenheit einsetzen. Viele Bürger hätten ihn ermutigt, die Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten anzunehmen, sagte er. "Das gibt mir Hoffnung auf eine Annäherung zwischen den Regierenden und der Bevölkerung, an der ich nach meinen Möglichkeiten unbedingt mitwirken werde." In Deutschland wird die Zahl der Nichtwähler seit Jahren immer größer. Seine Wahl habe er mit "unendlicher Dankbarkeit" aufgenommen.

Joachim Gauck: ''Ich bin kein Supermann''

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Gauck löst Christian Wulff ab. Der 52-Jährige war über seinen Umgang mit befreundeten Unternehmern gestolpert. 2009 war Gauck dem CDU-Politiker Wulff noch bei der Bundesversammlung unterlegen. Nach dessen Rücktritt hat sich auch die dem Vernehmen nach anfangs skeptische Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Koalitionspartner FDP auf Gauck als gemeinsamen Kandidaten umstimmen lassen.

"An ihm werden sich viele reiben"

Gauck wird derzeit mit Vorschusslorbeeren überschüttet, die Erwartungshaltung an den 72-Jährigen ist enorm: Gauck werde ein Bundespräsident sein, "an dem sich viele reiben werden", manchmal auch die SPD, befand Frank-Walter Steinmeier, Fraktionschef der SPD, bereits im Vorfeld der Wahl. "Aber gerade deshalb ist es der richtige Präsident." Gauck werde dem Land guttun, sagte auch Steinmeiers FDP-Amtskollege Rainer Brüderle. Der 72-jährige Gauck sei integer, überzeugend und glaubwürdig, so Brüderle. Gaucks Wahl bezeichnete er dann in der ARD als "Glücksfall der Geschichte".

Bundeskanzlerin Merkel erwartet sich von Gauck Denkanstöße. Mit Konflikten rechnet sie nicht, mit Meinungsunterschieden aber sehr wohl. Dass nun neben der Bundeskanzlerin auch der Bundespräsident aus der ehemaligen DDR kommt, gefällt der Kanzlerin: "Die Ostdeutschen sind angekommen, trotzdem bleibt bei der deutschen Einheit noch einiges zu tun."

Gauck zieht als elfter Bundespräsident ins Schloss Bellevue ein, seine Vereidigung findet am Freitag statt. Weil Gauck die Wahl bereits angenommen hat, ist er aber bereits jetzt in Amt und Würden.

(c) Reuters

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(jst/Ag.)

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20 Kommentare

Shocking!

Gauck will das Land an die Kinder weitergeben? Wie das, man denke nur an die von Natur aus unfruchtbaren Paare, an die gleichgeschlechtlichen Paare und die aus steuerlichen Gründen kinderlosen Paare. Wie kann man diese Menschen einfach so an der Zukunftgestaltung unseres Landes ausschliessen! Mir fehlen die Worte! mfg

Antworten Gast: Ischias ist KEINE Insel!
18.03.2012 19:10
1 0

ich glaube zu wissen, was sie meinen.......

....ABER ohne Kinder gibts KEINE Zukunft!

Re: ich glaube zu wissen, was sie meinen.......

Genau so isses! Aber daran ist sicher nicht der Herr Gauck schuld. Es sollte lediglich eine Persiflage sein, gerichtet an die Kritiker des neuen Bundespräsidenten, die bereits nach der ersten kurzen Rede nicht alle Problemfelder dieses Landes ausreichend gewürdigt sehen! mfg

Gast: Guido Schümann
18.03.2012 18:33
1 0

Gratulation an Herrn Gauck!


Möglicherweise ist der 18. März 2012 so etwas wie ein Glücksfall der jüngeren deutschen Geschichte. Ich gratuliere Herrn Dr. h. c. Joachim Gauck zu seiner Wahl!

Mehr denn je brauchen wir in einer Zeit, in der wir einen zunehmenden Werteverfall und eine enorme Entfremdung vieler Berufspolitiker von ihrem eigenen Volk zu beklagen haben, an der Spitze unseres Gemeinwesens eine Persönlichkeit, die als moralische Instanz glaubwürdig und unbeirrt auch wider den Stachel löckt und für eine wertschätzende Umgangskultur in allen gesellschaftlichen Bereichen eintritt.

Ich traue Herrn Gauck zu, diese schwierige Aufgabe ebenso zu meistern wie auch den ramponierten Ruf und die angeschlagene Autorität des Amtes des Bundespräsidenten wiederherzustellen und wünsche ihm dafür alles Gute und allzeit eine glückliche Hand!

Boah na wirklich... damit wor oba nit zu rechnen.


Re: Boah na wirklich... damit wor oba nit zu rechnen.

Weißt, ich schaute mir die Wahl heute ja mit Freunden zusammen auf ntv an und ja: überrascht wurde man nun wirklich nicht. ;-)

Aber darum ging es uns ja auch nicht. Wir waren gespannt auf seine Antrittsrede.Und die fanden wir phantastisch.

Und nicht weniger grandios war auch das Scheitern des NPD Kandidaten (3 Stimmen). Das kann und sollte man nebenbei auch ruhig mal erwähnen. :-)

Gast: Plach2
18.03.2012 17:06
6 1

So etwas ist in Österreich undenkbar!

Ein parteiloser Bundespräsident???

"Wo kommen wir da hin"?

Seit dem Krieg haben sich SPÖ+ÖVP den Staat im Proporz untereinander aufgeteilt. Ohne einem Parteibuch ist man nicht ausreichend qualifiziert.

Antworten Gast: Johann S
18.03.2012 17:43
2 0

Re: So etwas ist in Österreich undenkbar!

Rudolf Kirchschläger war ein parteiloser Präsident

Gauk

ist ein Mann,der ganz offen für die Beschränkung der Medien und der persönlichen Freiheiten eintrat.

Re: Gauk

Ach!

Und die Linken und Grüninnen sind für Meinungsfreiheit,wie in der Ex-DDR?

Wohl extrem linker Traumtänzer oder doch?


Re: Re: Gauk

Sie wissen ja nicht von was Sie da reden!

Re: Gauk

Der deutsche Präsident ist ein christlich verwurzelter, freiheit- und demokratieliebender Konservativer.

Kurzum: Für Deutsche das perfekte Staatsoberhaupt.

Aber sie haben recht: Die "dieLinke", die Grünen, Die Alles-muss-umsonst-sein-Piraten und Occupiedemonstranten wird es bei der Wahl wohl lauwarm am Innenschenkel hinunter gelaufen sein. ;-)

Pest oder Cholera

Erst war Wulff,Betrüger,Lügner und Absahner.Jetzt Gauck,Pastor und Ehebrecher.Wie sagte schon Sarrazin?Deutschland schafft sich ab.Aber daß es in diesem Tempo vor sich geht hätte ich nicht für möglich gehalten.

3 3

Ein Siech der indirekten Demokratie …

Naja, sicher kann man auch „gewählt“ sagen. Bei korrekter Auslegung der Bestimmung dieses neuen Präsidenten wäre es aber auch nicht abwegig von einer „Ernennung“ oder „Inthronisierung“ zu sprechen … wir erinnern uns? Er ist der der Traumpräsident von 5 Fraktionsführern die sich gegenseitig mit diesem Kandidaten verGauckelt haben, WIR in Deutschland haben jetzt den Salat.

http://qpress.de/2012/03/18/ernennung-von-gauck-indirekte-demokratie-funktioniert-ohne-zwischenfalle/

Blöd nur, dann an anderer Stelle … im Pöbel … ein Großteil „Nein“ sagte, aber der indirekten Demokratie sei Dank, konnte man solche Pöbeleien erfolgreich durch die gebrieften Wahlleute verhindert.

Die Wahl sollte schließlich spannend wie ein Formel 1 Rennen werden, mit dem kleinen Unterschied, dass der Gewinner bereits seit 4 Wochen feststand. Wir dürfen also zurecht von einem echten „Siech“ der Demokratie sprechen … (°!°)

Gast: Dlktat0r
18.03.2012 15:12
1 4

Vom Einheitssumpf

der politischen Kaste im Bundestag war nichts anderes zu erwarten.

Der Sumpf hat auch lange genug den "höchst" ErbaermLlchen Vorgänger beim Trog gehalten.

Antworten Gast: Johann S
18.03.2012 15:53
1 0

Re: Vom Einheitssumpf

Korrekterweise wäre von der Bundesversammlung die Rede.

Der EFSF soll aufgestockt werden.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/03/40088/
"Die EU-Finanzminister glauben, dass die Ansteckung anderer europäischer Staaten durch Griechenland schneller kommen wird als der ESM." Und wollen wir nicht vergessen: Der ESM kommt am 1. Juli! (Also in etwa 100 Tagen.)

Wird auch die "Presse" darüber berichten?

Ein intelligenter und ehrbarer Mann!

Gratulation!

Antworten Gast: Ggrufti
18.03.2012 15:57
0 8

Re: Ein intelligenter und ehrbarer Mann!

Ich schliesse mich an, moechte aber trotzdem wissen, wo der wesentliche Unterschied zu der juengst im Jemen erfolgten Wahl ist.

Antworten Gast: Johann S
18.03.2012 15:08
8 3

Re: Ein intelligenter und ehrbarer Mann!

Zustimmung.