Iran-Krise: US-Generäle warnen vor Angriff

20.03.2012 | 18:20 |  von THOMAS VIEREGGE UND WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Hohe US-Militärs raten Israel von einer Attacke auf Irans Atomanlagen ab. Das hätte die Verwicklung der USA und einen Regionalkrieg zur Folge, ergab ein elektronisches „Kriegsspiel“.

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Washington/Wien. Ein baldiger Krieg gegen den Iran spukt nicht nicht nur in den Köpfen von Israels Verteidigungsminister Ehud Barak und dessen Generalstab herum, sondern auch in denen der Pentagon-Strategen in Washington: Während Barak zuletzt vor einer „Zone der Immunität“ warnte, in die Irans Atomprogramm aufgrund seines technischen Fortschritts demnächst abtauchen könnte, schlagen US-Militärs um Generalstabschef Martin Dempsey Alarm vor den Folgen einer Präventivattacke Israels gegen Teherans Atomprogramm.

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Hintergrund, so berichtet die „New York Times“, war ein zwei Wochen dauerndes „Kriegsspiel“, die computergestützte Simulation eines Iran-Kriegs namens „Internal Look“, die jüngst stattfand. Dabei spielte man vom Sitz des US- Central Command (Centcom) in Tampa, Florida, aus Szenarien durch, welche unmittelbaren Folgen ein massiver israelischer Luftangriff auf den Iran haben könnte.

 

General sehr beunruhigt

Und dabei ergab sich erstens, dass er fast unweigerlich eine Verstrickung der USA zur Folge hätte – und dass ein regionaler Krieg rund um den wegen des Ölnachschubs bedeutsamen Persischen Golf nicht nur in kurzer Zeit mindestens hunderten Amerikanern das Leben kosten würde, sondern dieser dem Iran nur begrenzt schaden würde. Insbesondere General James Mattis, Chef der US-Truppen im Nahen und Mittleren Osten, zeigte sich beunruhigt von den Ergebnissen der Simulation.

Centcom in Florida ist das oberste Kommando für Aktionen im Nahen und Mittleren Osten, in Ostafrika und Zentralasien. Die ersten Folgen, die Internal Look, dem ein zweiwöchiger Kriegsverlauf zugrunde lag, „voraussah“, waren Nachstellungen iranischer Kampfjets, die den abfliegenden Israelis weit folgen würden, und ein rascher iranischer Angriff gegen mindestens ein großes US-Kriegsschiff im Persischen Golf.

Rund um die Straße von Hormuz kreuzen in der Simulation zwei US-Flugzeugträger und eine Armada der US-Marine. Die Iraner würden die USA bei einem israelischen Angriff als Komplizen Jerusalems sehen und mit Anti-Schiff-Raketen oder U-Booten einen Vergeltungsschlag führen – der aber würde nicht nur Angriffe der US-Luftwaffe gegen Raketenstellungen und Marineeinrichtungen auslösen, sondern auch gegen Irans Atomanlagen – sofern der US-Präsident letztere nicht ausdrücklich untersagen würde.

 

Dauerhafter Kriegszustand

Die Militärschläge, so das Kalkül, dürften dem Nuklearprogramm Teherans kaum zusetzen und es um nur eines, bestenfalls drei Jahre zurückwerfen. Zudem hinterließen sie eine dauerhaft kriegerische Lage in der Region.

Die Internal-Look-Simulationen von Centcom finden schon seit den 1980ern statt und sollen die Planungsvorgänge und Kommunikationskanäle zwischen dem Pentagon, Centcom und den US-Feldbefehlshabern in der Region einem Härtetest unterziehen, zudem werden logistische Notwendigkeiten und Machbarkeiten erörtert. Die Spiele, an denen nur Stabsoffiziere und Experten (manche geben den Gegner) teilnehmen, aber keine echten Truppen, finden meist alle zwei Jahre statt.

In den 1980ern wurde meist geübt, wie man einer Invasion des Iran durch die UdSSR, die Ölfelder und Häfen am Golf und Indischen Ozean zu erobern trachtete, begegnen könne. Dazu hätten die USA sechs mechanisierte sowie Panzerdivisionen nach Saudiarabien verschifft, die den Süd- und Westiran entlang des Zagros-Gebirges besetzt hätten. Juli 1990 änderte Centcom das Szenario und nahm eine Invasion Saudiarabiens und Kuwaits durch Iraks Armee an.

 

Prophetische Spiele

Gespenstischerweise besetzten irakische Truppen am 2. August 1990 plötzlich Kuwait. Und danach hielt sich die Entwicklung des Golfkriegs 1990/91 und seiner organisatorischen Anforderungen weitgehend an die Prognosen der Simulation – und zwar dermaßen, dass hohe Offiziere sagten: „Hey, genauso haben wir das schon bei ,Internal Look‘ gemacht.“

Lexikon

„Internal Look“ sind computerbasierte Simulationen politisch-militärischer Szenarios im Rahmen des Central Command der
US-Streitkräfte. Es sind virtuelle Manöver, die mögliche Entwicklungen einer Krise, Gegenmaßnahmen und logistische Anforderungen durchspielen. Sie finden seit den 1980ern im Rahmen des „Central Command“ statt, des US-Kommandostabs für den Nahen und Mittleren Osten, Zentralasien und Ostafrika.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2012)

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12 Kommentare
Gast: Susi S.
14.04.2012 03:33
0 0

Angriff könnte Regime eher stärken/oder gar WW3 auslösen

"Es gibt bestimmte Gruppen im Iran, die einen Militärschlag geradezu herbeisehnen, weil sie die Rettung des Regimes darin sehen. Schon einmal, 1980, hat der Angriff Saddam Husseins auf den Iran das Regime gefestigt."

„Israel könnte den Iran mit seinen 200 Atombomben einfach wegpusten“

Und Iran wäre blöd, von sich aus nuklear anzugreifen. Das wäre Selbstmord.

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Thermonukleare Konfrontation: Warnende Stimmen in den USA mehren sich
15. Januar 2012 • 20:27 Uhr

siehe Absatz 3 :Giraldis Eskalationsszenario

Lasst es nicht soweit kommen, bitte!

Warum der Angriff bald erfolgen wird:

Der Iran ist nicht so schwach wie der Irak oder Afghanistan. Daher wird man nie dann angreifen, wenn der Iran damit rechnet.

Wenn mit den Säbeln gerasselt wird, passiert meist nichts.

So wie es jetzt aussieht, habe ich die grössten Befürchtungen, dass jeden Moment losgeschlagen wird.

Gut, dass sich Widerst


Geister

"1990 änderte Centcom das Szenario und nahm eine Invasion Saudiarabiens und Kuwaits durch Iraks Armee an.

Gespenstischerweise besetzten irakische Truppen am 2. August 1990 plötzlich Kuwait."

Natürlich, "gespenstischerweise"... so wie Japan in Pearl Harbor...

Re: Geister

Ok, für die nicht so belesenen Rotstrichler erkläre ich es:

Vor der Invasion Kuwaits hat sich der Irak bei US-Offiziellen erst grünes Licht geholt. Die wussten also bescheid.

In Pearl Harbor gibt es auch zahlreiche Dokumente, die belegen, dass den USA die japanischen Vorbereitungen bereits aufgefallen sind bzw. sogar Funksprüche abgefangen worden seien, die nichts im Unklaren gelassen hätten.

Gast: schlÄchter
21.03.2012 18:25
1 0

sg herr generalstabschef dempsey!

"Die Militärschläge, so das Kalkül, dürften dem Nuklearprogramm Teherans kaum zusetzen und es um nur eines, bestenfalls drei Jahre zurückwerfen. Zudem hinterließen sie eine dauerhaft kriegerische Lage in der Region."

danke für diese mmn völlig nachvollzihebare und richtige einschätzung, hoffentlich hören die politiker auf sie.

mfg
s.


Gast: r.tiroch@t-online.de
21.03.2012 17:59
2 1

heuchlerei

Was für Heuchler diese generale. Sie warnen vor dem Angriff, aber es versammeln sich 100.000 Soldaten in israel. Wohl zum Kartenspielen? Das Üben von Bomben abwerfen ist nur Darth spielen? Bald wird es heißen, Amerika schießt zurück und muß sein land verteidigen?

Gast: Dieser Gastname kann nicht verwendet werden.
21.03.2012 11:10
1 0

Wirtschaftliche Folgen gravierend

Zu analysieren, welche Folgen ein drastischer(!) Ölpreisanstieg, ausgelöst durch einen solchen Konflikt, samt Sperre der Straße von Hormus auf die globale Wirtschaft/Finanzmärkte und somit auf uns alle hätte, wäre wichtiger.

Was ist wichtiger ?

Ob das Autofahren teurer wird oder ob durch unverantwortliche Kriegstreibereien das Leben von Millionen von Menschen auf's Spiel gesetzt wird ?

1 0

Wie sag ich den Israelis

dass sie zuschlagen sollen, ohne es auszusprechen?
"Eine Attacke Israels hätte eine Verwicklung der USA zufolge!"

Gast: ASVG-Sklave
21.03.2012 06:39
7 0

"Das hätte die Verwicklung der USA zur Folge"

Israel wünscht sich doch nichts mehr als genau das!

Was man hier nicht sagt

ist die Tatsache dass sich die USA solch einen Krieg finanziell kaum noch leisten können und dass Moskau der praktische Sieger dieses Krieges wäre, weil die Russen an zwei Stellen gleichzeitig massiv abkassieren würden (Ölpreisanstieg und Waffenlieferungen an Teheran).

Gast: biersauer
20.03.2012 20:25
3 4

Iran liefert Uran und Erdöl,..-

in Nordkorea wird das Uran zu Atombombe und bezahlt wird mit Erdöl.
Dieses Ringelspiel wurde offenbar garnicht beachtet!

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