Deutschland: Ein schöner Sonntag für Gauck

18.03.2012 | 18:37 |  von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Mit 81 Prozent wurde der Bürgerrechtler Joachim Gauck von der Bundesversammlung zum neuen deutschen Präsidenten gewählt. Unerwartet viele enthielten sich ihrer Stimme.

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Berlin. „Was für ein schöner Sonntag!“: Das waren die ersten Worte von Joachim Gauck nach seiner Wahl zum 11. Präsidenten der Bundesrepublik. Doch in der kurzen Dankesrede frönte er nicht seiner Eitelkeit und freute sich auch nicht über den blauen Frühlingshimmel über dem Berliner Reichstag. Der Pastor erinnerte vielmehr an den 18. März vor 22 Jahren, dem Tag der ersten freien Wahlen in der Ex-DDR. Nach fast sechs Jahrzehnten Diktatur galt es, die wiedererlangte Freiheit verantwortungsvoll zu nutzen. An diesem Sonntag fand Gauck zur inneren Gewissheit: „Ich werde niemals eine Wahl versäumen.“

Der Bürgerrechtler blieb seinen Themen treu: ein starker Begriff von Freiheit, die erst die Voraussetzung schaffe für jede Diskussion über soziale Gerechtigkeit. Und die Forderung an das Volk, die Demokratie aktiver mitzugestalten. Es gab keine Umarmung nach allen Seiten, keine sozialen, ökologischen oder gar kapitalismuskritischen Appelle. Der streitbare Bürgerliche steht zu seinen Prioritäten, was trotz seiner hohen Popularität für Irritationen sorgt.

Die „Linke“ konnte sich am wenigsten mit dem unerbittlichen Kritiker des DDR-Regimes anfreunden. Sie stellte die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld gegen den Kandidaten von Union, FDP, SPD und Grünen auf. Für einen Störfaktor sorgte die rechtsextreme NPD. Sie schickte den Historiker Olaf Rose ins Rennen. Für ihn stimmten nur die drei NDP-Delegierten, die mit seltsamen Anträgen den Beginn des Wahlgangs hinauszögerten.

Wie erwartet, war die Wahl schon im ersten Durchgang entschieden – anders als beim letzten Mal, als die Koalition von Union und FDP drei quälende Runden brauchte, um den glücklosen Christian Wulff ins höchste Amt zu hieven. Entsprechend entspannt, ja heiter war die Atmosphäre im Bundestag. Es war klar: Hier wird, nach den Debakeln mit Wulff und Horst Köhler, endlich ein Präsident gewählt, den sich die Deutschen von Herzen wünschen.

81 Prozent der Delegierten stimmten für Gauck, zehn Prozent für Klarsfeld. Was aber überraschend kam: Neun Prozent der Delegierten enthielten sich der Stimme, erheblich mehr als erwartet. Offenbar gibt es vor allem in den Reihen der SPD und der Grünen, die ihn vor zwei Jahren erstmals nominiert hatten, mehr Vorbehalte gegen Gauck, als ihre Fraktionsspitzen zugeben wollten.

Die Bundesversammlung ist das höchste Gremium der Republik und tritt ausschließlich zur Wahl eines Präsidenten zusammen. Die Hälfte der 1240 Mitglieder sind Abgeordnete des Bundestags. Die andere Hälfte stellen die Länder. Zu den regionalen Parlamentariern gesellen sich verdiente Altpolitiker, Bürgermeister – und Prominente, mit denen die Parteien für sich werben. So schickten diesmal etwa SPD und Grüne die Schauspielerin Senta Berger zur Stimmabgabe, die Union den Fußballtrainer Otto Rehagel und die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2012)

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22 Kommentare
Gast: gast 1313
19.03.2012 18:12
1

Lebt er als Präsident einfach so in Bigamie???

Ist verheiratet, nicht geschieden. Hat daneben eine Lebensgefährtin, die mit ihm in gemeinsamen Haushalt in Präsidentenvilla einzieht, d.h. er hat zwei Ehefrauen...
Wie kann dieser Mann eine moralische Instanz im höchsten Amt sein?
selbstverständlich müsste er seine erste Ehe auflösen, um eine zweite eheähnliche Beziehung eingehen zu können.

Antworten Gast: releg
24.03.2012 15:29
0

Re: Lebt er als Präsident einfach so in Bigamie???

ist doch relativ egal - besser als wulff ist er allemal

Re: Lebt er als Präsident einfach so in Bigamie???

... insbesomdere dann, wenn dieser Mann seine Legimation oft genug auf Moral und Kirche zurückführt --- obwaohl die geistliche Vergangenheit - theologische Ausbildung und Tätigkeit - eh´ weit in der Vergangenheit zurückliegt.

Gast: Johann S
19.03.2012 12:17
0

Einen

sogenannten"Homo superior" gibt es nach wie vor nicht.
Also abwarten statt Kaffeesudlesen.

Das auch noch...

Piefke Connection Austria demonstriert Morgen um 12 gegen Gauck. Die Frage ist, wie lange wird Gauck durchhalten!

Antworten Gast: häh
24.03.2012 15:28
0

Re: Das auch noch...

wo steht das? oder ist das ein scherz?

Gast: super
19.03.2012 09:53
0

wenn das nur nicht auch wieder

ein schuß in den ofen war ....

Gast: das hirn
19.03.2012 09:23
1

übelkeit

der gedanke, dass die nachfolger des sozialistischen mord- und terrorregimes ddr die demokratie, die es zu ulbrichts und honeckers zeiten nicht gegeben hat, schamlos ausnützen , verursacht übelkeit. wes geistes kind diese lemuren sind, zeigt die nominierung der klarsfeld, deren einzige legitimation für das amt ein straftat ist, nämlich das schlagen des bundeskanzlers kiesinger.

"... endlich ein Präsident gewählt, den sich die Deutschen von Herzen wünschen ..."

Diese Aussage angesichts einer Wahl durch die Nomenklatura und nicht das Volk, ist eine ausgemachte Frechheit und zeigt, wo der Zug hinfährt. Das Volk, das sind die Funktionäre. Der Rest sind Arbeitssklaven.

Antworten Gast: ahsooistdass
24.03.2012 15:27
0

Re: "... endlich ein Präsident gewählt, den sich die Deutschen von Herzen wünschen ..."

passt dir gauck nicht? interessant...

Marin

Das war wirklich ein "schöner Sonntag" wie Joachim Gauck nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten sagte. Mit ihm können sicherlich neben den 81% der Delegierten auch 81% der Deutschen gut leben.

Re: ... wie Joachim Gauck nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten sagte.

Wie, er hat mit sich selbst gesprochen, nachdem er "Kraft seines Amtes" der HBP war?

Gast: Lutz Berger
19.03.2012 07:31
1

Hoffnung

Gauck :"Und die Forderung an das Volk, die Demokratie aktiver mitzugestalten."

Tja, Herr Gauck, das ist mit dem Grundgesetz nicht möglich. Deutschland braucht eine neue Verfassung, in der die Möglichkeit von Referenden festgeschrieben wird ----- die direkte Demokratie und nicht den Parteienstaat, den sie so befürworten.
Im übrigen, sie sind Pastor und sollten die Bibel kennen. Dort steht :"Mein Wort wird aus meinem Munde ausgehen und nicht zurückkehren ohne dass es getan hat, zu was ich es ausgesandt habe."
Ihre Vorgänger wurden durch "ausgesandte Worte", die zurückkehrten, abgeschossen.
Also Vorsicht. In der deutschen Zeitung die "Welt" wurden sie jedoch schon mal als Ostdeutscher Migrant bezeichnet und so in die Reihe der Zuwanderer eingeordnet. Das läßt auf einen längeren Verbleib im Schloß Bellevue hoffen.

Antworten Gast: Johann S
19.03.2012 12:27
0

Re: Hoffnung

Auch das Grundgesetz läßt sich unter gewissen kriterien ändern.

Gast: Nicht auszudenken
18.03.2012 22:37
2

81% Zustimmung!

Wenn das ein Wahlergebnis im Irak oder Russland wäre, würden unsere selbstgerechten Demokraten und Medien heute nach Bomben und Granaten schreien! Die Zeitungen wären voll.

Gast: Karl Schwingenschlögl
18.03.2012 21:00
1

Glückwunsch an die Deutschen

Die Demokratie hat bei dieser Entscheidung sicher
einen Sieg eingefahren.

Gast: almöhi
18.03.2012 20:55
2

den Deutschen ist zu

wünschen,dass sie mit diesem Präsidenten glücklich werden. Dem Aussenstehenden fällt auf,dass er ohne Punkt und Komma spricht, kurz,
er redet ja jeden um.In Hamburg nennt man so jemanden Quasselstrippe.

Re: den Deutschen ist zu

Völlig richtig --- und solchen "Redebegabten" steht man mißtrauisch gegenüber - im "Schwabenländle" werden sie auch "Schnellschwätzer" genannt.

Wie ja auch bereits in einigen Kommentaren veröffentlicht: Man weiß nicht so recht, wie er denkt, was er will ( garade weil schöne Worte schnell gefunden sind ) und da sind auch einige bedenkenswerte Punkte in seiner Persönlichkeit.

z.B. er ist nach wie vor verheiratet ( 4 Kinder ) zieht aber mit einer K*onkubine als "First Lady" in "Amt und Würde" ein - als "Stasi-Rächer" z.B. hat er durchaus kräftig mit gegraben am Ruf des Manfred Stolpe als sogen. "IM"

Und da gibt es noch mehr ....

Antworten Antworten Gast: toro
19.03.2012 09:41
0

Re: Re: den Deutschen ist zu

Was Sie in Wahrheit stört: Gauck ist nicht katholisch.
Und das ist gut so.

Re: Re: Re: den Deutschen ist zu

Ich weiß nicht, ob diese, Ihre, Anmerkung an mich adressiert war - falls ja, dann tue ich kund, daß ich KEINER der etablierten Kirchen oder deren Zweigrichtungen angehöre --- also mir ist es egal, ob der Herr Gauck protestantisch, katholisch oder was weiß ich ist oder besser war ...

Antworten Antworten Antworten Gast: almöhi
19.03.2012 11:31
0

Re: Re: Re: den Deutschen ist zu

ach geh,das ist aber traurig,aber so etwas von piepegal.

Unerwartet viele enthielten sich ihrer Stimme.

Ist ja wohl auch verständlich - sie misstrauten "der Merkl", ob sie nicht wieder ein angebrütetes Ei in das gemachte Nest legt!

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